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Hämochromatose-Mutationsanalyse (HCHMU)

Die Hämochromatose-Mutationsanalyse kann wichtige diagnostische Hinweise bei der Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Hämochromatose (eine Eisenspeicherkrankheit) liefern. Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig.

Warum wird eine Hämochromatose-Mutationsanalyse durchgeführt?

Bei der Hämochromatose handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Eisenaufnahme im Dünndarm gestört ist. Als Folge davon kommt es zu einer gesteigerten Eisenresorption mit Eisenüberladung des Körpers und Eisenablagerungen in Geweben, wodurch diese Gewebe (v.a. innere Organe sowie zentrales Nervensystem) geschädigt werden.

Die Ursache der Hämochromatose sind bestimmte Konstellationen des Erbgutes des Menschen, die angeboren sind und zumeist von den Eltern vererbt wurden. Die Grundlage des Erbgutes des Menschen ist der sogenannte „genetische Code“ – auch „Erbsubstanz“ oder „DNA“ (Desoxyribonukleinsäure) genannt. Die Erbsubstanz befindet sich im Zellkern aller Körperzellen, und sie ist für jeden Menschen in ihrer exakten Zusammensetzung einzigartig – vergleichbar mit dem Fingerabdruck, der ebenfalls für jeden Menschen einzigartig ist.

Bestimmte Veränderungen (z.B. Mutationen) oder Konstellationen im Bereich der Feinstruktur der Erbsubstanz können mit dem Auftreten von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. Im Falle der Hämochromatose sind das insbesondere Mutationen im Bereich des

  • HFE-Gens am Chromosom 6 des Menschen.

Bei diesem Gen sind Mutationen bekannt, die mit dem Auftreten einer Hämochromatose assoziiert sind:

  • C282Y-Mutation (G845A) – bei über 90 Prozent der Patientinnen/Patienten mit Hämochromatose nachweisbar,
  • H63D-Mutation (C187G) – bei ca. fünf Prozent der Patientinnen/Patienten mit Hämochromatose nachweisbar.

In fünf Prozent der Fälle können diese Mutationen auch zusammen vorkommen, was als „Compound Heterozygotie“ bezeichnet wird. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine Reihe anderer genetischer Varianten, die mit der Hämochromatose in Zusammenhang stehen. Diese betreffen bestimmte Bereiche der Chromosomen 1 (Chr1q21), Chromosom 2 (Chr2q32), Chromosom 7 (Chr7q22) sowie Chromosom 19 (Chr19q13).

Zur Untersuchung der Feinstruktur der menschlichen Erbsubstanz kann eine sogenannte Hämochromatose-Mutationsanalyse durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um ein labormedizinisches Spezialverfahren zur genetischen Analyse der mit dem Auftreten einer Hämochromatose in Verbindung stehenden, bekannten genetischen Veränderungen (Mutationen).

Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig. Im medizinischen Labor wird aus dem Blut die Erbsubstanz extrahiert und mit dem Laborverfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR – „Polymerase Chain Reaction“) vervielfacht (amplifiziert). Da bei der Vervielfachung der Erbsubstanz im Rahmen dieser Untersuchung gleichzeitig mehrere DNA-Regionen amplifiziert werden, spricht man hierbei von einer sogenannten „Multiplex-PCR“.

Neben dem Verfahren der Multiplex-PCR gibt es auch noch die Möglichkeit, die genaue Abfolge des genetischen Codes bei der Patientin/dem Patienten zu entschlüsseln. Dieses Untersuchungsverfahren wird „DNA-Sequenzierung“ genannt. Da diese Labormethode aber aufwendiger als die Multiplex-PCR ist, erfolgt eine DNA-Sequenzierung zur Hämochromatose-Mutationsanalyse meistens im Rahmen spezieller diagnostischer Fragestellungen.

Wie ist das Untersuchungsergebnis der Hämochromatose-Mutationsanalyse zu interpretieren?

Die Hämochromatose-Mutationsanalyse kann wichtige diagnostische Hinweise bei der Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen einer Hämochromatose liefern. Allerdings müssen die Laborergebnisse der Mutationsanalyse immer in Zusammenschau mit dem klinischen Beschwerdebild bei der betroffenen Patientin/dem betroffenen Patienten sowie mit weiterführenden Untersuchungen (Labor-, Röntgen- sowie Gewebsuntersuchungen) erfolgen.

Bei der Hämochromatose ist zu berücksichtigen, dass trotz Vorliegen einer entsprechenden Mutation im Bereich des HFE-Gens die Patientinnen und Patienten vollkommen gesund sein können. So beträgt die „Penetranz“ der C252Y-Mutation für das Auftreten einer manifesten Hämochromatose auch bei Homozygotie (sowohl das von der Mutter als auch das vom Vater vererbte Gen trägt die Mutation) bloß 25 Prozent.

Auf der anderen Seite schließt ein negatives Ergebnis der Hämochromatose-Mutationsanalyse das Vorliegen einer Hämochromatose nicht aus, da auch andere Genregionen als das HFE-Gen (sogenannte „non-HFE Hämochromatose“) bzw. ganz andere Chromosomen- bzw. Genbereiche ursächlich beteiligt sein können.

Aus diesem Grund ist das wichtigste diagnostische Einsatzgebiet der Hämochromatose-Mutationsanalyse

  • der Beweis für das Vorliegen einer Hämochromatose bei entsprechender klinischer Symptomatik sowie dem Nachweis einer erkrankungstypischen genetischen Veränderung (Mutation).

Ein weiteres Einsatzgebiet der Hämochromatose-Mutationsanalyse sind auch Familienuntersuchungen. In diesem Zusammenhang kann bei Verwandten einer Patientin/eines Patienten mit Hämochromatose eine entsprechende Hämochromatose-Mutationsanalyse (Screening auf HFE-Gen-Mutationen) zur Abschätzung des Erkrankungsrisikos durchgeführt werden.

Hämochromatose (Siderophilie)

Bei der Hämochromatose handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der die Eisenaufnahme im Dünndarm gestört ist. Als Folge davon kommt es zu einer gesteigerten Eisenresorption mit Eisenüberladung des Körpers und Eisenablagerungen in Geweben, wodurch diese Gewebe (v.a. innere Organe sowie zentrales Nervensystem) geschädigt werden.

Die häufigste Form der Hämochromatose ist die sogenannte klassische bzw. adulte Hämochromatose (Typ 1). Dieser Erkrankung liegen bestimmte Veränderungen (Mutationen) im Bereich des HFE-Gens zugrunde, die autosomal-rezessiv vererbt werden. Diese Form der Hämochromatose tritt in Europa mit einer Häufigkeit von 1:1.000 auf, wobei Männer in etwa zehnmal häufiger von den klinischen Symptomen betroffen sind als Frauen, da es bei Frauen aufgrund der Menstruationsblutungen zu einem regelmäßigen physiologischen Eisenverlust kommt.

Das Manifestationsalter der klassischen Hämochromatose (Typ 1) liegt zwischen 30 und 50 Jahren. Durch die Eisenablagerung in den Geweben kommt es zu Organschädigungen mit folgenden Auswirkungen:

  • Leberzirrhose,
  • Diabetes (sogenannter „Bronzediabetes“ aufgrund einer dunklen Hautpigmentierung),
  • Herzmuskelschwäche (Kardiomyopathie),
  • Störungen des Hormonsystems (Schädigung der Hirnanhangsdrüse) u.v.m.

Neben der klassischen Hämochromatose gibt es aber auch Formen, die sich bereits in jüngeren Jahren manifestieren – sogenannte „juvenile“ bzw. „neonatale“ Formen der Hämochromatose. Diesen Formen liegen andere genetische Mechanismen zugrunde als bei der klassischen Hämochromatose.

Im Hinblick auf die Diagnose einer Hämochromatose sind stets die folgenden Untersuchungen erforderlich:

  • genaue Erhebung der Beschwerden und der Krankengeschichte (sogenannte Anamnese),
  • Laboruntersuchungen (hohe Ferritinwerte im Blut sowie eine hohe Transferrinsättigung),
  • bildgebende Verfahren zur Untersuchung der Leber (v.a. MRT) sowie
  • Hämochromatose-Mutationsanalyse.

Das wichtigste Ziel bei der Behandlung einer Hämochromatose ist die Verminderung der Eisenbelastung des Körpers. Die Behandlungsoptionen bei Hämochromatose umfassen daher:

  • Vermeidung von Eisen in der täglichen Nahrung (Trinken von Schwarztee zu den Mahlzeiten),
  • Aderlässe,
  • Gabe von „Eisenchelatoren“ als Infusion oder oral.

Zur Überwachung der therapeutischen Maßnahmen ist die Bestimmung von Ferritin (ein Eiweißstoff zur Speicherung von Eisen im Körper) im Blut empfehlenswert, wobei dieser Laborwert im Blut langfristig auf unter 50 µg/l abgesenkt werden sollte.

LOINC: 34519-9

Referenzwert

Im Rahmen der Hämochromatose-Mutationsanalyse erfolgt die Untersuchung bestimmter genetischer Merkmale. Bei solchen Laboranalysen gibt es daher keinen Referenzwert, genau so wie es beispielsweise auch für die Haarfarbe keinen Referenzwert gibt. Denn auch die Haarfarbe ist ein genetisches Merkmal.

Auf der anderen Seite können aber genetische Merkmale mit dem Auftreten bestimmter Erkrankungen assoziiert sein. Im Hinblick auf die Hämochromatose-Mutationsanalyse schließt der fehlende Nachweis von Mutationen im HFE-Gen bei Personen, die an suspekten Beschwerden für diese Erkrankung leiden, diese Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.

Bei der Hämochromatose-Mutationsanalyse handelt es sich um eine Laboruntersuchung, für welche die Bestimmungen des Österreichischen Gentechnikgesetzes (GTG) maßgeblich sind (Feststellung einer bestehenden Erkrankung nach §65 GTG).

Demzufolge darf diese Analyse vom medizinischen Labor erst nach Vorliegen einer schriftlichen Bestätigung der zu untersuchenden Person über die umfassende Aufklärung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt hinsichtlich dieser genetischen Untersuchung durchgeführt werden (§69 GTG).

Bei unmündigen oder Personen unter Sachwalterschaft muss diese schriftliche Bestätigung entweder durch die bzw. den Erziehungsberechtigten oder durch die Sachwalterin/den Sachwalter erfolgen.

Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich das Recht, die Durchführung genetischer Untersuchungen an ihrer Person zu untersagen.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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