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Liquorzytologie (LIQUORZYTO)

Bei der Liquorzytologie handelt es sich um die mikroskopische Untersuchung von Zellen in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Die Liquorzytologie ist eine einfache und kostengünstige diagnostische Methode zur Abklärung krankhafter Prozesse im Bereich des zentralen Nervensystems (Gehirn und/oder Rückenmark).

Warum wird eine LIQUORZYTO-Untersuchung durchgeführt?

Unter dem sogenannten Liquor versteht man die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis), in die das zentrale Nervensystem (ZNS – bestehend aus Gehirn und Rückenmark) quasi schwimmend eingebettet ist.

Zu den Hauptfunktionen des Liquors zählen

  • Schutz des ZNS vor Stoß und Druck von außen,
  • Ernährung des ZNS und Abfuhr von Stoffwechselprodukten sowie
  • Aufrechterhaltung eines optimalen biochemischen Milieus für das ZNS.

Bei bestimmten (v.a. neurologischen) Erkrankungen kann eine Untersuchung des Liquors erforderlich sein. Die Entnahme von Liquor erfolgt meist durch eine sogenannte Lumbalpunktion (zwischen 3./4. oder 4./5. Lendenwirbelkörper).

Im medizinischen Labor erfolgt schließlich die Untersuchung des Liquors. Dabei werden die folgenden diagnostischen Schritte durchgeführt:

  • Beurteilung des Aussehens (Makroskopie) des Liquors (Farbe, Trübung etc.),
  • Ermittlung der Zellzahl (rote und v.a. weiße Blutkörperchen im Liquor),
  • Liquorzytologie (Ermittlung des Differenzialzellbildes),
  • klinisch-chemische Untersuchung des Liquors (Messung von Glukose, Laktat, Eiweiß etc. im Liquor).

Bei der Liquorzytologie handelt es sich um die mikroskopische Untersuchung von Zellen in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Die Liquor-Zytologie ist eine einfache und kostengünstige diagnostische Methode zur Abklärung krankhafter Prozesse im Bereich des ZNS.

Die wichtigste Aufgabe der Liquorzytologie ist die Ermittlung eines sogenannten Differenzialzellbildes. Dabei wird v.a. das relative Verhältnis der weißen Blutkörperchen zueinander im Liquor ermittelt.

Darüber hinaus können neben den weißen Blutkörperchen aber auch andere Zellarten und Strukturen im Liquor gefunden werden, die im Rahmen von gutartigen bzw. bösartigen Erkrankungen im Liquor vorkommen können. Dazu zählen etwa:

  • Hämatoidinkristalle – diese entstehen durch den Abbau des roten Blutfarbstoffes im Gewebe (z.B. nach Gehirnblutungen);
  • Bakterien und Pilze (z.B. im Rahmen einer Gehirnhautentzündung);
  • Zellen von malignen Lymphomen (das sind bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems);
  • Tumorzellen von Gehirnmetastasen u.v.m.

Wie funktioniert eine LIQUORZYTO-Untersuchung?

Die Gewinnung von Liquor erfolgt meist durch eine sogenannte Lumbalpunktion (zwischen 3./4. oder 4./5. Lendenwirbelkörper).

Die Verarbeitung des Untersuchungsmaterials für die Liquorzytologie erfolgt in einem zytologischen Speziallabor. Hier ist bei der Verarbeitung des zellhaltigen Materials besondere Sorgfalt sowie große Erfahrung notwendig. Darüber hinaus ist auch eine möglichst rasche Aufarbeitung wichtig, da die Zellen im Untersuchungsmaterial nicht unbegrenzt haltbar sind, sondern mit der Zeit zugrunde gehen.

Für die eigentliche zytologische Begutachtung wird der Liquor mittels einer speziellen Zytozentrifuge konzentriert und auf einen Objektträger (ein dünnes Glasplättchen) aufgebracht. Anschließend erfolgt die Färbung des Untersuchungsmaterials, wobei die folgenden Standardfärbungen zum Einsatz kommen:

  • Färbung nach May-Grünwald-Giemsa (MGG) sowie
  • Färbung nach Papanicolaou (PAP).

Für bestimmte medizinische Fragestellungen können in weiterer Folge auch Spezialfärbungen (für Fett, Eisen, Bakterien etc.) sowie immunzytochemische Färbungen (zur exakten Abklärung unterschiedlicher Tumortypen) durchgeführt werden.

Im Anschluss an die Färbung erfolgt die mikroskopische zytologische Begutachtung. Dabei werden Zellen, Zellverbände sowie zellumgebende Strukturen (der sogenannte Hintergrund des Präparates) als

  • gesund,
  • reaktiv (zelluläre Reaktionen auf Umwelteinflüsse aller Art) bzw.
  • krankhaft bewertet.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit für Liquor stellt das Verfahren der Leukozytentypisierung dar:

  • Die Leukozytentypisierung (auch Durchflusszytometrie bzw. FACS-Untersuchung genannt) ist ein labormedizinisches Spezialverfahren, bei dem die weißen Blutkörperchen – allen voran die Lymphozyten – näher untersucht werden. Auf diese Weise können Erkrankungen im Bereich des lymphatischen Systems (v.a. maligne Lymphome im Bereich des ZNS) weiter abgeklärt werden.

Wie wird das Ergebnis einer LIQUORZYTO-Untersuchung ausgewertet?

Das Ergebnis der Liquorzytologie wird stets in Form eines schriftlichen Befundes zusammengefasst. In der Praxis werden zytologische Befunde zumeist in mehrere Abschnitte eingeteilt:

  • Im ersten Anschnitt wird die Qualität des Untersuchungsmaterials beurteilt (gut, eingeschränkt, nicht beurteilbar).
  • Im zweiten Abschnitt erfolgt die morphologische Beschreibung des zytologischen Untersuchungsmaterials.
  • Im dritten Abschnitt wird das Untersuchungsergebnis der zytologischen Examinierung nach bestimmten Bewertungsgruppen klassifiziert.

Bei den Bewertungsgruppen zytologischer Untersuchungsergebnisse gibt es verbindliche Richtlinien hinsichtlich Klassifikation und Namensgebung (Nomenklatur). In Österreich kommen die von der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie (ÖGZ – www.cytology.at) empfohlenen Bewertungsgruppen zur Klassifizierung zytologischer Befunde zur Anwendung:

  • Bewertungsgruppe 0 – nicht beurteilbar;
  • Bewertungsgruppe A – kein Anhaltspunkt für Malignität (Bösartigkeit);
  • Bewertungsgruppe B – auffällig, unklare Dignität (d.h. Gut- bzw. Bösartigkeit der Zellveränderungen);
  • Bewertungsgruppe C: malignitätsverdächtig, maligne (bösartig).

Beispiele für LIQUORZYTO-Befunde

Die Liquorzytologie ist ein diagnostisches Verfahren zur Abklärung krankhafter Prozesse im Bereich des zentralen Nervensystems (Gehirn und/oder Rückenmark).

Die wichtigste Aufgabe der Liquorzytologie ist die Ermittlung eines Differenzialzellbildes, wobei das relative Verhältnis der weißen Blutkörperchen zueinander im Liquor (Abbildung 1) ermittelt wird. 

Abbildung 1. Weiße Blutkörperchen im Liquor. Bewertungsgruppe A (Material: Liquor; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Abbildung 2. Ependymzellen im Liquor. Bewertungsgruppe A (Material: Liquor; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Abbildung 3. Hämatoidinkristall im Liquor (kleiner, rhombischer, orange-gelb leuchtender Kristall). Bewertungsgruppe A (Material: Liquor; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Abbildung 4. Tumorzellverband einer ZNS-Metastase eines Mammakarzinoms im Liquor. Bewertungsgruppe C (Material: Liquor; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).











Neben den weißen Blutkörperchen können aber auch andere Zellen und Strukturen im Liquor gefunden werden:

  • z.B. Ependymzellen – das sind die Epithelzellen der Liquorräume (sogenannte Ventrikel) – Abbildung 2;
  • Hämatoidinkristalle – diese entstehen durch den Abbau des roten Blutfarbstoffes (z.B. nach Gehirnblutungen) – Abbildung 3.

Im Rahmen von bösartigen Tumorerkrankungen können aber auch Krebszellen von Metastasen (dabei handelt es sich quasi um die Verschleppung einer Tumorerkrankung aus anderen Bereichen des Körpers in das ZNS) im Liquor gefunden werden (Abbildung 4). 

LOINC: 21176-3/Cerebrov

Referenzwert

Für die Liquorzytologie gibt es keinen Referenzwert.

Generell ist es bei zytologischen Befunden aber üblich, das Untersuchungsergebnis entsprechend einer Bewertungsgruppe zu klassifizieren. Bei gynäkologischen Zytologiebefunden sind das die sogenannten PAP-Klassen.

Bei extragenitalen Zytologiebefunden (wie z.B. der Liquorzytologie) kommen die von der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie (ÖGZ – www.cytology.at) empfohlenen Bewertungsgruppen zur Anwendung:

  • Bewertungsgruppe 0: nicht beurteilbar
  • Bewertungsgruppe A: kein Anhaltspunkt für Malignität
  • Bewertungsgruppe B: auffällig, unklare Dignität
  • Bewertungsgruppe C: malignitätsverdächtig, maligne

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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