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Meningokokken-Schnelltest (Liquor)

Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die eine eitrige Gehirnhautentzündung (Meningitis) hervorrufen können. Der Meningokokken-Schnelltest aus Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) kann einen Hinweis auf eine Meningokokkeninfektion (z.B. eitrige Gehirnhautentzündung) liefern.

Warum wird ein Meningokokken-Schnelltest durchgeführt?

Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die eine eitrige Gehirnhautentzündung (Meningitis) hervorrufen können.

Bei Meningokokken handelt es sich um

  • Gram-negative Diplokokken – diese erscheinen bei der mikroskopischen Begutachtung als rot angefärbte Bakterien (Gram-Färbung).
  • Darüber hinaus sind die Meningokokken z.T. auch intrazellulär im Zytoplasma von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gelegen.

Zur Abklärung eines Verdachtes auf eine schwere Meningokokken-Infektion müssen v.a. folgende Untersuchungsmaterialien gewonnen werden:

  • Blut:
    • Zur Durchführung einer sogenannten Blutkultur.
  • Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit):
    • Zur Durchführung einer Gram-Färbung mit mikroskopischem Erregernachweis.
    • Zur Durchführung eines Meningokokken-Schnelltests.
    • Zur Durchführung einer Meningokokken-DNA-PCR.

Da Meningokokkeninfektionen einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen können, kommt der Diagnostik dieser Erkrankungen ein hoher Stellenwert zu. Insbesondere ist es für die Ärztin/den Arzt wichtig, so schnell wie möglich eine entsprechende Diagnose stellen zu können.

Aus diesem Grund wurden Schnelltests zum Nachweis von Meningokokken-Antigenen (das sind spezifische Eiweißstrukturen dieser Bakterien) im Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) entwickelt. Der Vorteil dieser Schnelltests ist, dass das Untersuchungsergebnis innerhalb weniger Viertelstunden vorliegt. Auf diese Weise kann eine geeignete und zielgerichtete Behandlung von der Ärztin/vom Arzt unmittelbar eingeleitet werden.

Die Gewinnung des Untersuchungsmaterials (Liquor) ist aber ein aufwendigerer Prozess, der meistens nur in einem Krankenhaus durchgeführt werden kann.

Was bedeutet ein positiver Meningokokken-Schnelltest im Liquor?

Ein positiver Meningokokken-Schnelltest im Liquor bedeutet einen Hinweis auf eine Meningokokkeninfektion (eitrige Gehirnhautentzündung).

Die meisten kommerziellen Testsysteme haben eine halbwegs gute Sensitivität sowie eine ausreichende Spezifität für den Nachweis der entsprechenden bakteriellen Antigene im Liquor, wobei

  • Sensitivität bedeutet, dass der betreffende Labortest mit hoher Wahrscheinlichkeit ein richtig positives Ergebnis liefert, wenn wirklich eine entsprechende Infektion vorliegt, und
  • Spezifität bedeutet, dass der betreffende Labortest mit hoher Wahrscheinlichkeit ein richtig negatives Ergebnis liefert, wenn tatsächlich auch keine entsprechende Infektion vorliegt.

Allerdings kann der Schnelltest bloß einen Hinweis auf eine Meningokokkeninfektion liefern. Zum Beweis einer solchen Infektion sind die folgenden Laboruntersuchungen erforderlich:

  • Bakterienkultur und Antibiogramm aus Liquor, Abstrichen bzw. Hautbiopsien,
  • PCR-Verfahren aus Liquor.

Was bedeutet ein negativer Meningokokken-Schnelltest im Liquor?

Ein negativer Meningokokken-Schnelltest im Liquor legt die Vermutung nahe, dass bei der betroffenen Patientin/dem betroffenen Patienten keine aktuelle Meningokokken-Infektion vorliegt. Eine solche Infektion ist in diesem Fall aber nicht ausgeschlossen, weil die Konzentration der Bakterien im Liquor auch unterhalb der Nachweisgrenze des Testsystems liegen könnte.

Die klinische Interpretation des Testergebnisses muss daher von der Ärztin/vom Arzt unter Berücksichtigung der Beschwerden sowie in Zusammenschau sämtlicher erhobenen Befunde erfolgen.

Bakterielle Meningitis (eitrige Gehirnhautentzündung)

Die bakterielle Meningitis ist eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es zu einer eitrigen Entzündung im Bereich der Hirnhäute (Meningen) des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) kommt.

Die Krankheitserreger einer eitrigen Meningitis sind Bakterien, wobei die folgenden Erreger bei Erwachsenen am häufigsten sind:

  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) – in ca. der Hälfte aller ambulanten Fälle;
  • Meningokokken (Neisseria meningitidis) – in bis zu einem Drittel aller ambulanten Fälle;
  • Listerien.

Bei Säuglingen können auch Darmkeime (E. coli) bzw. bestimmte Streptokokkenstämme zu einer Gehirnhautentzündung führen. Im Kindesalter sind Meningokokken für mehr als die Hälfte aller Fälle einer eitrigen Gehirnhautentzündung ursächlich verantwortlich.

Im Hinblick auf die Krankheitsbeschwerden bei einer eitrigen Gehirnhautentzündung stehen folgende Symptome im Vordergrund:

  • plötzlicher Krankheitsbeginn (typisch für eine Meningokokken-Meningitis),
  • schwerstes Krankheitsgefühl,
  • evtl. punktförmige Hautblutungen (oft an den Beinen),
  • Kopf- und Nackenschmerzen,
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht sowie
  • Fieber (kann auch fehlen).

Eine schwere Komplikation stellt die Meningokokken-Sepsis (Blutvergiftung) dar (sogenanntes „Waterhouse-Friderichsen-Syndrom“). Hierbei kann es zu einem Multiorganversagen kommen. Die Sterblichkeit liegt hier bei ca. 85 Prozent der Fälle.

Die Diagnosestellung einer eitrigen Meningitis muss aufgrund der möglichen schweren Komplikationen und des oft dramatischen Verlaufs der Erkrankung so rasch wie möglich erfolgen.

Meist wird bei einem entsprechenden Erkrankungsverdacht auch sofort eine Antibiotikabehandlung durchgeführt. Allerdings sollte zuvor das entsprechende Untersuchungsmaterial (Blut sowie Liquor) gewonnen werden, da ansonsten die bakteriologischen Laborverfahren unzuverlässige Ergebnisse liefern.

Für die Diagnose einer bakteriellen Meningitis muss Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) gewonnen werden. Dies erfolgt zumeist durch eine sogenannte „Lumbalpunktion“, wobei zuvor entsprechende radiologische Untersuchungen zum Ausschluss eines überhöhten Hirndrucks erforderlich sind (Computer- bzw. Kernspintomographie).

Zum Nachweis der bakteriellen Krankheitserreger kommen in erster Linie direkte mikrobiologische Verfahren zur Anwendung:

  • Blutkultur,
  • Bakterienkultur und Antibiogramm (Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae etc.) aus Liquor, Abstrichen bzw. Hautbiopsien,
  • Antigen-Schnelltests aus Liquor sowie
  • PCR-Verfahren aus Liquor (hier sind die Untersuchungsergebnisse meist innerhalb eines Werktages verfügbar).

Neben diesen bakteriologischen Untersuchungsverfahren kommen aber auch andere Laboruntersuchungen zum Einsatz – insbesondere:

  • Blutuntersuchungen im Hinblick auf Entzündungszeichen (Blutbild, CRP etc.) sowie
  • Liquor-Analysen (Zellzahl, Liquor-Zytologie etc.).

Die Behandlung einer bakteriellen Meningitis richtet sich nach den Untersuchungsergebnissen von Bakterienkultur und Antibiogramm. Da diese Ergebnisse aber nicht sofort verfügbar sind, erfolgt meist eine sofortige antibiotische Behandlung:

  • Cephalosporine der dritten Generation plus Ampicillin bei ambulant erworbenen Fällen;
  • als Ersatz-Antibiotika stehen Vancomycin und Meropenem zur Verfügung.

Da Meningokokken sehr ansteckend sind, müssen die betroffenen Patientinnen/Patienten isoliert werden. Gegebenenfalls kann eine sogenannte Chemoprophylaxe (vorsorgliche Antibiotikaeinnahme) bei engen Kontaktpersonen erforderlich sein.

Als prophylaktische Maßnahmen stehen aber auch Schutzimpfungen zur Verfügung:

  • Meningokokkenimpfung: empfohlen für Kinder im zweiten Lebensjahr, gefährdete Personengruppen (z.B. Laborpersonal), bei Reisen in Endemiegebiete (bestimmte tropische Gebiete).
  • Pneumokokkenimpfung: empfohlen für Kleinkinder, Personen ab dem 60. Lebensjahr sowie bestimmte Risikogruppen.
Weitere Informationen zu Impfungen.
Synonyme: Neisseria-meningitidis-Antigen/L (NMAL)
LOINC: 6508-6

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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