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Inhalationsallergene IgE

Bei der labordiagnostischen Abklärung von mit Inhalationsallergenen in Zusammenhang stehenden Erkrankungen kommen in Abhängigkeit vom Alter und dem Beschwerdebild (z.B. Heuschnupfen, Bronchialasthma) bei den betroffenen Patientinnen/Patienten in erster Linie bestimmte Allergen-Profile zur Bestimmung allergenspezifischer Antikörper vom Typ Immunglobulin-E (IgE) im Blut zum Einsatz. Positive Ergebnisse dieser Allergen-Gruppen-Tests können in einem zweiten Schritt im Hinblick auf die allergenspezifischen Antikörper exakt spezifiziert sowie quantifiziert werden.

Warum werden Laboruntersuchungen auf Inhalationsallergene durchgeführt?

Bei allergischen Reaktionen gegen sogenannte Inhalationsallergene handelt es sich um eine durch Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE) vermittelte Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers gegen über die Atemluft zugeführten Fremdstoffen (meist Eiweiße):

  • Pollen von Gräsern, Kräutern, Baumblüten,
  • Hausstaubmilben,
  • Schimmelpilze sowie
  • Tierallergene (Tierhaare, Hautschuppen etc.).

Generell bezeichnet der Begriff „Allergie“ eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) des Körpers gegenüber bestimmten Stoffen (Allergene). Diese Überempfindlichkeitsreaktion kann durch verschiedene Mechanismen vermittelt werden:

  • durch Antikörper v.a. vom Typ IgE oder IgG;
  • durch Immunzellen – das sind spezielle weiße Blutkörperchen, die als T-Lymphozyten bezeichnet werden.

Zur Abklärung einer Allergie ist immer ein entsprechendes Prozedere wichtig:

  • Anamnese: Befragung der Patientin/des Patienten nach allergischen Beschwerden, und wann diese auftreten. Weiters sind in diesem Zusammenhang die folgenden Faktoren zu berücksichtigen:
    • Alter der Patientin/des Patienten,
    • Wohnsituation (Haustiere, Zimmerpflanzen, Hobbys u.v.m.),
    • saisonales bzw. ganzjähriges (perenniales) Auftreten der Beschwerden.
  • Hauttestungen: Dabei wird die Hautreaktion auf bestimmte Allergene untersucht.
  • Labortests:
    • Bestimmung von Gesamt-IgE im Blut,
    • Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut,
    • Bestimmung allergenspezifischer IgG-Antikörper im Blut.

Im Hinblick auf das Beschwerdebild von durch Inhalationsallergene hervorgerufenen Erkrankungen stehen meist die folgenden Symptome im Vordergrund:

  • Allergische Rhinitis (Heuschnupfen): Dabei handelt es sich um Entzündungsreaktionen der Schleimhäute der oberen Atemwege (Nase, Nebenhöhlen, Rachenraum) sowie der Augenbindehäute (Konjunktivitis), die durch über die Luft verbreitete Allergene hervorgerufen werden. Die Symptome treten häufig saisonal (Pollenflug) auf, können aber auch ganzjährig (perennial) bestehen (z.B. Hausstaubmilbenallergie).
  • Bronchialasthma: Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündungserkrankung der Atemwege. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einer spontanen und vorübergehenden Verengung der Atemwege kommen (sogenannte Bronchialobstruktion), woraus akute Anfälle von schwerer bis sogar lebensbedrohlicher Atemnot (Status asthmaticus) resultieren können.

Bei der labormedizinischen Allergiediagnostik kommt als Untersuchungsmaterial Blut zum Einsatz, wobei allergenspezifische Antikörper vom Typ IgE bzw. IgG bestimmt werden. Da im Blut aber spezifische Antikörper gegen Hunderte verschiedene Allergene (mehr als 650) sowie Allergenkomponenten (mehr als 90) gemessen werden können, muss im Vorfeld der Labordiagnostik immer ein entsprechendes diagnostisches Prozedere festgelegt werden (sogenannte Stufendiagnostik). Auf diese Weise wird eine möglichst zielgerichtete und effiziente Auswahl an spezifischen Laboruntersuchungen gewährleistet.

Dementsprechend kommen in erster Linie (Stufe 1) sogenannte Gruppentests (Allergenprofile bzw. Allergenmixe) zum Einsatz, die entweder ein positives oder negatives Ergebnis liefern. Bei einem positiven Ergebnis der Allergen-Gruppen-Tests erfolgt dann in einem zweiten Schritt (Stufe 2) eine weitere exakte Spezifizierung und Quantifizierung der allergenspezifischen Antikörper.

Im Hinblick auf Inhalationsallergene kommen in Abhängigkeit vom Alter und dem Beschwerdebild bei den betroffenen Patientinnen/Patienten vor allem die folgenden Allergenprofile zum Einsatz:

  • Asthma/Rhinitis: Hausstaubmilbe, Katzenschuppen, Hundeschuppen, Schimmelpilze, Lieschgras, Birke, Ambrosie, Beifuß.

Wie wird das Ergebnis der Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut interpretiert?

Während sogenannte Allergie-Gruppen-Tests (Allergenprofile bzw. Allergenmixe) ein qualitatives (positives bzw. negatives) Untersuchungsergebnis liefern, wird das Bestimmungsergebnis allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut anhand sogenannter RAST-Klassen angegeben. Dabei handelt es sich um ein halbquantitatives Auswertungsverfahren, das wie folgt zu interpretieren ist:

  • RAST-Klasse 0: negatives Ergebnis,
  • RAST-Klasse 1: schwach positives Ergebnis,
  • RAST-Klasse 2: mäßig hohes Ergebnis,
  • RAST-Klasse 3: hohes Ergebnis,
  • RAST-Klasse 4: sehr hohes Ergebnis.

Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, die Untersuchungsergebnisse als quantitative Messwerte am Laborbefund auszuweisen (meist in der Einheit „kU/L“ – Kilo-Units pro Liter). In diesen Fällen werden dann zumeist in Abhängigkeit von der zum Einsatz kommenden Labormethode Umrechnungstabellen zur Interpretation der quantitativen Werte im Hinblick auf die entsprechende RAST-Klasse mitgeliefert.

Ob im jeweiligen Fall tatsächlich eine Allergie vorliegt, sollte aber stets in Zusammenschau von Anamnese sowie anderen Testergebnissen – z.B. Hauttest – entschieden werden.

Asthma bronchiale

Beim Bronchialasthma (Asthma bronchiale) handelt es sich um eine chronische Entzündungserkrankung der Atemwege. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einer spontanen und vorübergehenden Verengung der Atemwege kommen (sogenannte Bronchialobstruktion), woraus akute Anfällen von schwerer bis sogar lebensbedrohlicher (Status asthmaticus) Atemnot resultieren können.

Die wichtigsten Formen von Asthma umfassen:

  • Allergisches Asthma – im Rahmen allergischer Reaktionen auf
    • u.a. Blütenpollen, Hausstaubmilben Insektenallergene, Tierhaare bzw.
    • allergisierende Stoffe (z.B. Mehl, Chemikalien) aus dem Bereich des Arbeitsumfeldes der betroffenen Patientinnen/Patienten (Berufsasthma).
  • Nicht allergisches Asthma im Rahmen
    • oftmals chronischer respiratorischer Infekte,
    • einer Therapie mit bestimmten Arzneimitteln (z.B. nicht-steroidale Antirheumatika),
    • toxischer Reaktionen auf die Atemwege reizende Stoffe aus dem Bereich des Arbeitsumfeldes der betroffenen Patientinnen/Patienten,
    • einer gastroösophagealen Refluxkrankheit.
  • Asthma-Mischformen
    • allergische/nicht-allergische Ursache (Genese).

Neben diesen typischen Asthmaformen gibt es aber auch eine genetisch angeborene Neigung zu bestimmten allergischen Reaktionen vom Soforttyp (sogenannte allergische Typ-1- Reaktionen), welche über die Vermittlung von Antikörpern vom Typ Immunglobulin-E vermittelt werden. Zu diesen allergischen (atopischen) Erkrankungen zählen:

  • Allergische Rhinitis,
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem) sowie
  • Asthma bronchiale.

Weiters gibt es neben diesen genetischen Faktoren aber auch exogene (aus der Umwelt stammende) Faktoren (Allergene, Infekte etc.), die schließlich die typischen krankhaften Reaktionen bei Asthma bronchiale verursachen:

  • Entzündungen der Bronchien, wobei bestimmte Entzündungszellen (Mastzellen, eosinophile Granulozyten etc.) sowie Mediatoren (v.a. Histamin) dominieren,
  • Hyperreaktivität der Bronchien (sogenannte Überempfindlichkeit der Atemwege),
  • Obstruktion der Bronchien und damit einhergehender Störung des Atemflusses (Bronchospasmen, Schleimhautödeme, vermehrte bronchiale Schleimbildung etc.).

Das typische Beschwerdebild bei Asthma bronchiale kann auf bestimmte Jahreszeiten (saisonales Asthma) beschränkt sein (z.B. bei durch Pollenflug ausgelösten Formen), oder ganzjährig auftreten (perenniales Asthma). Die Symptome umfassen jeweils:

  • Anfallsweise auftretende Atemnot mit sogenanntem expiratorischen Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Ausatmen), welcher durch eine Überblähung der Lungen zustande kommt (quasi durch einen Ventileffekt – Luft strömt leichter in die Lungen hinein als wieder heraus),
  • Lungenüberblähung,
  • verlängerte Ausatmungszeit,
  • Atemermüdung durch Überbeanspruchung der Atemmuskulatur für den Ausatemprozess,
  • chronischer Husten u.v.m.

Im Hinblick auf die Diagnose von Asthma bronchiale erfolgt zunächst eine ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt. Als nächster diagnostischer Schritt wird eine Spirometrie (Atemfunktionsuntersuchungen) durchgeführt. Die Allergiediagnostik umfasst folgende Tests:

  • Hauttestungen (Prick-Test): dabei wird die Hautreaktion auf bestimmte Allergene untersucht;
  • Labortests:
    • Bestimmung von Gesamt-IgE im Blut,
    • Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut,
    • Bestimmung allergenspezifischer IgG-Antikörper im Blut,
    • Bestimmung von Histamin, Tryptase, ECP im Blut;
  • Provokationstests (auch inhalativ): Zur Diagnosesicherung kann in bestimmten Fällen unter ärztlicher Aufsicht das infrage kommende Allergen in ansteigender Dosierung verbreicht werden (auf die Haut bzw. Schleimhaut), wobei anschließend die Reaktion des Körpers beobachtet wird.

Zur kausalen Therapie von Bronchialasthma wäre die Vermeidung jeglichen Kontaktes mit den auslösenden Stoffen (Allergenen) das ideale Vorgehen, was aber nur in seltenen Fällen möglich ist.

Im Hinblick auf medikamentöse Behandlungsoptionen gibt es eine Reihe von symptomatischen Maßnahmen:

  • entzündungshemmende Medikamente (zur Kontrolle der entzündlichen Reaktionen):
    • inhalative Glukokortikosteroide (ICS) als Dosieraerosol bzw.
    • systemische Anwendung bei schweren Verlaufsformen (Status asthmaticus);
  • Bronchien-erweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren – im Bedarfsfall):
    • rasch sowie lang wirksame Beta2-Sympathomimetika in entsprechenden Kombinationen (stets in Kombination mit ICS);
    • Parasympatholytika (v.a. bei COPD gut wirksam);
    • Theophyllin (v.a. Reserveoption bzw. bei schweren Verläufen);
    • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Blockierung von Entzündungsmediatoren);
    • Cromone (z.B. Cromoglicinsäure);
    • Omalizumab (bei therapieresistenten Verlaufsformen).

Darüber hinaus ist auch ein entsprechender Schulungs- und Therapieplan für die betroffenen Patientinnen/Patienten in Form von schriftlichen Unterlagen erforderlich.

Die Behandlung eines schweren Asthmaanfalls (Status asthmaticus) muss im Rahmen einer stationären Krankenhausüberwachung erfolgen.

Zu den Langzeitfolgen einer Bronchialasthmaerkrankung zählen

  • obstruktives Lungenödem,
  • Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) sowie
  • respiratorische Insuffizienz (Atemversagen).

Im Hinblick auf die Prognose von Asthma bronchiale ist eine konsequente sowie längerfristige Behandlung der Erkrankung entscheidend. Bei Kindern darf eine spätere Beschwerdefreiheit in mehr als der Hälfte aller Fälle erwartet werden. Im Erwachsenenalter bessert sich die Symptomatik in mehr als 40 Prozent der Fälle, und mit einer kompletten Beschwerdefreiheit kann hier in etwa 20 Prozent der Fälle gerechnet werden.

Weitere Informationen zu

LOINC: Es existieren jeweils allergenspezifische LOINC-Codes zur Bestimmung von Antikörpern hinsichtlich von Allergenprofilen (auch „Allergenmixe“ genannt), nativer Allergenextrakte (Mischungen aus allergenen sowie nicht-allergenen Stoffen) und spezifischer Allergen-Komponenten (native bzw. rekombinant hergestellte Eiweißstoffe, die als Allergene wirken).

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre

Allergen-Gruppen-Tests

negativ

negativ

negativ

negativ

Allergen-spezifische IgE-AntikörperRAST-Klasse 0RAST-Klasse 0RAST-Klasse 0RAST-Klasse 0

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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