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Mann füllt Glas nach © Photographee.eu

Alkoholabhängigkeit: Phasen & „Trinktypen“

Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung mit vielen Facetten. Einen einheitlichen Verlauf gibt es nicht. Gründe, warum Menschen immer wieder „zur Flasche greifen“ sind unterschiedlich. Abhängig von verschiedenen Faktoren, wie etwa dem Trinkverhalten und der Schwere der Folgeschäden, wird versucht, den Verlauf der Alkoholabhängigkeit zu beschreiben. In einem der bekanntesten – wenn auch bereits älterem Modell nach dem amerikanischen Psychologen Elvin Molton Jellinek – ist die Alkoholabhängigkeit in einem Phasenmodell dargestellt . . . 

Das Phasenmodell nach Jellinek

Ob jemand alkoholkrank wird, ist individuell verschieden. Die einzelnen Phasen dieses Modells können unterschiedlich lange andauern bzw. verschiedene Symptome auch gleichzeitig auftreten. Im Lauf der Erkrankung nehmen Folgeschäden immer stärker zu.

Folgende Phasen werden unterschieden:

  • Voralkoholische Phase: Sie ist gekennzeichnet durch gelegentliches oder dauerhaftes Erleichterungstrinken. Alkohol wird immer mehr dazu eingesetzt, Spannungen abzubauen und Probleme zu „bewältigen“. Die Trinkhäufigkeit nimmt zu.
  • Anfangsphase: In dieser Phase treten Gedächtnisstörungen oder „Filmrisse“ (Blackouts) infolge des hohen Alkoholkonsums auf. Auch das Verhalten ändert sich. Die Betroffenen beginnen heimlich zu trinken und haben dabei ein schlechtes Gewissen.
  • Kritische Phase: Die/der Betroffene hat die Kontrolle über das Trinken verloren. Andere Interessen werden zugunsten des Alkohols vernachlässigt. Wenn nicht getrunken wird, treten körperliche Entzugserscheinungen (wie Zittern, Schweißausbrüche) auf. Die Betroffenen versuchen gegen die Krankheit anzukämpfen, greifen aber immer wieder zur Flasche. Sie machen sich Selbstvorwürfe. Die Persönlichkeit verändert sich. Konflikte mit Familie, Freunden und am Arbeitsplatz treten auf (teils auch Arbeitsplatzverlust). Es kommt zum Rückzug.
  • Chronische Phase: Alkohol dominiert das Leben der Betroffenen. Ein Leben sowie Arbeiten ohne Alkohol ist meist nicht mehr möglich. Oft sind Menschen in dieser Phase tagelang im Rausch. Ein Toleranzverlust setzt ein, d.h. Alkohol wird nicht mehr so wie vorher vertragen (bis hin zum Toleranzbruch – fast kein Alkohol wird mehr vertragen). Geringere Mengen reichen aus, um betrunken zu werden. Körper und Psyche nehmen erheblichen Schaden. Auch Persönlichkeitsveränderungen zeigen sich. Das soziale Leben ist stark beeinträchtigt.

Trinktypen nach Jellinek

Die Gründe, warum Menschen immer wieder „zur Flasche greifen“ sind unterschiedlich. Manche trinken, um Ängste und Hemmungen zu überwinden, um schlafen zu können, Stress zu lösen, bei Konflikten und Unsicherheit, bei Depressionen und vielem mehr. DIE „Trinkerpersönlichkeit“ gibt es nicht. Eine Abhängigkeit kann sich auf unterschiedliche Weise entwickeln. Eine erste Typologie von Menschen mit Alkoholproblemen wurde von Jellinek (1960) entwickelt und dient der Orientierung.

Beim α-Typ und β-Typ handelt es sich prinzipiell um Vorstufen der Alkoholkrankheit, die drei weiteren Typen erfüllen die Kriterien der Alkoholabhängigkeit im engeren Sinn.

Trinktypen Art der Abhängigkeit weitere Merkmale
α-Typ (Konflikt-, Erleichterungs-, Problemtrinker) nur psychische Abhängigkeit kein Kontrollverlust, Alkohol wird zum Abbau innerer Spannungen getrunken, um Belastungen leichter zu ertragen, Gefahr der psychischen Abhängigkeit
β-Typ (Gelegenheits­trinker) weder psychische noch körperliche Abhängigkeit Gefahr gesundheitlicher Schäden durch den Alkoholkonsum (Leberzirrhose etc.), trinkt in Gesellschaft große Mengen
γ-Typ (Rauschtrinker, süchtiger Trinker) starke psychische Abhängigkeit –
kaum körperliche
Kontrollverlust ist typisch, unregelmäßiges Trinkverhalten, kann über längere Phasen abstinent sein, erhöhte Alkoholtoleranz
δ-Typ (Gewohnheits-, Spiegeltrinker) körperliche Abhängigkeit stärker ausgeprägt als psychische kein Kontrollverlust, trinkt täglich, oft große Alkoholmengen, erhöhte Alkoholtoleranz, schwere gesundheitliche Schäden
ε-Typ („Quartalssäufer“, episodischer Trinker) psychische Abhängigkeit stärker ausgeprägt als körperliche Kontrollverlust, auf lange Phasen ohne Alkohol folgen kurze Phasen exzessiven Konsums

Hinweis Mittlerweile wurden weitere Einteilungen entwickelt, die an unterschiedlichen Merkmalen ansetzen, zum Beispiel am Alter zu Beginn des problematischen Trinkens, an eventuellen psychischen Vorerkrankungen, an Persönlichkeitsmerkmalen oder am Geschlecht. Weitere Informationen zu Typologien und Klassifikationssystemen finden Sie im Handbuch Alkohol (Gesundheitsministerium).

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