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Röteln-Virus-Antikörper IgG quant. (RVGQ)

Die Bestimmung von Röteln-Virus-Antikörpern (Typ IgG) im Blut ist ein wichtiges Laborverfahren zur Diagnose einer Rötelninfektion bzw. zur Bestimmung des Immunitätsstatus einer gesunden Person. Bei Röteln handelt es sich um eine virale Infektionskrankheit, die durch das Rubivirus (ein RNA-Virus aus der Gruppe der Togaviren) hervorgerufen wird.

Warum werden Röteln-Virus-Antikörper vom Typ IgG im Blut bestimmt?

Die Bestimmung von Röteln-Virus-Antikörpern (Typ IgG) im Blut ist ein wichtiges Laborverfahren zur Diagnose einer Rötelnerkrankung bzw. zur Bestimmung des Immunitätsstatus einer gesunden Person. Bei diesem Laborverfahren werden Antikörper vom Typ IgG gegen das Röteln-Virus im Blut (sogenannte Serologie bzw. serologische Diagnostik) bzw. auch in anderen Körperflüssigkeiten (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit bzw. im Fruchtwasser) bestimmt.

Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist. Die Antikörperbestimmung ist aber ein indirektes Nachweisverfahren, da nicht der Erkrankungserreger selbst, sondern vielmehr die immunologische Reaktion des Körpers auf den Krankheitserreger (sprich die Röteln-Viren) nachgewiesen wird.

Zur Bestimmung der Antikörper im Blut existieren unterschiedliche Laborverfahren. Die am häufigsten eingesetzten Methoden zur Detektion von Röteln-Virus-Antikörpern sind:

  • ELISA-Verfahren (Enzyme-linked Immunosorbent Assay):
    • Diese Ergebnisse werden zumeist in der quantitativen Laboreinheit „Units pro Liter“ (U/L) bzw. „Units pro Milliliter“ (U/mL) am Laborbefund ausgewiesen, wobei der Referenzwert von der eingesetzten Labormethode abhängig ist.
  • Röteln-Virus-Hämagglutinations-Hemmtest (HHT):
    • Diese Ergebnisse werden meist in semiquantitativen Titerstufen angegeben. Unter Titerstufen versteht man eine Verdünnungsreihe des Blutes. Dazu wird die Blutflüssigkeit (Serum) nach einem fixen Schema verdünnt (1:8, 1:16, 1:32, 1:64 etc.), und anschließend erfolgt die Messung der Antikörper gegen die Röteln-Viren. Jene letzte Verdünnungsstufe, bei der ein positiver Nachweis noch möglich ist, entspricht dann der Konzentration der Antikörper gegen die Röteln-Viren im Blut.
    • Ein Nachteil der HHT-Methode ist, dass mit diesem Verfahren aber nur die Gesamtheit der Röteln-Virus-Antikörper bestimmt wird und keine Unterscheidung zwischen IgG- sowie IgM-Antikörpern möglich ist.

Wie ist das Ergebnis der Röteln-Virus-Antikörperbestimmung im Blut zu interpretieren?

Für die Interpretation der Untersuchungsergebnisse der Röteln-Virus-Serologie sollten die folgenden Labortestergebnisse gemeinsam beurteilt werden:

  • Röteln-Virus-Antikörper vom Typ IgG: Diese Antikörper werden erst in späteren Phasen einer akuten Röteln-Virus-Infektion gebildet und bleiben zumeist ein Leben lang nachweisbar (sogenannter Immunitätsstatus). Für eine akute Röteln-Virus-Infektion muss der Verlauf der IgG-Antikörper im Blut innerhalb von zwei Wochen beobachtet werden, wobei ein Anstieg der Werte um das Vierfache für eine akute Infektion spricht. Für die Bewertung eines ausreichenden Impfschutzes gelten die folgenden Richtwerte:
    • Hämagglutinations-Hemmtest-Antikörper-Titer 1:≥32 bzw.
    • Röteln-Virus-Antikörper Typ IgG >10 U/mL.
  • Röteln-Virus-Antikörper vom Typ IgM: Diese Antikörper werden bereits im frühen Stadium einer Röteln-Virus-Infektion vom Immunsystem gebildet (sogenannte immunologische Erstantikörper). Hohe initiale IgM-Werte sprechen für eine akute Röteln-Virus-Infektion.

Neben der Antikörper-Bestimmung im Blut können auch entsprechende Messungen in der

  • Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) bzw.
  • im Fruchtwasser erfolgen (intrauterine Infektion).

Neben den serologischen, indirekten Nachweisverfahren für das Röteln-Virus existieren in der medizinischen Labordiagnostik aber auch sogenannte direkte Nachweisverfahren. Die wichtigste Methode in diesem Zusammenhang ist die

  • Röteln-Virus-PCR – hierbei handelt es sich um ein molekulares Diagnoseverfahren (sogenannte Polymerase-Kettenreaktion – PCR) zum Nachweis von Röteln-Virus-Erbgut (Rubivirus-RNA) im Blut bzw. anderen Körperflüssigkeiten.

Generell ist bei der Interpretation der Laborwerte im Hinblick auf eine Röteln-Virus-Infektion aber zu berücksichtigen, dass aufgrund negativer Ergebnisse eine entsprechende Erkrankung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund müssen immer auch die folgenden grundsätzlichen Untersuchungen berücksichtigt werden:

  • Anamnese (exakte Erhebung der Krankengeschichte),
  • erkrankungstypische Symptome sowie
  • Expositions- und Impfstatus.

Röteln

Bei Röteln handelt es sich um eine virale Infektionskrankheit, die durch das Rubivirus (ein RNA-Virus aus der Gruppe der Togaviren) hervorgerufen wird. Röteln werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, wobei Schulkinder am häufigsten von einer symptomatisch verlaufenden Infektion betroffen sind. Bis zu 90 Prozent aller Erwachsenen über 20 Jahre sind gegen Röteln durchimmunisiert – entweder aufgrund einer Impfung oder einer durchgemachten Infektion.

Nach Infektion beträgt die Inkubationszeit bei Röteln im Durchschnitt zwischen zwei und drei Wochen, wobei infizierte Personen bereits eine Woche vor Ausbruch der Symptome infektiös sein können. Bei Kindern verläuft eine Rötelninfektion in der Hälfte aller Fälle beschwerdefrei („asymptomatisch“). Symptomatische Erkrankungsverläufe zeigen zumeist das folgende Krankheitsgeschehen:

  • Milder Erkrankungsbeginn mit nur leicht erhöhter Körpertemperatur.
  • Auftreten eines Hautausschlages (Exanthem) mit mittelgroßen Flecken (im Vergleich zu Masern mit grobfleckigem Ausschlag und zu Scharlach mit stecknadelkopfgroßen Flecken). Die Hautrötungen beginnen zumeist hinter den Ohren, konfluieren nicht und bestehen gewöhnlich über drei Tage.
  • Häufig kommt es auch zu einer Lymphknotenschwellung v.a. im Nackenbereich sowie in der Hälfte aller Fälle zu einer Vergrößerung der Milz. Weitere Komplikationen können Gelenks- sowie Gehirnhautentzündungen umfassen.

Eine besonders gefährliche Verlaufsform einer Rötelnerkrankung ist die

  • Rötelnembryopathie: Hierbei handelt es sich um eine Schädigung des ungeborenen kindlichen Organismus durch eine Röteln-Virus-Infektion innerhalb des ersten Schwangerschaftsdrittels bei nicht immunisierten Müttern. In dieser Phase der Schwangerschaft (erstes Trimenon) führt eine Röteln-Virus-Infektion in bis zu 85 Prozent der Fälle zu einer Schädigung des Embryos, wobei die folgenden Organe betroffen sein können:
    • Augen (Retinopathie, grauer Staretc.),
    • Ohren (Taubheit),
    • Herz (Herzklappenfehler),
    • Schädigungen des zentrales Nervensystem (geistige Retardierung),
    • Wachstumsstörungen u.v.m.

Zur Diagnose einer Rötelnerkrankung sind die folgenden Schritte erforderlich:

  • Exakte Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und des Impfstatus,
  • Beurteilung des klinischen Verlaufes (Exanthem) – v.a. im Vergleich zu anderen Infektionserkrankungen, die mit Hautausschlägen einhergehen (Masern und Scharlach),
  • Blutuntersuchungen:
    • Entzündungsparameter im Blut,
    • Nachweis von Antikörpern (Typ IgG und IgM) gegen das Röteln-Virus im Blut,
    • Röteln-Virus-PCR aus Blut und/oder Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) – Beweis einer Röteln-Virus-Infektion.
  • Zum Nachweis einer pränatalen Röteln-Virus-Infektion kann eine Röteln-Virus-PCR aus Fruchtwasser bzw. Chorionzotten-Biopsiematerial durchgeführt werden.

Die Behandlung einer Rötelnerkrankung erfolgt in erster Linie symptomatisch: fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente. Bei komplizierten Verlaufsformen kann die Verabreichung von Röteln-Immunglobulin in Betracht gezogen werden.

Die wichtigste Schutzmaßnahme stellt bei Röteln die Schutzimpfung dar:

  • Aktive Immunisierung mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff.

Kandidaten für die Impfung sind

  • Kinder ab dem 12. Lebensmonat,
  • primär ungeimpfte Mädchen vor der ersten Regelblutung (Menarche),
  • nicht immunisierte Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko (Krankenhaus-, Ambulanz- sowie Kindergartenpersonal).

Die Möglichkeit zur passiven Immunisierung (Verabreichung von Röteln-Immunglobulin) kann bei nicht immunisierten Schwangeren nach Kontakt (Exposition) mit einer an Röteln erkrankten Person in Erwägung gezogen werden. Das Ziel ist die Verhinderung einer Virämie (Ausschwemmung der Viren ins Blut), was nach einer Infektion aber nur vor dem Ausbruch des Hautausschlages erfolgreich sein kann.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte jedenfalls der Impfschutz gegen Röteln regelmäßig kontrolliert werden:

  • Antikörper-Titer 1:≥32 (Hämagglutinations-Hemmtest).

Weitere Infos zu

LOINC: 8014-3 / RUBV IgG Ser-aCnc

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre
Units pro Milliliter (U/mL)<10 U/mL<10 U/mL<10 U/mL<10 U/mL


Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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