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Serumeiweiß-Elektrophorese (EPH)

Bei der Serumeiweiß-Elektrophorese handelt es sich um ein medizinisches Laborverfahren zur Auftrennung der Serumeiweißstoffe in einem elektrischen Feld. Die Ergebnisse der Serumeiweiß-Elektrophorese können zum Nachweis von Störungen des Eiweißstoffwechsels hergezogen werden.

Warum wird eine EPH des Serums durchgeführt?

Auftrennung der Serum-Eiweißstoffe im elekrtischen Feld © Dr. Gerhard Weigl

Bei der Serumeiweiß-Elektrophorese werden die Eiweißstoffe der Blutflüssigkeit (es muss dazu Serum verwendet werden) entsprechend ihrer physikalischen Eigenschaften (Größe und elektrische Ladung der Proteine) in Fraktionen aufgetrennt.

Bei der klassischen Gelelektrophorese wird das Serum auf eine flüssigkeitsgetränkte, papierähnliche Folie aufgebracht und eine elektrische Spannung angelegt. Die Eiweißstoffe wandern daraufhin zu einem Pol, wobei die verschiedenen Eiweißstoffe nicht gleich schnell wandern. Gleiche bzw. ähnliche Moleküle bewegen sich dabei in abgegrenzten Zonen (sogenannten Banden) durch das Trägermaterial.

Auf diese Weise wird das Serum in die folgenden Fraktionen aufgetrennt:

  • Albumin-Fraktion,
  • Alpha-1-Globulin-Fraktion,
  • Alpha-2-Globulin-Fraktion,
  • Beta-Globulin-Fraktion,
  • Gamma-Globulin-Fraktion.


Das so angefertigte Pherogramm wird schließlich eingescannt und die Banden in Form einer Kurve (Extinktions-Ort-Kurve) grafisch dargestellt.

Aufgrund der relativen (prozentuellen) Verhältnisse der einzelnen Fraktionen können anhand des zuvor im Serum gemessenen Totalproteinwertes die absoluten Mengen der einzelnen Fraktionen berechnet werden.

Ein moderneres Verfahren zur Serumeiweiß-Elektrophorese stellt die sogenannte Kapillarelektrophorese dar. Hierbei erfolgt die Auftrennung der Serumeiweißstoffe in unterschiedliche Fraktionen in einer mit einer flüssigen Phase (Elektrolytlösung) gefüllten Kapillare. Mit diesem Verfahren ist eine höhere Auflösung bei der Auftrennung der Serumeiweißstoffe in Fraktionen möglich, wodurch die Beta-Globulin-Fraktion in die folgenden Unterfraktionen aufgetrennt wird:

  • Beta-1-Globulin-Fraktion und
  • Beta-2-Globulin-Fraktion.

Wie wird die EPH interpretiert?

Die Verteilung der Fraktionen der Serumeiweiß-Elektrophorese lässt Rückschlüsse auf Störungen der Zusammensetzung der Blutflüssigkeit zu („Dysproteinämie“). Die Serumeiweiß-Elektrophorese liefert Hinweise auf:

  • Lebererkrankungen,
  • Entzündungen (akut oder chronisch),
  • Eiweißverlusterkrankungen (z.B. Nierenerkrankungen),
  • Veränderungen der Immunglobulinzusammensetzung.

Was ist eine monoklonale Gammopathie?

Ein M-Gradient ist eine schmale Bande im Bereich der Gamma-Glubulinfraktion der Serumeiweiß-Elektrophorese © Dr. Gerhard Weigl

Die wichtigste Störung, die mittels der Serumeiweiß-Elektrophorese entdeckt werden kann, ist

  • die monoklonale Gammopathie („Paraproteinämie“). Hierbei findet sich in der Serumeiweiß-Elektrophorese eine schmale Bande (Gradient) im Bereich der Beta/Gamma-Fraktion („M-Gradient“ bzw. Paraprotein genannt).

Ursache dafür ist eine übermäßige sowie unkontrollierte Bildung von Antikörpern ein und desselben Typs durch möglicherweise entartete Plasmazellen. Das sind spezielle Zellen des lymphatischen Systems, welche diese Antikörper produzieren.

Zur weiteren Abklärung des M-Gradienten kann die folgende Laboruntersuchung durchgeführt werden:

  • Immunfixation: Mit diesem Laborverfahren wird der genaue Typ des Paraproteins festgestellt.

Eine monoklonale Gammopathie kann die folgenden Ursachen haben:

  • Eine bösartige (maligne) Erkrankung des lymphatischen Systems (Lymphom).
  • Es kann sich aber auch um eine „monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz“ (MGUS) handeln: Bei ein bis drei Prozent aller Patientinnen und Patienten, die über 70 Jahre alt sind, findet sich so eine MGUS. In diesen Fällen sollte aufgrund eines erhöhten Risikos für die Entwicklung eines bösartigen Geschehens die Serumeiweiß-Elektrophorese alle sechs bis zwölf Monate wiederholt werden. Bei einem absoluten Anstieg des M-Gradienten ist eine weiterführende Diagnostik erforderlich:
Synonyme: Serum-Elektrophorese, Serumprotein-Elektrophorese
LOINC: 12851-2

Referenzwert

Für die Serumeiweiß-Elektrophorese selbst gibt es keinen Referenzwert. Es gibt aber Referenzwerte für die einzelnen Fraktionen (Albumin-, α1-, α2-, β- bzw. β1- und β2- sowie γ-Globulin-Fraktion). Diese werden in absoluten Zahlenwerten (Gramm pro Liter [g/L]) sowie in Prozentwerten (bezogen auf den Totalproteinwert des Serums) angegeben.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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