Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

Laktoseintoleranz-Genotypisierung

Die MCM6-Genotypisierung kann wichtige diagnostische Hinweise bei der Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Laktoseintoleranz liefern. Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig.

Warum wird eine MCM6-Genotypisierung durchgeführt?

Die MCM6-Genotypisierung kann wichtige diagnostische Hinweise bei der Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Laktoseintoleranz liefern. Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich zumeist um eine angeborene Erkrankung, die mit einer verminderten Bildung des den Milchzucker (Laktose) verdauenden Enzyms Laktase einhergeht.

Die Ursache für die Laktoseintoleranz sind zumeist bestimmte Konstellationen des Erbgutes des Menschen, die angeboren sind und meistens von den Eltern vererbt wurden. Die Grundlage des Erbgutes des Menschen ist der sogenannte genetische Code – auch Erbsubstanz oder DNA (Desoxyribonukleinsäure) genannt. Die Erbsubstanz befindet sich im Zellkern aller Körperzellen, und sie ist für jeden Menschen in ihrer exakten Zusammensetzung einzigartig – vergleichbar mit dem Fingerabdruck, der ebenfalls für jeden Menschen einzigartig ist.

Bestimmte Veränderungen (z.B. Mutationen) oder Konstellationen im Bereich der Feinstruktur der Erbsubstanz können mit dem Auftreten von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. Im Falle der Laktoseintoleranz sind das insbesondere Mutationen im Bereich des

  • MCM6-Gens des Menschen (C/T-13910- bzw. G/A-22018-Polymorphismus).

Zur Untersuchung der Feinstruktur der menschlichen Erbsubstanz kann eine sogenannte Laktoseintoleranz-Genotypisierung durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um ein labormedizinisches Spezialverfahren zur genetischen Analyse der mit dem Auftreten einer Laktoseintoleranz in Verbindung stehenden bekannten genetischen Veränderungen (Mutationen).

Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig. Im medizinischen Labor wird aus dem Blut die Erbsubstanz extrahiert und mit dem Laborverfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR – Polymerase Chain Reaction) vervielfacht (sprich amplifiziert). Da bei der Vervielfachung der Erbsubstanz im Rahmen dieser Untersuchung gleichzeitig mehrere DNA-Regionen amplifiziert werden, spricht man hierbei von einer sogenannten Multiplex-PCR.

Neben dem Verfahren der Multiplex-PCR gibt es auch noch die Möglichkeit, die genaue Abfolge des genetischen Codes bei der Patientin/dem Patienten zu entschlüsseln. Dieses Untersuchungsverfahren wird DNA-Sequenzierung genannt. Da diese Labormethode aber aufwändiger als die Multiplex-PCR ist, erfolgt eine DNA-Sequenzierung zur MCM6-Genotypisierung meistens im Rahmen spezieller diagnostischer Fragestellungen.

Wie ist das Untersuchungsergebnis der MCM6-Genotypisierung zu interpretieren?

Zur Diagnosesicherung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Laktoseintoleranz bei einer Patientin/einem Patienten ist die Durchführung einer MCM6-Genotypisierung sinnvoll. Durch den Nachweis bestimmter genetischer Konstellationen kann das Vorliegen einer Laktoseintoleranz bewiesen werden:

  • Im Hinblick auf den C/T-13910-Polymorphismus stellt ein sogenannter CC-Genotyp den Beweis für die Anlage einer Laktoseintoleranz dar.
  • Beim G/A-22018-Polymorphismus ist es der sogenannte GG-Genotyp, der für eine Laktoseintoleranz verantwortlich ist.

Neben diesen angeborenen (vererbten) Formen der Laktoseintoleranz gibt es aber auch sogenannte sekundäre Formen, die beispielsweise im Rahmen anderer Erkrankungen (Sprue bzw. Dünndarmerkrankungen) auftreten können und als erworbene Formen des Laktasemangels bezeichnet werden.

Laktoseintoleranz

Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine angeborene Erkrankung, die mit einer verminderten Bildung des den Milchzucker (Laktose) verdauenden Enzyms Laktase einhergeht. Am häufigsten verbreitet ist die Laktoseintoleranz in der asiatischen Bevölkerung (>95 Prozent). In Mitteleuropa kommt sie mit etwa 15 Prozent Häufigkeit in der Bevölkerung vor.

Am häufigsten ist die sogenannte primäre (adulte) Form der Laktoseintoleranz, die mit einer fortschreitenden Abnahme der Laktaseaktivität ab dem Pubertätsalter beginnt. Als Ursache konnten genetische (erbliche) Faktoren für die Laktoseintoleranz identifiziert werden, wobei nicht die Erbinformation für die Laktase selbst betroffen ist, sondern regulatorische Bereiche der Erbsubstanz im Bereich des sogenannten MCM6-Gens auf dem humanen Chromosom 2:

  • C/T-13910-Polymorphismus sowie
  • G/A-22018-Polymorphismus.

Durch die zunehmend verminderte Bildung von Laktase kommt es zu einer Störung der Milchzuckerverdauung im Darm. In weiterer Folge wird der Milchzucker von den Darmbakterien gespalten, was zu einer vermehrten Gasbildung im Darm (Wasserstoff und Kohlendioxid) führt. Die Folge sind schließlich die klinischen Beschwerden wie:

  • Blähungen,
  • Durchfälle und
  • Bauchschmerzen.

Da die Laktasebildung bei den betroffenen Patientinnen/Patienten individuell sehr unterschiedlich ist und zumeist auch eine Laktase-Restaktivität besteht, variieren die Beschwerden zumeist recht stark nach Genuss von Milch bzw. Milchprodukten. Zu einer Besserung der Symptomatik kommt es meist sofort bei komplettem Verzicht auf laktose-haltige Nahrungsmittel.

Im Hinblick auf die Diagnose einer Laktoseintoleranz existieren neben den typischen Beschwerden die folgenden Untersuchungsmöglichkeiten:

  • Wasserstoff-Atemtest: Messung der Wasserstoffkonzentration in der ausgeatmeten Luft nach Laktoseverabreichung (vermehrte Bildung von Wasserstoff und Kohlendioxid durch die Darmbakterien);
  • Laktosetoleranztest: Blutzuckeranstieg nach oraler Laktoseverabreichung (bei Laktoseintoleranz fehlt dieser Blutzuckeranstieg);
  • MCM6-Genotypisierung (Nachweis eines C/T-13910- bzw. G/A-22018-Polymorphismus).

Zur Behandlung einer Laktoseintoleranz ist eine entsprechend laktosearme bzw. -freie Diät erforderlich (vorzugsweiser Konsum von laktosefreien Milchprodukten). In bestimmtem Fällen kann eine orale Substitution von Laktase in Erwägung gezogen werden.

Synonyme: MCM6-Genotypisierung (MCM6GT)
LOINC: 72872-5 / MCM6 -13910C>T + -13915T>G Bld/T

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre


Im Rahmen der MCM6-Genotypisierung erfolgt die Untersuchung bestimmter genetischer Merkmale. Bei solchen Laboranalysen gibt es daher keinen Referenzwert, genau so, wie es beispielsweise auch für die Haarfarbe keinen Referenzwert gibt. Denn auch die Haarfarbe ist ein genetisches Merkmal.

Hinweis Bei der MCM6-Genotypisierung handelt es sich um eine Laboruntersuchung, für welche die Bestimmungen des Österreichischen Gentechnikgesetzes (GTG) maßgeblich sind (Feststellung einer bestehenden Erkrankung nach §65 GTG).

Demzufolge darf diese Analyse vom medizinischen Labor erst nach Vorliegen einer schriftlichen Bestätigung der zu untersuchenden Person, der/des Erziehungsberechtigten (bei nicht entscheidungsfähigen minderjährigen Personen) oder der gesetzlichen Vertreterin/des gesetzlichen Vertreters (bei nicht entscheidungsfährigen volljährigen Personen) über die umfassende Aufklärung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt hinsichtlich dieser genetischen Untersuchung durchgeführt werden (§69 GTG).

Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich das Recht, die Durchführung genetischer Untersuchungen an ihrer Person zu untersagen.

Weitere Informationen zum Erwachsenenschutzrecht (ehem. Sachwalterschaft).


Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse