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Schwitzender Mann im Büro © stokkete

Hyperhidrose

Wenn ein gesunder Mensch schwitzt, wird der Körper durch die Verdunstung des Schweißes gekühlt. Das passiert, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Schwitzen schützt vor Überhitzung und ist lebenswichtig. Der Körper reagiert mit Schwitzen z.B. auf körperliche Anstrengung oder hohe Temperaturen. Je nach Bedingungen ist die Menge des Schweißes unterschiedlich . . .

Hyperhidrose – was ist das?

Bei der Hyperhidrose kommt es zu einer Fehlfunktion des Schwitzens am ganzen Körper oder an bestimmten Körperstellen. Betroffen sein können etwa Achseln, Hände bzw. Handflächen, Füße bzw. Fußsohlen, Gesicht sowie Teile des Gesichtes (z.B. die Stirn). Schweißdrüsen sind bei einer Hyperhidrose übermäßig stimuliert, es wird vermehrt Schweiß abgesondert.

Man unterscheidet generell:

  • Primäre idiopathische Hyperhidrose. Dieser liegt keine äußere Ursache oder Erkrankung zugrunde.
  • Sekundäre Hyperhidrose. Sie tritt bei einer Grunderkrankung auf, z.B. bei neurologischen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Infektionen, Krebserkrankungen, Hormonstörungen, in den Wechseljahren u.v.m.

Vermehrtes Schwitzen kann viele Ursachen haben und z.B. in Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten stehen (etwa Parasympathomimetika, Kortisonpräparate). Auch Anstrengung, psychische/emotionale Belastungen bzw. Stress sind Gründe einer gesteigerten Schweißbildung. Nicht immer handelt es sich dabei um eine Hyperhidrose. Stark wahrgenommenes Schwitzen kann z.B. auch bei vergrößerten oder vermehrt vorkommenden Schweißdrüsen auftreten.

Diagnose einer Hyperhidrose

Im Zuge der Diagnose wird abgeklärt, ob es sich tatsächlich um eine Hyperhidrose handelt. Dafür ist die Erhebung der Krankengeschichte wesentlich. Symptome (z.B. wann und wo das Schwitzen auftritt) liefern wichtige Hinweise. Mögliche Ursachen werden abgeklärt, beispielsweise der Verdacht auf eine Erkrankung, bereits bestehende Erkrankungen, die für das Schwitzen verantwortlich sind, und eine eventuelle Medikamenteneinnahme. Dafür können verschiedene Untersuchungen vorgenommen und Laborwerte bestimmt werden.

Zur Ermittlung des Schweregrades der Hyperhidrose können verschiedene Tests durchgeführt werden:

  • Jod-Stärke-Test nach Minor. Bei diesem wird mittels Jodlösung und Stärke neu gebildeter Schweiß farblich dargestellt.
  • gravimetrische Messung. Dabei ermittelt man die Schweißmenge durch Filterpapier, das an einer bestimmten Körperstelle aufgebracht wird. Mit einer speziellen Waage erfolgt die Messung der Menge, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes aufgenommen wurde.

Therapie einer Hyperhidrose

Die Behandlung einer primären Hyperhidrose orientiert sich an der individuellen Situation der Betroffenen und der Körperregion. Bestimmte Verhaltensweisen bzw. Lebensstiländerungen können empfohlen werden. Diese beinhalten beispielsweise, das Tragen von Kunstfaser bzw. Kunststoff (Kleidung, Schuhe) zu unterlassen. Sinnvoll kann es außerdem sein, auf den Konsum von Kaffee, Tee, Alkohol, heißer und scharfer Kost zu verzichten. Stressreduktion sowie das Erlernen von Mechanismen der Stressverarbeitung und -bewältigung werden ebenfalls in Erwägung gezogen. Weitere Infos zu Stress & Erholung.

Zu den weiteren Therapiemaßnahmen gehören u.a.:

  • Verwendung von Antiperspirantien. Diese werden bei primärer Hyperhidrose an Achseln, Händen und Füßen lokal eingesetzt. Deos mit Aluminiumsalzen (Aluminiumchlorid-Hexahydrat) in unterschiedlicher Konzentration können angewendet werden. Ihre Wirkung beruht auf dem Verschluss der Ausführgänge der Schweißdrüsen. Zunutze macht man sich zudem die adstringierende Wirkung von Cremes, Lotions und Pulver mit Gerbsäure.
  • Leitungswasser-Iontophorese. Die Therapiemöglichkeit wird in erster Linie an Händen und/oder Füßen durchgeführt. Diese werden in ein Bad mit Leitungswasser getaucht, durch das schwache Gleitströme geleitet werden.
  • Injektion von Botulinumtoxin. Das Spritzen des Nervengiftes schaltet die Reizübertragung spezieller Nervenfasern auf Schweißdrüsen aus. Botulinumtoxin wird insbesondere in der Achselregion angewendet.
  • Systemische Therapie. Kommt die Hyperhidrose am ganzen Körper vor (generalisierte Hyperhidrose), werden Medikamente in Tablettenform verabreicht (Antihidrotika, Psychopharmaka).

Chirurgische Eingriffe werden insbesondere durchgeführt, wenn andere Therapieansätze nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Zu ihnen zählen unter anderem:

  • Subkutane Kürettage und subkutane Saugkürettage. Bei beiden Eingriffen werden die Schweißdrüsen der Achseln unter Narkose operativ entfernt. Mit speziellen Instrumenten werden die Bereiche ausgeschabt und unter Umständen abgesaugt.
  • Endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS) und CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse. Über kleine Schnitte und unter Narkose werden Instrumente und Kamera in den Brustraum eingeführt. Daraufhin werden bestimmte Nervenanteile unterbrochen (Sympathikusdurchtrennung). Dies erfolgt durch Hitze oder Metallklammern bei ETS sowie durch konzentrierten Alkohol bei CT-gesteuerter perkutaner Sympathikolyse. Der Eingriff wird bei Hyperhidrose an Händen, Gesicht und Achseln vorgenommen.

Über die Vorteile und Risiken der einzelnen Therapiemaßnahmen informiert Sie die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt. Infolge der Operationen kann es beispielsweise zu sogenanntem kompensatorischen Schwitzen kommen, d.h., das restliche Schwitzen an Körperregionen, die nicht behandelt wurden, ist kompensatorisch verstärkt. Auch ein gustatorisches Schwitzen kann auftreten. Zu diesem kommt es nach dem Essen und aufgrund der Fehlfunktion eines Nervs (N. auriculotemporalis) nach operativen Eingriffen.

Die Behandlung der sekundären Hyperhidrose wird ebenfalls individuell ausgerichtet. Sie zielt auf die optimale Therapie der Grunderkrankung ab.

Die zusätzliche Verwendung von Salbei kann erfolgen.

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechpersonen sind:

  • Hausärztin/Hausarzt
  • Dermatologin/Dermatologe
  • Neurologin/Neurologe

Abhängig von der Grunderkrankung und therapeutischen Maßnahmen sind weitere Fachärztinnen/-ärzte (z.B. für Chirurgie, Neurochirurgie) in den Diagnose- und Therapieprozess involviert. Die Behandlung erfolgt teils im Krankenhaus (operative Eingriffe).

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