Altersbedingte Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration (auch: AMD, altersabhängige, altersbezogene) ist eine Erkrankung des Zentrums der Netzhaut des Auges, der Makula lutea (Gelber Fleck). Diese ist für Sehen und Sehschärfe besonders wichtig.

Die AMD hat schwerwiegende Auswirkungen auf Sehvermögen und Leben der Betroffenen. Im Zuge der Erkrankung können Betroffene einen zentralen grauen Fleck bzw. Schatten in der Mitte des Gesichtsfeldes sehen. Linien und Objekte werden verzerrt bzw. verschoben wahrgenommen. Veränderungen des Farbsehens sind ebenfalls möglich. Die trockene Form schreitet langsam voran. Bei der feuchten Form kommt es zu einer raschen Verschlechterung des Sehvermögens.

Welche Ursachen hat eine AMD?

Die AMD steht in Zusammenhang mit dem Altern. Nicht jeder ältere Mensch erkrankt jedoch daran. Die Ursachen einer AMD sind noch nicht restlos geklärt, folgende Faktoren spielen – neben dem Altern – u.a. eine Rolle:

  • Familiäre Vorbelastung. AMD-Erkrankungen innerhalb der Verwandtschaft können das Risiko erhöhen.
  • Zivilisationskrankheiten & Lebensstil. Möglicherweise stehen Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang mit AMD. Risikofaktoren, wie sie etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten, treten auch bei von AMD Betroffenen auf (Bluthochdruck, Übergewicht, mangelnde Bewegung und Hypercholesterinämie). Eine gesunde Lebensweise ist jedenfalls ratsam (z.B. ausgewogene Ernährung mit Fisch und Gemüse sowie regelmäßige moderate Bewegung). Ebenfalls sinnvoll – nicht nur hinsichtlich einer AMD – ist der Verzicht auf das Rauchen. Rauchen ist ein Risikofaktor.
  • Schutz vor UV-Strahlung. Generell bedeutend ist außerdem ein guter Schutz der Augen vor Sonnenstrahlung bzw. Lichteinwirkung – insbesondere im Hochgebirge, am Strand, im Wasser oder bei Schnee.

Welche Symptome können auftreten?

Bei der AMD kommt es zur Anhäufung von Stoffwechselprodukten und zur Zerstörung von Zellen der Makula lutea. Die Sehschärfe im Zentrum des Sehens wird eingebüßt.

Das äußere Gesichtsfeld – und dadurch eine gewisse Orientierungsmöglichkeit im Raum – bleibt meist erhalten. Es können im Lauf der Erkrankung z.B. noch Umrisse etwa einer Zeitschrift erkannt werden. Diese kann jedoch nicht mehr gelesen werden.

Grafik Makuladegeneration
© bilderzwerg

Eine AMD kann in unterschiedlichen Formen auftreten:

  • Trockene Form. Diese schreitet meist langsam voran und wird von Betroffenen anfangs oft nicht bemerkt. Es zeigen sich typische gelbliche Ablagerungen unter der Netzhaut (Drusen), Verdickungen und Ausdünnungen. Im Lauf der Erkrankung sterben Zellen ab. Diese Areale können sich vergrößern (geografische Atrophie). Durch die AMD entstehen dauerhafte und schwere Beeinträchtigungen der Sehschärfe/des Sehvermögens. Die trockene Form kann in eine feuchte übergehen.
  • Feuchte Form. Diese Form schreitet schnell voran und macht sich durch eine rasche und massive Verschlechterung des Sehvermögens bemerkbar. Dabei wachsen Blutgefäße unter der Netzhaut ein. Diese Blutgefäße können undicht sein, zu Blutungen und Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) sowie zur Anhebung der Netzhaut führen. Netzhautzellen werden geschädigt und sterben ab. Unbehandelt kann diese Erkrankung zu einem massiven Sehverlust führen, wobei in den meisten Fällen ein peripheres Sehen (äußerer Bereich) erhalten bleibt.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Um eine AMD abzuklären, führt die Augenärztin/der Augenarzt eine Anamnese durch. Betroffene können einen zentralen grauen Fleck bzw. Schatten in der Mitte des Gesichtsfeldes sehen. Linien und Objekte werden verzerrt bzw. verschoben wahrgenommen (z.B. beim Amsler-Gitter). Veränderungen des Farbsehens sind ebenfalls möglich (matter) etc.

Für die Diagnose werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen, wie z.B.:

  • Untersuchung des Augenhintergrundes. Dies erfolgt mittels Augenspiegelung (Ophthalmoskopie), oft mithilfe pupillenerweiternder Augentropfen. Der vordere Augenbereich sowie der Glaskörper und die Netzhaut werden mittels Spaltlampe und spezieller Lupe untersucht.
  • Test mittels Amsler-Gitter. Weitere Infos dazu finden Sie auf der Website der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG).
  • Augenhintergrundfotografie (Fundusfotografie). Der Augenhintergrund kann festgehalten – d.h. mit einer speziellen digitalen Kamera aufgenommen – werden. Durch mehrmaliges „Abfotografieren“ in zeitlichen Abständen kann ein Fortschreiten der Erkrankung beobachtet werden.
  • OCT. Eine weitere Untersuchung stellt die optische Kohärenztomographie (OCT) dar. Diese wird auch zur Kontrolle der Therapie genutzt. Bei der OCT handelt es sich um eine Untersuchungsmethode, mit deren Hilfe u.a. die Netzhaut in hoher Auflösung optisch abgebildet, in Schichten dargestellt und ihre Dicke gemessen werden kann.
  • Fluoreszenz-Angiographie, Angio-OCT-Untersuchung. Liegt z.B. der Verdacht auf die Entwicklung einer feuchten Form vor, wird häufig eine weitere Untersuchung vorgenommen – die Fluoreszenz-Angiographie. Bei dieser wird über die Armvene ein fluoreszierender Farbstoff gespritzt. Mithilfe des Farbstoffes und seiner Verteilung werden krankhafte Veränderungen sichtbar. Alternativ kann je nach klinischem Bild auch eine Angio-OCT-Untersuchung zur Diagnostik und Verlaufskontrolle der feuchten AMD durchgeführt werden.

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Behandlung einer AMD erfolgt je nach individuellen Voraussetzungen bzw. abhängig davon, ob eine trockene oder feuchte Form vorliegt.

Therapie der trockenen Form

Für die trockene Form der AMD gibt es bislang verschiedene Maßnahmen. Jedoch kann keine Therapie die Schäden wieder aufheben sowie ein Fortschreiten völlig stoppen.

  • Ein wesentlicher Eckpfeiler ist die ausführliche Information der Betroffenen über die Erkrankung und ihre Folgen. Bei der trockenen Form kommt es in der Regel nicht zur vollständigen Erblindung, jedoch zu einer erheblichen Einschränkung des scharfen, zentralen Sehens. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten im alltäglichen Leben. Unterstützung im Alltag kann notwendig werden (z.B. bei Einkäufen) sowie Adaptierungen der Wohnräume (z.B. ausreichende Helligkeit durch gute Beleuchtung). Eine AMD stellt oft eine enorme psychische Belastung dar.
  • Außerdem wird versucht, das Fortschreiten z.B. der Frühstadien der trockenen Form durch Einnahme hochdosierter Substanzen (z.B. Betacarotin, Lutein, Vitamin C, Vitamin E, Zink, Lutein und Zeaxanthin in Kombination) zu verringern. Bei Raucherinnen/Rauchern bzw. ehemaligen Raucherinnen/Rauchern sollte auf die Verwendung von Betacarotin verzichtet werden. Auf das Rauchen sollte generell verzichtet werden!

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind sowohl bei der trockenen als auch der feuchten Form ratsam. Zudem ist Selbstbeobachtung empfehlenswert. Mithilfe des Amsler-Gitter-Tests können Betroffene selbst Veränderungen bemerken. Infos dazu finden Sie auf der Website der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft.


Therapie der feuchten Form

Wird eine feuchte AMD nicht behandelt, schreitet sie meist rasch voran. Bei der Therapie wird das Auge mit Augentropfen oder Gel „betäubt“ – und anschließend werden Medikamente in den Glaskörper des Auges gespritzt (intravitreale Injektion von Gefäßwachstumsfaktoren – VEGF-Inhibitoren), um das Einwachsen der Gefäße zu verhindern. Im Regelfall sind mehrere Injektionen erforderlich. Wesentlich für einen Behandlungserfolg ist das möglichst frühe Erkennen neu einwachsender Gefäße – und das rasche Vorgehen, um Schäden an Sehzellen zu verhindern. Außerdem notwendig: regelmäßige, lebenslange Kontrolluntersuchungen.

Seltener werden weitere Behandlungsansätze verfolgt, etwa eine Laserbehandlung bzw. photodynamische Therapie. Bei plötzlichen größeren Blutungen kann auch ein chirurgischer Eingriff notwendig werden.

Bei Verdacht auf eine feuchte AMD überweist die Ärztin/der Arzt meist umgehend – beispielsweise in die Augenabteilung eines Krankenhauses.

Weitere Maßnahmen und Informationen

Zusätzlich werden bei beiden Formen der AMD gegebenenfalls weitere Maßnahmen gesetzt, z.B. die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Über die Behandlungsmöglichkeiten, Vorteile und Risiken sowie über Verhaltensweisen, die bei der Erkrankung zu beachten sind, informiert die Augenärztin/der Augenarzt.

Unterstützung im Alltag

Erleichterung im Alltag bringen spezielle Sehhilfen (vergrößernde Sehhilfen wie Lupen, Lupenbrillen, Bildschirmlesegeräte etc.). Zeitschriften, Websites und Bücher sind teils mit vergrößerten Buchstaben erhältlich bzw. abrufbar.

Näheres zu Hilfsmitteln erfahren Sie außerdem unter

Reha, Pflege & Beratung

Vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung muss z.B. auf Hörbücher ausgewichen werden. Ev. kann eine Rehabilitation durchgeführt werden. Weitere Informationen zum Antrag einer Rehabilitation finden Sie unter Rehabilitation.

Informationen zu Sehbehinderung und Pflegegeld finden Sie auf der Website des Sozialministeriums.

Ehrenamtliche Beratung und Unterstützung erhalten Sie zudem bei Selbsthilfegruppen.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Augenärztin/der Augenarzt (auch Ophthalmologin/Ophthalmologe, Fachärztin/Facharzt für Augenheilkunde) diagnostiziert eine AMD, informiert über die Erkrankung, gibt Hilfestellungen im Umgang mit der Erkrankung. Sie/er erklärt zudem die weitere Vorgehensweise.

Diagnose und Behandlung bieten spezielle Ambulanzen bzw. Abteilungen in Krankenhäusern. Je nach individuellen Voraussetzungen können Ärztinnen/Ärzte verschiedener Fachrichtungen sowie die Hausärztin/der Hausarzt beteiligt sein, z.B. bei Diabetes mellitus, Bluthochdruck etc.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

Eine OCT-Untersuchung (Optische Kohärenztomografie) bei der Augenärztin/dem Augenarzt ist nur bei einigen Sozialversicherungsträgern direkt verrechenbar.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 29. Oktober 2021

Abgenommen durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ.-Prof. Dr. Yosuf El-Shabrawi

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