Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

Procalcitonin (PCT)

Procalcitonin ist im Rahmen von schweren Entzündungsreaktionen des Körpers im Blut erhöht. Dieser Labormesswert gilt als empfindlichster Test zur Diagnostik und Verlaufsbeurteilung einer Sepsis („Blutvergiftung“).

Warum wird Procalcitonin im Blut bestimmt?

Bei Procalcitonin (PCT) handelt es sich um die Vorstufe des Schilddrüsenhormons Calcitonin. Bei Gesunden findet sich dieses „Prohormon“ nur in geringen Mengen im Blut. Bei schweren, insbesondere bakteriellen Infektionen kommt es aber zu einem starken PCT-Anstieg im Blut, ohne dass sich dabei die Calcitoninwerte verändern.

Bei folgenden medizinischen Fragestellungen kann die Bestimmung von PCT im Blut wichtige diagnostische Zusatzinformationen bringen:

  • Diagnose und Verlaufsbeurteilung der Sepsis („Blutvergiftung“),
  • Unterscheidung zwischen bakteriellen sowie nicht bakteriellen entzündlichen Erkrankungen,
  • prognostische Beurteilung, Verlaufs- sowie Therapiekontrolle systemischer (d.h. den ganzen Organismus betreffender) Infektionserkrankungen,
  • Überwachung sepsisgefährdeter Patientinnen/Patienten.

Den größten Stellenwert besitzt die Messung von PCT im Blut bei der Sepsisdiagnostik. In diesem Zusammenhang gilt PCT als der empfindlichste Test für die Diagnostik und Verlaufsbeurteilung.

Da die Sepsis eine schwere und akut lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, müssen betroffene Patientinnen und Patienten in den meisten Fällen auf einer Intensivstation versorgt werden. Aus diesem Grund gilt PCT vor allem als intensivmedizinischer Laborparameter, der in der Routinediagnostik kaum verwendet wird.

Für die richtige Interpretation der PCT-Werte ist dabei insbesondere die Verlaufskontrolle (Anstieg bzw. Abfall) der Blutwerte wichtig, damit die Ärztin/der Arzt die Dynamik des entzündlichen Geschehens beurteilen und allfällige Behandlungserfolge bzw. -misserfolge so schnell wie möglich feststellen kann.

Was bedeuten erhöhte Procalcitoninwerte im Blut?

Procalcitonin (PCT) gilt als empfindlichster Labortest zur Diagnostik und Verlaufsbeurteilung einer Sepsis („Blutvergiftung“). Die Höhe der Messwerte kann wie folgt beurteilt werden:

  • sehr stark erhöhte PCT-Werte sind fast ausnahmslos Zeichen einer Sepsis,
  • stark erhöhte Werte zeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine schwere bakterielle Infektionserkrankung an,
  • mäßig erhöhte Werte können unspezifisch sein und deuten primär nicht auf eine Sepsis hin.

Sepsis („Blutvergiftung“)

Bei einer Sepsis handelt es sich um eine lebensbedrohliche, systemische (d.h. den gesamten Körper betreffende) Entzündungsreaktion.

Die häufigste Ursache einer Sepsis ist eine Infektion, hervorgerufen durch z.B.

  • Bakterien im Blut („Bakteriämie“),
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis),
  • ausgedehnte Verbrennungen der Haut oder
  • schwere Verletzungen.

Eine Sepsis kann mit den folgenden Symptomen (Beschwerden) einhergehen:

  • hohes Fieber, Schüttelfrost,
  • rascher Herzschlag („Tachykardie“),
  • hohe Atemfrequenz („Tachypnoe“),
  • hohe Leukozytenzahlen im Blut etc.

Zudem können eine Reihe von Entzündungsstoffen im Blut nachgewiesen werden:

  • hohe Leukozytenzahlen („Leukozytose“),
  • CRP (C-reaktives Protein),
  • Granulozyten-Elastase,
  • Procalcitonin,
  • Interleukin-6,
  • Nachweis von Bakterien im Blut (sogenannte positive Blutkultur).

Weiters kann mithilfe des mikrobiologischen Untersuchungsverfahrens der „Blutkultur“ der Versuch unternommen werden, krankheitserregende Mikroorganismen (v.a. Bakterien und Pilze) im Blut nachzuweisen.

Eine Sepsis kann zu einer Schädigung der Organe (Herz, Nieren, Lunge, Leber, Gehirn etc.), einem Multiorganversagen und schließlich zum Tod führen. Die Behandlung einer Sepsis ist eine schwierige medizinische Herausforderung und bedarf in der Regel einer intensivmedizinischen Betreuung (Intensivstation).

Weitere Infos zu Sepsis.

LOINC: 33959-8

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) <0,5 ng/ml <0,5 ng/ml <0,5 ng/ml <0,5 ng/ml

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse