Harnstatus
Die Untersuchung des Harns kann Hinweise auf eine Vielzahl von Erkrankungen der Nieren, der harnableitenden Wege und des Stoffwechsels (beispielsweise Diabetes mellitus, Gelbsucht) liefern.
- Adiuretin
- antidiuretisches Hormon
- Chlorid (CL)
- Cystatin C (CYSTC)
- Glomeruläre Filtrationsrate MDRD (GFMDO)
- Harnsediment
- Harnzytologie (HARNZYTO)
- Kalium (K)
- Kolloidosmotischer Druck (KOD)
- Kreatinin (KREA)
- Kreatinin-Clearance (KRCL)
- MDRD-GFR
- Mikroskopische Harnanalyse
- Mikroskopischer Urinsedimentbefund (SEDBF)
- Natrium (NA)
- onkotischer Druck
- Osmolalität (OSM)
- Vasopressin (ADH)
Inhaltsverzeichnis
Warum wird eine Harnstatusuntersuchung durchgeführt?
Die Untersuchung des Harns zählt zu den ältesten diagnostischen Spezialitäten der Medizingeschichte und hat auch heute noch einen hohen Stellenwert.
Im medizinischen Labor werden zwei Formen von Harnmaterialien untersucht:
- Spontanharn (auch Morgenharn) und
- Sammelurin (meist 24-Stunden-Harn).
Die Untersuchung des Harns kann Hinweise auf eine Vielzahl von Erkrankungen liefern, unter anderem:
- Harnwegsinfekte (Entzündungen),
- Nierenerkrankungen (Blut und/oder Eiweiß im Harn),
- Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise Zuckerkrankheit, Gelbsucht).
Wie wird Spontanharn gesammelt?
Idealerweise sollte für die Harnuntersuchung der erste am Morgen gewonnene Mittelstrahlurin verwendet werden. Bei der Sammlung von Mittelstrahlurin wird die erste und letzte Portion des Harns verworfen. Das muss die Patientin/der Patient bei der Sammlung des Harns für die Untersuchungszwecke beachten.
Was gehört alles zum Harnstatus?
Der Routineharnstatus umfasst den:
- physikalischen Status: Harnvolumen, spezifisches Gewicht (zur Beurteilung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren), Farbe (Vorsicht: der Genuss roter Rüben kann den Harn verfärben), Trübung (Harn ist normalerweise klar), Geruch (normalerweise leicht aromatisch – pathologischer Azetongeruch bei Typ-I-Diabetes).
- chemischen Status: Glukose, Ketone, Bilirubin, Urobilinogen, Nitrit, Dichte, pH, Protein, Erythrozyten, Leukozyten.
- mikroskopischen Status: Erythrozyten, Leukozyten, renale Zellen (kommen aus der Niere), extrarenale Zellen (kommen z.B. aus der Harnblase, den harnableitenden Wegen), Zylinder (zylindrische Gebilde aus Nierenkanälchen – häufig bei schwerer Nierenkrankheit), Kristalle, Bakterien, Pilze, Trichomonaden (Parasiten – Übertragung unter anderem durch sexuellen Kontakt) etc.
Auch in modernen medizinischen Laboratorien werden die wichtigsten chemischen Harnanalysen mittels Harnstreifentests durchgeführt. Im Labor dienen die Streifentests zum Aussieben derjenigen Harnproben, die einer weiteren chemischen Analyse bzw. einer mikroskopischen Untersuchung des Harnsediments (mikroskopische Harnuntersuchung) zugeführt werden.
Wie wird der Harnstatus interpretiert?
Mittels Harnstreifentests werden meist die folgenden Laborwerte erhoben:
- pH-Wert des Harns: Beurteilung des Harnsteinrisikos sowie des Säure/Basen-Haushaltes
- alkalischer Harn (≥ 7): Harnwegsinfekte mit ureasepositiven Bakterien, vegetarische Ernährung,
- saurer Harn (≤ 5): metabolische/respiratorische Azidose, Gicht.
- spezifisches Gewicht des Harns: Zur Beurteilung der Konzentrationsleistung der Nieren. Verfälschte Ergebnisse bei starken pH-Verschiebungen (falsch niedrige Werte bei hohem pH und umgekehrt).
- Zucker (Glucose) im Harn: Die Nierenschwelle für Zucker (Glucose) im Blut liegt bei 180 mg/dL – d.h. erst wenn dieser Wert im Blut überschritten ist, kann auch Zucker im Harn nachgewiesen werden. Die Diagnose Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann aber nicht nur aufgrund eines positiven Harnzuckernachweises gestellt werden.
- Eiweiß (Albumin) im Harn: Bei einem positiven Nachweis von Eiweiß im Harn kann eine weiterführende Diagnostik zum Ausschluss einer Nierenerkrankung notwendig sein.
- Blut im Harn: Auch wenn der Harn normal aussieht, können winzige Mengen Blut im Harn vorhanden sein – dies wird als „Mikrohämaturie“ bezeichnet. In diesem Fall ist die Durchführung eines Harnsedimentes (mikroskopische Harnuntersuchung) erforderlich.
- Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Harn: Dies kann ein Hinweis auf eine Harnwegsinfektion sein. In diesem Fall ist die Durchführung eines Harnsedimentes (mikroskopische Harnuntersuchung) erforderlich.
- Nitrit im Harn: Dies ist ein Suchtest für Harnwegsinfekte. Positive Ergebnisse sind ein Hinweis auf einen bakteriellen Harnwegsinfekt. Negative Ergebnisse schließen einen Harnwegsinfekt aber nicht aus.
- Ketone im Harn: Positiv bei dekompensiertem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bzw. bei Nulldiät (Hungerstoffwechsel).
- Bilirubin im Harn: Bilirubin ist das Abbauprodukt des Häm-Anteiles des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin). Im Urin u.a. bei Leberschädigung, Störungen des Abflusses der Galle oder gesteigertem Abbau von roten Blutkörperchen nachweisbar.
- Urobilinogen im Harn: Urobilinogen ist das im Darm entstehende Abbauprodukt von Bilirubin. Unter anderem bei bestimmten Formen der Gelbsucht (Ikterus) ist Urobilinogen im Harn nachweisbar.
Was versteht man unter dem Begriff „Harnsediment“?
Bei der Untersuchung des Harnsedimentes erfolgt eine mikroskopische Begutachtung des Harnes.
Die Untersuchung des Harnsedimentes wird im Anschluss an das Harnteststreifen-Screening durchgeführt, wenn positive Reaktionen am Teststreifen bei zumindest einem der folgenden Messwerte nachweisbar sind:
- rote Blutkörperchen (Erythrozyten),
- roter Blutfarbstoff (Hämoglobin),
- weiße Blutkörperchen (Leukozyten),
- Nitrit.
Zur Herstellung und mikroskopischen Untersuchung des Harnsedimentes geht man im Labor folgendermaßen vor: Zuerst erfolgt eine Zentrifugation des Harns. Der Überstand wird dann größtenteils abgegossen (verworfen). Der zurückgebliebene Bodensatz (das ist das Sediment) wird dann auf ein kleines Glasplättchen (Objektträger) aufgetragen, mit einem Deckglas (einem weiteren hauchdünnen Glasplättchen) versehen und unter dem Mikroskop begutachtet.
Das Ergebnis dieser mikroskopischen Begutachtung wird schließlich in Form eines Befundes zusammengefasst. Die folgenden mikroskopischen Strukturen können im Harnsediment gefunden werden:
- Zellen: rote und weiße Blutkörperchen, Epithelzellen,
- Kristalle: Harnsäure-, Oxalsäurekristalle etc.,
- Zylinder,
- Bakterien, Pilze,
- Kleinstlebewesen (Protozoen wie Trichomonaden).
Eine weiterführende mikroskopisch-morphologische Untersuchung des Harnes ist die
Harnzytologie.
Dazu wird das Harnsediment mit speziellen Farbstoffen (z.B. mittels der Färbemethode nach May-Grünwald-Giemsa bzw. der Methode nach Papanicolaou) gefärbt. Dadurch können auch Tumorzellen im Harn nachgewiesen werden – z.B. bei Harnblasenkrebs (Harnblasenkarzinom).
Weitere Informationen
LOINC: 5803-2, 5811-5, 20409-9, 49137-3, 20408-1, 5792-7, 5804-0, 5802-4, 5797-6, 20505-4, 20405-7
Referenzwerte
Für die im Rahmen des Harnstatus erhobenen Messwerte gibt es entsprechende Referenzwerte, die bei den jeweiligen Laborwerten zu finden sind.
Hinweis
Referenzwerte dienen als Orientierungshilfe bei der Interpretation der Ergebnisse eines Laborbefundes. Unabhängig davon, ob Ihr Testergebnis innerhalb des Referenzbereichs des Labors liegt oder nicht, muss das Ergebnis in Zusammenhang mit Ihren persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft usw.), Krankengeschichte, Medikation und Ergebnissen anderer Untersuchungen betrachtet werden. Sie können einen Wert außerhalb eines Referenzbereichs haben und dennoch völlig gesund sein, und umgekehrt können Sie trotz unauffälliger Werte mit einer unentdeckten Erkrankung leben. Daher sollten diagnostische Untersuchungen (inkl. Laborwerte) immer von einer Ärztin bzw. einem Arzt angefordert und interpretiert werden. In verschiedenen Laboren kommen unterschiedliche Geräte und Testmethoden zum Einsatz, deren Referenzwerte nicht unbedingt deckungsgleich sind. Daher stellen die oben aufgelisteten Referenzbereiche lediglich einen Orientierungsrahmen dar.
Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Referenzwerte?
Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.
Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2022
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Dr. Gerhard Weigl, Facharzt für Medizinische und Chemische Labordiagnostik, Zusatzfach: Zytodiagnostik