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Unzufriedenes Paar im Bett © NDABCREATIVITY
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Libidoverlust

Grundsätzlich gibt es beim sexuellen Verlangen große individuelle Unterschiede. Während manche Menschen täglich Lust auf Sex haben, reicht anderen einmal pro Woche oder einmal im Monat. Es ist zudem völlig normal, phasenweise keine Lust auf Sex zu haben. Auch wenn Sex nicht überbewertet werden sollte, gehört zu einer Beziehung ein erfülltes Sexualleben – für beide Partner.

Wann spricht man von Libidoverlust?

Der Libidoverlust (sexuelle Luststörung bzw. Appetenzstörung) zählt zu den sexuellen Funktionsstörungen. Er ist charakterisiert durch ein vermindertes sexuelles Verlangen, das seit mindestens sechs Monaten andauert. Typisch sind ein anhaltender oder wiederkehrender Mangel an (oder das Fehlen von) sexuellen Fantasien und des Verlangens nach sexueller Aktivität. 

Nicht zu verwechseln ist die sexuelle Luststörung mit einer sexuellen Aversion (Abneigung), bei der die Vorstellung von sexuellen Kontakten mit negativen Gefühlen (z.B. Ekel) oder sogar Angst verbunden ist. 

Sexuelle Probleme treten häufig situationsabhängig in verschiedenen Phasen einer Paarbeziehung auf, z.B. nach der Geburt eines Kindes oder im höheren Lebensalter. Diese Probleme sind oft vorübergehend und betreffen bestimmte Funktionen wie das sexuelle Verlangen oder die Erektionsfähigkeit.   

Hinweis In Langzeitbeziehungen ist eine angemessene Abnahme des sexuellen Verlangens normal. Abgesehen von diesem Umstand ist das Nachlassen des sexuellen Verlangens neben der Orgasmusstörung die häufigste sexuelle Funktionsstörung bei Frauen und geht meist mit Erregungsproblemen einher. Eine männliche Appetenzstörung ist nach wie vor ein tabuisiertes Störungsbild.

Welche Ursachen hat der Libidoverlust?

Die Ursachen für mangelnde Lust bzw. vermindertes sexuelles Verlangen sind vielfältig und können sowohl körperlich als auch psychosozial bedingt sein. Appetenzstörungen zählen zudem zu den häufigsten Funktionsstörungen, bei Frauen noch deutlich häufiger als bei Männern.

Mögliche körperliche Ursachen

Mögliche psychosoziale Ursachen

Neben den körperlichen Ursachen können auch psychische und soziale Faktoren zu Lustlosigkeit führen. Dazu zählen u.a.:

Der Missbrauch von Alkohol und Drogen sowie die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Antidepressiva, blutdrucksenkenden Mitteln oder auch hormonellen Verhütungsmitteln können ebenfalls zu sexueller Lustlosigkeit führen bzw. diese aufrechterhalten.

Hinweis Wenn aufgrund einer gegenwärtigen Belastung (z.B. Stress im Beruf, Erkrankung) das sexuelle Verlangen ausbleibt, so spricht man nicht von einer Störung. Wird die Lustlosigkeit jedoch zum Dauerthema bzw. leidet die Partnerin/der Partner darunter, sollte man Beratung in Anspruch nehmen.

Welche Symptome können auftreten?

Die sexuelle Luststörung zeichnet sich durch eine Verminderung des sexuellen Verlangens aus. Dies geht meist mit einer Abnahme oder Abwesenheit sexueller Fantasien einher. Das sexuelle Desinteresse ist anhaltend oder wiederkehrend.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Das klinisch-therapeutische Gespräch bei der Fachärztin/beim Facharzt ist das wichtigste Werkzeug zur Diagnostik einer sexuellen Funktionsstörung. Dieses vertrauensvolle Gespräch kann Paare entlasten. Dabei stellt die Ärztin/der Arzt fest, ob eine Indikation, also eine Notwendigkeit, für eine Behandlung vorliegt, und plant gemeinsam mit der Patientin/dem Patienten die Therapie.

Wesentlich bei der Diagnose einer sexuellen Appetenzstörung ist eine ausführliche Sexualanamnese (Paarbeziehung, Erhebung des Sexuallebens etc.) und die Abgrenzung gegenüber anderen Störungsbildern. Dabei können mögliche Ursachen näher beleuchtet werden. Die Ärztin/der Arzt bzw. die Therapeutin/der Therapeut erkundigt sich nach psychischen, sozialen oder körperlichen Gründen, die ein vermindertes sexuelles Verlangen nach sich ziehen können. In der Regel findet das erste Beratungsgespräch mit der Patientin/dem Patienten zunächst alleine statt. Liegt eine sexuelle Appetenzstörung vor, sollte auch die Partnerin/der Partner nach Möglichkeit in die Anamnese und/oder Therapie mit einbezogen werden.

Diagnostische Methoden 

Es stehen verschiedene diagnostische Methoden zur Verfügung, um Aufschluss über die sexuelle Problematik zu erhalten. So kann auch festgestellt werden, ob körperliche Erkrankungen die Ursache für die sexuelle Lustlosigkeit sind. Dazu zählen neben einer ausführlichen Sexualanamnese:

  • somatisch-medizinische Untersuchungsverfahren (z.B. urologische oder gynäkologische Untersuchungen)
  • psychometrische Testverfahren (Fragebögen) und
  • psychotherapeutische – diagnostische Verfahren. 

Hinweis Oft kann es auch sinnvoll sein, einen Labortest durchführen zu lassen, um unerkannte chronische Erkrankungen und Hormonstörungen rechtzeitig zu erkennen.

Nach der Diagnosestellung kann mit der Ärztin/dem Arzt bzw. der Therapeutin/dem Therapeuten ein Behandlungsplan festgelegt werden. Dabei wird über Behandlungsform (somatisch, psychotherapeutisch, kombiniert) sowie über Settings (Einzel- oder Paartherapie) entschieden.

Wie erfolgt die Behandlung?

Sexuelle Funktionsstörungen lassen sich psychotherapeutisch, organmedizinisch oder durch ein kombiniertes Vorgehen behandeln. Vermindertes sexuelles Verlangen bzw. eine Luststörung bis hin zur sexuellen Aversion wird nach wie vor primär sexualtherapeutisch behandelt. Da eine Diskrepanz in der sexuellen Lust beider Partner oder partnerschaftliche Konflikte außerhalb der Sexualität meist zu interpersonellen Problemen führen, ist ein paartherapeutisches Vorgehen besonders sinnvoll.

Wohin kann ich mich wenden?

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Psychosexuelle Therapeutinnen/Therapeuten
  • Sexualberatungsstellen
  • Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten
  • Gynäkologinnen/Gynäkologen
  • Urologinnen/Urologen

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung

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