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Blutausstrich

Für bestimmte medizinische Fragestellungen muss das Blut mikroskopisch begutachtet werden.

Warum wird ein Blutausstrich gemacht?

Beim Blutausstrich wird ein Blutstropfen auf einem Glasplättchen (Objektträger) dünn ausgestrichen, gefärbt und mikroskopisch untersucht © Dr. Gerhard Weigl

Moderne, im medizinischen Labor zum Einsatz kommende Blutbild-Analysegeräte können bereits ein sogenanntes

  • „automatisches Differenzialblutbild“ erstellen. Dabei werden die verschiedenen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) vom Blutbild-Analysegerät automatisch in die folgenden Gruppen eingeteilt
    • neutrophile Granulozyten,
    • eosinophile Granulozyten,
    • basophile Granulozyten,
    • Lymphozyten und
    • Monozyten.
Für bestimmte Fragestellungen muss dieses „automatische Differenzialblutbild“ des Blutbild-Analysegerätes im medizinischen Labor mikroskopisch überprüft werden. Dazu wird ein sogenannter „Blutausstrich“ angefertigt.

Für den Blutausstrich wird ein Tropfen Blut auf ein Glasplättchen (Objektträger) aufgebracht und dünn ausgestrichen. Das Präparat wird dann luftgetrocknet und gefärbt (Färbung nach Wright oder May-Grünwald-Giemsa).

Anschließend können die Blutzellen unter dem Mikroskop begutachtet und ausgezählt werden. Das Ergebnis dieser mikroskopischen Überprüfung wird als „manuelles Differenzialblutbild“ bezeichnet. Hierbei werden die verschiedenen weißen Blutkörperchen unter dem Mikroskop begutachtet und das Verhältnis dieser Zellen zueinander durch Auszählung ermittelt.

Wie wird das Ergebnis eines Blutausstrichs interpretiert?

Der wichtigste Schritt bei der Untersuchung eines Blutausstrichs ist die Erstellung des manuellen Differenzialblutbildes.

Dazu werden die weißen Blutkörperchen prozentuell bestimmten Gruppen zugeordnet, indem genau 100 Zellen (weiße Blutkörperchen) ausgezählt werden. Man geht davon aus, dass diese 100 Zellen für die Gesamtheit aller weißen Blutkörperchen repräsentativ sind.

In den meisten Fällen finden sich die folgenden Zellgruppen von weißen Blutkörperchen:

Darüber hinaus können (in selteneren Fällen) aber auch weitere weiße Blutkörperchen im Blutausstrich gefunden werden. Auch die folgenden Zellen werden bei einem manuellen Differenzialblutbild erfasst, bzw. es wird in einem Befundkommentar auf sie Bezug genommen:
  • Vorstufen der Granulozyten
  • Diese Zellen finden sich normalerweise nur im Knochenmark, wo die Bildung der weißen Blutkörperchen stattfindet („Granulopoese“). In bestimmten Fällen können sie auch im Blut gefunden werden (bei schweren Entzündungen, Leukämien, Chemotherapie):
    • Blasten (unreife Vorstufen sämtlicher Leukozyten im Knochenmark)
    • Promyelozyten (diese entwickeln sich aus den Blasten)
    • Myelozyten (diese entwickeln sich aus den Promyelozyten)
    • Metamyelozyten (diese entwickeln sich aus den Myelozyten)
  • Besondere Formen von Lymphozyten:
    • lymphatische Reizformen – diese werden auch „Virozyten“ genannt, da sie bei bestimmten Virusinfektionen im Blut auftreten (z.B. beim Pfeiffer’schen Drüsenfieber),
    • atypische Lymphozyten – auffällige, jedoch morphologisch nicht näher zuordenbare lymphatische Zellen,
    • LGL-Zellen – große Lymphozyten mit Granula (Körnchen) im Zellplasma,
    • Plasmazellen – das sind jene Lymphozyten, welche die Antikörper produzieren,
    • Lymphoblasten – diese können morphologisch (aufgrund ihres Aussehens) nicht von den Blasten der Granulopoese unterschieden werden.
Neben den weißen Blutkörperchen werden bei der mikroskopischen Begutachtung des Blutausstriches auch die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) inspiziert. Auch bei den Erythrozyten gibt es bestimmte morphologische Befunde, die im Befundkommentar erwähnt werden können:
  • Normoblasten – junge Erythrozyten mit einem dunklen („pyknotischen“) Zellkernrest
  • Anisozytose – auffällige Größenschwankung der Erythrozyten
  • Poikilozytose – auffällige Formschwankung der Erythrozyten
  • Fragmentozyten – kaputte, deformierte Erythrozyten
  • Sphärozyten – runde Erythrozyten
  • Target-Zellen – Schießscheibenform der Erythrozyten
Im Fall von klärungsbedürftigen Auffälligkeiten bei der Begutachtung des Blutausstrichs kann folgende Laboruntersuchung angeschlossen werden:

Leukozyten-Typisierung – das ist ein hämatologisches Spezialverfahren, welches sich der Labortechnik der „Durchfluss-Zytometrie“ (FACS – „Fluorescence Activated Cell Sorting“) bedient. Dabei werden in einem automatisierten Verfahren bestimmte Oberflächenstrukturen auf den Leukozyten bestimmt und diese anschließend nach vorgegebenen Kriterien eingeteilt.

Synonyme: Blutausstrich Befundinterpretation (BAINT)
LOINC: 5909-7

Referenzwert

Für die im Rahmen des manuellen Differenzialblutbildes erhobenen Messwerte gibt es entsprechende Referenzwerte, die bei den jeweiligen Laborwerten zu finden sind.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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