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Mann mit Pillen und einem Glas Wasser © Syda Productions

Transsexualität: Hormonelle Behandlung

Bei Vorliegen von Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus besteht nach dem diagnostischen Prozess die Möglichkeit einer Hormonbehandlung. Dabei hat eine urologisch-gynäkologische Untersuchung und ein Risikoscreening hinsichtlich möglicher Kontraindikationen zu erfolgen. Bei Bedarf kann eine zytogenetische Untersuchung indiziert sein. Die Hormonbehandlung muss kontinuierlich ärztlich kontrolliert werden und hat in der Regel ein Jahr lang zu erfolgen. Die klinisch-psychologische bzw. psychotherapeutische Behandlung sollte während der Hormontherapie fortgesetzt werden . . .

Der Beginn einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung ist in der Regel die entscheidende Weichenstellung in Richtung weiterer somatischer Eingriffe.

Hinweis Eine Angleichung an die gewünschte Geschlechtsrolle durch Vornahme chirurgischer Eingriffe kann in speziellen Fällen auch ohne vorherige Hormontherapie erfolgen (z.B. Mastektomie).

Erforderliche Stellungnahmen

Vor der Hormontherapie und vor chirurgischen Eingriffen muss eine Stellungnahme durch die behandelnde klinische Psychologin/den behandelnden klinischen Psychologen oder die behandelnde Psychotherapeutin/den behandelnden Psychotherapeuten sowie eine anschließende psychiatrische Kontrolluntersuchung und Indikationsstellung für den weiteren Behandlungsverlauf erfolgen. Die Stellungnahmen haben eine Gültigkeit von längstens zwölf Monaten.

Die Rolle der Geschlechtshormone

Die Hormone Östrogen und Testosteron spielen eine wesentliche Rolle für die Geschlechterentwicklung. Zwar werden allgemein die Geschlechtshormone in weibliche (Gestagene, Östrogene) und in männliche (Androgene) unterteilt, grundsätzlich produzieren jedoch beide Geschlechter männliche und weibliche Geschlechtshormone, allerdings in unterschiedlichen Mengenverhältnissen.

Das männliche Geschlechtshormon Androgen wird hauptsächlich in den Hoden des Mannes gebildet. Zum bekanntesten Androgen zählt Testosteron. Dieses Sexualhormon wird schon während der embryonalen Entwicklung gebildet und bestimmt, dass sich der Fötus männlich entwickelt. Während der Pubertät sorgt eine erhöhte Androgen-Konzentration im Körper für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale. Hierzu gehören u.a. Muskelwachstum, Stimmbruch, Wachstum von Penis und Hoden sowie vermehrte Körperbehaarung.

Die weiblichen Geschlechtshormone werden hauptsächlich in den Eierstöcken der Frau gebildet. Östrogene steuern die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale wie z.B. die Brustentwicklung und spielen eine wesentliche Rolle für den weiblichen Zyklus.

Hormonbehandlung bei Transfrauen

Bei der Hormontherapie bei Transfrauen (Mann zu Frau) werden dem männlichen Körper Östrogene zugeführt. Dadurch wird die Testosteronproduktion der Hoden stark vermindert und es kommt zu einer feminisierenden Wirkung (Verweiblichung).

Hinweis In manchen Fällen wird mit der Gabe von Antiandrogenen begonnen, um das sexuelle Begehren zu dämpfen und die männliche Behaarung zu reduzieren.

Körperliche Veränderungen:

  • Abnahme des sexuellen Verlangens (Libidoverlust)
  • Brustwachstum (Wichtig: Eine gesteigerte Hormondosis bewirkt keinen größeren Busen! Die endgültige Brustgröße ist in erster Linie von der Veranlagung abhängig)
  • Verweiblichung des Körpers mit Umverteilung des Fettgewebes
  • Weicherwerden der Haut
  • Rückgang der Körper- und Gesichtsbehaarung
  • Abnahme von Hodengröße, sexuellem Verlangen und Erektionen (Da die hormonelle Behandlung keinen Einfluss auf die männliche Stimme hat, ist oft eine logopädische Therapie erforderlich, um die Sprechstimmlage weiblicher zu gestalten)
  • Erhöhtes Risiko für thromboembolische Erkrankungen
  • Gewichtszunahme

Hinweis Die Wirkung der Hormone ist individuell und von der jeweiligen Veranlagung und dem Lebensalter abhängig. Allein durch die Östrogenbehandlung ist es nicht möglich, die männlichen Merkmale zu eliminieren. So ist die Entfernung der Barthaare z.B. mittels Laserepilation oft nicht vermeidbar.

Hormonbehandlung bei Transmännern

Das Ziel der hormonellen Behandlung von Transmännern (Frau zu Mann) ist es, durch die Verabreichung von Androgenen (v.a. Testosteron) eine möglichst ausgeprägte Virilisierung (Vermännlichung) zu erreichen.

Körperliche Veränderungen:

  • Aussetzen der Regelblutung (Durch die Gabe von geeigneten Gestagenpräparaten kann die Menstruation bereits vor der Testosterontherapie unterdrückt werden)
  • Tieferwerden der Stimme (vergleichbar mit einem männlichen pubertären Stimmbruch)
  • Vermännlichung des Körperbaus, Zunahme der Muskelmasse
  • verstärkte Körperbehaarung
  • Haarwuchs an der Oberlippe, Kinn und Wange
  • Klitoriswachstum und Libidosteigerung
  • Veränderung der Brust (Abnahme des Drüsengewebes und Zunahme des Bindegewebes)
  • Akne (bei ca. 40 % der Betroffenen)
  • Gewichtszunahme (in erster Linie auf die Zunahme der Muskelmasse zurückzuführen)
  • Emotionale Veränderungen (z.B. gesteigerte Aggressivität)

Hinweis Bei der gegengeschlechtlichen Hormontherapie kommt es bei beiden Geschlechtern zu mehr oder weniger gravierenden Veränderungen, die zum Teil irreversibel sind. Daher ist eine umfassende Beratung durch die Endokrinologin/den Endokrinologen (Hormonspezialistin/Hormonspezialist) wichtig.

Darreichungsformen

Für die Hormonbehandlung transsexueller Patientinnen/Patienten stehen Präparate in Tablettenform, Hormonpflaster, Cremen oder Injektionen zur Verfügung. Welche Verabreichungsform letztendlich gewählt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt gemeinsam mit der Patientin/dem Patienten.

Risiken der Hormontherapie

Durch die Einnahme von hormonellen Medikamenten können wie bei allen Medikamenten, die über eine längere Zeit eingenommen werden müssen, Nebenwirkungen auftreten. Die Auswirkungen der gegengeschlechtlichen Hormontherapie sind individuell. Folgende Symptome können u.a. auftreten:

  • Bluthochdruck
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel & Übelkeit
  • Schweißausbrüche
  • Erhöhte Leberwerte
  • Osteoporose
  • Depression

Hinweis Vor Einleitung der Hormontherapie wird ein umfangreiches Screening auf etwaige Risikofaktoren empfohlen. Die Hormontherapie sollte immer unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Wohin kann ich mich wenden?

Vor Beginn der Hormonbehandlung erfolgen eine körperliche und eine spezielle gynäkologische oder urologische Untersuchung durch eine Endokrinologin/einen Endokrinologen, eine endokrinologisch tätige Urologin/einen endokrinologisch tätigen Urologen oder eine endokrinologisch tätige Gynäkologin/einen endokrinologisch tätigen Gynäkologen.

  • Ärztinnen und Ärzte in Ihrer Nähe finden Sie unter Arzt-Suche.
  • Transsexuellen-Ambulanz am AKH Wien betreut transidente Personen während der Hormontherapie und der geschlechtsangleichenden Operation.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Voraussetzung zur Einleitung einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie ist das Vorliegen einer positiven schriftlichen Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin/des behandelnden Psychiaters, der Klinischen Psychologin/des Klinischen Psychologen bzw. der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten. Bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen werden die Kosten für eine gegengeschlechtliche Hormonbehandlung von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

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