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Frau bei EEG-Untersuchung © Viacheslav Lakobchuk
Frau bei EEG-Untersuchung © Viacheslav Lakobchuk

Epilepsie: Symptome & Diagnose

Viele Menschen verbinden mit Epilepsie ein äußerst spektakuläres Krankheitsbild, bei dem ein Mensch aus heiterem Himmel heftig krampft, zu Boden stürzt, Schaum aus dem Mund kommt und das Bewusstsein verliert. Doch je nachdem von welcher Region des Gehirns die abnorme Erregung der Nervenzellen ausgeht, kann ein epileptischer Anfall unterschiedlich ablaufen: Manchmal wird er kaum wahrgenommen und äußert sich beispielsweise nur durch ein plötzliches Zucken oder Kribbeln eines Armes oder Beines. Manche Betroffene kauen oder schmatzen kurz. Einige Menschen sind während eines Anfalls lediglich kurz geistig abwesend. Andere verlieren ihr Bewusstsein und sind nicht kontaktierbar bzw. reagieren nur wenig oder sehr langsam auf die Umgebung.

Ein epileptischer Anfall kann zu jeder Tageszeit entstehen, oft kommt es im Schlaf oder beim Aufwachen zu einem Anfall. In der Regel endet ein epileptischer Anfall nach wenigen Sekunden bis Minuten von selbst und verursacht keine bleibenden Schädigungen im Gehirn. Anders wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert: Dann sprechen Fachleute von einem sogenannten „Status epilepticus“. Dieser stellt einen Notfall dar, da das Gehirn geschädigt werden kann. 

Welche Symptome können auftreten?

Folgende Symptome können u.a. bei einem epileptischen Anfall auftreten: 

  • Kurze sekundendauernde Veränderungen der Wahrnehmung, wie z.B.
    • „komisches“ aufsteigendes Gefühl aus der Magengegend,
    • unbegründetes Angst-, Vertrautheits- oder Fremdheitsgefühl,
    • veränderte Sinneswahrnehmungen des Sehens, Hörens, Riechens oder des Schmeckens,
    • Kribbeln bzw. Missempfindungen in einem Körperteil,
  • Zuckungen oder Verkrampfungen des Gesichts, der Arme oder Beine bei erhaltenem Bewusstsein,
  • regungsloses vor sich Hinstarren mit verminderter bzw. fehlender Ansprechbarkeit oder Reaktionsfähigkeit,
  • merkwürdige Verhaltensweisen (wie Nesteln, Schmatzen, Schlucken, Kaubewegungen),
  • generalisierte Krämpfe mit Sturz und Bewusstlosigkeit,
  • Stuhl- und/oder Harnverlust,
  • Zungenbiss,
  • (blutiger) Speichelfluss.

Nach einem Anfall können die Betroffenen schläfrig und verwirrt sein oder über Kopfschmerzen klagen. Oft erinnern sie sich nicht daran, was passiert ist.

Immer wiederkehrende Anfälle beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen meist massiv. Die Angst vor dem nächsten Anfall ist mitunter ständiger Begleiter. Zudem leiden die Betroffenen auch unter dem Verlust der Unabhängigkeit (ev. der Fahrerlaubnis) oder haben Probleme mit ihrem Arbeitsplatz. Aufgrund der Unfallgefahr während eines epileptischen Anfalls sind Personen, die an Epilepsie erkrankt sind, auch in bestimmten Freizeitaktivitäten, wie Schwimmen, Klettern oder Tauchen eingeschränkt. Da die Gefahr besteht, dass es während eines epileptischen Anfalls zu einem Unfall und Verletzungen kommt, sind manche Betroffene auch in ihren Freizeitaktivitäten eingeschränkt. 

Hinweis Wie Sie im Ernstfall Erste Hilfe leisten können, erfahren Sie unter Notfall: Epileptischer Anfall.

Ein epileptischer Anfall kann in unterschiedlicher Form auftreten. Je nachdem treten verschiedene Symptome auf.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Nach einem ersten epileptischen Anfall sollte eine genaue Untersuchung bei einer Fachärztin/einem Facharzt für Neurologie erfolgen. Diese/dieser versucht durch eine sorgfältige Anamnese zu klären, ob es sich tatsächlich um Epilepsie handelt. An erster Stelle steht hier die genaue Beschreibung des Anfalls. Einerseits durch die Patientin/den Patienten selbst sowie durch Personen, die den Anfall miterlebt haben (z.B. Eltern, Lehrerinnen/Lehrer, Kolleginnen/Kollegen). Diese sogenannte Fremdanamnese ist von entscheidender Bedeutung, da sich die meisten Betroffenen nicht an den Anfall erinnern können. Sehr hilfreich können dabei Videoaufzeichnungen der Patientinnen/Patienten für die Beurteilung der Anfallsformen durch die Ärztin/den Arzt sein.

Erhebung auslösender Faktoren

Die Ärztin/der Arzt fragt nach möglichen, auslösenden Faktoren, wie beispielsweise Schlafmangel, Fieber, Alkohol, Drogen, Medikamente oder Unterzucker. Zudem versucht diese/dieser herauszufinden, was die Ursache für den erlittenen Anfall sein könnte (z.B. Schwangerschafts- bzw. Geburtskomplikationen, Störung der frühkindlichen Entwicklung, Fieberkrämpfe, schwere Kopfverletzungen, Entzündungen des Gehirns, Schlaganfall). Ferner ist es wichtig zu wissen, ob bereits Anfälle in der Familie aufgetreten sind. 

EEG und MRT

Nach einer eingehenden neurologischen Untersuchung wird in der Regel ein Elektroenzephalogramm ( EEG) durchgeführt. Mit dieser Untersuchung kann die elektrische Aktivität und damit auch die Anfallsbereitschaft des Gehirns gemessen werden. Für die Ableitung werden Elektroden an bestimmten Punkten am Kopf platziert, mit denen dann die elektrische Aktivität abgeleitet werden kann. Eine EEG-Ableitung dauert ca. 20–30 Minuten, es entsteht dabei keine Strahlenbelastung. Bestimmte Linienmuster im EEG können auf eine erhöhte Anfallsbereitschaft in gewissen Hirnregionen hindeuten.

Um zu überprüfen, wie das Gehirn auf äußere Einflüsse reagiert bzw. um einen epileptischen Anfall während der Untersuchung zu provozieren, kann die Ärztin/der Arzt verschiedene Reize einsetzen. Beispielsweise wird die Patientin/der Patient während dem EEG Lichtreizen (Flackerlicht) ausgesetzt oder dazu aufgefordert, einige Zeit schnell zu atmen (Hyperventilation). Auch durch Schlafentzug vor dem EEG kann bei entsprechender Empfindlichkeit ein epileptischer Anfall ausgelöst werden.

Zur Beobachtung der Hirnaktivität kommt in bestimmten Fällen ein Langzeit-EEG zum Einsatz. Dabei werden die Hirnströme über einen Zeitraum von 24-48 Stunden aufgezeichnet. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen epileptischen Anfall mit dem EEG aufzeichnen zu können. In manchen Fällen kann es auch hilfreich sein, während dem EEG Videoaufnahmen zu machen. Ein unauffälliges EEG schließt allerdings eine Epilepsie nicht aus: Bei zehn bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten treten keine epilepsietypischen Veränderungen im EEG auf. 

Um herauszufinden, ob im Gehirn Veränderungen vorliegen, die Ausgangspunkt eines epileptischen Anfalls sein können, wird zusätzlich eine MRT durchgeführt. In vielen Fällen kann somit die Ursache der Epilepsie festgestellt werden (z.B. Narben, Tumoren, Entwicklungsstörungen der Hirnrinde, Durchblutungsstörungen). 

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