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Stethoskop hört Zigarette ab © Pulwey

Diagnose der Nikotinsucht

Tabakabhängigkeit ist eine Erkrankung. Sie wird im internationalen Klassifikationsschema von Erkrankungen (ICD) der WHO als Abhängigkeit von einer psychotropen (auf die Psyche wirkenden) Substanz (z.B. Tabak, Alkohol oder Opiate) beschrieben (ICD-10, Kapitel V, F17.2). Die Diagnose, dass Rauchen zur krankhaften Sucht geworden ist, wird von der sozialen Krankenversicherung für die Behandlung vorausgesetzt.

Kriterien für Tabakabhängigkeit

Eine Tabakabhängigkeit wird nach der ICD-10-Klassifikation durch verschiedene Kriterien charakterisiert:

  • Ein starker Wunsch bzw. ein Zwang, Tabak zu konsumieren,
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren,
  • eine Toleranzerhöhung, d.h. eine zunehmende Steigerung der konsumierten Menge bzw. Dosis, um die Wirkungen hervorzurufen,
  • körperliche Entzugssyndrome, wenn der Konsum verringert oder abgebrochen wird,
  • das Rauchen wird anderen Aktivitäten vorgezogen, und
  • trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen wird weiterhin konsumiert.

Eine Abhängigkeit kann stärker oder schwächer ausgeprägt sein, je nachdem wie viele der Kriterien zutreffen.

Tipp Mittels eines einfachen Tests – Fagerström-Test (Rauchfrei Telefon) – können Raucherinnen/Raucher selbst den Grad ihrer Abhängigkeit überprüfen.

Ärztliche Diagnose

Eine ärztliche Diagnose ist notwendig, um festzustellen, ob eine Person krankhaft von Tabak abhängig und eine Behandlung erforderlich ist. Zur Diagnosestellung erfrägt die Ärztin/der Arzt bei der Anamnese die Einstellung zum Rauchen: Ist die Patientin/der Patient mit ihren/seinen Rauchgewohnheiten zufrieden oder nicht zufrieden, und besteht eine Bereitschaft, etwas zu verändern oder nicht?

Wichtige Informationen für Diagnose und Therapie liefert auch das Rauchverhalten: Wie viele Zigaretten werden pro Tag geraucht und zu welchen Gelegenheiten? Die Ärztin/der Arzt beurteilt anschließend den Grad der Nikotinabhängigkeit. Meistens wird dazu eine Befragung mithilfe des Fagerström-Tests durchgeführt. Das Ergebnis wird bei der Auswahl der Therapiemaßnahmen (z.B. medikamentöse Therapie) berücksichtigt. Des Weiteren stellt die Ärztin/der Arzt fest, ob tabakassoziierte Erkrankungen (z.B. COPD, Gefäßerkrankungen) vorliegen.

Um die Beurteilung der Nikotinabhängigkeit einer Person abzusichern, kann die Ärztin/der Arzt vorschlagen, eine Messung der Kohlenmonoxidkonzentration (CO) in der Ausatemluft durchzuführen. Die Messung ist unkompliziert und liefert einen Wert – ähnlich dem Blutdruck- oder Cholesterinwert –, der Rückschlüsse auf die Belastung durchs Rauchen liefert. Durch wiederholte Messungen kann der Erfolg der Therapie bzw. des Entwöhnungsprogramms kontrolliert werden.

CO entsteht beim Rauchen durch unvollständige Verbrennung und bindet am roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Es behindert den Sauerstofftransport im Blut, Organe und Gewebe werden daher schlechter mit Sauerstoff versorgt. Die CO-Werte in der Ausatemluft von Nichtraucherinnen/Nichtrauchern betragen ein bis vier ppm, bei Passivrauchbelastung bis zu sechs ppm. Bei europaweiten Messungen im Zuge des EU-Projekts „Help: Für ein rauchfreies Leben“ wurden bei Raucherinnen und Rauchern durchschnittliche CO-Konzentrationen von 17,5 ppm festgestellt.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Übernahme der Kosten bestimmter Maßnahmen der Raucherentwöhnung (z.B. stationäre Raucherentwöhnung) ist die Diagnose einer Tabaksucht Voraussetzung. Für die Diagnose einer Tabakabhängigkeit können Sie sich an eine niedergelassene Ärztin/einen niedergelassenen Arzt für Allgemeinmedizin oder eine Fachärztin/einen Facharzt für Lungenkrankheiten wenden. Eine ausführliche Diagnostik kann auch eine auf die Raucherbehandlung spezialisierte Psychologin oder ein Psychologe vornehmen. Meist erfolgt nach der Einreichung eines Antrags auf stationäre Raucherentwöhnung automatisch eine Einladung zur chefärztlichen Abklärung.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose einer Tabakabhängigkeit werden unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Diagnose durch eine Vertragspsychologin/einen Vertragspsychologen) von der Sozialversicherung übernommen. Die Durchführung von CO-Messungen der Ausatemluft wird jedoch nicht bezahlt.

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