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Umweltverschmutzung © sablin

Mikroplastik

Wir leben in einem Plastikzeitalter. Kunststoffe sind allgegenwärtig, sie verleihen Produkten besondere Eigenschaften. Eine davon ist ihre besondere Langlebigkeit. Die Kehrseite: Kunststoffe zerfallen in der Umwelt nur langsam und bleiben in kleinsten Teilchen Jahrzehnte erhalten. Sie werden in Form von Mikroplastik zu einem Umweltproblem mit möglichen Auswirkungen auf den Menschen.

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind Plastikstücke bzw. Kunststoffteilchen kleiner als fünf Millimeter. Diese winzigen Teilchen sind mit freiem Auge meist schwer zu erkennen. Fachleute unterscheiden zwei Formen von Mikroplastik:

Erstens kleine Kunststoffteilchen, die in der Industrie und in Produkten eingesetzt werden (primäres Mikroplastik). Aufgrund der geringen Größe wird Mikroplastik oft nicht von Kläranlagen aufgefangen und gelangt in Flüsse und ins Meer. Zu primärem Mikroplastik zählen:

  • kleine Plastikteilchen, sogenannte Basispellets, als Grundmaterial für die Plastikproduktion,
  • Granulate in Kosmetik- und Hygieneprodukten, z.B. Peelings, Zahnpasta, Handwaschmittel,
  • mikroskopische Kunststoffpartikel, die zur industriellen Reinigung verwendet werden, oder
  • Mikroplastik für medizinische Anwendungen.

Zweitens Mikroplastik, das beim Zerfall oder durch mechanische Abnutzung von Plastikprodukten bzw. -müll entsteht (sekundäres Mikroplastik). Zu Kunststoffabfall zählen z.B. Plastikflaschen, Plastiksäcke etc. In den Meeren haben sich große Müllteppiche aus Plastikabfall gebildet, der nur langsam zerfällt. Zum sekundären Mikroplastik zählen auch Kunstfasern aus Kleidungsstücken, die durch Waschen ins Abwasser gelangen.

Mikroplastik im Wasser verbreitet 

Mikropartikel aus Plastik sind im Wasser, vor allem im Meer, allgegenwärtig. Im nordwestlichen Mittelmeer kommt bereits auf zwei Planktonteilchen ein Teilchen Mikroplastik. In manchen Meeresgebieten kann die Konzentration von Mikroplastik sogar die des Planktons übersteigen.

Expertinnen/Experten schätzen, dass von den Kunststoffabfällen, die im Meer landen, 80 Prozent vom Land stammen. Kunststoffpartikel finden sich in den meisten Weltmeeren, aber auch an vielen Stränden. Meeresverschmutzung durch Kunststoff wird eines der wichtigsten globalen Umweltprobleme der Zukunft sein.

In Österreich gelangen laut Umweltbundesamt pro Jahr rund 40 Tonnen Kunststoffteilchen in unterschiedlichen Größen in die Donau. Das Mikroplastik besteht meistens aus den Kunststoffen Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol, Polyamid oder Polycarbonat.

Risiken für Tier & Mensch

Plastikabfall enthält Chemikalien. Bei der Zersetzung können potenziell schädliche und hormonell wirksame Zusatzstoffe wie Weichmacher, Flammschutzmittel, UV-Filter etc. ins Wasser gelangen. Mikroplastik nimmt auch Schadstoffe aus der Umgebung auf. An den kleinen Plastikteilchen können sich im Wasser schwer abbaubare organische Schadstoffe binden, z.B. Pestizide oder PCB.

Die Mikroplastik-Teilchen sind so klein, dass sie von Fischen mit Plankton als Nahrung verwechselt und aufgenommen werden. So gelangt Mikroplastik, mit Schadstoffen angereichert, in die Nahrungskette.

Wie kann Mikroplastik vermieden werden?

Konsumentinnen/Konsumenten leisten einen Beitrag zur Vermeidung von Mikroplastik, indem sie auf Produkte verzichten, die Mikroplastik in flüssiger oder fester Form einsetzen. Besonders gilt dies für Reinigungs- und Kosmetikprodukte wie Zahnpasten, Duschgels, Peelings etc.

Oft ist es jedoch in der Praxis schwer zu erkennen, ob ein Produkt Mikroplastik enthält. Eine Entscheidungshilfe beim Kauf bietet das EU-Umweltzeichen. Shampoos, Seifen und andere Kosmetikartikel mit dem EU-Umweltzeichen dürfen kein Mikroplastik enthalten.

Die industrielle Produktion und Verarbeitung von Kunststoffen steigt weltweit weiter an. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2020 bei unveränderten Rahmenbedingungen mehr als 60 Millionen Tonnen Kunststoff auf den EU-Markt gelangen. Kunststoffe werden in erster Linie in der Verpackungsindustrie verarbeitet, aber auch in der Kosmetik- und Textilindustrie.

Verschiedene Rechtsvorschriften der EU regeln u.a. die Beschaffenheit von Kunststoffprodukten, die Recyclingfähigkeit, die Haltbarkeit oder den Umgang mit Abfällen. An einer europäischen Strategie für Kunststoffabfälle in der Umwelt wird derzeit gearbeitet. Grundlagen dafür lieferte das Grünbuch der Europäischen Kommission.

In Österreich erarbeiteten der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft die Initiative „Zero Pellets Loss“. Sie zielt auf die Reduktion des Verlustes von Kunststoffgranulat (Pellets) bei der Kunststoffproduktion (Pakt) ab.

Weitere Informationen:

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