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Blutgruppenuntersuchung (BGR)

Warum wird die Blutgruppe bestimmt?

Die Bestimmung der Blutgruppe ist für die Auswahl des geeigneten Blutes für eine Bluttransfusion von entscheidender Bedeutung. Dabei muss sowohl bei der Empfängerin/beim Empfänger als auch bei der Spenderin/beim Spender die Blutgruppe untersucht werden.

Bei der Blutgruppe handelt es sich um bestimmte Merkmale (Eiweißmoleküle oder auch „Antigene“ genannt) auf der Zelloberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
Bei jedem Menschen wird die Blutgruppe von den Eltern vererbt („Mendelsche Vererbungsregeln“). Insgesamt gibt es an die 150 verschiedene Blutgruppensysteme, von denen das AB0-System am wichtigsten ist.

Das zweitwichtigste Blutgruppensystem ist das Rhesus-System. Dieses besteht aus den Antigenen C, D und E. Hier charakterisiert das D-Merkmal auf den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), ob ein Mensch Rhesus-positiv (D-Merkmal vorhanden) bzw. Rhesus-negativ (D-Merkmal nicht vorhanden) ist. Es wirkt im Vergleich zu C und E am stärksten als Antigen.

Eine Spezialität im Rhesus-System stellt die Möglichkeit des Auftretens eines schwachen D-Merkmals (früher als D-u bezeichnet) dar: Dazu zählt sowohl die zahlenmäßige Verminderung der D-Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (D-weak, „schwaches“ D) als auch eine Variante mit einem unvollständigen Aufbau des D-Antigens (D-partial = D-variant).

Was wird bei der Blutgruppenuntersuchung bestimmt?

Die Blutgruppenuntersuchung gliedert sich in zwei Teile:

  • Blutgruppenbestimmung: Einerseits werden bestimmte Merkmale der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bestimmt. Hier handelt es sich um die eigentliche Blutgruppenbestimmung (AB0, Rhesus- und Kell-Faktor etc.). Dabei werden die Blutgruppeneigenschaften (Antigene) auf der Zelloberfläche der Erythrozyten charakterisiert.
  • Antikörpersuchtest: Im zweiten Teil der Blutgruppenuntersuchung erfolgt eine Analyse der zellfreien Blutflüssigkeit (Blutplasma bzw. -Serum). Im Rahmen dieses Antikörpersuchtests werden vom Körper gebildete Immunstoffe (Antikörper) untersucht, wobei zwischen regulären (natürlich vorkommende Isoagglutinine) sowie irregulären Antikörpern (die nach einer Transfusion, Schwangerschaft oder Organtransplantation auftreten können) unterschieden wird.

Eine besondere Form des Antikörpersuchtests ist die sogenannte „Serumgegenprobe“. Bei dieser Untersuchung werden ausschließlich die natürlich vorkommenden Antikörper (Isoagglutinine) bestimmt. Je nach Blutgruppe kommen diese Isoagglutinine in den folgenden Kombinationen vor:

  • bei Blutgruppe A: Isoagglutinin Anti-B;
  • bei Blutgruppe B: Isoagglutinin Anti-A;
  • bei Blutgruppe 0: Isoagglutinin Anti-A und Anti-B;
  • Blutgruppe AB: keine Isoagglutinine.

Die Bestimmung dieser natürlichen Antikörper ermöglicht auch eine erste Kontrolle der Blutgruppenbestimmung. Denn bei einer Person mit einer bestimmten Blutgruppe müssen immer die jeweils entsprechenden Isoagglutinine nachweisbar sein.

Die Isoagglutinine sind dafür verantwortlich, dass Patientinnen/Patienten mit der Blutgruppe A kein B-Blut erhalten dürfen und umgekehrt. Gleiches gilt für die Blutgruppe 0, wobei hier weder A- noch B-Blut (beziehungsweise AB-Blut) verabreicht werden darf.

Bluttransfusion

Die Bestimmung der Blutgruppe ist für die Auswahl des geeigneten Blutes für eine Bluttransfusion von entscheidender Bedeutung. Dabei muss sowohl bei der Empfängerin/beim Empfänger als auch bei der Spenderin/beim Spender die Blutgruppe untersucht werden.

Unverträglichkeitsreaktionen, die bis hin zum Tod der Fremdblutempfängerin/des Fremdblutempfängers führen können, entstehen durch eine Immunreaktion des Körpers gegen falsches Fremdblut. Solche Immunreaktionen werden durch Antikörper ausgelöst.

Bei diesen sogenannten transfusionsrelevanten Antikörpern gibt es zwei Typen:

  • reguläre Antikörper: Diese kommen natürlicherweise im Blut vor und werden auch als Isoagglutinine bezeichnet;
  • irreguläre Antikörper: Diese können nach einer Bluttransfusion, Schwangerschaft oder Organtransplantation auftreten. Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Blutgruppensystemen existiert eine große Anzahl möglicher irregulärer Antikörper.

Die Isoagglutinine sind dafür verantwortlich, dass Patientinnen/Patienten mit der Blutgruppe A kein B-Blut erhalten dürfen und umgekehrt. Gleiches gilt für die Blutgruppe 0, wobei hier weder A- noch B-Blut (beziehungsweise AB-Blut) verabreicht werden darf.
Für eine Bluttransfusion werden in Österreich Erythrozytenkonzentrate verwendet. Diese enthalten ausschließlich rote Blutkörperchen und praktisch kein Blutplasma mehr. Darüber hinaus sind diese Erythrozytenkonzentrate meistens auch von weißen Blutkörperchen gereinigt („leukozytendepletiert“).

Aufgrund der Verwendung von Erythrozytenkonzentraten (was heute die Regel ist) dürfen Blutkonserven entsprechend dem Universalspenderschema (siehe Abbildung) verabreicht werden. Das Universalspenderschema ergibt sich aufgrund der Konstellation zwischen den Blutgruppen des AB0-Systems und den entsprechenden Isoagglutininen. Dabei darf in Pfeilrichtung transfundiert werden. Damit werden Personen mit der Blutgruppe 0 zu Universalspendern und Träger der AB-Merkmale zu Universalempfängern.



Legende: 0 = Universalspender; AB = Universalempfänger

Eine besondere Form der Bluttransfusion ist die Verwendung von Eigenblut (Eigenblutspende). Da bei der Transfusion von Fremdblut auch heute noch ein Restrisiko für Infektionen mit bestimmten Krankheitserregern (Virushepatitis, HIV etc.) besteht, hat sich die Eigenblutvorsorge etabliert. Dabei wird einer Patientin/einem Patienten bis zu sechs Wochen vor einer Operation Blut abgenommen und in Erythrozyten sowie Plasma getrennt. Die Erythrozyten sind bei +4°C bis zu 42 Tage haltbar. Das Plasma kann bei –30°C bis zu zwei Jahre gelagert werden.

Vor jeder Bluttransfusion müssen folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Kreuzprobe: Dabei wird vor einer Bluttransfusion die Verträglichkeit des Spenderblutes mit dem Blut der Empfängerin/des Empfängers ausgetestet (Verträglichkeitsprobe). Heute beschränkt sich diese Untersuchung auf den „Major-Test“: Untersuchung der Reaktion der Spendererythrozyten im Serum der Empfängerin/des Empfängers.
  • Bedsidetest: In Österreich muss vor der Verabreichung einer Blutkonserve die Blutgruppe (AB0) sowohl von der Patientin/des Patienten als auch von jeder einzelnen Konserve direkt am Krankenbett durch eine Ärztin/einen Arzt überprüft werden.

Weitere Informationen finden Sie unter Transfusion.

Synonyme: Blutgruppe
LOINC: 882-1

Referenzbereich

Bei der Blutgruppe gibt es keinen Referenz- oder Normalwert. Die Blutgruppen kommen mit unterschiedlicher Häufigkeit vor. In Österreich ist die Verteilung der Häufigkeit der Blutgruppen wie folgt:

  • Blutgruppe A: 41 Prozent;
  • Blutgruppe B: 15 Prozent;
  • Blutgruppe AB: 7 Prozent und
  • Blutgruppe 0: 37 Prozent.

Im Hinblick auf den Rhesusfaktor (D-Merkmal auf den roten Blutkörperchen) sind 81 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher Rhesus-positiv und 19 Prozent Rhesus-negativ.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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