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Kind fällt ins Wasser © David Büttner
Kind fällt ins Wasser © David Büttner

Notfall bei Kindern: Ertrinken

An sommerlichen Tagen tummeln sich Kinder gerne in öffentlichen Bädern, Swimmingpools, Teichen oder auch Planschbecken. Doch der schönste Badetag kann in einer Katastrophe enden: Ertrinken ist die häufigste unfallbedingte Todesursache in der Altersgruppe zwischen null und fünf Jahren.

Ein Kind kann wesentlich leichter gerettet werden als ein Erwachsener. Der Grund dafür ist seine – im Vergleich zu einem Erwachsenen – mangelnde Kraft, mit der es sich um sich schlägt oder sich an der Retterin/dem Retter festklammert und diesen in Gefahr bringt.

In Österreich ertrinken durchschnittlich drei bis fünf Kinder pro Jahr. Rechnet man die Zahl der beinahe Ertrunkenen dazu, die um ein Vielfaches höher liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit einen Ertrinkungsnotfall zu erleben, gar nicht so gering. Da das Zeitfenster zur Rettung eines Ertrunkenen sehr klein ist, kann eine sofortige Erste-Hilfe-Leistung Leben retten. Am wichtigsten sind allerdings – insbesondere bei Kindern – vorbeugende Maßnahmen!

Warum sind Kinder besonders gefährdet?

  • Das Element Wasser hat eine große Anziehungskraft auf alle Kinder. Reflexionen auf der Wasseroberfläche, schwimmende Blätter oder andere Gegenstände wecken ihr Interesse.
  • Kinder und Kleinkinder haben eine mangelnde Risikokompetenz. Sie sind sich der Gefahren nicht bewusst. Auch größere Kinder können nicht erkennen, wie tief ein Gewässer ist und ob sie dort stehen könnten.
  • Leider sind auch manchmal Eltern, Lehrer oder andere Aufsichtspersonen nicht vorsichtig genug oder erkennen Gefahren nicht. Oft ist der eigene Swimmingpool zwar gut abgesichert, der Teich oder die Regenwassertonne auf dem Nachbargrundstück sind aber vollkommen offen zu erreichen.
  • Fehlende Absperrungen von Wasserflächen in privaten und öffentlichen Bereichen sind häufig ein Problem. Wird die gewohnte Umgebung verlassen, ist die Situation meist noch gefährlicher.
  • Zusätzlich wird der Bewegungsradius von Kindern oft unterschätzt; bereits im Kleinkindalter ist ihr Bewegungsdrang groß, Kinder wollen sich fortbewegen und neue Gebiete erkunden.

Laut Statistik unterscheiden sich die Orte und Situationen, die für Kinder gefährlich werden können, je nach Alter. Die meisten Ertrinkungsunfälle ereignen sich

  • bei Kindern im Alter von null bis vier Jahren zu Hause im eigenen Garten (Pool, Planschbecken etc.; die Kinder stürzen unbemerkt hinein bzw. gehen unbemerkt ins Wasser),
  • bei Fünf- bis Neun-Jährigen vor allem in öffentlichen Schwimmbädern (Ursachen sind z.B. unsichere Schwimmkenntnisse, Wellenbad, plötzliche Panik etc.),
  • bei Zehn- bis 14-Jährigen vor allem in Seen, Flüssen oder durch Einbrechen in Eis (typische Ursachen sind in dieser Altersgruppe vor allem Selbstüberschätzung, „Gruppenzwang“, Alkohol).

Wie erkenne ich einen Ertrinkungsunfall bei Kindern?

„Kinder ertrinken still“ – gerade das macht die Situation so gefährlich. Denn Kinder sind im Gegensatz zu Erwachsenen meist nicht in der Lage, auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie im Wasser in Not geraten.

  • Sehr kleine Kinder beginnen nicht automatisch zu strampeln oder zu paddeln, wenn sie ins Wasser fallen. Typischerweise „erstarren“ sie beim Kontakt mit dem Wasser und gehen sofort unter.
  • Auch im Wasser aufzustehen kann für Kleinkinder zum Problem werden. Sie verlieren schnell die Orientierung, zudem schaffen sie es durch den Auftrieb nicht oder nur sehr schwer, die Beine unter den Körper zu ziehen und sich aufzustellen. Daher kann auch seichtes Wasser zur großen Gefahr werden!
  • Generell sind Kinder, die noch nicht schwimmen können, bei ihrem Abwehrkampf gegen das Ertrinken nicht in der Lage, Mund und Nase über der Wasseroberfläche zu halten. Sie können daher nicht um Hilfe rufen.
  • Bei Kindern im Vorschulalter kommt es bei Kontakt des Gesichtes mit kaltem Wasser zum sogenannten Eintauchreflex. Dabei entsteht ein Stimmritzenkrampf und in weiterer Folge eine Mangelversorgung mit Sauerstoff. Dieser Vorgang wurde früher als „trockenes“ Ertrinken bezeichnet (im Gegensatz zum „nassen“ Ertrinken, bei dem Wasser in die Lunge gerät).
  • Manchmal erscheint die Situation spielerisch. Besonders bei größeren Kindern kann die Situation für den Betrachter wirken, als ob das Kind tauchen würde.

Wie kann ich Erste Hilfe leisten?

Generell kann ein Kind wesentlich leichter gerettet werden als ein Erwachsener. Seine Kraft ist in der Regel geringer, für die Retterin/den Retter besteht daher weniger Gefahr, durch panisches Umklammern oder Um-sich-Schlagen des Kindes selbst unter Wasser gedrückt zu werden.

Dennoch muss immer zuerst an die eigene Sicherheit gedacht werden, besonders bei sehr unruhigem Gewässer mit hohem Wellengang, großer Entfernung der/des Ertrinkenden zum Ufer etc.

Gehen Sie wie folgt vor:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Wählen Sie sofort den Notruf 144 und machen Sie auch andere Personen auf die Situation aufmerksam.
  • Wenn Sie es sich zutrauen, das Kind selbst an Land zu holen: Benützen Sie auf jeden Fall vorhandene Hilfsmittel wie z.B. Schwimmweste, Rettungsring, Luftmatratze oder andere schwimmende Gegenstände.
  • Schätzen Sie Ihre Kondition richtig ein. Verbrauchen Sie nicht alle Kräfte auf dem Weg zum ertrinkenden Kind.
  • Während Sie das Kind ans Ufer ziehen, versuchen Sie möglichst, dessen Kopf über Wasser zu halten.

Nachdem das Kind ans Ufer gebracht wurde

Für die Erste Hilfe ist es vollkommen bedeutungslos, ob das Kind aus Süß- oder Meerwasser geborgen wird. Genauso ist es egal, ob das Kind einen Stimmritzenkrampf hatte oder nicht. Der Versuch, Wasser aus den Lungen zu entfernen, ist in jedem Fall sinnlos und verzögert Wiederbelebungsmaßnahmen.

Überprüfen Sie umgehend Bewusstsein und Atmung:

  • Bewusstsein kontrollieren:  Sprechen Sie das Kind laut an, z.B. „Wach auf!“, und berühren Sie das Kind leicht (z.B. an der Innenseite des Oberarms).

  • Atmung kontrollieren: Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf des Kindes, danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Bei Säuglingen wird der Kopf nicht überstreckt, sondern nur in die „Schnüffelposition“ gebracht (Kopf nur wenig nach hinten strecken, die Nase soll dabei leicht nach oben zeigen):
    • Wenn eine normale Atmung vorhanden ist: Legen Sie das Kind in die stabile Seitenlage. Kontrollieren Sie regelmäßig die Atmung des Kindes, bis die Rettungskräfte vor Ort sind. Lassen Sie es nicht alleine. Decken Sie es zu, um eine Unterkühlung zu vermeiden (schützen Sie es aber vor direkter Sonne!).
    • Wenn keine normale Atmung vorhanden ist: Sofort mit der Wiederbelebung starten.

Wie reanimiere ich ein Kind?

  • Beatmung: Führen Sie bei Kindern ab einem Jahr eine Mund-zu-Mund-Beatmung durch, bei Babys und Säuglingen wenden Sie eine Mund-zu-Nase-Beatmung an. Beatmen Sie das Kind 5x.

  • Herzdruckmassage: Drücken Sie 30x mit einer Frequenz von 100 bis 120x pro Minute. Der Druckpunkt liegt bei allen Kindern in der unteren Hälfte des Brustbeines. Bei Kindern ab einem Jahr drücken Sie mit einer oder mit beiden Händen, bei Babys und Kleinkindern mit einem oder zwei Fingern.

  • Anschließend 2x beatmen und dann wieder 30x Herzdruckmassage durchführen. Dies führen Sie so lange fort, bis professionelle Hilfe eintrifft oder bis das Kind Lebenszeichen zeigt (es bewegt sich, beginnt zu weinen, die Augen öffnen sich).

Mehr zum Thema: 1x1 der Ersten Hilfe bei Kindern

Hinweis Auch wenn das Kind aus dem Wasser gerettet werden konnte und bei Bewusstsein ist, muss es dennoch ins Krankenhaus gebracht werden! Eine Untersuchung und gegebenenfalls Überwachung ist wichtig, um Folgeschäden (z.B. Lungenschäden) zu erkennen. Diese können auch Stunden später noch zu einem Lungenversagen führen.

Wie kann ich Ertrinkungsnotfällen vorbeugen?

Die beste „Erste Hilfe“ ist das Setzen präventiver Maßnahmen, wie etwa:

  • Kinder müssen in der Nähe von Wasser permanent beaufsichtigt werden. Dies gilt für den Badesee ebenso wie für den Teich, das Babyplanschbecken im eigenen Garten sowie für alle anderen seichten Gewässer. Bereits 20 Sekunden reichen bei einem Kind, um unterzugehen und von der Wasseroberfläche zu verschwinden.
  • Vermeiden Sie auch mögliche Störungsquellen bzw. Ablenkungen wie Handy, Gang zur Toilette, Gespräche mit anderen Personen.
  • Sichern Sie im eigenen Bereich offene Wasserflächen (Pool, Planschbecken) ab.
  • Kinder sollten so früh wie möglich schwimmen lernen! Schwimmen ist der beste Schutz gegen Ertrinken!
  • Nichtschwimmer sollten immer Schwimmhilfen verwenden z.B. Schwimmflügel. Diese müssen dem Alter und der Körpergröße des Kindes entsprechen!
  • Aufblasbares Spielzeug wie z.B. Reifen, Bälle, Delfine etc. sind keine Schwimmhilfen und bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken.
  • Trainieren und üben Sie regelmäßig Erste-Hilfe-Maßnahmen z.B. bei einem Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz.
  • Wenn Sie Ihr Kind im Bad, am See etc. aus den Augen verlieren, suchen Sie zuerst die Wasserfläche ab.
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