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Herzluftballons © Andreka Photography
Herzluftballons © Andreka Photography

Die Partnerwahl

Theoretisch ist es möglich, die Partnerin oder den Partner fürs Leben überall zufällig kennenzulernen. Die Partnerfindung hängt jedoch oftmals von der ökonomischen, sozialen und kulturellen Situation ab. Wen man anziehend findet und zu wem man im Laufe der Zeit eine emotionale Verbindung aufbaut sowie aufrechterhält – auf wen die Wahl letztendlich fällt –, wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sowie Einstellungen und Werten beeinflussen beispielsweise Erfahrungen und Erlebnisse aus Kindheitstagen sowie vieles mehr.

Bindungsmuster & Beziehungen

Die persönliche Biografie beeinflusst bei der Partnerfindung, -wahl und in der Partnerschaft entscheidend. Erfahrungen in der Kindheit – beispielsweise durch die Beziehung zwischen Eltern und Kind – können sich auf die Beziehungen im späteren Leben, insbesondere auf die Paarbeziehung auswirken. Es sind jedoch auch Erlebnisse und Erfahrungen in anderen Lebensabschnitten, die hier Einfluss nehmen.

Bindungsmuster aus der Kindheit

Nach der Bindungstheorie des Tiefenpsychologen John Bowlby beeinflussen die frühen Bindungserfahrungen und führen zur Ausbildung eines sogenannten inneren Arbeitsmodells. Geprägt ist dieses Arbeitsmodell beispielsweise durch Erziehung sowie Bindungsverhalten der Eltern, Erziehungsberechtigten und wichtigen Bezugspersonen zum Kind, was zur Ausprägung bestimmter Bindungsmuster führt.

Diese Bindungserfahrungen und -muster aus der Kindheit können sich auf spätere Partner- und Liebesbeziehungen auswirken und auf andere Beziehungen übertragen werden. Vermutlich erinnert man sich so zusagen als Erwachsener an Erfahrungen aus der Kindheit, verwendet sie für spätere Beziehungen und bestimmte Erwartungshaltungen an Partnerin/Partner. Es lassen sich – nach Bowlby ­– grob verschiedene Grundtypen unterscheiden, z.B.:

  • Sicher gebundene Kinder haben ihre frühen Bezugspersonen als verlässlich, unterstützend erlebt, in ihrer Verfügbarkeit als sensibel und kontinuierlich. Im Erwachsenenalter können sie sich selbst und ihre Partnerin/ihren Partner positiv sehen, Nähe zulassen und sich auf Verbindlichkeiten einlassen. Sie können ihre als sicher erlebte Bindungserfahrung aus Kindheitstagen für spätere Beziehungen „nutzen“.
  • Unsicher gebundene Kinder haben durch ihre wichtigen frühen Bezugspersonen zu wenig Bindung erlebt oder diese z.B. als wechselnd zwischen übermäßiger Bindung und abruptem Rückzug erfahren. Als Erwachsene können sie sich einerseits nach einer echten tiefen Bindung sehnen, haben aber andererseits große Angst davor (und vor einer möglichen Enttäuschung), vermeiden z.B. tiefgehende Beziehungen bzw. Intimität zu anderen, zeigen teils starke Autonomie und geringe emotionale Abhängigkeit zu anderen, Eifersucht  etc.

Das Bindungsverhalten ist nicht in Stein gemeißelt, sondern kann sich ändern, beispielsweise wenn durch andere wichtige Bezugspersonen (z.B. Partnerin/Partner, Freundin/Freund) andere Erfahrungen gemacht werden. Ein in der Kindheit erlerntes Beziehungsmuster, das durch wenig Bindung geprägt war, kann sich etwa durch positive Erfahrungen in anderen Beziehungen verändern. Außerdem besteht mit dem Erwachsenwerden und fortschreitender Entwicklung die Möglichkeit, Erfahrungen und Erlebnisse zu überdenken, Rückschlüsse zu ziehen sowie diese umzusetzen und ins Leben zu integrieren. Beziehungen werden auch von der gegenwärtigen Situation beeinflusst, z.B. übermäßigem Stress, der sowohl das Verhalten von unsicher als auch sicher gebundenen Menschen verändern kann etc.

Dafür kann unter Umständen die Unterstützung von Ärztinnen/Ärzten bzw.  Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten nötig sein. Weitere Infos finden Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Ähnlichkeit, Gelegenheit & Werte

Zu den beeinflussenden Faktoren zählt außerdem beispielsweise:

  • Ähnliches & Gegensätze. Viele lernen Partnerinnen und Partner kennen, die ein ähnliches Alter haben, einer ähnlichen sozialen oder der gleichen sozialen Schichte bzw. dem gleichen kulturellen Kreis angehören sowie eine ähnliche Bildung aufweisen. Ähnlichkeiten bei Einstellungen können sich vor allem beim Kennenlernen als günstig erweisen – und in späterer Folge einer Paarbeziehung zu Stabilität verhelfen. Jedoch: Auch Unterschiede haben ihren Reiz. Partnerinnen und Partner mit konträren Eigenschaften und Charakteren können daher ebenfalls eine Anziehung aufeinander haben.
  • Gelegenheiten & Zeitpunkt. Wen man kennenlernt, hängt nicht zuletzt davon ab, in welchem sozialen Umfeld man sich bewegt, an welchen Orten man sich aufhält und welche Gelegenheiten man wahrnimmt, um jemanden kennenzulernen. Heute haben sich die Möglichkeiten erweitert, beispielsweise durch das Kennenlernen via Internet oder durch Studienaufenthalte im Ausland.
  • Attraktivität, Werte & Einstellungen. Ob man jemanden körperlich anziehend findet oder nicht, spielt zumindest beim Kennenlernen und der Frage des Wiedersehens eine erhebliche Rolle. Übereinstimmungen bei Werten und Erwartungen sowie ob die „inneren Werte“ gefallen, wird meist im Laufe der Zeit von den Paaren abgeglichen. Wesentlich ist außerdem, welche Bedeutung bestimmten Eigenschaften bzw. Merkmalen wie etwa Intelligenz, moralische Integrität, Bindungsfähigkeit, Verlässlichkeit, gegenseitige Anziehung, angenehmes Wesen, Alter oder körperliche Attraktivität etc. gegeben wird. Zudem ist nicht unwesentlich, dass sich Vorstellungen von einer Paarbeziehung auch gemeinsam entwickeln. Ist beispielsweise eine/einer der beiden für eine langfristige Beziehung mit Kindern, die/der andere nicht, kann dies die Beziehung gefährden.

Verhaltensweisen & Vorbilder

Wesentlich sind zudem unter anderem:

  • Geschlechterrollen. In der Kindheit Erlerntes wie beispielsweise Bindungsmuster, traditionelle Geschlechterrollen oder bestimmte Verhaltensweisen spielen eine Rolle bei der Partnerwahl.
  • Vorbilder & Vergleiche. Die Paarbeziehung von Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten dient oft als Orientierung für die eigene Partnerschaft. Außerdem beeinflussen die selbst erlebten Paarbeziehungen die zukünftigen und bieten einen Vergleichswert. Das Rollenbild in der Partnerschaft wird überdies auch von Medien (Film, Zeitschriften etc.) geprägt.
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