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EBV-Immunoblot (EBVIB)

Zur Abklärung unklarer akuter bzw. chronischer Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) kann ein EBV-Immunoblot durchgeführt werden. EBV ist ein Virus aus der Familie der Herpesviren und der Erreger des sogenannten Pfeiffer’schen Drüsenfiebers – auch Kissing-Disease bzw. infektiöse Mononukleose genannt.

Warum wird ein EBV-Immunoblot durchgeführt?

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist ein DNA-Virus aus der Familie der humanen Herpesviren (HHV-4). Herpesviren besitzen die typische Fähigkeit, im Anschluss an die akute Infektion im Körper zu persistieren und bei bestimmten Situationen (z.B. bei einer Schwächung des Immunsystems) eine erneute Infektion (Reinfektion) hervorzurufen. Beim Menschen führt eine EBV-Infektion zum typischen Beschwerdebild des

  • Pfeiffer’schen Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose): Fieber, Lymphknotenschwellung (Lymphdrüsenschwellung), typische Blutbildveränderungen (sogenannte mononukleäre Virozyten im peripheren Blutausstrich – die Zellveränderungen im Blutbild können morphologisch ähnlich wie bei einer akuten Leukämie sein).

Zur diagnostischen Abklärung eines Verdachtes auf eine EBV-Infektion können die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Mononukleose-Schnelltest,
  • Nachweis von Antikörpern gegen virales EBV-Capsid-Antigen (VCA) vom Typ IgG und IgM,
  • EBV-Immunoblot (Abklärung unklarer akuter bzw. chronischer EBV-Infektionen),
  • EBV-PCR (zum Beweis einer akuten Infektion).

Beim EBV-Immunoblot werden Antikörper gegen die folgenden spezifischen EBV-Eiweißstoffe (auch „Antigene“ genannt) gemeinsam nachgewiesen:

  • Virus-Kapsid-Antigen (VCA),
  • EBV-spezifisches nukleäres Antigen (EBNA) sowie
  • „Early Antigen“ (EA).

Wie ist das Ergebnis des EBV-Immunoblot zu interpretieren?

Mit Hilfe des EBV-Immunoblot können Antikörper vom Typ IgG sowie IgM gegen die folgenden spezifischen EBV-Eiweißstoffe (auch Antigene genannt) im Blut sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten gemeinsam nachgewiesen werden:

  • Virus-Kapsid-Antigen (VCA): VCA ist ein Eiweißstoff der EBV-Hülle, wobei oft schon vor den ersten klinischen Symptomen Antikörper gegen VCA nachgewiesen werden können.
  • EBV-spezifisches nukleäres Antigen (EBNA): Dieser Eiweißstoff wird in EBV-infizierten Zellen gebildet. Antikörper gegen EBNA können sechs bis zehn Wochen nach einer entsprechenden Infektion nachweisbar werden. Niedrige Antikörper-Spiegel gegen EBNA bleiben im Anschluss an eine durchgemachte EBV-Infektion meist ein Leben lang positiv. Dauerhaft erhöhte Antikörperwerte gegen EBNA können einen Hinweis für eine chronisch persistierende EBV-Infektion sein.
  • Early Antigen (EA): Antikörper gegen EA sind in ca. 80 Prozent der Fälle im Rahmen einer Erstinfektion mit EBV nach etwa acht bis zehn Tagen nachweisbar. Im Anschluss an eine Abheilung einer akuten EBV-Infektion lassen sich die Antikörper gegen EA nach etwa sechs bis acht Wochen nicht mehr nachweisen, wobei ein später neuerliches Auftreten dieser Antikörper für eine Reaktivierung der EBV-Infektion spricht.

Neben den serologischen, indirekten Nachweisverfahren für EBV existieren in der medizinischen Labordiagnostik aber auch sogenannte direkte Nachweisverfahren. Die wichtigste Methode in diesem Zusammenhang ist die

  • EBV-PCR – hierbei handelt es sich um ein molekulares Diagnoseverfahren (sogenannte Polymerase-Ketten-Reaktion – PCR) zum Nachweis von EBV-Erbgut (HHV-4-DNA) im Blut bzw. anderen Körperflüssigkeiten.

Generell ist bei der Interpretation der Laborwerte im Hinblick auf eine EBV-Infektion aber zu berücksichtigen, dass aufgrund negativer Ergebnisse eine entsprechende Erkrankung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund müssen immer auch die folgenden, grundsätzlichen Untersuchungen berücksichtigt werden:

  • Anamnese (exakte Erhebung der Krankengeschichte),
  • erkrankungstypische Symptome sowie
  • Expositionsstatus.

Epstein-Barr-Virus-Infektion (EBV-Infektion)

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist ein Virus aus der Familie der Herpesviren. Bei diesen Viren handelt es sich um DNA-Viren, welche die typische Fähigkeit besitzen, nach einer Infektion in verschiedenen Zellen bzw. Geweben lebenslang zu verbleiben (persistieren) und bei bestimmten Situationen (z.B. bei einer Schwächung des Immunsystems) eine erneute Infektion hervorzurufen. Die wichtigsten Vertreter der Herpesviren sind (humanes Herpesvirus – HHV):

  • HHV-1: Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) – typischer Erreger von Fieberblasen,
  • HHV-2: Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2) – „Fieberblasen“ im genitalen Bereich,
  • HHV-3: Varizellen-Zoster-Virus (VZV) – Feuchtblattern, Gürtelrose,
  • HHV-4: Epstein-Barr-Virus (EBV) – Pfeiffer’sches Drüsenfieber,
  • HHV-5: Cytomegalievirus (CMV) – Erreger bestimmter Organinfektionen (Lunge, Leber, Gehirn etc.).

Von Infektionen mit Herpesviren sind in Abhängigkeit vom Virustyp zumeist nur bestimmte Körperregionen und Gewebe betroffen. Die Infektion kann sich aber auch auf den gesamten Körper ausbreiten und zu schweren Komplikationen führen (Gehirn- und Hirnhautentzündungenetc.). Im Falle von EBV ist vor allem die Schleimhaut im Nasen- und Rachenbereich betroffen sowie bestimmte weiße Blutkörperchen (sogenannte B-Lymphozyten mit dem CD21-Antigen auf ihrer Zelloberfläche).

Typischerweise wird EBV durch Speichel übertragen, weshalb die Erkrankung als Kissing-Disease (Kusskrankheit) bezeichnet wird. In Europa hatten Personen bis zum 30. Lebensjahr in ca. 95 Prozent der Fälle bereits Kontakt mit EBV. Bei Kleinkindern verläuft die Infektion in vielen Fällen beschwerdefrei (asymptomatisch).

Im Hinblick auf die Symptome einer EBV-Infektion kommt es nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich zwei Wochen zum typischen Krankheitsbild des sogenannten Pfeiffer’schen Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose):

  • Fieber,
  • Entzündung des Rachens sowie der Rachenmandeln (Angina tonsillaris),
  • Lymphknotenschwellungen und
  • typische Blutbildveränderungen mit sogenannten Virozyten (hoch reaktive mononukleäre Zellen) im Blutausstrich.

Neben diesen typischen Krankheitszeichen kann sich die Infektion aber auch auf den gesamten Körper ausbreiten und zu schweren Komplikationen führen:

  • generalisierte Lymphknotenschwellungen,
  • Milzschwellung (Splenomegalie),
  • Hautausschläge,
  • Leberentzündung (Hepatitis),
  • Meningoenzephalitis (Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn),
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung) u.v.m.

Für die Diagnose einer EBV-Infektion sind die folgenden Schritte erforderlich:

  • Genaue Erhebung des Beschwerdebildes und der Krankengeschichte (Anamnese),
  • Blutbilduntersuchung (Nachweis typischer mononukleärer Virozyten im peripheren Blutausstrich – das Zellbild darf hier nicht mit einer akuten Leukämie verwechselt werden),
  • weiterführende Blutuntersuchungen:
    • Mononukleose-Schnelltest (Bestimmung sogenannter heterophiler IgM-Antikörper),
    • Nachweis von Antikörpern gegen virales EBV-Capsid-Antigen (VCA) vom Typ IgG und IgM,
    • EBV-Immunoblot (Abklärung unklarer akuter bzw. chronischer EBV-Infektionen),
    • EBV-PCR (zum Beweis einer akuten Infektion).

In Bezug auf die Therapie einer EBV-Infektion können nur allgemeine, symptomatische Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden: körperliche Schonung, Medikamente zur Fiebersenkung, Entzündungshemmung sowie Linderung von Schmerzen. Eine Gabe von Antibiotika ist bei einer reinen EBV-Infektion keinesfalls zulässig, weshalb die genaue diagnostische Abklärung in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist.

Wie bei allen Infektionen mit Herpesviren kann es auch nach einer durchgemachten EBV-Infektion zu einer Persistenz der Viren im Körper (v.a. in B-Lymphozyten) kommen. Diesbezüglich steht EBV auch mit der Entstehung bestimmter bösartiger Tumorerkrankungen in Zusammenhang:

  • Nasopharynxkarzinom (in Südchina und Alaska endemisch),
  • Burkitt-Lymphom (in Äquatorialafrika endemisch).

Weiters kann es auch nach Organtransplantationen im Rahmen einer immunsuppressiven Therapie zu einer unkontrollierten Vermehrung EBV-infizierter B-Lymphozyten kommen – sogenannte posttransplantationslymphoproliferative Erkrankung (PTLD).

LOINC: 49564-8 / EBV Patrn XXX IB-Imp

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre
negativnegativnegativnegativ


Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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