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Schulkinder lachen Mitschülerin aus © pressmaster

Bullying (Mobbing) & Gewalt in der Schule

Als wichtige Kriterien des Schulklimas gelten neben der Qualität der Lehr- und Lernprozesse und den allgemeinen Rahmenbedingungen einer Schule die körperliche und psychische Sicherheit sowie positive Beziehungen innerhalb der Schule. Dementsprechend kommt auch der Vorbeugung von Gewalt und Bullying eine wichtige Rolle zu. Mobbing und Bullying bedeuten das gleiche, wobei „Bullying“ die in der Wissenschaft gebräuchlichere Bezeichnung für Mobbing in der Schule ist.

Gewalt tritt in verschiedenen Formen auf und kann unterschiedliche Folgen haben. Doch sie darf nicht einfach hingenommen werden. Durch richtiges Verhalten und rechtzeitiges Einschreiten können aggressive Handlungen, Gewalt und Bullying vermieden, gestoppt oder zumindest verringert werden. Ob direktes Eingreifen, Unterstützung durch Lehrpersonen, Mitschülerinnen/Mitschüler oder Aufstellen von Verhaltensvereinbarungen in Schulklassen: Was getan werden kann/muss, ist von der jeweiligen Situation abhängig. Wer gut informiert ist, kann die Situation besser einschätzen! Lehrkräfte haben die Verantwortung, auf die körperliche Sicherheit und Gesundheit der ihnen anvertrauten Schülerinnen/Schüler zu achten, und haben auch Vorbildwirkung. 

Arten von Gewalt und Bullying

Gewalt in der Schule äußert sich unterschiedlich und nicht nur in Form körperlicher Kraft oder Macht gegen andere. Blaue Flecken und Verletzungen wie Platzwunden im Gesicht sind manchmal offensichtliche Zeugen. Aber auch psychische Gewalt, sexualisierte Gewalt sowie rassistische Übergriffe kommen vor. Für Mobbing werden auch das Internet sowie Smartphones eingesetzt. Eine besondere Form der Gewalt stellt das indirekte/relationale Bullying dar, das in unterschiedlicher Art und Weise auftreten kann, z.B. durch Verbreiten von Gerüchten, Ausgrenzen etc. – oftmals von Erwachsenen unbemerkt.

Was ist Mobbing?

Konkret versteht man unter Mobbing in der Schule herabsetzende und ausgrenzende Handlungen. Diese richten sich systematisch und dauerhaft gegen einzelne Schülerinnen/Schüler. Die Betroffenen werden beschimpft, tyrannisiert und vor allem ausgegrenzt. Mobbing reicht bis zu Drohungen oder Erpressung und Schlägen. Die Mobberin/der Mobber versucht meist, sich durch diese Handlungen Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verschaffen. Sie/er möchte sich „groß“ fühlen. Neben „Täter“ und „Opfer“ gibt es auch Personen, die dabei zuschauen, wegschauen oder so tun, als ob das alles gar nicht so schlimm sei. Manchmal gibt es zeitgleich mehrere Täter als Gruppe (bzw. mehrere Opfer). So ein Verhalten erleichtert Mobbing. Es gibt aber auch Menschen, die helfen und nicht einfach zusehen.

Folgen von Mobbing

Auf Dauer wirken sich derartige Handlungen nicht nur negativ auf schulische Leistungen und auf das Klassenklima aus, sondern sie belasten die Betroffenen, schwächen ihr Selbstwertgefühl und schränken ihre Handlungsfähigkeit ein. Sie können ernst zu nehmende Folgen für die (psychische) Gesundheit haben. Bei Betroffenen treten beispielsweise Schlafstörungen, Stress- und Belastungssymptome wie Nervosität, Anspannung und Reizbarkeit auf. Mobbing hat sowohl für Täterinnen/Täter als auch für Oper langfristige Folgen. Es kommt nicht nur unter Schülerinnen/Schülern vor, sondern auch zwischen Lehrerinnen/Lehrern und Schülerinnen/Schülern sowie innerhalb des Lehrerteams.

Gewalt und Bullying an österreichischen Schulen

Die Health Behaviour in School-aged Children Study (HBSC-Studie) ist die größte europäische Kinder- und Jugendgesundheitsstudie. Die Erhebung findet in bestimmten Abständen wiederholt statt. Die hier vorliegenden Ergebnisse beziehen sich auf das Datenset 2009/2010. In der Studie werden verschiedene Kennzahlen für aggressives Verhalten von 11-, 13-, 15- und 17-jährigen Schülerinnen/Schülern, z.B. die Beteiligung an Raufereien oder Bullying von und an Mitschülerinnen/Mitschülern, erhoben.

Etwa zwei Drittel waren laut eigenen Angaben an keiner Rauferei im letzten Jahr vor der Befragung beteiligt. Am häufigsten waren Jungen im Alter von 13 Jahren in zumindest eine Rauferei verwickelt. Bei den Mädchen waren das am häufigsten die 15-Jährigen. Bei beiden Geschlechtern sind allerdings die Beteiligungsraten nur wenig altersabhängig. 

57,7 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler berichten, in den letzten paar
Monaten vor der Befragung kein Bullying ausgeübt zu haben. Dieser Anteil ist bei Mädchen höher als bei Burschen. Mehr als ein Drittel geben an, in dieser Zeitspanne Opfer von Bullying-Attacken gewesen zu sein. Auch unter den Opfern finden sich etwas mehr Burschen. Am häufigsten sind Mädchen und Jungen im Alter von 13 Jahren betroffen. Mädchen sind häufiger ausschließlich Opfer von Bullying (18,3 Prozent, Jungen 15,0 Prozent). Umgekehrt waren Burschen häufiger nur Täter (25,6 Prozent) oder sowohl Täter als auch Opfer (28,9 Prozent) als Mädchen (16,2 Prozent bzw. 14,7 Prozent). Sowohl bei der psychischen Gesundheit als auch der Beschwerdelast und der Lebenszufriedenheit schneiden jene befragten Schülerinnen/Schüler deutlich besser ab, die berichten, in den letzten Monaten nie Opfer von Bullying-Attacken gewesen zu sein.

Gewalt und Mobbing vorbeugen

Gewaltprävention soll der Entstehung von Gewalt vorbeugen bzw. diese reduzieren. Dafür sind Maßnahmen auf Ebene der Institution und Lebenswelt Schule, im sozialen System der Klasse sowie Maßnahmen für Einzelne notwendig. Die Schule selbst leistet zur Gewaltprävention ebenso einen Beitrag wie beispielsweise Eltern und Schülerinnen/Schüler. Präventive Maßnahmen (z.B. gewaltfreie Schulkultur, Pausengestaltung, soziales Lernen) setzen eine gute Kommunikationsbasis voraus und müssen langfristig angelegt werden.

Ein großer Anteil von Schulen führt bereits routinemäßig Maßnahmen durch, um bei Schülerinnen und Schülern Kompetenzen zur Prävention von Gewalt und Bullying aufzubauen (z.B. Ausbildung von Schülerinnen/Schülern zu Peer-Mediatorinnen/Mediatoren zur Konfliktvermittlung). Auch weitere Maßnahmen sind künftig vorgesehen. Wie bei anderen Teilbereichen der schulischen Gesundheitsförderung auch ist die Unterstützung der Schulleitung besonders wichtig – aber auch die Unterstützung sowie Aus- und Fortbildung der Pädagoginnen/Pädagogen. Eine wesentliche Rolle spielen außerdem die Initiative der Eltern sowie die Unterstützung durch Expertinnen und Experten (z.B. Schulpsychologinnen und Schulpsychologen).

Durch vorbeugende Maßnahmen können im Idealfall aggressives und gewalttätiges Verhalten bzw. Vorfälle verhindert werden, bevor sie überhaupt das erste Mal auftreten. Aber auch das Reduzieren solcher Verhaltensweisen ist möglich. Präventive Maßnahmen sind oftmals auch nach gewalttätigen Vorfällen notwendig. Weitere Informationen zur Gewaltprävention sowie zur „Generalstrategie Gewaltprävention“ bietet die Website Schulpsychologie-Bildungsberatung.

Tipp: Jugendliche können ihr Wissen zum Thema Gewalt und Prävention auf feel-ok.at z.B. unter Stoppt Gewalt oder Opfer testen.

Was kann ich tun, wenn mich jemand in der Schule mobbt?

Wichtig zu wissen ist: Jede/jeder kann von Mobbing betroffen sein. Meist hört es nicht einfach von alleine auf. Daher ist es wichtig, Hilfe zu suchen. Rat auf Draht hat einige Tipps im Umgang mit Mobbing zusammengestellt, u.a.:

  • Mobbing ist kein Spaß! Zeige deutlich, dass du das nicht lustig findest.

  • Zeige gewaltfrei, dass du dir nicht alles gefallen lässt. Suche dir vor allem Unterstützung (z.B. in der Klasse, bei einer gleichaltrigen sogenannten Peer-Mediatorin/einem Peer-Mediator, bei einer Lehrerin/einem Lehrer oder bei der Schulpsychologin/dem Schulpsychologen, bei deinen Eltern). Du musst diese verzwickte Lage nicht alleine lösen, das ist auch zu schwierig. Je mehr in einer Klasse deutliche Signale gegen Mobbing senden, desto schwieriger wird es, jemanden zu mobben. Du bist keine „Petze“, wenn du mit jemandem über diese ernst zu nehmenden Probleme sprichst. 

  • Führe ein Mobbing-Tagebuch: Schreibe alles auf, was passiert ist und wer aller dabei war. So kannst du die Vorfälle dokumentieren. Das hilft dir auch, um jemand anderem zu erzählen, was passiert ist. Du kannst natürlich auch positive Erlebnisse in dein Tagebuch schreiben. Damit du wieder Mut findest.

  • Achte gut auf dich! Manchmal ist alles recht viel, und weitere Konflikte kosten zu viel Kraft. Halte dich dann möglichst an einem Platz auf, an dem du geschützt bist, z.B. in der Nähe einer Lehrerin/eines Lehrers.

Nähere Infos gibt es auf der Website von Rat auf Draht.

Was kann ich tun, wenn jemand anderer gemobbt wird?

Generell ist bei Gewaltakten in der Schule eines wichtig: Handeln. Erwachsene, die hinsehen, die Situation ernst nehmen und nachfragen, haben bereits einen wichtigen Schritt getan. Auch Kinder und Jugendliche können ihre Mitschülerinnen/Mitschüler unterstützen. Sowohl die Opfer von Gewalt und Mobbing als auch jene Mitmenschen, die diese Vorfälle bemerken, können zudem Hilfe suchen, z.B. über Eltern, Lehrerinnen/Lehrer, Vertrauenslehrerin/Vertrauenslehrer, Schulpsychologinnen/Schulpsychologen und im Freundeskreis.

Unterstützung suchen

Man sollte sich genau erkundigen, was im Falle von Mobbing zu tun ist und welche Verhaltensmaßnahmen nicht hilfreich sind. Dabei unterstützen etwa Beratungslehrerinnen/Beratungslehrer oder SchulpsychologInnen/Schulpsychologen. Ob direktes Eingreifen durch Lehrpersonen, Unterstützung durch Mitschülerinnen/Mitschüler oder Aufstellen von Verhaltensvereinbarungen in Schulklassen: Was getan werden kann/muss, ist von der jeweiligen Situation abhängig. Wer gut informiert ist, kann jedoch die Situation besser einschätzen und entsprechend handeln. Wichtig ist zudem, mit Betroffenen zu besprechen, welche Schritte gesetzt werden.

Eine Schülerin/ein Schüler, die/der Gewalt erfährt, muss zudem sofort Hilfe durch Lehrkräfte erhalten. Schülerinnen/Schüler haben das Recht, sich in der Schule sicher zu fühlen. Wenn Lehrkräfte Gewalt und Mobbing ignorieren, wird dies als indirekte Unterstützung der Gewalt wahrgenommen. Nähere Informationen finden Sie im Leitfaden „Mobbing an Schulen. Ein Leitfaden für die Schulgemeinschaft im Umgang mit Mobbing“ des Bildungsministeriums.

Auf der Website der Schulpsychologie – Bildungsberatung sind Informationen zu Gewaltformen, zur Frage „Was kann ich tun?“ sowie Adressen und hilfreiche Links angeführt.

Hilfestellungen erhalten Kinder und Jugendliche außerdem über

Familienberatungsstellen bieten ebenfalls Informationen und Hilfestellung.

Tipps und Kontaktadressen im Fall von Gewalt (nicht nur im schulischen Umfeld) sind auf www.help.gv.at zu finden.

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