Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Roter Regenschirm © adzicnatasa
Roter Regenschirm © adzicnatasa

Sexuelle Dienstleistungen (freiwillige Prostitution)

Unter „sexuellen Dienstleistungen“ werden alle durch volljährige Personen freiwillig und gewerbsmäßig erbrachten sexuelle Handlungen verstanden - unabhängig vom Geschlecht der beteiligten Personen. Die Begriffe „sexuelle Dienstleistungen“, „Sexdienstleistung“, „Sexualdienstleistung“ oder „Sexarbeit“ sind in Anlehnung an den anglo-amerikanisch geprägten Begriff „sex worker“ entstanden und haben sich zunehmend auch im deutschsprachigen Raum durchgesetzt. Sie verdeutlichen, dass es sich bei freiwillig erbrachten sexuellen Dienstleistungen um Erwerbsarbeit handelt, die als solche auch einer Reglementierung bedarf. Gleichzeitig erfolgt damit eine sprachliche Abgrenzung zu Formen der sexuellen Ausbeutung, wie Zwangsprostitution oder Menschenhandel. Auch auf gesetzlicher Ebene fand diese Begriffswahl bereits Einzug, so in der Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit über gesundheitliche Vorkehrungen für Personen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen und im OÖ. Sexualdienstleistungsgesetz.  

Gesundheitliche Untersuchungen

Durch den regelmäßigen sexuellen Kontakt mit wechselnden Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern steigt sowohl für Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister als auch für Kunden und Kundinnen das Risiko einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Infektionen. Geeigneter Schutz vor Ansteckung (= Safe Sex Praktiken) und regelmäßige gesundheitliche Untersuchungen sind deshalb für den individuellen und allgemeinen Gesundheitsschutz von zentraler Bedeutung.

Die Verordnung über gesundheitliche Vorkehrungen für Personen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen und das Aidsgesetz sehen entsprechend regelmäßige amtsärztliche Gesundheitsuntersuchungen für Personen, die Sexdienstleistungen anbieten, vor. Nach einer Eingangsuntersuchung wird - sofern keine relevante Infektion festgestellt wurde - von der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde ein Lichtbildausweis („Deckel“) ausgestellt. Ein Teil der Untersuchungen muss alle sechs Wochen wiederholt werden, das Vorliegen einer HIV- oder Syphilisinfektion mindestens in Abständen von drei Monaten.

Manche Bundesländer sehen in ihrer jeweiligen Tuberkulose-Reihenuntersuchungsverordnung ausdrücklich auch eine regelmäßige Tuberkuloseuntersuchung für Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister vor.

Auch Kunden und Kundinnen wird eine regelmäßige Untersuchung auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten empfohlen. Diese kann jederzeit im Wege einer Blutuntersuchung oder im Rahmen der routinemäßigen Gesundenuntersuchung vorgenommen werden.

Hinweis Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz bietet auf seiner Webseite Informationsblätter zur amtsärztlichen Untersuchung von Sexualdienstleisterinnen und Sexualdienstleistern in 15 verschiedenen Sprachen an.

Seit 2017 werden die Laboruntersuchungen im Rahmen der Pflichtuntersuchung zentral durchgeführt. Aufgrund dieser lässt sich die Anzahl der in Österreich legal tätigen Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister auf durchschnittlich 5.000 bis 6.000 schätzen.   

Kundenverantwortung Safer-Sex

Unter Safer-Sex versteht man vaginalen, oralen und analen Geschlechtsverkehr unter Anwendung von Infektionsschutz. Kondome sind eines der effektivsten Mittel, um sich vor sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen und bieten überdies Schutz vor ungewollter Schwangerschaft.

Unsafe-Sex-Praktiken hingegen stellen ein hohes Ansteckungs- und Schwangerschaftsrisiko dar. Dennoch besteht von Kundenseite hohe Nachfrage nach Unsafe-Sex-Praktiken, die Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister stark unter Druck setzen kann.

Daher finden sich auch in einigen Landesgesetzen bereits Werbeverbote für Unsafe-Sex-Praktiken im Rahmen von sexuellen Dienstleistungen. Das . OÖ. Sexualdienstleitungsgesetz verpflichtet Bordellbetriebe überdies, auf die Einhaltung von Safe-Sex-Praktiken zu achten.

Alle Infektionsträger/Infektionsträgerinnen, so auch Kunden/Kundinnen, machen sich strafbar, wenn sie Menschen fahrlässig oder sogar vorsätzlich durch (sexuell) übertragbare Krankheiten gefährden. 

Sexualassistenz

Eine besondere Form der Sexdienstleistung stellt die „Sexualassistenz“ dar.

Für Menschen mit schweren Behinderungen ist das Ausleben der eigenen Sexualität oft nicht auf dieselbe Weise möglich, wie für Menschen ohne Behinderungen. Bereits die Kontaktaufnahme ist für Betroffene häufig eine große Hürde, für körperliche Intimität wird unter Umständen Unterstützung benötigt. In der Praxis zeigt sich, dass nicht gelebte Sexualität sowohl für die Betroffenen selbst als auch für deren betreuendes Umfeld zu einer großen Belastung werden kann.

Aus diesem Grund wird in jüngster Zeit das Thema der sexuellen Dienstleistung speziell für Menschen mit Behinderungen verstärkt diskutiert. Dabei geht es um eine Enttabuisierung dieses Themas und die Schaffung von bedarfsorientierten Angeboten.  

Beratungsstellen für Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister

  • Beratung für Sexarbeiterinnen/Sexarbeiter der Aids Hilfe Kärnten (Klagenfurt)
  • iBUS: Beratung und Unterstützung für Sexarbeiterinnen/Sexarbeiter (Innsbruck)
  • LEFÖ: Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen (Wien)
  • LENA: Beratungsstelle für Prostituierte (Linz
  • MAIZ: Autonomes Zentrum von und für Migrantinnen (Linz)
  • PIA: Information & Beratung für Sexarbeiterinnnen/Sexarbeiter (Salzburg)
  • SOPHIE: Beratungszentrum für Sexarbeiterinnen/Sexarbeiter (Wien)
  • Sozialberatungsstelle für Sexuelle Gesundheit: Beratung und Betreuung für Menschen in der Prostitution - MA 15 - Gesundheitsdienst der Stadt Wien
  • SXA-Info: Information und Beratung für Sexarbeiterinnen und Multiplikatorinnen/Multiplikatoren in der Steiermark (Graz) 

Darüber hinaus gibt es eine Informationsplattform von und für Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister:

  • SEXWORKER - Forum von und für Sexdienstleisterinnen/Sexdienstleister


Broschüre: Sexwork-Info für Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister

Die Sexwork-Info ist eine umfassende Informationsbroschüre für Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister, inklusive Adressen von Beratungsstellen und weiteren relevanten Stellen. Sie unterstützt unter anderem auch die Gesundheitsämter, ihrem Beratungsauftrag nachzukommen. Die Broschüre ist in den Sprachen Bulgarisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Rumänisch, Spanisch, Italienisch, Tschechisch und Ungarisch auf der Website des Bundeskanzleramtes verfügbar.

Gesetzliche Regelungen

Einige zentrale Aspekte des Sexdienstleistungsbereichs fallen in die Regelungskompetenz des Bundes: die Gültigkeit von Verträgen, Regelung von (freien) Dienstverhältnissen, Besteuerung, Sozialversicherung, gesundheitliche Vorkehrungen, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis sowie strafrechtliche Aspekte. 

In manchen dieser Bereiche bestehen prostitutionsspezifische Sonderregelungen. So vor allem die Verordnungüber gesundheitliche Vorkehrungen für Personen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen und spezielle Straftatbestände zum Schutz vor (sexueller) Ausbeutung in der Prostitution. Ansonsten gelten die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen, wie etwa die Vorschriften betreffend Steuer- und Sozialversicherungspflichten.

Auf landesgesetzlicher Ebene wird geregelt, “wo“, „wann“ und „unter welchen Voraussetzungen“ sexuelle Dienstleistungen tatsächlich angeboten werden dürfen. In allen Bundesländern ist die Anbahnung und Ausübung von sexuellen Dienstleistungen in genehmigten Bordellbetrieben zulässig, „Straßenprostitution“ hingegen nur in wenigen Fällen. Die konkreten Genehmigungsvoraussetzungen für Bordellbetriebe und weitere Detailregelungen, wie zum Beispiel Altersgrenzen und Meldepflichten, unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. 

Einen Überblick über die gesetzlichen Rahmenbedingungen findet sich im 3. Bericht: Regelung der Prostitution in Österreich  – Empfehlungen der Arbeitsgruppe Prostitution (Mai 2018)

Weitere Informationen


Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen