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Mann mit Augenschmerzen © auremar
Mann mit Augenschmerzen © auremar

Glaukom (Grüner Star)

Beim Glaukom (Grünen Star) handelt es sich um eine Gruppe verschiedener Krankheiten der Augen, bei denen es zur Schädigung des Sehnervs kommt. Einschränkungen des Gesichtsfeldes treten bei einem Glaukom auf. Im schlimmsten Fall kommt es zur Erblindung. Häufig liegt ein zu hoher Augeninnendruck vor.

Es gibt verschiedene Formen des Glaukoms mit unterschiedlichen Ursachen. Oftmals werden im Zuge der Therapie Medikamente meist in Form von Augentropfen verwendet. Auch operative oder laserchirurgische Eingriffe können notwendig sein. Die Therapie erfolgt teils in Augenabteilungen von Krankenhäusern.

Welche Ursachen hat ein Glaukom?

Das Auge benötigt einen gewissen Druck, um nicht in sich zusammenzufallen und die nahezu runde Form zu behalten, die für das optimale Sehen notwendig ist. Der Augeninnendruck ist für die stabile Form des Auges maßgeblich. Durch das Kammerwasser wird der Augendruck zu einem wesentlichen Teil aufrechterhalten. Das Kammerwasser ist zudem für die Versorgung von Hornhaut und Linse mit Nährstoffen wichtig. Laufend wird so viel Kammerwasser gebildet wie abfließt, sodass ein Gleichgewicht herrscht. Funktioniert der Abfluss des Kammerwassers nicht richtig oder wird ein Zuviel an Kammerwasser produziert, kann dies zu einem Anstieg des Augendrucks führen.

Geregelt wird ein großer Teil des Abflusses des Kammerwassers durch den Abflusswiderstand im Trabekelwerk des Kammerwinkels (trabekulärer Abfluss). Ein kleinerer Teil wird über verschiedene andere Wege abtransportiert. Oft ist ein Druckanstieg durch eine Behinderung des Kammerwasserabflusses im Trabekelwerk bedingt. Auch ein enger Kammerwinkel kann vorliegen sowie eine seltene angeborene Entwicklungsstörung des Kammerwinkels (kongenitales Glaukom).

Der „normale“ Augeninnendruck liegt zwischen zehn und 21 mmHg. Der Augeninnendruck ändert sich – beispielsweise im Laufe des Tages. Werte oberhalb oder unterhalb der Norm sowie große Schwankungen der Werte können allerdings auf Erkrankungen des Auges hindeuten. Aber Augeninnendruckwerte können interindividuell stark variieren, sodass bei einem Teil der Betroffenen bereits niedrige Augendruckwerte mit einer Schädigung des Sehnervs einhergehen können (Normaldruckglaukom). Aber auch Augeninnendruckwerte >21 mmHg können bei einzelnen Patientinnen/Patienten ohne Schaden für den Sehnerv toleriert werden (okuläre Hypertension).

Welche Formen gibt es?

Zu den Glaukomformen zählen unter anderem:

  • primäres Offenwinkelglaukom – eine besonders häufige und chronische Form, die meist beide Augen betrifft. Von den Betroffenen bleibt es oft lange unbemerkt, da z.B. keine Schmerzen auftreten. Beeinträchtigende Sehstörungen werden außerdem oft erst wahrgenommen, wenn Schäden bereits fortgeschritten sind. Vorsorge kann daher besonders wichtig sein!
  • Normaldruckglaukom – ein Glaukom ohne Hochdruck. Der Augeninnendruck liegt innerhalb des Normbereiches (unter 21 mmHg). Bei Betroffenen zeigen sich bei diesem Druck jedoch Glaukom-typische Schäden, wie etwa am Sehnerv, und Gesichtsfeldausfälle.
  • Winkelblockglaukom, bei dem der Kammerwinkel verlegt ist. Der akute Winkelblock („Glaukomanfall“) entwickelt sich durch ein plötzliches Verlegen des Kammerwinkels, sodass sich der Augeninnendruck innerhalb weniger Stunden stark erhöht. Die Folgen: starke Schmerzen und Sehstörungen sowie die Gefahr von schweren Schädigungen des Sehnervs (Erblindung!). Es kann ein angeborener enger Kammerwinkel vorliegen, Weitsichtigkeit und eine relativ große Linse. Bei älteren Menschen kommt es unter anderem spontan zu einem akuten Winkelblock infolge von medikamentöser Pupillenerweiterung bei Augenuntersuchungen. Bei abgeflachter Vorderkammer werden diese daher nicht verabreicht.
  • kongenitales Glaukom. Diese seltene Form kann – falls nicht rechtzeitig erkannt – relativ schnell zur Erblindung führen. Es zeigt sich meist im ersten Lebensjahr. Augenuntersuchungen sollten nicht zuletzt deshalb bei Babys und Kleinkindern wahrgenommen, Verdachtsmomente, Probleme und Auffälligkeiten rasch abgeklärt werden.
  • sekundäres Glaukom – ein Glaukom, das durch andere Augenkrankheiten oder Allgemeinerkrankungen, Verletzungen, Kortison etc. verursacht wird. Primäre Glaukome treten spontan auf, sekundäre Glaukome z.B. als Folge anderer Erkrankungen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Nicht alle Faktoren für die Entstehung eines Glaukoms sind bislang bekannt. Risikofaktoren unterscheiden sich unter anderem je nach Form des Glaukoms. 

Daher können regelmäßige augenärztliche Untersuchungen sinnvoll sein (z.B. ab dem 40. Lebensjahr). Denn die Augenärztin/der Augenarzt kann Schäden bereits früh erkennen und eine Behandlung einleiten. Sind z.B. Eltern oder Geschwister von einem Grünen Star betroffen, ist das Risiko eines Glaukoms erhöht. Weitere mögliche Risikofaktoren sind unter anderem:

  • hoher Augeninnendruck,
  • Blutung an der Sehnervpapille,
  • stärkere Kurzsichtigkeit,
  • Anwendung bzw. Einnahme bestimmter Medikamente (Kortison).

Vererbung tritt z.B. beim seltenen kongenitalen (angeborenen) Glaukom auf. Ein Glaukom kann zudem bei Erkrankungen (z.B.  Diabetes mellitus, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Augenerkrankungen, Verletzungen des Auges, Entzündung des Augeninneren etc. auftreten.

Einen Risikotest finden Sie unter www.augen.at (Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft).

Eine Simulation der Augenerkrankung finden Sie unter www.meduniwien.ac.at (Medizinischen Universität Wien).

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Augenärztin/der Augenarzt führt eine Anamnese durch und macht sich ein Bild von eventuellen Problemen und Beschwerden der/des Betroffenen. Um ein Glaukom zu diagnostizieren bzw. ausschließen zu können, werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen.

Primäres Offenwinkelglaukom

Zu den Untersuchungen zählen unter anderem:

  • Augenspiegelung (Ophthalmoskopie). Der Augenhintergrund – und beispielsweise Veränderungen der Papille (am Sehnerv) – werden im Rahmen einer augenärztlichen Abklärung mit dem Ophthalmoskop untersucht. 
  • Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie bzw. Applanations-Tonometrie). Dafür verwendet die Ärztin/der Arzt betäubende Augentropfen. Ein Augeninnendruck höher als 21 mmHg kann einen Hinweis auf ein Glaukom geben. Da der Augeninnendruck natürlicherweise schwankt, wird die Messung wiederholt. Eine Ausnahme bildet das Normaldruckglaukom, bei dem der Druck unterhalb der statistischen Norm von 21 mmHg liegt, bei dem jedoch trotzdem Schäden auftreten, die für Glaukome charakteristisch sind.
  • Gesichtsfeldmessung (Perimetrie). Mithilfe dieser kann festgestellt werden, ob bereits Schäden in Form von Gesichtsfeldausfällen vorliegen.
  • Mithilfe spezieller Geräte (Gonioskop) kann die Augenärztin/der Augenarzt den Kammerwinkel überprüfen – und beurteilen, ob der Kammerwinkel weit oder eng gebaut ist sowie ob Gewebsveränderungen bzw. Verwachsungen, Entzündungen etc. vorliegen. Zudem gibt eine Messung der Hornhautdicke Auskunft.
  • Messung der Nervenfaserschicht: Vor allem zur Frühdiagnostik und Verlaufskontrolle kann auch die Messung der Nervenfaserschicht mit Untersuchungsmethoden wie GDX (Scanning laser polarimetry) bzw. OCT (Optical coherence tomography) eingesetzt werden.
  • Eine Verschlechterung des Sehvermögens kann verschiedene Ursachen haben. Die Augenärztin/der Augenarzt führt daher weitere Untersuchungen durch (Bestimmung der Sehschärfe, Spaltlampenuntersuchung).

Winkelblockglaukom (akuter Winkelblock, „Glaukomanfall“)

Bei einem akuten Winkelblock wird der Kammerwinkel durch die Iris verschlossen. Der Augeninnendruck steigt rasch an. Es besteht die Gefahr der Erblindung, da der hohe Druck zu einer raschen Schädigung des Sehnervs führt. Eine umgehende (fach-)ärztliche Behandlung ist notwendig (augenärztlicher Notfall)!

Der akute Winkelblock zeigt sich durch

  • Schmerzen (Auge, Kopf),
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • deutliche Sehverschlechterung (Nebelwand, Wahrnehmen von Farbringen um Lichtquellen bei Dunkelheit). 

Die Augenärztin/der Augenarzt stellt die Höhe des Augeninnendrucks fest. Bei einem akuten Winkelblock ist dieser stark erhöht (50–70 mmHg). Der Augapfel ist sehr hart („steinhart“). Rötung und Reizung der Bindehaut sowie erweiterte Gefäße der Sklera (Lederhaut) geben ebenfalls Hinweise (Blutstauung in Bindehautgefäßen) sowie erweiterte Pupillen, die nicht auf direktes Licht reagieren etc. Durch Einsetzen einer Spaltlampe kann die Ärztin/der Arzt erkennen, ob das Hornhautepithel getrübt und der Kammerwinkel verschlossen ist.

Angeborenes Glaukom – Untersuchung bei Babys und Kindern

Beim angeborenen Glaukom (kongenitales Glaukom) kommt es aufgrund einer Entwicklungsstörung des Kammerwinkels zu einer Blockierung des Kammerwasserabflusses. Diese ist selten. Das Glaukom kann von Geburt an bestehen, zeigt sich allerdings meist im ersten Lebensjahr. Frühkindliche Glaukome entwickeln sich meist rasch fort und können zu schweren Schädigungen des Auges (Erblindung) führen. Eine rechtzeitige (möglichst frühe) Diagnose ist besonders wichtig.

Das Glaukom äußert sich unter anderem durch große Augen. Eltern fällt dies meist dann auf, wenn nur eines der Augen betroffen ist. Lichtempfindlichkeit, tränende Augen und Lidkrampf treten unter anderem auf. Da dies auch auf andere Probleme hindeuten kann, besteht die Gefahr, dass ein eventuelles Glaukom erst spät erkannt wird. Die Ärztin/der Arzt klärt unter anderem eine eventuelle Hornhauttrübung (mittels Handspaltlampe) sowie Einrisse der Hornhaut ab. Verschiedene Untersuchungen, die im Zuge der Diagnose eines Glaukoms durchgeführt werden (z.B. Messung des horizontalen Hornhautdurchmessers, Ultraschallmessung der Augäpfel, Ophthalmoskopie der Papille, Gonoskopie Kammerwinkel, Messung des Augeninnendrucks), können bei Babys und Kleinkindern auch unter Narkose vorgenommen werden.

Hinweis Rasches Aufsuchen der Ärztin/des Arztes hinsichtlich eines möglichen Glaukoms ist dringend notwendig, um eine Erblindung zu verhindern, z.B. bei akutem Winkelblock und Glaukom bei Säuglingen und Kindern. Durch regelmäßige Untersuchungen kann ein Offenwinkelglaukom erkannt und frühzeitig behandelt werden.

Wie erfolgt die Behandlung?

Eine der wesentlichsten Maßnahmen bei der Behandlung eines Glaukoms ist die Senkung des Augeninnendrucks auf ein für die/den Betroffenen ideales Maß. Die Behandlung orientiert sich unter anderem an der Form des Glaukoms und den individuellen Voraussetzungen der/des Einzelnen.

Chronisches Glaukom – Offenwinkelglaukom

Häufig werden Medikamente (Augentropfen) verordnet, die den hohen Augeninnendruck senken (z.B. beim Offenwinkelglaukom). Dafür können je nach Patientin/Patient unterschiedliche Substanzen verwendet werden. Wesentlich ist die richtige Anwendung der Tropfen, über die Augenärztin/Augenarzt informieren. Die Augentropfen müssen großteils dauerhaft und langfristig angewendet werden. Unter bestimmten Umständen (z.B. bei allergischen Reaktionen auf die Medikamente oder weiterem Fortschreiten der Erkrankung trotz medikamentöser Behandlung) kann auch eine Laserbehandlung oder eine Operation notwendig sein (z.B. chirurgische Öffnung des Auges oder Lasern, um künstliche Abflusswege des Kammerwassers zu schaffen oder Eingriffe am Ziliarkörper des Auges vorzunehmen).

Akuter Winkelblock

Bei einem akuten Winkelblock werden Medikamente gespritzt oder in Form von Augentropfen verabreicht. Die Betroffenen werden umgehend in eine Augenklinik eingewiesen, um beispielsweise eine Iridotomie vorzunehmen. Dabei wird mittels Laser eine Öffnung an der Irisbasis vorgenommen. Der Eingriff kann auch chirurgisch durch Öffnung des Auges und Durchtrennen des Irisgewebes erfolgen (Iridektomie).

Kongenitales Glaukom & sekundäre Glaukome

Eine Operation ist meist bei einem kongenitalen (angeborenen) Glaukom bei Kindern unumgänglich. Auch Glaukome infolge von Verletzungen oder Entzündungen können z.B. mit Laser bzw. operativ behandelt werden.

Weitere Maßnahmen

Die Behandlung weiterer Erkrankungen und Beschwerden (z.B. zu hoher, bei Niedrigdruckglaukomen zu stark abfallender nächtlicher Blutdruck) wird ebenfalls in die Therapie miteinbezogen. Jedenfalls sollten Sie die Hausärztin/den Hausarzt sowie eventuelle weitere Ärztinnen/Ärzte, die Sie aufgrund anderer Erkrankungen konsultieren, über eine Glaukombehandlung informieren. Umgekehrt sollten Sie die Augenärztin/den Augenarzt über Erkrankungen, Behandlungen bei anderen Ärzten, Medikamenteneinnahme etc. in Kenntnis setzen. Informationen zum Leben mit Glaukom finden Sie unter www.gesundheitsinformation.de.

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechpersonen sind:

  • Die Augenärztin/der Augenarzt (auch: Ophthalmologin/Ophthalmologe, Fachärztin/Facharzt für Augenheilkunde). Diese/dieser diagnostiziert ein Glaukom und ordnet therapeutische Maßnahmen an.
  • Entsprechende Ambulanzen in Krankenhäusern sind auf die Diagnose und Therapie von Augenerkrankungen spezialisiert. Ein stationärer Aufenthalt in spezialisierten Kliniken bzw. Augenabteilungen in Krankenhäusern kann notwendig sein.
  • Zudem können je nach individuellen Voraussetzungen weitere Fachärztinnen/Fachärzte sowie die Hausärztin/der Hausarzt beteiligt sein (z.B. bei weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck etc.)
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern kann die Kinderärztin/der Kinderarzt (Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde) auf Auffälligkeiten hinweisen. Gegebenenfalls leitet auch die Hausärztin/der Hausarzt Überweisungen in die Wege.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die  e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem  Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

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