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Ängstliche Frau im Flugzeug © Maridav

Reisekrankheit

Übelkeit, Erbrechen und Schwindel – die Reisekrankheit ist weit verbreitet, an sich jedoch ungefährlich. Sie kann für Betroffene aber eine große Belastung darstellen. Die Beschwerden werden durch Störungen des Gleichgewichtssinnes, etwa beim Autofahren, bei Schiffs- oder Flugreisen, ausgelöst. Die Reisekrankheit wird daher auch als Bewegungskrankheit oder in der Fachsprache als Kinetose bezeichnet. Mögliche Formen sind z.B. die Seekrankheit oder die Luftkrankheit.

Wer häufig unter Reisekrankheit leidet, sollte eine weniger belastende Reiseart wählen (z.B. Bahn). Ist dies nicht möglich, können oft einfache Verhaltensmaßnahmen das Risiko einer Reisekrankheit senken oder zumindest deren Verlauf mildern. Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von Reisekrankheit stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

Welche Ursachen hat die Reisekrankheit?

Die Reisekrankheit ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine natürliche Reaktion auf ungewohnte Bewegungen und Beschleunigungen, z.B. bei kurvenreichen Autofahrten, Turbulenzen im Flugzeug oder Wellengang auf Schiffen. Kinder zwischen drei und zwölf Jahren reagieren darauf meist empfindlicher als Erwachsene, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Die Reisekrankheit ist eine Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Sinneseindrücke. Das Gehirn verarbeitet Eindrücke der Sinnesorgane und des Gleichgewichtorganes (im Innenohr). In bestimmten Situationen passen diese Eindrücke jedoch nicht zueinander, z.B. wenn man in einem auf einer kurvigen Straße fahrenden Auto sitzt und dabei ein Buch liest. Das Gleichgewichtsorgan registriert, dass sich der Körper bewegt, die Augen sind aber auf das Buch gerichtet und nehmen diese Bewegungen nicht wahr.

Das Gehirn interpretiert eine solche Situation als Gefahr. Als Folge werden Stresshormone ausgeschüttet, die wiederum Symptome wie Schwindel und Übelkeit bewirken. Durch psychische Faktoren wie Angst kann die Anfälligkeit für Reisekrankheit erhöht werden. Weiters scheinen hormonelle Einflüsse eine Rolle zu spielen, da Frauen empfindlicher reagieren, insbesondere während der Menstruation und in der Schwangerschaft.

Hinweis Beschwerden einer Reisekrankheit können nicht nur auf Reisen auftreten, sondern auch an Fahr- und Flugsimulatoren, in Erlebniskinos oder bei bestimmten Computerspielen.

Welche Symptome können auftreten?

Die Symptome können individuell unterschiedlich sein und je nach Schweregrad variieren. Vorboten sind häufig leichtes Unwohlsein, Frösteln, kalter Schweiß, Magendrücken, Müdigkeit und Blässe. Später kommen typischerweise Übelkeit und Erbrechen sowie Kopfschmerz und Schwindel hinzu.

Auch Müdigkeit, Schläfrigkeit sowie Abgeschlagenheit sind möglich, einige Betroffene zeigen depressive Symptome mit schwerem Krankheitsgefühl.

In seltenen Fällen kann eine lang andauernde Reisekrankheit durch wiederholtes Erbrechen zu starkem Flüssigkeitsverlust führen und einen lebensbedrohlichen Kreislaufkollaps zur Folge haben.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Zur Vorbeugung und Therapie stehen verschiedene Optionen zur Auswahl, v.a.

  • Verhaltensmaßnahmen: Wichtig ist, die Sinneseindrücke mit der jeweiligen Bewegung in Einklang zu bringen. Das bedeutet z.B. auf Bus- oder Autofahrten vorne sitzen und den Blick auf die Straße und die Fahrtrichtung richten; auf Schiffen sollten Betroffene an Deck bleiben und einen Punkt am Horizont fixieren. In schweren Fällen kann es helfen, sich flach auf den Rücken zu legen und die Augen zu schließen. So werden unerwünschte optische Reize ausgeschaltet.

  • Medikamente: Durch Einnahme bestimmter Medikamente bereits bei den ersten Anzeichen einer Reisekrankheit können die Beschwerden häufig abgefangen bzw. gelindert werden. Diese enthalten oft antiallergische Wirkstoffe und helfen gegen Übelkeit und Erbrechen (z.B. Scopolamin, Dimenhydrinat, Cinnarizin). Sie sind unter anderem als Kaugummis, Tabletten, Zäpfchen oder Pflaster erhältlich. Bei bekannter Neigung zu Reisekrankheit empfiehlt es sich, bereits einige Stunden vor Reiseantritt mit der Anwendung zu beginnen. Wichtig: die meisten Medikamente dieser Art können müde und schläfrig machen, beachten Sie die jeweiligen Hinweise und sprechen Sie die Einnahme mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt ab.

  • Komplementärmedizin: Bei manchen Personen können Ingwer, homöopathische Mittel oder Akupunktur Linderung bringen. Die Wirkung dieser Maßnahmen ist jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen.

Bei den meisten Betroffenen verschwinden die Beschwerden auch ohne Behandlung, sobald die ungewohnte Bewegung aufhört. Bei längeren Seereisen tritt in der Regel spätestens nach drei bis vier Tagen von selbst eine Besserung ein.

Hilfreiche Tipps

Die Reise sollte ausgeruht und möglichst stressfrei angetreten werden. Weiters wird empfohlen, vor und während der Fahrt nur leichte Kost zu sich zu nehmen und auf Alkohol, Kaffee und Zigaretten zu verzichten. Vom Lesen während der Reise wird abgeraten. Hilfreich sind häufig auch folgende Tipps:

  • Pkw:
    • Möglichst selbst fahren, Fahrerinnen und Fahrer sind so gut wie nie von der Reisekrankheit betroffen.
    • Stets nach vorne in die Fahrtrichtung schauen bzw. den Blick auf einen festen Punkt am Horizont richten.
    • Regelmäßig Pausen einlegen, sich bewegen und frische Luft schnappen.

  • Bus:
    • Möglichst mittig sitzen, da der Bus hier am wenigsten schwankt, oder ganz vorne sitzen und in die Fahrtrichtung schauen.

  • Bahn:
    • In Fahrtrichtung sitzen.
    • Häufig Aufstehen und im Gang hin- und hergehen.

  • Flugzeug:
    • Möglichst am Gang und nahe an der Tragfläche sitzen.
    • Häufig Aufstehen und im Gang hin- und hergehen.

  • Schiff:
    • Auf großen Schiffen möglichst einen Platz oder eine Kabine mit Fenster im Mittelteil des Schiffes wählen, entweder direkt über dem Wasserspiegel oder an Deck.
    • Wenn möglich, den Blick auf den unbeweglichen Horizont konzentrieren. 
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