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Ethylglucuronid/Urin (ETHGU)

Ethylglucuronid (ETG) ist ein direktes Stoffwechselprodukt von Aethanol (Alkohol), das im Körper nach Alkoholkonsum entsteht. ETG wird über den Harn ausgeschieden und kann sogar noch einige Tage nach der Alkoholzufuhr nachgewiesen werden. Aus diesem Grund eignet sich die ETG-Messung im Harn für das Monitoring einer Abstinenz im Rahmen von therapeutischen Alkoholentwöhnungsmaßnahmen.

Warum wird Ethylglucuronid im Harn bestimmt?

Nach dem Konsum von Aethanol (Alkohol) kommt es im Körper zu Entgiftungsprozessen, um den Alkohol möglichst rasch wieder aus dem Körper zu eliminieren. Alkohol wird dabei in unveränderter Form direkt über die Lungen, die Haut und den Harn ausgeschieden. Es gibt folgende spezifische analytische Verfahren zum Nachweis eines Alkoholkonsums:

  • Nachweis von Aethanol in der Atemluft (z.B. bei Polizeikontrollen),
  • Nachweis von Aethanol im Blut (Blutalkoholspiegel),
  • Nachweis von Aethanol im Harn (Screening).

Im Körper wird Alkohol in der Leber über das Enzym Alkoholdehydrogenase zu Azetaldehyd und weiter zu Essigsäure abgebaut. Die Abbaurate weist beträchtliche individuelle Unterschiede auf und liegt durchschnittlich bei 0,1–0,2 g/l/h. Frauen bauen Alkohol im Durchschnitt um etwa 15 Prozent langsamer ab als Männer. Endogen im Stoffwechsel gebildeter Alkohol überschreitet nicht 0,014 g/l (0,012 Promille) und kann daher vernachlässigt werden.

Neben der Umwandlung von Alkohol in Azetaldehyd kommt es in der Leber durch den Prozess der Glukuronidierung aber auch zur Bildung eines direkten Alkoholstoffwechselproduktes:

  • Ethylglucuronid (ETG).

Dabei wird ETG ebenfalls im Harn ausgeschieden, wobei dieses Stoffwechselprodukt im Gegensatz zur Ausgangssubstanz (dem Aethanol) über einen längeren Zeitraum (ca. ein bis drei Tage nach dem Alkoholkonsum) im Harn nachweisbar bleibt. Aus diesem Grund wird der Nachweis von ETG in der Medizin vor allem dazu benutzt, um im Rahmen von therapeutischen Alkoholentwöhnungsprogrammen das Abstinenzverhalten der Patientinnen und Patienten zu bestätigen.

Als Untersuchungsmethode werden in medizinischen Laboratorien für die ETG-Bestimmung im Harn üblicherweise sogenannte „Immunoassays“ eingesetzt. Diese Tests arbeiten mit Antikörpern, wobei es auch zu unerwünschten Kreuzreaktionen dieser Antikörper mit nicht relevanten Substanzen kommen kann – im Fall von ETG kann es zu Kreuzreaktionen mit dem Schlafmittel Chloralhydrat kommen.

Aus diesem Grund muss bei sensiblen, immer aber bei rechtsmedizinischen Fragestellungen eine Bestätigung jedes positiven ETG-Ergebnisses mit einer analytisch korrekten Referenzmethode (z.B. Gas-Chromatographie/Massenspektrometrie – GC/MS) erfolgen.

Was bedeutet ein positives ETG-Testergebnis im Harn?

Ein positiver ETG-Test bedeutet, dass in der untersuchten Harnprobe ETG oberhalb des Schwellenwertes („Cut-off“) des Testsystems nachweisbar ist, wobei ETG-Tests üblicherweise auf einen Cut-off von 500 ng/ml eingestellt sind.

Verfügbare Harn-Screening-Labortests (sogenannte Enzymimmunoassays), die für das ETG-Screening – das heißt für die Suche nach ETG im Harn – verwendet werden, sind üblicherweise hoch spezifisch für ETG. Kreuzreaktionen sind nur für das Schlafmittel Chloralhydrat beschrieben, das aber in Österreich nicht auf dem Markt ist.

Ein positiver ETG-Nachweis im Harn bedeutet daher, dass an den Tagen vor der Probenabgabe ein Alkoholkonsum stattgefunden hat. Bei zweifelhaften Untersuchungsergebnissen müssen die mittels eines Enzymimmunoassays erhobenen ETG-Laborwerte aber mit einer Bestätigungsmethode (z.B. GC/MS) überprüft werden.

Labordiagnostik des Alkoholismus

Unter Alkoholismus (Alkoholkrankheit) versteht man den Missbrauch bzw. die Abhängigkeit von Alkohol mit körperlichen, psychischen oder sozialen Folgeschäden.

Dauerhafter (chronischer) Alkoholmissbrauch schädigt insbesondere folgende Organe:

  • Leber: das Alkoholabbauprodukt Azetaldehyd ist lebertoxisch. Die lebertoxische Grenze liegt für Männer bei einer Zufuhr von 40 Gramm reinem Alkohol pro Tag und für Frauen bei 20 Gramm reinem Alkohol pro Tag. Eine dauerhafte Überschreitung dieser Trinkmengen kann zu Leberverfettung, Fettleberhepatitis und schließlich Leberzirrhose führen.
  • Bauchspeicheldrüse: akute und/oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).
  • Magen-Darm: chronische Gastritis, Refluxerkrankung der Speisröhre.
  • Gehirn: z.B. Gehirnatrophie.

Im Hinblick auf die Labordiagnostik des chronischen Alkoholismus besitzen lediglich die folgenden Laborwerte eine ausreichende diagnostische Spezifität – d.h. wenn keiner der folgenden Laborwerte erhöht ist, dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kein chronischer Alkoholismus vor:

  • Serumaktivität der Gamma-Glutamyltransferase (GGT),
  • mittleres Erythrozytenvolumen (MCV) und
  • Carbohydrate-Deficient Transferrin (CDT).

Von diesen drei Laborwerten ist insbesondere das CDT die derzeit spezifischste Kenngröße für einen Alkoholismus. Eine CDT-Erhöhung wird praktisch nur bei chronischer Alkoholzufuhr beobachtet, wobei durchschnittlich zumindest 60 Gramm Äthanol täglich über mehrere Wochen getrunken werden müssen.

Die diagnostische Spezifität von CDT ist mit bis zu 98 Prozent hoch, was dafür spricht, ein negatives Ergebnis richtig anzuzeigen. Die diagnostische Sensitivität von CDT – die Fähigkeit der Messgröße, bei Alkoholkranken ein richtig positives Ergebnis anzuzeigen – schwankt je nach untersuchtem Kollektiv zwischen 22 und 100 Prozent.

Weitere Informationen zur Abhängigkeitserkrankung finden Sie unter Alkohol.

Synonyme: ETG
LOINC: 45324-1, 58375-7

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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