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Mann löst seine Krawatte © nazira_g

Was ist Stress?

Das Phänomen „im Stress zu sein“ ist heutzutage weit verbreitet. Stress ist jedoch nicht nur ein inflationär verwendeter Modebegriff, sondern zum Teil natürlicher Bestandteil unseres Lebens. Zu viel davon kann allerdings krank machen. Erholung steuert dem Stressprozess (übertriebenem Stress) entgegen. Ob in Form einer leicht erlernbaren Entspannungstechnik oder regelmäßiger Bewegung – der Erholungsprozess macht uns wieder ausgeglichener. Oft genügt es schon, einer entspannten Lieblingstätigkeit nachzugehen, wie etwa in der Natur zu sein oder zu lesen, um sich wieder ausgeglichener und erholter zu fühlen . . .

Stress ist nicht nur negativ

Stress ist ein Bestandteil des Lebens und nicht nur negativ. Er fordert uns, und unter seinem Einfluss können wir sehr gute Leistungen vollbringen. Zu viel davon macht aber krank. Der Begriff Stress wurde erstmals von dem Wissenschaftler Hans Selye verwendet. Selye definiert ihn folgendermaßen:

  • Stress ist eine Reaktion auf eine Bedrohung.

  • Stress wird immer von einer körperlichen Reaktion begleitet.

Stressverursacher

Vieles im Leben kann Stress erzeugen. Stressverursacher nennt man Stressoren, dazu zählen beispielsweise:

  • einschneidende Ereignisse – sogenannte Life Events – wie Trennung, Tod des Lebenspartners, Jobverlust, Opfer eines Verbrechens sein; aber auch positive Ereignisse wie Heirat oder die Geburt eines Kindesetc.,

  • daily hassles – kleinere, alltägliche Unannehmlichkeiten und Ärgernisse; kleine Stressoren des Alltags, die sich häufen und in Summe eine große Belastung darstellen,

  • private Probleme wie finanzielle Nöte, familiäre Streitigkeiten (z.B. im Urlaub, an Feiertagen),

  • Probleme im Berufsleben, z.B. ungeregelte Arbeitszeiten, Mobbing, Leistungsdruck, Überforderung, Unterforderung,

  • Versagens- und Existenzängste,

  • Umwelteinflüsse, wie z.B.Lärm,

  • körperliche Probleme, wie etwa eine schwere Erkrankung oder Übergewicht.

Stressarten

Bis heute existiert kein allgemein akzeptiertes Stressmodell. Der „Vater“ der Stresstheorie, Hans Selye, erwähnte den Stressbegriff erstmals 1936 in einer wissenschaftlichen Arbeit. Laut ihm gibt es zwei Arten von Stress:

  • Eustress (Herausforderung, Muntermacher, gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität etc. – „positiver“ Stress),

  • Distress (Bewältigungsmechanismen sind erschöpft oder überfordert – „negativer“ Stress).

Nach dem heutigen Verständnis gibt es aber nur eine Art von Stress. Ob dieser als angenehm oder unangenehm empfunden wird, hängt davon ab,

  • wie lange er dauert,

  • wie stark er ist und

  • ob er mit einer Situation oder Aufgabe verbunden ist, bei der die betroffene Person glaubt, diese bewältigen zu können.

Stressverstärker und Stressdämpfer

In der aktuellen Stressforschung kommt der Bedeutung der wechselseitigen Beeinflussung von Anforderungen und den Ressourcen der jeweiligen Person eine große Bedeutung zu. Eine Situation wird bewertet und, um diese zu bewältigen, wirkt man auf sein Umfeld ein und verändert es dadurch. Stress wird unterschiedlich erlebt, dies ergibt sich insbesondere aus unterschiedlichen Bewertungen einer Situation. Somit trägt die betroffene Person selbst aktiv zum Stressgeschehen und dessen Bewältigung bei. Wird eine Situation als positiv bewertet, geht dies mit angenehmen Gefühlen einher. Erfolgt die Bewertung der Situation als Verlust, Herausforderung oder gar Bedrohung, kommt es zum Auftreten von unangenehmen Gefühlen.

Bei der inneren Bewertung von Stressoren gibt es sogenannte Stressverstärker und
-dämpfer. Dieser Vorgang läuft zunächst unbewusst ab, da ein bewusster Vorgang zu viel Zeit kosten würde, um in akuten Situationen angemessen reagieren zu können. Stressreaktionen sind entwicklungsgeschichtlich sehr alt. Unsere Vorfahren mussten bei Gefahren entweder kämpfen oder flüchten.

Man ist dieser ersten inneren Bewertung und dem Einfluss von Stressoren aber nicht hilflos ausgeliefert. Das Verhältnis von Stressverstärkern oder -dämpfern kann mit Maßnahmen und Überlegungen „zurechtgerückt“ werden. Das Erlernen einer Entspannungstechnik etwa kann dabei sehr hilfreich sein. 

Belastungsanfälligkeit und -resistenz

Stress bedeutet für jede bzw. für jeden etwas anderes.Unsere Stressresistenz ist zum Teil genetisch bedingt bzw. entwickelt sich im Verlauf unserer frühen Kindheit und wird durch unser weiteres Leben beeinflusst.

Die Tatsache, dass jeder Mensch anders auf Belastungen reagiert, regte zu Forschungen an. Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler aus dem Gebiet der Persönlichkeitspsychologie haben dabei unter anderem den stressanfälligen A-Typ definiert. Dieser ist von Konkurrenz- und Erfolgsstreben geprägt und erscheint oft gehetzt oder getrieben. Das Verhalten, das der A-Typ an den Tag legt, gilt auch als Risikofaktor für körperliche Erkrankungen wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es gibt aber auch Eigenschaften, die vor Stress schützen. Dazu zählen etwa Ressourcen wie soziale Kompetenzen oder ein guter Gesundheitszustand. Persönlichkeitsmerkmale mit einem positiven Einfluss auf Stressresistenz sind beispielsweise Hardiness (Widerstandsfähigkeit einer Person) und das sogenannte Kohärenzgefühl. Darunter versteht man die Grundeinstellung eines Menschen zu seinem eigenen Leben und seine Weltanschauung. Dazu gehören Gefühle von Bewältigbarkeit und Bedeutsamkeit des Lebens etc. Einen entscheidenden Einfluss hat auch die Art der Bewältigung (Coping) von Stress sowie die sogenannte Resilienz (seelische Widerstandskraft). Nähere Informationen finden Sie unter Stressmanagement.

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