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Jugendlicher am Notebook © olly
Jugendlicher am Notebook © olly

Jugendliche & Neue Medien

Kinder und Jugendliche kommen immer früher mit digitalen, vernetzten Medien, wie z.B. Computer, Tablets und Smartphones, in Kontakt. Es geht dabei nicht immer nur um Unterhaltung und Zeitvertreib, sondern auch um Alltag und Schule. Mit Maß und Ziel eingesetzt, können sie Fertigkeiten vermitteln, die im späteren Leben wichtig sind, z.B. in Bezug auf Informationsbeschaffung und Kommunikation. Das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Medien, wie das Herausfiltern seriöser Informationen, ist dafür jedoch notwendig. Darüber hinaus können empfehlenswerte und altersgerechte Konsolen-, Online- und Computerspiele, die sinnvoll eingesetzt werden, die Entwicklung unterstützen: Reaktionsvermögen, Augen-Hand-Koordination, logisches Denken, Raumvorstellung, Geschicklichkeit, Teamfähigkeit u.v.m. können positiv beeinflussen werden.

Das virtuelle Tor zur Welt

Noch vor wenigen Jahren waren CD, DVD und Video abwechslungsreiche Lernutensilien zum herkömmlichen Unterricht. Heute haben Computer, Notebook und Internet im Bereich des Lernens und im Alltag von Schulen einen anderen Stellenwert. Ob Text, Video etc. – das „world wide web“ bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten, das Lernen spannender, abwechslungsreicher und motivierender zu gestalten und den Wissensdrang zu stillen. Für die Hausaufgabe und den durchgemachten Stoff kann unter anderem im Internet weiterrecherchiert werden.

Genutzt werden diese jedoch auch in der Freizeit für Spiel, Spaß und Erholung. Computer-, Konsolen-, Online-Spiele, Chatrooms und soziale Netzwerke oder Portale sind nur einige der liebsten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen.

Medienkompetenz vermitteln

Die Neuen Medien bringen bei allen Möglichkeiten und Vorteilen auch eine Vielzahl an Gefahren mit sich. Neben Cybermobbing, Datenmissbrauch oder anderen kriminellen Machenschaften kann sich bei der Userin/beim User eine exzessive Nutzung bis hin zu einer Abhängigkeit entwickeln, die die Betroffenen und ihr Umfeld stark einschränkt. Dominieren z.B. im Leben vermehrt Tätigkeiten an Computer, Spielkonsole, Handy und Co., tun sich Schattenseiten auf. Etwa wenn das reale Leben immer mehr ins Hintertreffen gerät und Familie, Freunde und schulische Verpflichtungen vernachlässigt werden. Hat man den Konsum nicht mehr unter Kontrolle, ist man sozusagen „süchtig“.

Um dem gegenzusteuern, sollte Kindern und Jugendlichen bereits früh ein verantwortungsvoller und risikobewusster Umgang mit derartigen Medien näher gebracht und Medienkompetenz vermittelt werden. Dazu gehört auch, den Kindern eine möglichst große Vielfalt an alternativen Erlebnisräumen und Möglichkeiten für Erfolgserlebnisse anzubieten – ohne jedoch damit „Freizeitstress“ und Druck aufzubauen. Hier sind insbesondere Eltern, Großeltern, Lehrerschaft, aber auch (ältere) Geschwister sowie der Freundeskreis gefordert. 

Was ist Medienkompetenz?

Medienkompetenz bedeutet, die Vielzahl der Medien, neue sowie alte, nutzen zu können und deren verschiedene Anwendungsmöglichkeiten zu kennen. Eine medienkompetente Benutzerin/ein medienkompetenter Benutzer (er-)kennt mögliche Gefahren und kann mit diesen umgehen. Außerdem setzt man sich mit den Inhalten und Möglichkeiten kritisch auseinander und ist vorsichtig (Definition Medienkompetenz nach Medien-Jugend-Info, BKA/Jugend).

Beliebteste Tätigkeiten im Internet

Der Jugend-Internet-Monitor wird jährlich vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführt und untersucht das Internet-Verhalten Jugendlicher (2021, 11-17 Jahren). Ihm zufolge sind nach wie vor soziale Netzwerke gefragt, besonders Kanäle wie „WhatsApp“ (Platz 1), „YouTube“ (Platz 2), das Bilder-Netzwerk „Instagram“ (Platz 3) oder die Foto-Sharing-App „Snapchat“ (Platz 4). Der Jugend-Internet-Monitor 2021 listet „Facebook“ auf Platz 7, die Video-App „Tik Tok“ auf Platz 5.

Deutlich wurden beim Jugend-Internet-Monitor 2021 auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: So werden „Tik Tok“ und „Pinterest“ mehr von Mädchen genutzt. Bei Mädchen und Jungs sind etwa „WhatsApp“ und „YouTube“ ungefähr gleichauf. Die Video-Plattform für Computerspieler/-innen „Twitch“ wird häufiger von männlichen Jugendlichen besucht. Bei Jugendlichen beliebt: Videostreaming-Plattformen wie „Netflix“ und Musik-Plattformen. Mehr Informationen erhalten Sie unter Jugend-Internet-Monitor.

Bereits süchtig?

Der Übergang vom normalen Computer- und Internet-Konsum hin zu bedenklichem Verhalten und Abhängigkeit – geläufig unter Computer- und Internet-Sucht – ist fließend. Nicht jede oder jeder, die/der mit Euphorie eine neue Website entdeckt hat und aus dem Surfen nicht mehr rauskommt, sehr oft in und mit sozialen Medien kommuniziert oder sich besonders in ein neues Spiel vertieft, ist gleich süchtig und ein Grund zur Besorgnis. Vielmehr geht es darum, das Verhalten langfristig zu beobachten, den Konsum in einem bestimmten Rahmen zu halten und rechtzeitig Probleme und Warnzeichen zu erkennen, anzusprechen und gegenzusteuern. Es kommt auch darauf an, „was“ online getan wird. So ist das Internet ein wichtiger Kommunikationskanal für Freundschaften (auch reale), stundenlange Online-Nutzung ist nicht gleichbedeutend mit Vereinsamung.

Warnsignale problematischen Verhaltens

Manche Eltern suchen Unterstützung in Checklisten und Fragebögen im Internet, um Warnsignale für eine exzessive Nutzung des Computers zu erkennen. Die tatsächliche Bewertung, ob es sich um ein problematisches oder gar „krankhaftes“ Verhalten handelt, kann letztlich nur die Expertin/der Experte treffen. Eine erste Orientierung ist jedoch durchaus möglich. Sollten Sie einige der untenstehenden Aussagen bejahen und am Computer- und Internet-Konsum Ihres Kindes oder an Ihnen selbst wiedererkennen, ist Vorsicht angesagt, denn erste bedenkliche Verhaltensweisen sind möglicherweise bereits sichtbar.

Vielleicht sind die beobachteten Probleme in Wahrheit zwar ganz unabhängig von der Computernutzung und „nur“ Ausdruck der Pubertät – zögern Sie jedoch nicht, professionelle Hilfe bei z.B. Familienberatungsstellen in Anspruch zu nehmen. Es ist allemal besser, beruhigt nach Hause zu gehen, als ernsthafte Probleme zu übersehen!

  • Das Kind verbringt immer mehr Zeit am Rechner und/oder im Internet. Es hat keinen Überblick mehr, wann es begonnen hat, wie lange es schon spielt/surft, und kann nicht aufhören.
  • Der Computer bzw. das Internet dominieren die Gefühle, Gedanken und das Verhalten Ihres Kindes, es „lebt in einer anderen Welt“.
  • Das Kind ist öfters traurig, gestresst oder aggressiv und benutzt den Computer bzw. das Internet, um diese negativen Gefühle abzubauen. Hier ist zu beachten, dass bedenkliche Mediennutzung einen Hinweis auf Probleme geben kann, nicht aber unbedingt Ursache der Probleme sein muss.
  • Aggressivität, Frust und Ungeduld stellen sich ein, wenn kein Computer zur Verfügung steht oder man beim Spielen/Surfen stört.
  • Hobbys und Tätigkeiten des realen Lebens wie Musizieren, Lesen, Fußballspielen etc. verlieren an Bedeutung und machen weniger Freude.
  • Sie haben den Eindruck, dass virtuelle Freundschaften wichtiger sind als jene im echten, realen Leben. Treffen mit anderen Kindern werden immer seltener.
  • Sie haben bereits versucht, den Computerspiel- und Internet-Konsum einzuschränken, sind jedoch am Widerstand gescheitert.

Quelle: Nach Broschüre Online sein mit Maß und Spaß (BZgA)

Was können Eltern tun?

Um einen vernünftigen Computerkonsum Ihres Kindes zu erreichen, können z.B. folgende Anregungen hilfreich sein: 

Klare Regeln und Zeitvorgaben aufstellen

Treffen Sie mit Ihrem Kind Vereinbarungen, wie es Computer, Internet & Co. nutzen darf. Unbedingt sollte das Kind in diesen Entscheidungsprozess mit eingebunden werden, und die Regeln sollten sich auf konkrete Probleme beziehen, wie z.B. „Erst die Hausübung fertigstellen, dann spielen.“ Frontale, strenge Vorgaben oder Verbote bewirken eher Unverständnis und Widerstand. Es gilt der Grundsatz: So viele Regeln wie nötig, so wenige wie möglich! 

Medientagebuch führen

Um den Überblick über den Computer- und Internet-Konsum Ihres Kindes oder eventuell über Ihr eigenes Verhalten zu bewahren, kann das Führen eines Medientagebuchs hilfreich sein. Darin werden u.a. Zeiten, Aktivitäten eingetragen. Das kleine Büchlein oder die Liste sollte immer beim Rechner liegen.

Interesse und Aufgeschlossenheit zeigen

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine liebsten Aktivitäten am Rechner oder im Internet. Lassen Sie sich Websites, Spiele etc. zeigen. Mitunter bringt Ihnen Ihr Sprössling auch noch so manches bei. Interesse und Aufgeschlossenheit verbessern das Vertrauensverhältnis und die Gesprächsbasis.

Sorgen und Bedenken ansprechen

Haben Sie Sorgen oder Bedenken über den Inhalt der Lieblingswebsites, -foren, -spiele etc. Ihres Kindes, sollten Sie diese äußern und besprechen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Bedenken auch begründen. Fragen Sie nach, z.B. was das für ein Spiel ist und warum es so spannend ist. Bemühen Sie sich um eine gute Gesprächs- sowie Vertrauensbasis. Allerdings sollten Sie Problemen nicht aus dem Weg gehen, wegsehen oder Anliegen unausgesprochen lassen. Die Zeit des Erwachsenwerdens ist eine Zeit, in der Konflikte und Diskussionen auch lautstark werden können. Jugendliche erleben eine Phase, die u.a. hinsichtlich Einordung von Gefahren, Orientierung, Meinungsbildung, Persönlichkeitsentwicklung und Medienkompetenz wesentlich ist und bei der sie Unterstützung brauchen. Nehmen Sie gegebenenfalls Hilfe in Anspruch, z.B. bei Familienberatungsstellen.

Alternativen anbieten

Es macht keinen Sinn, wenn Sie nur schimpfen und Verbote aussprechen. Stattdessen ist es zielführender, Alternativen anzubieten. Wenig Sinn macht es auch, wenn Sie selbst ein schlechtes Vorbild sind und z.B. Abend für Abend fernsehen anstatt zu lesen oder sich mit anderen zu unterhalten. Alternativen wären z.B. Vereinbarungen über medienfreie Familiennachmittage und -abende, an denen z.B. gemeinsam ein Brettspiel gespielt, ein Theater oder Konzert besucht wird. 

Altersgerechte, empfohlene Spiele bevorzugen

Um sicherzugehen, dass Ihr Nachwuchs auch empfehlenswerte und altersgerechte Spiele downloadet, kauft bzw. geschenkt bekommt, können Sie sich bei der Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen einen Überblick zu aktuell erhältlichen Games verschaffen  ( BuPP, ein Serviceangebot des BKA).

Weitere Informationen erhalten Sie unter Spiele-Empfehlungen (BuPP).

Kennzeichnungen wie das PEGI-Alterssymbol geben zudem Auskunft zu problematischen Inhalten eines Spiels, wie z.B. zu Drogen, Diskriminierung, Angst, Sex, Gewalt (PEGI, Pan European Game Information). Weitere Informationen erhalten Sie unter  www.pegi.info.


Filter- und Schutzprogramme installieren

Derartige Programme bieten Schutz und geben Rahmenbedingungen vor. Es können z.B. Positivlisten erstellt werden, mit denen nur auf vorher festgelegten Sites gesurft werden kann. Oder es werden explizit bestimmte Seiten, z.B. mit bedenklichen sexuellen oder gewalttätigen Inhalten, gesperrt. Manche Programme bieten auch Zeitfilter. Je älter allerdings die Kinder, desto weniger effizient sind diese Programme – kein System ist perfekt, und jede Software lässt sich umgehen. Werden Filter- und Schutzprogramme verwendet, sollte parallel dazu die Medienkompetenz und die Eigenverantwortung des Kindes gestärkt werden. 

Beratung & Hilfe

Bemerken Sie als Elternteil, Lehrperson oder du als Schwester/Bruder, Freundin/Freund gehäuft Anzeichen bedenklichen Computerkonsums oder fallen Ihnen/dir Veränderungen im Verhalten auf, sollte dies unbedingt behutsam angesprochen werden. Rat und professionelle Hilfe bieten zahlreiche Informationsportale, Broschüren und Beratungsstellen.

Auch wenn du selbst das Gefühl hast, dein Internet- und Computerkonsum frisst dich auf und deine Gedanken kreisen nur noch um das Internet, ein Computerspiel etc., kannst du dich an diverse Beratungsstellen wenden. Die Menschen dort haben tagtäglich mit derartigen Problemen zu tun, du bist kein Einzelfall und musst dich deswegen auch nicht schämen. 

Weitere Informationen unter


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