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Tryptase (TRYPT)

Bei Tryptase handelt es sich um einen im Blut bestimmbaren Botenstoff, der von bestimmten Entzündungszellen (Mastzellen) gebildet und bei deren Aktivierung freigesetzt wird. Eine vorübergehende Erhöhung der Tryptasekonzentration im Blut kann im Anschluss an schwere Verlaufsformen allergischer Reaktionen (Anaphylaxie) auftreten. Dauerhaft erhöhte Tryptasewerte können einen Hinweis auf bestimmte Erkrankungen (Mastozytose, Leukämie etc.) darstellen.

Warum wird Tryptase im Blut bestimmt?

Bei Tryptase handelt es sich um einen Stoff, der von bestimmten Entzündungszellen gebildet und bei deren Aktivierung freigesetzt wird – den sogenannten

  • Mastzellen.

Neben Histamin gehört Tryptase zur Gruppe der sogenannten Mediatoren (Signal- oder auch Bodenstoffe), deren Freisetzung für das Beschwerdebild im Rahmen allergischer Reaktionen verantwortlich ist. Diese Reaktionen werden auch als Typ-1-Allergien (bzw. allergische Reaktionen vom Soforttyp) bezeichnet, und dazu zählen Erkrankungen wie

Besonders schwere allergische Verlaufsformen werden als Anaphylaxie bzw. anaphylaktische Schockreaktionen bezeichnet. Solche schweren allergischen Reaktionen des Körpers können im Zusammenhang mit Nahrungsmittel-, Insektengift- bzw. Arzneimittelallergien auftreten.

Im Rahmen schwerer allergischer Erkrankungen kann die Tryptase-Messung im Blut zur Beurteilung der folgenden klinischen Fragestellungen herangezogen werden:

  • Verlaufsbeurteilung im Rahmen anaphylaktischer Reaktionen (v.a. schwere Reaktionen auf Insektengift bzw. Medikamente),
  • Verlaufsbeurteilung bei schweren allergischen Reaktionen (z.B. auf Narkosemedikamente) im Rahmen von chirurgischen Eingriffen,
  • Verlaufsbeurteilung bei bestimmten bösartigen Erkrankungen (Mastozytose, Leukämie etc.).

Wie sind die Tryptase-Werte im Blut zu interpretieren?

Tryptase-Basalwerte über zehn µg/L stellen einen Risikomarker für das Auftreten schwerer anaphylaktischer Reaktionen dar:

  • v.a. bei allergischen Insektenstich- und Arzneimittelreaktionen.

Üblicherweise kommt es nach anaphylaktischen Reaktionen im Durchschnitt zwischen drei bis sechs Stunden zu vorübergehenden Tryptase-Erhöhungen im Blut von über 15 µg/L, wobei sich diese Werte zumeist innerhalb von zwölf bis 14 Stunden wieder normalisieren.

  • Diese Reaktionen bestätigen auf der einen Seite eine Aktivierung des Mastzellsystems.
  • Auf der anderen Seite können aufgrund dieser pathophysiologischen Zusammenhänge vorangegangene allergische Reaktionen auch etwa post mortem nachgewiesen werden (gerichtsmedizinisch-forensische Fragestellungen).

Dauerhaft erhöhte Tryptase-Werte im Blut können einen Hinweis auf bestimmte seltene Mastzellerkrankungen (Mastozytose) bzw. bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems (Leukämien) darstellen.

  • Im Zusammenhang mit diesen klinischen Fragestellungen ist mithilfe der Tryptase-Messung im Blut eine Beurteilung von Erkrankungsverlauf, Therapieerfolg sowie Prognose möglich.

Anaphylaxie (Anaphylaktischer Schock)

Bei einer Anaphylaxie handelt es sich um die schwerste Form einer allergischen Reaktion des Körpers (sogenannte Allergie). Unter Allergie versteht man eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) des Körpers gegenüber bestimmten Stoffen (Allergene).

Die häufigsten Auslöser anaphylaktischer Reaktionen sind auf der einen Seite bestimmte Nahrungsmittel:

  • Kinder bis sechs Jahren v.a.
    • Kuhmilch und
    • Hühnereier;
  • Schulkinder v.a.
    • bestimmte Nusssorten (Erdnüsse, Baumnüsse);
  • Jugendliche v.a.
    • Nüsse,
    • Samen,
    • Fische und Meeresfrüchte.

Auf der anderen Seite können aber auch Insektenstiche eine Anaphylaxie auslösen, wobei diese etwa 25 Prozent aller schweren Fälle allergischer Reaktionen ausmachen:

  • v.a. Bienen- und Wespenstiche,
  • seltener Hornissen- oder Hummelstiche.

Bei einer Anaphylaxie handelt es sich um einen allergischen Notfall, wobei das Beschwerdebild in vier Schweregrade unterteilt wird (beim Grad null sind die Reaktionen lokal auf Haut oder Schleimhäute begrenzt):

  • Grad I: Allgemeinbeschwerden (Angstzustände, Schwindel, Kopfschmerzen etc.) und Hautreaktionen (Juckreiz, Nesselausschlag u.a.);
  • Grad II: zusätzlich zu den Grad-I-Symptomen auftretender Blutdruckabfall und Herzrasen (Tachykardie);
  • Grad III: zusätzlich zu den Grad-II-Symptomen auftretende schwere Atembeschwerden (Bronchospasmen, Asthmaanfälle) sowie Schocksymptome (Kreislaufkollaps);
  • Grad IV (anaphylaktischer Schock): zusätzlich zu den Grad-III-Symptomen auftretender Atem- und Kreislaufstillstand.

Im Hinblick auf die Risikoabschätzung für das Auftreten einer Anaphylaxie sind bestimmte Faktoren ausschlaggebend – sogenannte Risikofaktoren:

  • Allergieneigung in der Familie bekannt,
  • bereits früher einmal aufgetretene anaphylaktische Reaktionen,
  • bereits bestehende (bekannte) Nahrungsmittelallergien,
  • unzureichend behandeltes Bronchialasthma.

Darüber hinaus gibt es bestimmte zusätzliche Faktoren, die eine Anaphylaxie akut auslösen können:

  • körperliche Anstrengung direkt nach einer Mahlzeit bei Allergikerinnen/Allergikern,
  • Stress,
  • hormonelle Faktoren etc.

Zur Abklärung einer Allergie ist ein entsprechendes diagnostisches Prozedere erforderlich:

  • Anamnese: Befragung der Patientin/des Patienten nach allergischen Beschwerden, und wann diese auftreten.
  • Hauttestungen: dabei wird die Hautreaktion auf bestimmte Allergene untersucht.
  • Labortests:
    • Bestimmung von Gesamt-IgE im Blut,
    • Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut,
    • Bestimmung allergenspezifischer IgG-Antikörper im Blut.
  • Provokationstests:
    • Zur Diagnosesicherung kann in bestimmten Fällen unter ärztlicher Aufsicht das infrage kommende Allergen in ansteigender Dosierung verabreicht werden (Haut, Schleimhaut), wobei anschließend die Reaktion des Körpers beobachtet wird.

Für Personen mit bekanntem Anaphylaxierisiko wird das ständige Mitführen eines speziellen Notfallsets angeraten, welches die folgenden Arzneimittel beinhalten muss:

  • Adrenalin-Autoinjektor (z.B. EpiPen®),
  • Antihistaminikum (H1-Blocker),
  • Glukokortikoid (z.B. Kortison),
  • Antiasthamtikum (Beta2-Mimetikum in Form eines Sprays oder Inhalators).

Nach entsprechender Allergenexposition (Insektenstich, Zufuhr allergieauslösender Nahrungsmittel etc.) bei gefährdeten Personen sind stets entsprechende Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderlich:

  • Nahrungszufuhr beenden bzw. Insektenstachel entfernen,
  • Schocklagerung (flach hinlegen, Beine hoch lagern),
  • Hilfe rufen (Notarzt bzw. Rettung),
  • bei beginnenden allergischen Reaktionen Verabreichung von
    • Antihistaminikum sowie
    • Kortison;
  • bei Auftreten schwerer allergischen Reaktionen Verabreichung von
    • Adrenalin (Injektion seitlich in den Oberschenkel) sowie
    • Antiasthamtikum (mittels Spray oder Inhalator).

Zur Vermeidung schwerer anaphylaktischer Reaktionen ist neben der Kenntnis der individuellen Allergieneigung auch die Berücksichtigung häufiger Kreuzreaktionen wichtig – sogenannte Kreuzallergien.

Die Ursache für diese allergischen Phänomene sind ähnliche allergieauslösende Eiweißstrukturen in bestimmten Nahrungsmitteln. Dies kann dazu führen, dass Allergiker gegen Birkenpollen oft auch gegen die folgenden Nahrungsmittel allergisch sind:

  • Steinobst (Kirsche),
  • Kernobst (Apfel, Birne),
  • Nüsse,
  • Soja.
Weitere Informationen zu Allergien.
LOINC: 21582-2

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
µg/L (Mikrogramm pro Liter) <11,4 µg/L <11,4 µg/L <11,4 µg/L <11,4 µg/L

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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