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Lambda-B-Zellen

B-Lymphozyten (CD19-Lymphozyten) können entweder Kappa- oder Lambda-positiv sein. Im Rahmen der erweiterten Leukozytentypisierung können die Kappa-B-Zellen, die Lambda-B-Zellen sowie das Verhältnis dieser beiden Zellfraktionen zueinander quantitativ im Blut gemessen werden.

Warum werden die Lambda-B-Zellen im Blut bestimmt?

Die B-Zellen (CD19-Lymphozyten) sind eine Untergruppe der Lymphozyten, wobei diese wiederum eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bilden. Im Rahmen der Leukozytentypisierung (Immunstatus) können die B-Zellen quantitativ im Blut gemessen werden.

Wenn Krankheitserreger (z.B. Bakterien, Pilze, Viren) in den Körper eindringen, kommt es zu einer Stimulierung der B-Zellen, wobei sich diese in sogenannte Plasmazellen umwandeln. Diese Plasmazellen produzieren schließlich Antikörper und setzen diese ins Gewebe sowie auch ins Blut frei.

Antikörper sind spezielle Eiweißstoffe, die im Blut sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten zu finden sind. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist – sprich: was nicht direkt zum Körper dazu gehört wie

  • Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Parasiten etc.),
  • Viren,
  • Tumorzellen und Fremdgewebe,
  • Blütenpollen, Tiergifte sowie
  • viele andere natürliche und künstliche Stoffe und Substanzen.

Wie alle Eiweißstoffe bestehen auch Antikörper aus langen Ketten von Aminosäuren. Im Detail setzen sich Antikörper aus jeweils zwei identischen schweren Ketten und zwei identischen leichten Ketten zusammen. Diese leichten Ketten können entweder vom

  • Typ Kappa oder vom
  • Typ Lambda sein.

Das Merkmal der leichten Ketten tragen aber bereits die B-Zellen auf ihrer Zelloberfläche, noch bevor sie sich zu Antikörper-produzierenden Plasmazellen umgewandelt haben. Dementsprechend können die B-Zellen entweder vom Typ Kappa bzw. Lambda sein.

Normalerweise halten sich diese beiden Untergruppen der B-Zellen im Blut die Waage (50 zu 50 Prozent). Eine auffällige Verschiebung in der Verteilung dieser Zellen zugunsten entweder der Kappa- bzw. der Lambda-B-Zellen wird Leichtkettenrestriktion genannt und kann einen Hinweis auf eine klonale Erkrankung darstellen.

Zur Erfassung der B-Zellen, anderer Lymphozyten-Subgruppen (T-Zellen, T-Helferzellen, T-Suppressor-Zellen etc.) sowie einer Reihe weiterer Immunzellen dient das Laborverfahren der Durchflusszytometrie (FACS – „Fluorescence Activated Cell Sorting“). Mit dieser Methode können all diese Zellen des Immunsystems im Blut gemessen und quantifiziert werden.

Die Bestimmung des Leichtkettentyps der B-Zellen ist dabei aber eine Zusatzanalyse. Sie wird nur durchgeführt, wenn die B-Zellen insgesamt im Blut erhöht sind. Auf dem Laborbefund finden sich in diesem Fall folgende zusätzliche Laborwerte:

  • Kappa-B-Zellen,
  • Lambda-B-Zellen sowie
  • Kappa/Lambda-Ratio

Was bedeuten erhöhte oder erniedrigte Lambda-B-Zellwerte bzw. eine verschobene Kappa/Lambda-Ratio im Blut?

Erhöhte oder erniedrigte Lambda-B-Zellwerte bzw. eine verschobene Kappa/Lambda-Ratio bedeuten, dass ein Ungleichgewicht in der Verteilung der B-Zellen vorliegt. Ein geringfügiges Ungleichgewicht ist dabei bedeutungslos.

Eine ausgeprägte Verschiebung in der Verteilung dieser Zellen zugunsten entweder der Kappa- bzw. der Lambda-B-Zellen wird Leichtkettenrestriktion genannt und kann einen Hinweis auf eine klonale Erkrankung darstellen – z.B.

Ist im Blut einer Patientin/eines Patienten eine Leichtkettenrestriktion nachweisbar, so müssen in der Regel weitere Untersuchungen angeschlossen werden. In erster Linie wird versucht, die Leukämie- bzw. Lymphomzellen möglichst präzise zu typisieren. Dazu wird ebenfalls das Verfahren der Durchflusszytometrie (Leukozytentypisierung) eingesetzt, wobei die Eiweißstrukturen auf der Zelloberfläche der klonalen Zellen exakt kategorisiert werden.

Auf diese Weise ist es insbesondere möglich, den jeweils vorliegenden Lymphomtyp zu bestimmen:

  • Vorläuferzell-Lymphom,
  • Chronisch lymphatische Leukämie (B-CLL),
  • Mantelzell-Lymphom,
  • Follikuläres Lymphom u.v.m.

Im Zusammenhang mit der Diagnostik von Lymphomen spricht man von der sogenannten

  • Lymphomtypisierung.

Neben Blut können zur Lymphomtypisierung aber auch andere Körperflüssigkeiten eingesetzt werden, wie z.B.:

  • Knochenmark,
  • Ergussflüssigkeiten (Aszites, Pleuraerguss, Gelenkserguss etc.),
  • Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit),
  • Lymphknotenpunktate.

Maligne B-Zell-Lymphome

Ein malignes Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Irgendwo im Körper (z.B. im Bereich der Lymphknoten) kommt es dabei zu einer ungehemmten Vermehrung von ein und demselben Typ einer Lymphozyten-Gruppe. Im medizinischen Fachjargon spricht man von einem klonalen Wachstum (d.h. ein bestimmter Zellklon vermehrt sich).

Die Erkrankung kann dabei auf das lymphatische Gewebe beschränkt bleiben (aleukämischer Verlauf). Es kann aber auch dazu kommen, dass die sich vermehrenden Lymphozyten ins Blut übertreten – in diesem Fall spricht man von einer lymphatischen Leukämie (leukämischer Verlauf).

Maligne Lymphome können in zwei Gruppen eingeteilt werden:

  • Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin) und
  • Non-Hodgkin-Lymphom (NHL).
Bei Non-Hodgkin-Lymphomen gibt es wiederum zwei große Gruppen:
  • B-Zell-NHL (bösartiges Wachstum eines B-Zell-Klons) und
  • T-Zell-NHL (bösartiges Wachstum eines T-Zell-Klons).

B-Zell-Lymphome kommen in der Regel viel häufiger vor als T-Zell-Lymphome. Beispiele für B-Zell-Lymphome sind

  • Chronisch lymphatische Leukämie (CLL),
  • Multiples Myelom (Plasmozytom oder auch Morbus Kahler genannt),
  • Immunozytom u.v.m.
Für die Diagnose dieser Erkrankungen spielt die Leukozytentypisierung aus Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten bzw. Punktaten eine große Rolle. Mit diesem Laborverfahren kann die Klonalität der bösartigen B-Zellen nachgewiesen werden. Auf der anderen Seite sind aber oft auch Gewebeuntersuchungen (sogenannte histologische Untersuchungen) sowie genetische Untersuchungen für die exakte Diagnosestellung erforderlich.

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Das häufigste B-Zell-NHL ist die chronisch lymphatische Leukämie (CLL). In etwa der Hälfte aller Fälle haben die Betroffenen zum Zeitpunkt der Diagnose keine Beschwerden. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es aber zu folgenden Symptomen kommen:

  • Milz- und Lebervergrößerung,
  • Lymphknotenschwellungen,
  • allgemeine Schwäche,
  • Beschwerden im Bereich der Haut (z.B. Juckreiz, Ausschläge) etc.
Die CLL ist ein B-Zell-NHL mit leukämischem Verlauf. Das bedeutet, dass die Lymphomzellen ins Blut ausgeschwemmt werden.

Für die Diagnose der Erkrankung sind daher vor allem Laborveränderungen im Blut bedeutsam:

  • Vermehrung von Lymphozyten im Blut,
  • Nachweis der Klonalität der Lymphozyten mithilfe der Leukozytentypisierung (FACS),
  • zytogenetische Untersuchungen (Nachweis von chromosomalen Veränderungen der Lymphomzellen).

Die Behandlung der CLL hängt vom klinischen Stadium der Erkrankung ab. Die Stadieneinteilung richtet sich dabei nach der Anzahl befallener Lymphknotenregionen sowie der Beeinträchtigung der Blutbildung im Knochenmark (Anämie, Thrombopenie). Je nach dem Grad der Beschwerden kommen die folgenden Behandlungsoptionen infrage:

  • gar keine Therapie (bzw. symptomatische Behandlungsmaßnahmen),
  • Chemotherapie,
  • Strahlentherapie,
  • Knochenmark- bzw. Stammzelltransplantation.
Synonyme: B-Zellen/lambda, CD19+lambda+ [B-Zellen] relativ/absolut (LABRB/LABAB)
LOINC: 17123-1B, 50665-9

Referenzwert

Für Kappa- und Lambda-B-Zellen werden keine Referenzwerte angegeben. Normalerweise halten sich diese beiden Untergruppen der B-Zellen im Blut die Waage (50 zu 50 Prozent). Eine ausgeprägte Verschiebung in der Verteilung dieser Zellen zugunsten entweder der Kappa- bzw. der Lambda-B-Zellen wird Leichtkettenrestriktion genannt und kann einen Hinweis auf eine klonale Erkrankung darstellen.
Einheit Referenzbereich      
 
Männer bis 18 Jahre
Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre

Prozent (%) der Lymphozyten

Zellen/µl (Zellen pro Mikroliter)

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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