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Kind mit Fahrrad gestürzt © Konstanze Gruber

1x1 der Ersten Hilfe bei Kindern

Das Vorgehen bei Kindernotfällen unterscheidet sich nur in wenigen Details von Erwachsenennotfällen. Bevor Sie als Ersthelferin/Ersthelfer aktiv werden, versuchen Sie, Ruhe zu bewahren, und atmen Sie tief durch. Es ist vollkommen normal, dass Sie in dieser Situation aufgeregt sind. Handeln Sie Schritt für Schritt, und rufen Sie sich Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse in Erinnerung. Denken Sie daran: Der einzige und schlimmste Fehler, den Sie machen können, ist, „NICHTS ZU TUN“!

Die 4 Schritte beim Notfall

Schritt 1 – Eigenschutz

Bei allen Notfällen muss die eigene Sicherheit gewährleistet sein. Zumindest sollte vor jeder Rettungsaktion eine kurze Risikoabschätzung durchgeführt werden. Eine Bergung z.B. aus einem Gewässer ist eine individuelle Entscheidung und hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise von der Wassertemperatur. Eigenschutz hat dabei oberste Priorität. Es nützt das beste Erste-Hilfe-Wissen nichts, wenn man selbst zu Schaden kommt.

Schritt 2 – lebensrettende Sofortmaßnahmen

Diese sind situationsbedingt unterschiedlich und müssen vor Ort entschieden werden.

  • Wenn notwendig: Bringen Sie das verletzte Kind aus der Gefahrenzone. Achten Sie dabei auf Ihren Eigenschutz. Bei zu großer Eigengefährdung rufen Sie Hilfskräfte wie Feuerwehr, Rettung oder Polizei.
  • Starke Blutungen müssen rasch gestillt werden. Drücken Sie auf die Wunde, um den Blutverlust zu stoppen oder zumindest zu bremsen. Kinder kommen sehr schnell in einen Schockzustand.
  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Kind in Rückenlage droht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Verschlucken von Gegenständen das Kind sofort in eine Kopftieflage bringen und fünfmal auf den Rücken schlagen (zwischen den Schulterblättern).
  • Bei Atemstillstand ist eine Wiederbelebung notwendig.

Schritt 3 – Notruf absetzen

Der Notruf ist in einer Notfallsituation besonders wichtig. Sollten Sie alleine sein, rufen Sie laut um Hilfe und rufen Sie per Telefon die Notrufnummer 144 oder 112 an. Weitere Helferinnen/Helfer können Sie bis zum Eintreffen der Rettung oder der Notärztin/des Notarztes bei allen Maßnahmen unterstützen.

Schildern Sie am Notruftelefon möglichst langsam und konzentriert die Situation. Besonders wichtig sind folgende Angaben:

  • Wer ruft an? Eigener Name mit Telefonnummer für Rückruf.
  • Wo ist der Notfallort? Je genauer, desto besser.
  • Was ist passiert? Erkrankung, Verletzung.
  • Wie viele Menschen sind betroffen? Zahl der Verletzten, z.B. bei Verkehrsunfall.

Diese Fragen brauchen Sie sich aber nicht zu merken. Sie werden aktiv von der Mitarbeiterin/dem Mitarbeiter der Rettungsleitstelle gestellt!

Die wichtigsten Notrufnummern sind:

  • Rettung 144
  • Polizei 133
  • Feuerwehr 122

Schritt 4 – zusätzliche Basismaßnahmen:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Verletzten Kindern wird sehr schnell kalt. Decken Sie deshalb das Kind zu.
  • Beruhigen Sie das Kind, damit es nicht panisch reagiert und dadurch die Situation schlimmer wird.

Geben Sie dem Kind das Gefühl der Sicherheit. Trösten und beruhigen hilft (fast) immer, auch bei Schmerzen.

  • Nehmen Sie Schmerzen ernst, und bagatellisieren Sie diese nicht.
  • Besteht kein Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung, nehmen Sie das Kind auf den Arm.
  • Halten Sie mit dem Kind Hautkontakt.
  • Oft hilft Ablenken mit einem Stoff- oder Schmusetier.

Der Notfallcheck

Der Notfallcheck ist eine schnelle Untersuchung des verletzten oder erkrankten Kindes. Überprüfen Sie daher Bewusstsein und Atmung, und führen Sie bei Bedarf lebensrettende Maßnahmen durch. Für den Notfallcheck benötigen Sie zirka 10–15 Sekunden. Legen Sie besonderes Augenmerk auf die Atmung, da häufig ein Sauerstoffmangel durch unzureichende Atmung besteht.

Gehen Sie beim Notfallcheck wie folgt vor:

  • Bewusstsein kontrollieren
    • Der Bewusstseinszustand des Kindes wird sowohl durch Ansprechen und körperliche Reize überprüft. Sprechen Sie das Kind laut an, z.B. „Wach auf!“ und berühren Sie das Kind leicht (z.B. an der Innenseite des Oberarms). Zeigt es keine Reaktion, rufen Sie laut um Hilfe, damit andere Personen auf die Situation aufmerksam werden und eventuell den Notruf betätigen. Sollten Sie alleine sein, müssen Sie die nächsten zwei Schritte durchführen und erst dann selbst den Notruf wählen.
  • Atmung kontrollieren
    • Kind (ab einem Jahr): Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf des Kindes, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und mit der anderen das Kinn anheben. Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche, und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind.
    • Säugling (bis zu einem Jahr): Bei Säuglingen wird der Kopf nicht überstreckt, sondern nur in die Neutralposition gebracht (Schnüffelstellung). Danach gilt: hören, sehen, fühlen für maximal zehn Sekunden. Beobachten Sie den Brustkorb bezüglich Atembewegungen, hören Sie auf Atemgeräusche, und fühlen Sie, ob Brustkorbbewegungen vorhanden sind.
    • Wenn die Atmung vorhanden ist: Stabile Seitenlage und danach Notruf 144 oder 112 wählen und Atmung überwachen. Wenn keine Atmung vorhanden ist: Sofort mit der Wiederbelebung starten.

Die Reanimation bei Kindern

Ein Atemstillstand ist bei einem Kind ein dramatisches Ereignis. Daher beginnen Sie sofort mit der Beatmung 5x und danach 30x den Brustkorb massieren. Erst nach einer Minute Wiederbelebung den Notruf 144 oder 112 wählen.

  • Bei Atemstillstand das Kind sofort 5x beatmen. Beim Hineinblasen immer die Größe des Kindes berücksichtigen.
    • Kind (ab einem Jahr): Bei Kindern wird eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt, indem die Helferin/der Helfer den Mund des Kindes dicht umschließt. Die Nase wird mit dem Zeigefinger und dem Daumen verschlossen.
    • Säugling (bis zu einem Jahr): Bei Säuglingen wird in der „Schnüffelstellung“ eine Mund-zu-Mund-Nasen-Beatmung durchgeführt, indem der Mund der Helferin/des Helfers Mund und Nase dicht umschließen. Gelingt dies nicht, dann wird entweder eine Mund-zu-Nase- oder Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt.
  • 30x Herzdruckmassage durchführen:
    • Kind (ab einem Jahr): Druckpunkt auffinden – ca. Mitte des Brustkorbes – je nach Größe des Kindes mit einer oder mit beiden Händen drücken. Die Eindrücktiefe soll bei der Herzdruckmassage etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen – mit einer Frequenz von mindestens 100x in der Minute.
    • Säugling (bis zu einem Jahr): Druckpunkt auffinden, das ist ein Finger breit unterhalb der Mitte des Brustkorbes je nach Größe des Kindes mit einem oder zwei Fingern drücken. Die Drucktiefe soll bei der Herzdruckmassage etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe betragen – mit einer Frequenz von mindestens 100x in der Minute.
  • Anschließend 2x beatmen und dann wieder 30x Herzmassage durchführen: Dieser Rhythmus ist bei Kindern und Erwachsenen gleich. Führen Sie eine Wiederbelebung so lange durch, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Unterschied zwischen Erwachsenen- und Kinderwiederbelebung:

  • Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist bei Kindern meist die Folge eines Problems mit der Atmung (z.B. Verschlucken von Gegenständen, Infektionen der oberen Atemwege). Deshalb beginnen Sie die Wiederbelebung mit der Atemspende (zu Beginn 5x beatmen). Beim Erwachsenen starten Sie – im Unterschied dazu – mit der Herzdruckmassage.
  • Der Druckpunkt für die Reanimation ist bei Säuglingen etwas tiefer (ein Finger breit unter der Brustkorbmitte). Bei allen anderen Altersklassen und Erwachsenen ist der Druckpunkt in der Mitte des Brustkorbes.
  • Wählen Sie den Notruf 144 oder 112 bei Kindern erst nach einer Minute Wiederbelebung. Bei Erwachsenen wählen Sie den Notruf sofort nach Erkennen des Atemstillstands.
     
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