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Kind fällt ins Wasser © David Büttner

Notfall bei Kindern: Ertrinken

An sommerlichen Tagen tummeln sich viele Kinder in öffentlichen Bädern, Swimmingpools, Teichen oder auch Planschbecken. Doch der schönste Badetag mit Kindern kann mitunter in einer Katastrophe enden. Ertrinken ist die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache in der Altersgruppe zwischen null und fünf Jahren. Ein Kind kann wesentlich leichter gerettet werden als ein Erwachsener. Der Grund dafür ist seine mangelnde Kraft – im Vergleich zu einem Erwachsenen –, mit der es sich am Retter festklammert bzw. um sich schlägt . . .

Nach einer Statistik der Österreichischen Wasserrettung versterben österreichweit etwa 120 Personen pro Jahr bei einem Ertrinkungsunfall, eine große Zahl davon sind Kinder. Rechnet man die beinahe Ertrunkenen dazu, die um ein Vielfaches höher liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit einen Ertrinkungsnotfall zu erleben, gar nicht so gering. Da das Zeitfenster zur Rettung eines Ertrunkenen sehr klein ist, kann eine sofortige Erste-Hilfe-Leistung Leben retten. Am wichtigsten sind allerdings vorbeugende Maßnahmen!

Warum sind Kinder besonders gefährdet?

  • Das Element Wasser hat eine große Anziehungskraft auf alle Kinder. Reflexionen auf der Wasseroberfläche, schwimmende Blätter oder andere Gegenstände wecken ihr Interesse.
  • Kinder und Kleinkinder haben eine mangelnde Risikokompetenz. Sie sind sich der Gefahren nicht bewusst. So können Kinder nicht erkennen, wie tief ein Gewässer ist, und ob sie dort stehen könnten.
  • Kinder wollen sich fortbewegen. Bereits im Kleinkindalter ist ihr Bewegungsradius nicht zu unterschätzen.
  • Da Kleinkinder meistens nicht schwimmen können, ist es ihnen auch nicht möglich, im Notfall ihren Kopf über Wasser zu halten. Aufgrund ihrer untrainierten Muskulatur gehen sie sofort unter.
  • Im Wasser aufzustehen kann für Kleinkinder zum Problem werden. Durch den Auftrieb schaffen sie es nicht oder nur sehr schwer, die Beine unter den Körper zu ziehen und sich aufzustellen.
  • Bei Kindern im Vorschulalter kommt es bei Kontakt des Gesichtes mit kaltem Wasser zum sogenannten Eintauchreflex. Dabei kommt es zum Stimmritzenkrampf und in weiterer Folge zu einer Mangelversorgung mit Sauerstoff. Dieser Vorgang wird als „trockenes“ Ertrinken bezeichnet. Im Unterschied zum „feuchten“ Ertrinken, bei dem Wasser in die Lunge kommt.
  • Kinder rufen im Notfall nicht um Hilfe, da sie ihren Kopf nicht über Wasser halten können.
  • Leider sind auch manchmal Eltern, Lehrer oder andere Aufsichtspersonen nicht vorsichtig genug oder erkennen Gefahren nicht. Oft ist der eigene Swimmingpool zwar gut abgesichert, der Teich auf dem Nachbargrundstück aber vollkommen offen zu erreichen. Besonders gefährlich ist die Situation, wenn die gewohnte Umgebung verlassen wird.
  • Kinder müssen in der Nähe von Wasser permanent beaufsichtigt werden. Bereits 20 Sekunden reichen bei einem Kind, um unterzugehen und von der Wasseroberfläche zu verschwinden. Deshalb Kinder in der Nähe von Wasser niemals alleine lassen! Mögliche Störungsquellen bzw. Ablenkungen wie Handy, Gang zur Toilette, Gespräche mit anderen Personen sind zu vermeiden.
  • Fehlende Absperrungen von Wasserflächen in privaten und öffentlichen Bereichen sind häufig ein Problem. Bereits eine Regenwassertonne auf dem Nachbargrundstück ist eine potenzielle Gefahr.

Wie rette ich ein ertrinkendes Kind?

Ein Kind kann wesentlich leichter gerettet werden als ein Erwachsener. Der Grund dafür ist seine mangelnde Kraft – im Vergleich zu einem Erwachsenen –, mit der es sich am Retter festklammert bzw. um sich schlägt. Trotzdem muss bei jeder Rettungsaktion die Eigensicherung beachtet werden. Wenn keine Profihelfer zur Stelle sind, dann sollten Sie bei der Rettungsaktion Hilfsmittel verwenden wie z.B. Rettungsleine, -ring, -boje bzw. ein Boot oder sonstige schwimmende Gegenstände (Holzgegenstände, Luftmatratze, Ball usw.)

Wie leiste ich richtig Erste Hilfe?

Für die Erste Hilfe ist es vollkommen bedeutungslos, ob das Kind aus Süß- oder Meerwasser geborgen wird. Genauso ist es egal, ob das Kind einen Stimmritzenkrampf hatte oder nicht. Der Versuch, Wasser aus den Lungen zu entfernen, ist sinnlos und verzögert Wiederbelebungsmaßnahmen.

Gehen Sie beim Notfallcheck wie folgt vor:

  • Bewusstsein kontrollieren: Der Bewusstseinszustand des Kindes wird sowohl durch Ansprechen als auch körperliche Reize überprüft. Sprechen Sie das Kind laut an, z.B. „Wach auf!“, und berühren Sie das Kind leicht (z.B. an der Innenseite des Oberarms). Zeigt es keine Reaktion, rufen Sie laut um Hilfe, damit andere Personen auf die Situation aufmerksam werden und eventuell den Notruf betätigen. Sollten Sie alleine sein, müssen Sie die nächsten zwei Schritte durchführen und erst dann selbst den Notruf wählen.
  • Atmung kontrollieren:
    • Kind (ab einem Jahr): Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf des Kindes, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und mit der anderen das Kinn anheben. Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche, und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind.
    • Säugling (bis zu einem Jahr): Bei Säuglingen wird der Kopf nicht überstreckt, sondern nur in die Neutralposition gebracht (Schnüffelstellung: Kopf nur wenig überstrecken, die Nase soll dabei leicht nach oben zeigen). Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche, und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind.
    • Wenn die Atmung vorhanden ist: Stabile Seitenlage und danach Notruf 144 oder 112 wählen und Atmung überwachen. Wenn keine Atmung vorhanden ist: Sofort mit der Wiederbelebung starten.

Die Reanimation bei Kindern

Ein Atemstillstand ist bei einem Kind ein dramatisches Ereignis. Daher beginnen Sie sofort mit der Beatmung 5x und danach 30x den Brustkorb massieren. Erst nach einer Minute Wiederbelebung den Notruf 144 oder 112 wählen. 

Bei Atemstillstand das Kind sofort 5x beatmen:

  • Beim Hineinblasen immer die Größe des Kindes berücksichtigen.
  • Kind (ab einem Jahr): Bei Kindern wird eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt, indem die Helferin/der Helfer den Mund des Kindes dicht umschließt. Die Nase wird mit dem Zeigefinger und dem Daumen verschlossen.
  • Säugling (bis zu einem Jahr): Bei Säuglingen wird in der „Schnüffelstellung“ eine Mund-zu-Mund-Nasen-Beatmung durchgeführt, indem der Mund der Helferin/des Helfers Mund und Nase dicht umschließen. Gelingt dies nicht, dann wird entweder eine Mund-zu-Nase- oder Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt. 

30x Herzdruckmassage durchführen:

  • Kind (ab einem Jahr): Druckpunkt auffinden – ca. Mitte des Brustkorbes –, je nach Größe des Kindes mit einer oder mit beiden Händen drücken. Die Eindrücktiefe soll bei der Herzdruckmassage etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen – mit einer Frequenz von mindestens 100x in der Minute.
  • Säugling (bis zu einem Jahr): Druckpunkt auffinden, das ist ein Finger breit unterhalb der Mitte des Brustkorbes, je nach Größe des Kindes mit einem oder zwei Fingern drücken. Die Drucktiefe soll bei der Herzdruckmassage etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen – mit einer Frequenz von mindestens 100x in der Minute.

Anschließend 2x beatmen und dann wieder 30x Herzmassage durchführen:

  • Dieser Rhythmus ist bei Kindern und Erwachsenen gleich. Führen Sie eine Wiederbelebung 
    so lange durch, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Ertrinkungsnotfällen vorbeugen können

  • Kinder sollten so früh wie möglich schwimmen lernen! Schwimmen ist der beste Schutz gegen Ertrinken!
  • Nichtschwimmer sollten immer Schwimmhilfen verwenden z.B. Schwimmflügel.
  • Prüfen Sie Ihre Umgebung auf mögliche Gefahrenquellen im Zusammenhang mit frei zugänglichen Wasserflächen!
  • Sichern Sie offene Wasserflächen ab bzw. Ihr Grundstück mit einem Zaun, damit Kinder nicht weglaufen können.
  • Aufblasbares Spielzeug wie z.B. Reifen, Bälle, Delfine usw. sind keine Schwimmhilfen und bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken.
  • Lassen Sie Kinder in der Nähe von Wasser niemals aus den Augen und bleiben Sie in Eingreifnähe!
  • Trainieren und üben Sie regelmäßig Erste-Hilfe-Maßnahmen z.B. bei einem Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz.
  • Wenn Sie Ihr Kind im Bad, am See etc. aus den Augen verlieren, suchen Sie zuerst die Wasserfläche ab.
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