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Somatotropes Hormon (STH)

Das Wachstumshormon ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Seine wichtigste Funktion ist die Förderung von Wachstum und Reifung.

Warum wird HGH im Blut bestimmt?

Das Wachstumshormon (HGH) ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Seine wichtigste Funktion ist die Förderung von Wachstum und Reifung.

Bei bestimmten Erkrankungen kann eine Störung der HGH-Bildung vorliegen:

  • Eine HGH-Überproduktion kann bei Kindern zu Riesenwuchs und bei Erwachsenen zur sogenannten Akromegalie führen.
  • Eine HGH-Unterproduktion kann bei Kindern zu Zwergenwuchs und bei Erwachsenen zu Störungen des Fettstoffwechsels sowie zu anderen Beschwerden führen.

Die Regulierung der HGH-Bildung erfolgt stufenweise. Auf der einen Seite bildet das Gehirn im Bereich des Zwischenhirns (Hypothalamus) das Hormon GHRH (Growth-Hormone Releasing Hormone), welches die Hirnanhangsdrüse zur Freisetzung von HGH ins Blut veranlasst.

Damit aber nicht zu viel HGH gebildet wird, existieren auf der anderen Seite auch bremsende Faktoren, welche die Freisetzung von HGH aus der Hypophyse hemmen. Zu diesen hemmenden Faktoren zählt das ebenfalls vom Hypothalamus gebildete Somatostatin.

Seine Wirkungen entfaltet HGH, indem es in den Körperzellen (v.a. in der Leber) die Bildung von sogenannten Somatomedinen stimuliert. Die Somatomedine sind somit für die endgültigen Effekte von HGH verantwortlich. Das wichtigste Somatomedin ist

  • Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-I – auch Somatomedin C genannt).
    • IGF-I hat vielfältige Effekte auf den Stoffwechsel. Dazu zählen Steigerung der Eiweißsynthese, Erhöhung des Blutzuckerspiegels u.v.m.

In Bezug auf die HGH-Bildung existiert auch ein hemmender Effekt von IFG-1 auf Hypophyse sowie Hypothalamus. Denn je mehr IGF-I gebildet wird, desto weniger HGH wird auf der anderen Seite freigesetzt. Man spricht von einer sogenannten

  • negativen Rückkopplung.

Bei einem klinischen Verdacht auf eine Störung der HGH-Produktion können verschiedene Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Bestimmung von HGH im Blut,
  • Bestimmung von IGF-I im Blut,
  • oraler Glukosetoleranztest (die Verabreichung von Glukose vermindert normalerweise das HGH im Blut),
  • Insulin-Hypoglykämie-Test (die Injektion von Insulin steigert normalerweise das HGH im Blut),
  • GHRH-Test (die Verabreichung von GHRH steigert normalerweise das HGH im Blut).
Aufgrund der starken tageszeitlichen Schwankungen der HGH-Bildung und -Freisetzung ins Blut (Maximum der Ausschüttung wird während des Schlafes erreicht), sollten bei der Abklärung stets mehrere HGH-Messungen sowie die Erstellung eines HGH-Tagesprofils erfolgen.

Was bedeuten erhöhte bzw. erniedrigte HGH-Werte im Blut?

Eine Erhöhung von HGH im Blut kann für folgende Erkrankungen verantwortlich sein:

  • Riesenwuchs (im Kindesalter),
  • Akromegalie (im Erwachsenenalter).

Eine Verminderung von HGH im Blut kann bei folgenden Erkrankungen vorkommen:

  • Hypophysenvorderlappeninsuffizienz.
    • Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem Ausfall der Bildung zahlreicher Hormone der Hypophyse, woraus in weiterer Folge erhebliche Störungen diverser nachgeschalteter Hormonsysteme resultieren:
      • Schilddrüsenunterfunktion,
      • Nebennierenrindenunterfunktion,
      • Störungen des Stoffwechsels (Eiweiß-, Fett- sowie Kohlenhydratstoffwechsel),
      • Fruchtbarkeitsstörungen (sogenannter „sekundärer Hypogonadismus“).
  • Zwergenwuchs (im Kindesalter).

Akromegalie

Eine HGH-Überproduktion führt im Kindes- und Jugendalter zu einem Riesenwuchs, im Erwachsenenalter hingegen zu komplett anderen Störungen, da das Längenwachstum der Knochen abgeschlossen ist.

Die Beschwerden der HGH-Überproduktion im Erwachsenenalter werden unter dem Begriff

  • Akromegalie

zusammengefasst.

Als Ursache dieser Störung kommt z.B. ein HGH-produzierender Tumor (meist im Bereich der Hypophyse) infrage.

Bei Akromegalie kann es zu folgenden Beschwerden kommen:

  • Verstärktes Wachstum der sogenannten Akren (das sind die abstehenden Körperteile wie Nase, Ohren, Kinn, Hände, Finger, Füße, Zehen etc.),
  • Veränderung der Gesichtszüge,
  • Kopfschmerzen,
  • Sehstörungen,
  • Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus) u.v.m.

Die Diagnose einer Akromegalie umfasst folgende Maßnahmen:

  • Laboruntersuchungen (HGH, IGF-I etc.) sowie
  • bildgebende Untersuchungen (Röntgen, Computertomographie [CT], Magnetresonanztomographie [MRT]) zur Lokalisation eines Tumors.

Die Behandlung der Akromegalie umfasst folgende Maßnahmen:

  • chirurgische Entfernung des Tumors,
  • Strahlentherapie,
  • medikamentöse Hemmung der HGH-Wirkungen.
Synonyme: HGH (Human Growth Hormone), Somatotropin, Wachstumshormon (HGH)
LOINC: 2963-7

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) 1–10* ng/ml 0–8 ng/ml 1–10* ng/ml 0–8 ng/ml
*Diese Werte gelten vor der Pubertät! Für Neugeborene gelten andere Referenzbereiche        

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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