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Antibiogramm (MBABG)

Das Antibiogramm ist eine mikrobiologische Untersuchungsmethode, bei der die Wirksamkeit verschiedenster Antibiotika gegen Bakterien ausgetestet wird. Auf diese Weise kann eine Antibiotikaresistenz von Bakterien nachgewiesen werden.

Warum wird ein Antibiogramm durchgeführt?

Das Antibiogramm ist ein spezielles Untersuchungsverfahren im Rahmen der sogenannten „medizinischen Mikrobiologie“. Die Mikrobiologie ist eine diagnostische Spezialdisziplin, die sich vor allem mit der Diagnostik von Kleinlebewesen (sogenannte Mikroorganismen) und durch diese verursachte Erkrankungen beschäftigt.

Mikroorganismen können grob in folgende Gruppen eingeteilt werden:

  • Bakterien,
  • Pilze,
  • Viren und
  • Parasiten.

Die Bakterien bilden eine besondere Gruppe der Mikroorganismen, denn bei ihnen muss zwischen der

  • normalen Bakterienflora des Menschen und
  • bakteriellen Infektionen unterschieden werden.

Insbesondere die normale Bakterienflora besitzt einen hohen Stellenwert für die normale Funktion des menschlichen Körpers. Ohne diese Bakterien würde z.B. die Verdauung nicht ordnungsgemäß funktionieren, da große Teile des Verdauungstrakts (v.a. der Darm) eine bestimmte Zusammensetzung der Bakterienbesiedlung brauchen.

Weitere Beispiele für diese normale Bakterienflora sind auch

  • die Haut (bestimmte Bakterien, die Koagulase-negativen Staphylokokken, sind für den „Säureschutzmantel“ der Haut verantwortlich),
  • die Mundhöhle („Rachenflora“),
  • die Vagina (hier finden sich normalerweise die sogenannten Döderlein-Stäbchenbakterien).

Auf der anderen Seite können Bakterien aber auch Krankheiten hervorrufen:

  • bakterielle Infektionskrankheiten.

Zur diagnostischen Abklärung dieser Erkrankungen (sogenannte „bakteriologische Diagnostik“) gibt es eine Reihe von Laborverfahren, wobei verschiedenste Untersuchungsmaterialen zum Einsatz kommen:

  • Blut,
  • Harn,
  • Stuhl,
  • Sekrete,
  • Liquor (das ist die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit),
  • Abstriche (von Haut, Wunden oder Körperhöhlen),
  • Biopsien, Punktate oder Spülungen aus tiefer im Körper gelegenen Regionen.

Im Hinblick auf die bakteriologische Diagnostik kommen alle diese Untersuchungsmaterialien je nach medizinischer Fragestellung zum Einsatz, wobei die folgenden Nachweisverfahren existieren:

  • Direkte Nachweisverfahren – hierbei werden die Krankheitserreger (in diesem Zusammenhang die Bakterien) direkt nachgewiesen. Zu diesen Verfahren zählen:
    • mikroskopischer Erregernachweis (mikroskopische Untersuchung von ungefärbten [sogenannte „Nativpräparate“] bzw. gefärbten [z.B. Gramfärbung] Materialien),
    • Bakterienkultur (Anzucht der Bakterien auf besonderen Kulturmedien),
    • Antibiogramm (Abklärung allfälliger Resistenzen der Bakterien gegen Antibiotika),
    • Nachweis bakterieller Antigene (das sind besondere molekulare Eiweißstrukturen der Bakterien) sowie
    • Spezialverfahren (wie z.B. die Polymerase-Kettenreaktion [PCR]).
  • Indirekte Nachweisverfahren – hierbei wird die Reaktion des Immunsystems des Körpers auf die bakterielle Infektionserkrankung untersucht:
    • Im Rahmen dieser Diagnostik werden v.a. Antikörper im Blut (sogenannte „Serologie“ bzw. „serologische Diagnostik“) sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten gemessen. Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist.

Wie wird ein Antibiogramm durchgeführt?

Das Antibiogramm ist eine weiterführende mikrobiologische Labormethode im Anschluss an eine Bakterienkultur. Im Rahmen der Kultur werden die Bakterien zuerst durch Anzucht vermehrt, und anschließend wird die Wirksamkeit unterschiedlicher Antibiotika gegen die Bakterien ausgetestet.

Zur Durchführung eines Antibiogramms gibt es unterschiedliche Methoden:

  • Agardiffusionstest: Hierbei werden antibiotikagetränkte Plättchen auf das mit dem isolierten Bakterienstamm beimpfte Kulturmedium gelegt. Nach weiterer Inkubation der Nährmedien kann aufgrund der Größe der entstandenen Hemmhöfe auf eine allfällige Antibiotikaresistenz geschlossen werden.
  • Reihenverdünnungstest: Bei diesem Test wird die Wirksamkeit der Antibiotika gegen den isolierten Bakterienstamm im Rahmen von Verdünnungsreihen ausgetestet, um die sogenannte minimale Hemmkonzentration (MHK) zu ermitteln.
  • E-Test: Bei diesem Test erfolgt die Ermittlung der MHK mithilfe von Plastikstreifen, auf denen ein standardisierter Antibiotikagradient aufgebracht ist. Die MHK kann bei diesem Verfahren anhand einer Skalierung abgelesen werden.
  • Agardilutionstest: Bei diesem Test erfolgt die Resistenzermittlung der zuvor isolierten Bakterienstämme mithilfe mehrerer Nährmedien, in welche die jeweiligen Antibiotika in unterschiedlichen Verdünnungen bereits eingegossen sind.

Wie wird das Ergebnis des Antibiogramms interpretiert?

Mithilfe eines Antibiogramms kann die Wirksamkeit von Antibiotika gegen die zuvor mittels Bakterienkultur isolierten und identifizierten bakteriellen Krankheitserreger festgestellt werden.

Beim Antibiogramm werden die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) von Antibiotika ermittelt, die zur Behandlung der jeweils bestehenden bakteriellen Infektionserkrankung erforderlich sind. Dementsprechend spiegelt die Höhe der MHK die Empfindlichkeit des bakteriellen Krankheitserregers gegenüber dem jeweiligen Antibiotikum wider.

Darüber hinaus kann mit einem Antibiogramm auch festgestellt werden, ob der jeweilige bakterielle Krankheitserreger gegen ein bestimmtes Antibiotikum unempfindlich (resistent) ist. In diesem Fall darf dieses Antibiotikum keinesfalls für die Behandlung verwendet werden.

LOINC: 29576-6

Referenzwert

Für das Antibiogramm gibt es keinen Referenzwert. Vielmehr werden auf dem Laborbefund jene Antibiotika aufgelistet, gegen die der zuvor mittels Bakterienkulturverfahren identifizierte Bakterienstamm sensibel ist – das heißt, welche Antibiotika für die Therapie der Infektionserkrankung geeignet sind.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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