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Boden wird mit blauer Frabe gestrichen © Erik Schumann

Chemikalien & Gesundheitsrisiken

Die meisten industriell hergestellten Produkte kommen ohne den Einsatz von Chemie nicht aus. Die enthaltenen chemischen Stoffe können unter bestimmten Bedingungen freigesetzt werden – meist erfolgt dies in sehr geringen Mengen. Ein Beispiel sind die z.B. in PVC-Böden oder Farben enthaltenen Weichmacher (Phthalate). Der Mensch nimmt die freigesetzten Stoffe über die Atmung bzw. mit der Nahrung auf oder kommt über die Haut mit den Chemikalien in Berührung.

Möglicherweise können bestimmte Chemikalien bei einer Langzeitbelastung, z.B. über mehrere Jahre, schon in geringen Mengen eine Rolle bei der Entstehung von gesundheitlichen Problemen spielen. Die Gesundheitsgefahren (akut und chronisch) sind bei manchen Produkten nur unzureichend erforscht. 

Gesetzliche Verbote gelten in der EU bzw. in Österreich für den Einsatz bestimmter gesundheitsgefährdender Chemikalien in bestimmten Produkten, z.B. Phthalate in Spielzeug, Babyartikeln, Farben, Klebstoffen. Expertinnen/Experten vermuten, dass sie zum Anstieg bestimmter chronischer Krankheiten, z.B. Allergien oder Unfruchtbarkeit, beitragen.

Beim Einsatz von Chemikalien am Arbeitsplatz oder im privaten Bereich sind daher Gefahrenpiktogramme und die Sicherheitshinweise zu beachten. Manche chemische Stoffe werden als krebserregend eingestuft, bei diesen ist besondere Vorsicht geboten

Risiken durch Acrylamid

Acrylamid findet in der Industrie Einsatz in unterschiedlichen Anwendungen, wie beispielsweise bei der Herstellung von Polymeren und Papier, als Flockungsmittel im Tunnelbau oder bei der Wasseraufbereitung. Ganz nebenbei entsteht Acrylamid auch beim Braten, Backen und Frittieren von kohlenhydratreichen Lebensmitteln, zum Beispiel Kartoffeln oder beim Toasten von Brot. Acrylamid kann auch in fertigen Lebensmittelprodukten, wie Kartoffelchips, löslichem oder geröstetem Kaffee etc. enthalten sein. Weiters entsteht es beim Tabakrauchen.

Die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen sind derzeit noch nicht vollständig geklärt. In Tierversuchsstudien wurden erbgutschädigende und krebserregende Effekte nachgewiesen.

Risiken durch Bisphenol A

Eine der wichtigsten Chemikalien für die Industrie ist Bisphenol A (BPA), eine potenziell hormonell aktive Substanz. Pro Jahr werden in der EU rund eine Million Tonnen hergestellt. Bisphenol A findet sich in Polykarbonat-Kunststoffen, PVC, Epoxyharzen, -lacken oder in Alltagsprodukten wie Kosmetika, Thermopapier, Mehrwegflaschen, Lebensmittelverpackungen, Aufbewahrungsbehälter und Mikrowellengeschirr aus Kunststoff.

Bereits Neugeborene sind mit dieser Chemikalie belastet. Im menschlichen Körper kann der Stoff wie das weibliche Hormon Östrogen wirken und das Hormonsystem entsprechend beeinflussen. Das kann insbesondere bei Ungeborenen und Kleinkindernzu unerwünschten Auswirkungen führen, die erst im Erwachsenenalter auftreten, da sich ihr Organismus noch in Entwicklung befindet. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine erhöhte BPA-Belastung bei Männern für Unfruchtbarkeit verantwortlich sein kann. In Österreich und in der EU bestehen gesetzliche Verbote für die Verwendung von BPA in bestimmten Produkten, z.B. Plastikbabyflaschen, Schnuller, Beißringe.

Risiken durch Nonylphenol

Die Chemikalie Nonylphenol ist das Ausgangsmaterial zur Herstellung von nicht ionischen Tensiden und wird auch in Kunstharzen und -lacken, Additiven zu Schmierölen und Weichmachern eingesetzt. Die Chemikalie hat östrogene Effekte und kann das Hormonsystem negativ beeinflussen. In Tierversuchen wurde eine Reduktion der Spermienzahl festgestellt. Nonylphenole sind in der EU für bestimmte Verwendungen, bei denen das Stoffgemisch ins Abwasser oder in direkten Kontakt mit dem Menschen kommen kann nicht erlaubt.

Risiken durch Phthalate

Phthalate werden als Weichmacher in Kunststoffen (PVC), z.B. in Fußböden oder Kunststoffverkleidungen, eingesetzt sowie als Zusatzstoff in Farben, Lacken, Dispersionen, Lösungsmitteln, in Textilhilfsmitteln, in Arzneimitteln oder in kosmetischen Präparaten, z.B. in Parfüms, Deodorants, Nagellacken etc. Der Mensch ist der Chemikalie z.B. über die Nahrung, Konsumprodukte, Spielzeug oder Hausstaub ausgesetzt. Besonders gefährdet sind Kinder. Phthalate können das Hormonsystem und die Fortpflanzung negativ beeinflussen und an Entwicklungsschäden beteiligt sein.

Risiken durch Formaldehyd und VOC

Ein großer Teil des produzierten Formaldehyds wird zur Herstellung von Bindemitteln (z.B. für Klebstoffe und Leime) verwendet. Wichtigstes Einsatzgebiet ist das Verleimen von Holzwerkstoffen, z.B. Spanplatten, Sperrholz und Tischlerplatten. Seit 1990 gilt in Österreich, dass nur mehr Holzwerkstoffe der Emissionsklasse E1 verkauft werden dürfen. Auch im Tabakrauch sind beträchtliche Mengen enthalten. Formaldehyd kann Krebs erzeugen.

VOC sind flüchtige organische Verbindungen. Sie werden als Lösungsmittel bei der Herstellung von Möbeln, Textilien, Farben, Lacken und Bodenbelägen verwendet. Je nach Konzentration können sie zu unangenehmen Gerüchen führen oder Gesundheitsprobleme verursachen, z.B. Allergien, Reizung der Schleimhäute, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen.

Weitere Informationen: So halten Sie Ihr Raumklima unbelastet

Risiken durch perfluorierte Tenside (PFT)

Die zu dieser Stoffgruppe zählenden Industriechemikalien verleihen Produkten oberflächenaktive Eigenschaften (z.B. wasser- und fettabweisend). Perfluorierte Chemikalien (PFC) werden z.B. als Antihaftbeschichtung für Töpfe und Pfannen, zur Imprägnierung von Teppichböden, zur Oberflächenveredlung von Möbeln, für wasserabweisende, wetterfeste Textilien oder in der Medizintechnik verwendet. Der Nachteil: Bestimmte perfluorierte Tenside (PFT), vor allem Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), können praktisch nicht abgebaut werden und reichern sich in der Nahrungskette an.

Sie sind mittlerweile weltweit in der Umwelt auch in entlegenen Gebieten verbreitet, reichern sich in der Nahrungskette an und wurden bereits im menschlichen Blut und in der Muttermilch nachgewiesen. Langzeitstudien mit Ratten und Mäusen zeigten, dass bestimmte PFC die Entstehung von Krebs fördern können. Weiters besteht der Verdacht, dass einige PFC die Fruchtbarkeit von Frauen und die männliche Spermienreife negativ beeinflussen können.

Risiken durch Nanotechnologien

Nanomaterialien sind Partikel und Strukturen, die kleiner als 100 Nanometer (nm) sind. Nanomaterialien werden in vielen Bereichen eingesetzt z.B. in Kunststoffen, der Halbleitertechnik, in zielgerichteten Medikamenten, Kosmetik, Textilien oder der Biotechnologie. Mögliche Gesundheitsrisiken können dann ausgelöst werden, wenn die Stoffe aufgrund ihrer geringen Größe in Organe und sogar Zellen eindringen. Dort können z.B. Entzündungsprozesse ausgelöst werden.

Weitere Informationen: Nanomaterialien und Gesundheitsgefahren

Gesetzliche Regelungen und Beschränkungen

In der EU-Gesetzgebung wird der Einsatz von Chemikalien umfassend geregelt. Ziel der Richtlinien ist ein hoher Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt. Für bestimmte Chemikaliengruppen, z.B. Biozide, Pestizide, Arzneimittel und Kosmetika, gelten in der EU eigene gesetzliche Regelungswerke, die in allen Mitgliedsstaaten gleichermaßen gelten. 

Einen besonderen Stellenwert nimmt die europäische Chemikalienverordnung REACH ein. Sie beinhaltet u.a. ein Auskunftsrecht für Konsumentinnen/Konsumenten, die sich informieren möchten, ob ein Produkt besonders besorgniserregende Stoffe enthält.

Weitere Informationen:

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