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Auraminfärbung/Ausstrich (ZAURA)

Die Auraminfärbung in Kombination mit der Ziehl-Neelsen-Färbung ist eine schnelle diagnostische Maßnahme zum Aufspüren von Mykobakterien in verschiedenen Untersuchungsmaterialien. Dieses Laborverfahren kommt bei der Abklärung eines Verdachtes auf eine Tuberkuloseerkrankung zum Einsatz.

Warum wird eine Auraminfärbung durchgeführt?

Zur Abklärung eines Verdachtes auf Tuberkulose (TBC) werden zuverlässige diagnostische Verfahren benötigt. Darüber hinaus muss das Ergebnis auch so schnell wie möglich vorliegen, damit eine entsprechende Behandlung möglichst frühzeitig begonnen werden kann.

Die TBC ist eine ansteckende Infektionserkrankung, die durch sogenannte Bakterien des Mycobacterium-tuberculosis-Komplex (MTC) verursacht wird.

  • Zu diesen Bakterien gehören die hoch pathogenen Stämme Mycobacterium tuberculosis (MTB – das sind die eigentlichen Tuberkulosebakterien) sowie M. bovis (weniger pathogene Stämme sind M. africanum, M. microti und M. canetti).
  • Neben diesen Tuberkuloseerregern gibt es auch sogenannte „atypische Mykobakterien“. Diese können ebenfalls Krankheiten hervorrufen, die als „atypische Mykobakteriosen“ bezeichnet werden. Zu den atypischen Mykobakterien gehören die folgenden Stämme: M. avium, kansasii, xenopi u.v.m. Diese können zum Teil überall (ubiquitär) vorkommen.
  • Ein weiterer Vertreter der Mykobakterien ist M. leprae – der Erreger der Lepra.

Die Auraminfärbung ist ein gängiges Screeningverfahren, um Mykobakterien nachzuweisen. Zum Einsatz kommen dabei verschiedene Untersuchungsmaterialien:

  • Sputum (Auswurf aus den tiefen Atemwegen),
  • Bronchialsekret (dieses wird durch Schleimabsaugung aus den tiefen Atemwegen gewonnen),
  • Ergussmaterialien aus Körperhöhlen,
  • Harn u.v.m.

Die Auraminfärbung wird immer in Kombination mit einer weiteren Materialfärbung durchgeführt – der sogenannten

  • Ziehl-Neelsen-(ZN-)Färbung.

Aus diesem Grund verwendet man für die Kombination dieser beiden Färbemethoden auch die Begriffe

  • „Auramin/ZN-Färbung“ bzw.
  • „Bakterioskopie“.

Wie wird eine Auramin/ZN-Färbung durchgeführt?

Abbildung 1. Mykobakterien sind säurefeste Stäbchenbakterien, die in der Auraminfärbung unter dem Fluoreszenzmikroskop schimmernd leuchten. (Material: Sputum; Färbung Auramin; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Beim Färbeprozess wird das Untersuchungsmaterial zuerst der Auraminfärbung unterzogen. Im Anschluss an die Färbung erfolgt eine mikroskopische Begutachtung des Untersuchungsmaterials unter dem Fluoreszenzmikroskop. Die Auraminfärbung hat den Vorteil, dass auramingefärbte Mykobakterien unter dem Fluoreszenzmikroskop schimmernd leuchten, wodurch sie leichter entdeckt werden können (siehe Abbildung 1). Den Beweis, dass es sich bei den in der Auraminfärbung leuchtenden Strukturen tatsächlich um Mykobakterien handelt, liefert die anschließende
  • ZN-Färbung – bei diesem Verfahren färben sich die Mykobakterien (sogenannte „säurefeste Stäbchenbakterien“) rot an.

Der wichtigste Vorteil der Auramin/ZN-Färbung ist, dass das Untersuchungsergebnis der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt bereits innerhalb weniger Stunden zur Verfügung steht. Dies ist deswegen von Bedeutung, da andere Untersuchungsverfahren zum Nachweis von Mykobakterien (und im Speziellen von Tuberkulosebakterien) erheblich länger dauern.

Der wesentliche Nachteil der Auramin/ZN-Färbung ist aber, dass mit diesem Untersuchungsverfahren eine TBC-Infektion nicht bewiesen werden kann. Denn es werden ja nur Mykobakterien im Allgemeinen (d.h. krankheitserregende sowie nicht krankheitserregende) nachgewiesen.

Den Beweis für eine TBC-Infektion stellt das Verfahren der Mykobakterienkultur dar. Allerdings kann es drei bis vier Wochen dauern, bis das Kulturergebnis vorliegt. Da in der Praxis aber nicht so lange mit dem Beginn einer Therapie zugewartet werden kann, benötigt man schnellere sowie ebenfalls zuverlässige Untersuchungsverfahren.

Ein weiteres schnelles, zuverlässiges Untersuchungsverfahren ist die

  • MTB-PCR-Untersuchung (Polymerase-Ketten-Reaktion – PCR) – hierbei handelt es sich um ein molekulargenetisches Verfahren zum Nachweis von tatsächlich krankheitserregenden („pathogenen“) MTB- bzw. MTC-Bakterien.
In der medizinischen Praxis hat sich insbesondere die Kombination von Auramin/ZN-Färbung sowie MTB-PCR etabliert. Durch die Kombination dieser Untersuchungsverfahren steht der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt eine zuverlässige diagnostische Möglichkeit zur Verfügung, um bereits vor der Verfügbarkeit von MTB-Kulturergebnissen eine ausreichend spezifische, vorläufige Diagnose abzusichern und allfällige Therapieentscheidungen zu rechtfertigen.

Was bedeutet ein positives Ergebnis einer Auramin/ZN-Färbung?

Ein positives Ergebnis der Auramin/ZN-Färbung liefert den Nachweis, dass in dem Untersuchungsmaterial Mykobakterien vorhanden sind. Eine TBC-Infektion kann mit diesen Verfahren aber nicht bewiesen werden.

Für die endgültige Absicherung einer TBC-Infektion muss das Untersuchungsmaterial einem mikrobiologischen Kulturverfahren unterzogen werden, wobei es im Durchschnitt drei bis vier Wochen dauert, bis das entsprechende Kulturergebnis verfügbar ist.

Was bedeutet ein negatives Ergebnis einer Auramin/ZN-Färbung?

Ein negatives Ergebnis der Auramin/ZN-Färbung legt die Vermutung nahe, dass bei der betroffenen Patientin/dem betroffenen Patienten keine aktuelle Mykobakterieninfektion vorliegt. Eine solche Infektion ist in diesem Fall aber nicht ausgeschlossen, weil die Konzentration der Bakterien im Untersuchungsmaterial auch zu niedrig sein könnte.

Für ein positives Ergebnis der Auramin/ZN-Färbung müssen zumindest zehn hoch vier (104) Keime vorhanden sein, damit diese Untersuchungsverfahren ein positives Resultat liefern.

Die klinische Interpretation des Untersuchungsergebnisses der Auramin/ZN-Färbung muss daher von der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt unter Berücksichtigung der Beschwerden der Patientin/des Patienten sowie in Zusammenschau sämtlicher erhobener Befunde erfolgen.

Tuberkulose (TBC)

Die Tuberkulose (TBC) ist eine durch Bakterien des Mycobacterium-tuberculosis-Complex (MTC) hervorgerufene Infektionskrankheit. Zum MTC gehören allen voran die hochpathogenen Stämme Mycobacterium tuberculosis (MTB) sowie M. bovis (weiters die weniger pathogenen Stämme M. africanum, M. microti sowie M. canetti). Neben diesen Tuberkuloseerregern gibt es auch eine Reihe atypischer Mykobakterien, die als fakultative Pathogene „atypische Mykobakteriosen“ hervorrufen können. Dazu zählen z.T. auch überall (ubiquitär) vorkommende Umweltkeime: M. avium, kansasii, xenopi u.v.m.

Schätzungen der WHO zufolge ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit M. tuberculosis infiziert, wovon fünf bis zehn Prozent an TBC erkranken. Insgesamt dürften jedes Jahr etwa zwei Millionen Menschen an TBC sterben. Dementsprechend bildet die Erkrankung einen enormen Infektionspool, aus dem sich immer wieder neue Erkrankungen generieren. Dabei ist die Erkrankung keineswegs ein ausschließliches Problem von Entwicklungsländern. Auch in westlichen Industriestaaten ist es wieder zu einem Inzidenzanstieg gekommen. TBC muss daher immer in differenzialdiagnostische Überlegungen miteinbezogen werden.

Neben dem Problem der Erkrankungshäufigkeit besteht weltweit auch jenes der „multidrug-resistant“ (MDR) sowie „extensive drug-resistant“ (XDR) TBC, die gehäuft in Osteuropa sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion vorkommen. Die Behandlung dieser Erkrankungen ist kostspielig und kann länger als 24 Monate dauern. In einigen Fällen ist sogar keine medikamentöse Option verfügbar.

Im Hinblick auf ihren klinischen Verlauf ist die TBC eine stadienhafte Erkrankung. Während das Primärstadium ähnlich einem grippalen Infekt bzw. meist unbemerkt verläuft, kommt es im Sekundärstadium zu den typisch unspezifischen Beschwerden:

  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Nachtschweiß
  • erhöhte Temperatur (noch kein Fieber)
  • Husten (eventuell mit Auswurf)

Abbildung 2. Epitheloidzellen eines tuberkulösen Granuloms. (Material: Bürstenbiopsie; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Nach erfolgter Infektion bildet sich der sogenannte „Primärkomplex“, ein kleiner primärer Lungenherd mit dem dazu gehörenden regionären Lymphknoten. Aufgrund des intrazellulären Wachstums der TBC-Mykobakterien (vor allem in Makrophagen) kommt es in weiterer Folge zu Granulom-Bildungen, die aus
  • Epitheloidzellen (Abbildung 2),
  • histiozytären Langhans’schen Riesenzellen (Abbildung 3)

    Abbildung 3. Langhans’sche Riesenzelle eines tuberkulösen Granuloms. (Material: Bürstenbiopsie; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

    und einer sogenannten
  • „verkäsenden“ Nekrose im Inneren der Granulome bestehen.

In den Granulomen werden die Mykobakterien zumeist bis ans Lebensende unter Kontrolle gehalten – dies wird als

  • „latente TBC-Infektion“ (LTBI) bezeichnet.

Bei einer Schwächung des Immunsystems können sich die Bakterien aber eventuell wieder ungehemmt vermehren und die Erkrankung bricht erneut aus:

  • „Sekundärkomplex“ – sogenannte postprimäre TBC.

Im Hinblick auf die Diagnose einer TBC muss zwischen einer aktiven bzw. latenten TBC-Infektion (LTBI) unterschieden werden. Bei der Abklärung eines Verdachtes auf eine aktive TBC-Infektion kommen die folgenden Untersuchungsverfahren zum Einsatz:

  • Beurteilung der Beschwerden der Patientin/des Patienten,
  • Lungenröntgen,
  • mikroskopischer Erregernachweis (Auramin/ZN-Färbung) in verschiedenen Untersuchungsmaterialien,
  • MTB-PCR sowie
  • MTB-Kultur.

Eine LTBI kann in manchen Fällen einen über Monate und Jahre dauernden beschwerdelosen Verlauf haben, wobei die Betroffenen auch nicht ansteckend sind. Der Hauptzweck des Nachweises einer LTBI besteht darin, eine Behandlung zur Prävention des Ausbruchs der Erkrankung in Betracht zu ziehen.

Für die Diagnose einer LTBI stehen vor allem folgende Untersuchungsverfahren zur Verfügung:

  • Tuberkulinhauttest (Nachweis einer Hautreaktion nach Verabreichung von MTB-Eiweißstoffen in die Haut) sowie
  • die Bestimmung von Tuberkulin-induziertem Interferon-Gamma im Blut – bei diesem Test wird nachgewiesen, inwiefern bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Helfer-Lymphozyten) sich mittels MTB-Eiweißstoffen gezielt stimulieren lassen.

Für die Therapie der TBC kommen die folgenden Möglichkeiten in Betracht:

  • allgemeine Maßnahmen
    • Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum,
    • Behandlung der Begleitsymptome wie Husten (v.a. um die Umgebung zu schützen),
    • Behandlung von Begleiterkrankungen etc.
  • Therapie mit „Antituberkulotika“ (das sind spezielle gegen MTC-Erreger wirksame Antibiotika).
  • Operationen von schwer befallenen Lungenbereichen („Kavernen“).

Informationen zu Tuberkulose.

LOINC: 676-7

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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