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von-Willebrand-Faktor-Aktivität (GPIb-R)/(VWGPI)

Der von-Willebrand-Faktor (vWF – der großmolekulare Anteil von Gerinnungsfaktor VIII) ist ein Eiweißstoff im Blut, der eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Der vWF ermöglicht einerseits das Anhaften der Blutplättchen an der verletzten Gefäßinnenwand (Endothel). Auf der anderen Seite ist vWF ein Transportprotein und Schutzfaktor für den Gerinnungsfaktor VIII im Blut.

Warum wird die von-Willebrand-Faktor-Aktivität (GPIb) im Blut bestimmt?

Der von-Willebrand-Faktor (vFW) ist ein besonderer Blutgerinnungsfaktor, der in einer engen Wechselbeziehung zum Gerinnungsfaktor VIII (sprich: „Gerinnungsfaktor acht“ – das ist der sogenannte „Antihaemophile Faktor A“) steht.

  • Generell handelt es sich bei den Blutgerinnungsfaktoren um Eiweißstoffe, die ein wichtiger Bestandteil der Blutflüssigkeit („Blutplasma“) sind.
  • Die meisten Gerinnungsfaktoren werden von der Leber gebildet. Der vWF ist in diesem Zusammenhang eine Ausnahme, da er von den Zellen der inneren Blutgefäßwand (sogenannten „Endothelzellen“) sowie von Vorläuferzellen der Blutplättchen (sogenannten „Megakaryozyten“) gebildet wird.

Die Aufgaben von Gerinnungsfaktor VIII und vWF im Rahmen der Blutgerinnung ergeben sich durch ein enges Zusammenspiel dieser beiden Komponenten (sogenanntes Faktor-VIII/vWF-System):

  • Beim Faktor VIII handelt es sich um den kleinmolekularen Anteil des Faktor-VIII/vWF-Systems, der für die Aktivität bei der Umwandlung von inaktivem Faktor X (Stuart-Prower-Faktor) in dessen aktive Form (Faktor Xa) verantwortlich ist.
  • Beim vWF handelt es sich um den großmolekularen Anteil des Faktor-VIII/vWF-Systems. Der vWF kommt im Blut in Form von sogenannten „Multimeren“ (lange, polymere Eiweißstrukturen) vor und erfüllt bei der Blutgerinnung die folgenden Aufgaben:
    • Der vWF ermöglicht einerseits das Anhaften der Blutplättchen an der verletzten Gefäßinnenwand (Endothel).
    • Der vWF ist auch bei der Verklumpung der Blutplättchen (sogenannte „Thrombozytenaggregation“) verantwortlich.
    • Weiters ist vWF auch ein Transportprotein sowie Schutzfaktor für den Gerinnungsfaktor VIII im Blut.

In der medizinischen Labordiagnostik hat sich eine spezielle Namensgebung bei der Bestimmung der verschiedenen Komponenten des Faktor-VIII/vWF-Systems im Blut etabliert. Dabei können mittels labordiagnostischer Spezialverfahren die folgenden Komponenten des Faktor-VIII/vWF-Systems im Blut gemessen werden:

  • Faktor VIII:C ist die Aktivität des kleinmolekularen Anteils des Faktor-VIII/vWF-Systems. Diese entspricht quasi dem „Antihaemophilen Faktor A“.
  • Faktor VIII:CAg – neben der Aktivität von Faktor VIII kann auch seine Proteinkonzentration im Blut gemessen werden.
  • vWF:Ag – dieser Begriff bezeichnet die Bestimmung des großmolekularen, multimeren Anteils des Faktor-VIII/vWF-Systems. Dieser Anteil ist der eigentliche vWF.
  • vWF:Rco (Ristocetin-Kofaktor-Aktivität) – unter diesem Begriff versteht man die spezielle Teilfunktion des vWF, in Anwesenheit des Antibiotikums Ristocetin Blutplättchen zu verklumpen (sogenannter „Thrombozytenaggregationstest“).
  • Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Labortests zur Abklärung besonderer Teilfunktionen („Partialfunktionen“) des vWF:
    • vWF-Aktivität (GPIb-R): Spezialverfahren zur Bestimmung der vWF-Aktivität.
    • vWF-Multimeranalyse mittels spezieller Elektrophoresetechniken.
  • Schließlich besteht auch die Möglichkeit für eine molekulargenetische Mutationsanalyse des vWF-Erbgutes zur Untersuchung von Gendefekten mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

Die Unterscheidung dieser Komponenten des Faktor-VIII/vWF-Systems ist deswegen wichtig, weil es verschiedene Erkrankungen gibt, bei denen jeweils unterschiedliche Komponenten des Faktor-VIII/vWF-Systems gestört sind:

  • Die häufigste Störung ist das von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS). Diesem liegt eine Störung des vWF zugrunde, wobei etliche Typen und Subtypen des vWS existieren, mit jeweils mehr und weniger unterschiedlichen klinischen Blutungssymptomen.
  • Die Hämophilie A ist die im Volksmund als „Bluterkrankheit“ bezeichnete Störung. Ihr liegt ein angeborenes Fehlen von Faktor VIII (Faktor VIII:CAg) bzw. eine angeborene Inaktivität von Faktor VIII (Aktivitätsminderung von Faktor VIII:C im Blut) zugrunde.

Zur labormedizinischen Bestimmung von Blutgerinnungsfaktoren bzw. der Komponenten des Faktor-VIII/vWF-Systems werden labordiagnostische Spezialverfahren eingesetzt, die gezielten medizinischen Fragestellungen vorbehalten sind. Insbesondere ist dies beim Verdacht auf einen Mangel bzw. das Fehlen eines Blutgerinnungsfaktors der Fall:

  • Abklärung sogenannter Bluterkrankheiten („Hämophilie“).

Generell gibt es die Möglichkeit, die Aktivität der Gerinnungsfaktoren im Blut zu bestimmen. Die Aktivität der Gerinnungsfaktoren wird meist in einem „Prozentwert der Norm“ auf dem Laborbefund ausgewiesen.

Neben der Aktivitätsbestimmung von Gerinnungsfaktoren kann darüber hinaus auch die Proteinkonzentration der Faktoren im Blut gemessen werden. Diese Messung kann zur weiteren Abklärung von Blutgerinnungsstörungen erforderlich sein.

Was bedeutet erhöhte bzw. verminderte vWF-Aktivität (GPIb) im Blut?

Erhöhte Werte der vWF-Aktivität (GPIb) können in folgenden Situationen gefunden werden:

  • bei Entzündungen (vWF ist ein sogenanntes Akute-Phase-Protein),
  • rheumatischen Erkrankungen,
  • Autoimmunerkrankungen,
  • Tumorerkrankungen,
  • bei Einnahme von oralen Ovulationshemmern („Anti-Baby-Pille“) etc.

Verminderte Werte der vWF-Aktivität (GPIb) können einen Hinweis auf das Vorliegen eines

  • von-Willebrand-Jürgens-Syndroms sein.
    • Die Bestimmung der vWF-Aktivität (GPIb) ist bei der exakten Bestimmung des bei der betroffenen Patientin bzw. dem betroffenen Patienten vorliegenden Typs bzw. Subtyps des vWS wichtig.

von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS)

Das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS) ist die häufigste Störung des Blutgerinnungssystems, die mit einer Blutungsneigung (sogenannte „hämorrhagische Diathese“) einhergeht.

Ursächlich liegt dem vWS in der Mehrzahl der Fälle (ca. 80 Prozent) eine erbliche Störung des Faktor-VIII/vWF-Systems zugrunde, wobei die Funktion beider Faktoren (Faktor VIII und von-Willebrand-Faktor [vWF]) gestört ist.

Beim vWS existieren etliche Typen und Subtypen mit jeweils mehr und weniger unterschiedlichen klinischen Blutungssymptomen.

Neben den angeborenen Störungen des vWS gibt es auch erworbene Formen, die erst im Lauf des Lebens im Rahmen von Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen bzw. bei der Einnahme bestimmter Medikamente (Valproinsäure – ein Medikament zur Behandlung der Epilepsie) auftreten.

Je nach dem Typ des vWS finden sich die folgenden Störungen der Blutgerinnung:

  • Störung der Blutplättchenfunktion:
    • Störung der Anhaftung der Blutplättchen am verletzten Blutgefäßendothel,
    • Störung der Thrombozytenaggregation.
  • Störung der plasmatischen Gerinnung:
    • Da der vWF ein Transportprotein sowie Schutzfaktor für den Gerinnungsfaktor VIII („Antihaemophiler Faktor A“) im Blut ist, kann ein Mangel bzw. eine Funktionsstörung des vWF auch zu einer verminderten Aktivität von Gerinnungsfaktor VIII führen.

In Hinblick auf die Beschwerden der betroffenen Patientinnen und Patienten finden sich bei der Mehrzahl keine bzw. nur geringe Störungen der Blutgerinnung. Bei schwereren Formen des vWS können sich kombinierte Störungen der plasmatischen Gerinnung (z.B. großflächige Blutungen in Haut, Muskulatur und Eingeweiden, Gelenksblutungen) sowie Blutplättchenfunktionsstörung (Auftreten sogenannter „Petechien“ – das sind punktförmige Hautblutungen) finden. Ein typisches Symptom beim vWS sind auch Schleimhautblutungen.

Bei der diagnostischen Abklärung einer Blutungsneigung stehen daher generell die Abklärung des Blutungstyps sowie eine genaue Befragung der Patientin/des Patienten (inkl. Familienanamnese) an erster Stelle.

In einem zweiten Schritt kommen schließlich bestimmte Labortests zur Anwendung:

  • Messung der Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut,
  • Messung der Blutungszeit,
  • Blutgerinnungstests: Prothrombinzeit, aktivierte partielle Thromboplastinzeit etc.,
  • Bestimmung von Fibrinogen (Gerinnungsfaktor I) im Blut,
  • Spezialuntersuchungen (z.B. Bestimmung der Aktivität von Einzelfaktoren der Blutgerinnung),
  • Bestimmung der Komponenten des Faktor-VIII/vWF-Systems:
    • z.B. Faktor VIII:C/Faktor VIII:CAg,
    • vWF:Ag,
    • vWF:Rco,
    • Multimeranalyse,
    • Gendiagnostik.

Die Behandlung des vWS hängt vom Typ sowie der Schwere der Störung ab. Generell dürfen Medikamente, welche die Funktion der Blutplättchen zusätzlich beeinträchtigen (z.B. Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure), nicht eingenommen werden.

Bei bestimmten Formen des vWS kann das Medikament Desmopressin (DDAVP) eingesetzt werden, um die Aktivität von im Gefäßendothel gespeichertem Faktor VIII sowie vWF zu erhöhen.

Bei bestimmten Indikationen (z.B. vor geplanten Operationen) besteht die Möglichkeit der Substitution spezieller Faktor-VIII/vWF-Konzentrate.

Synonyme: vWF-Aktivität:GPIb
LOINC: V00016

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre

% (Prozent der Norm)

*Die Werte von Patientinnen und Patienten mit Blutgruppe 0 sind um ca. 20 Prozent niedriger.

50–200* % 50–200* % 50–200* % 50–200* %

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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