Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Paar hält sich an der Hand © Sergey Nivens

Bindungsmuster & Beziehungen

Die persönliche Biografie beeinflusst bei der Partnerfindung, -wahl und in der Partnerschaft entscheidend. Erfahrungen in der Kindheit – beispielsweise durch die Beziehung zwischen Eltern und Kind – können sich auf die Beziehungen im späteren Leben insbesondere auf die Paarbeziehung auswirken. Es sind jedoch auch Erlebnisse und Erfahrungen in anderen Lebensabschnitten, die hier Einfluss nehmen . . .

Bindungsmuster aus der Kindheit

Nach der Bindungstheorie des Tiefenpsychologen John Bowlby beeinflussen die frühen Bindungserfahrungen und führen zur Ausbildung eines sogenannten inneren Arbeitsmodells. Geprägt ist dieses Arbeitsmodell beispielsweise durch Erziehung sowie Bindungsverhalten der Eltern, Erziehungsberechtigten und wichtigen Bezugspersonen zum Kind, was zur Ausprägung bestimmter Bindungsmuster führt.

Diese Bindungserfahrungen und -muster aus der Kindheit können sich auf spätere Partner- und Liebesbeziehungen auswirken und auf andere Beziehungen übertragen werden. Vermutlich erinnert man sich sozusagen als Erwachsener an Erfahrungen aus der Kindheit, verwendet sie für spätere Beziehungen und bestimmte Erwartungshaltungen an Partnerin/Partner. Es lassen sich verschiedene Grundtypen unterscheiden, z.B.:

  • Sicher gebundene Kinder haben ihre frühen Bezugspersonen als verlässlich, unterstützend erlebt, in ihrer Verfügbarkeit als sensibel und kontinuierlich. Im Erwachsenenalter können sie sich selbst und ihre Partnerin/ihren Partner positiv sehen, Nähe zulassen und sich auf Verbindlichkeiten einlassen. Sie können ihre als sicher erlebte Bindungserfahrung aus Kindheitstagen für spätere Beziehungen „nutzen“.
  • Unsicher gebundene Kinder haben durch ihre wichtigen frühen Bezugspersonen zu wenig Bindung erlebt oder diese als wechselnd zwischen übermäßiger Bindung und abruptem Rückzug erfahren. Als Erwachsene können sie sich einerseits nach einer echten tiefen Bindung sehnen, haben aber andererseits große Angst davor (und vor einer möglichen Enttäuschung), vermeiden z.B. tiefgehende Beziehungen bzw. Intimität zu anderen, zeigen teils starke Autonomie und geringe emotionale Abhängigkeit zu anderen.

Bindung in der Partnerschaft

Das Bindungsverhalten ist jedoch nicht in Stein gemeißelt, sondern kann sich ändern, beispielsweise wenn durch andere wichtige Bezugspersonen (z.B. Partnerin/Partner, Freundin/Freund) andere Erfahrungen gemacht werden. Ein in der Kindheit erlerntes Beziehungsmuster, das durch wenig Bindung geprägt war, kann sich etwa durch positive Erfahrungen in anderen Beziehungen verändern. Außerdem besteht mit dem Erwachsenwerden und fortschreitender Entwicklung die Möglichkeit, Erfahrungen und Erlebnisse zu überdenken, Rückschlüsse zu ziehen sowie diese umzusetzen und ins Leben zu integrieren.

Dafür kann unter Umständen die Unterstützung von Ärztinnen/Ärzten bzw. Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten nötig sein. Weitere Infos finden Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse