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Frau hält Hände auf den Unterleib © pathdoc
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Vaginismus

Vaginismus bedeutet die unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur, die die Vagina umgibt (ICD 10). Durch die Scheidenöffnung kann der Penis nicht eindringen bzw. es ist dies nur unter Schmerzen möglich. Die Beckenbodenmuskulatur und das äußere Drittel der Scheide verkrampft reflexartig und unwillkürlich. Auch ein Tampon oder der eigene Finger können unter Umständen nicht eingeführt werden. Bestimmte gynäkologische Untersuchungen sind möglicherweise ebenfalls nicht vollständig durchführbar. Ein Vaginismus kann schon immer bestehen, aber auch auftreten, nachdem bereits in der Vergangenheit Geschlechtsverkehr möglich war.

Welche Ursachen hat ein Vaginismus?

Können organische Ursachen für das Beschwerdebild ausgeschlossen werden (z.B. Infektion/Entzündung, auch z.B. bei Endometriose kann es zu krampfartigen Schmerzen kommen), müssen andere Aspekte in Betracht gezogen werden.

Abgesehen von organischen Ursachen, können Gründe für Vaginismus u.a. falsche Vorstellungen von der Größe und Dehnbarkeit der Scheide, aber auch der Größe des Penis sein (z.B. die Annahme, dass die Scheide zu eng für den Penis des Partners ist). Auch Ängste vor Schmerzen bzw. Verletzungen beim Geschlechtsverkehr oder traumatische Erlebnisse (z.B. Missbrauch) spielen eine Rolle. Außerdem kann ein Vaginismus im Zusammenhang mit der Ablehnung von Sexualität im Allgemeinen oder des Partners im Speziellen sowie mit Problemen in der Partnerschaft stehen. Nicht immer wird Sexualität gänzlich abgelehnt. Daher können betroffene Frauen – bis auf das Eindringen des Penis – durchaus sexuelle Erfahrungen machen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

In das Anamnesegespräch zwischen Ärztin/Arzt und Patientin werden Fragen zum Sexualleben und zur Partnerschaft miteinbezogen. Neben körperlichen Aspekten macht sich die Ärztin/der Arzt dabei auch ein Bild über mögliche psychische Ursachen, die dem Vaginismus zugrunde liegen können. Über Themen und Probleme zu sprechen, die die Sexualität betreffen, ist nicht immer leicht. Im Gegenteil: Die Hemmschwelle ist oft sehr hoch. Dies erfordert Vertrauen und Einfühlungsvermögen von beiden Seiten sowie die Bereitschaft, etwas an der bestehenden Situation zu ändern. Das ist nicht immer einfach. Im Idealfall kann jedoch ein offenes und ehrliches Gespräch geführt werden.

Außerdem nimmt die Ärztin/der Arzt eine körperliche Untersuchung vor, unter Rücksichtnahme darauf, was das zugrunde liegende Problem erlaubt (z.B. Tastbefund, Ultraschall, Abstrich, Sekretbefundung etc.).

Wie erfolgt die Behandlung?

Liegen organische Ursachen den Problemen zugrunde, werden diese behandelt.

Es dauert oft, bis sich Patientinnen mit Vaginismus einer Ärztin/einem Arzt anvertrauen und Hilfe suchen. Nicht immer werden dahinterstehende Probleme bewusst wahrgenommen.

Auch eine Therapie braucht oft viel Geduld vonseiten aller – z.B. auch des Partners. Eine Therapiemöglichkeit stellt das langsame „Herantasten“ und „Gewöhnen“ an neue Erfahrungen dar, sodass die Patientin „lernt“, dass Geschlechtsverkehr ohne Ängste und Schmerzen möglich ist. Training der Beckenbodenmuskulatur oder vaginale Selbstuntersuchung kann helfen. Die Ärztin/der Arzt informieren auch über „falsche Vorstellungen“.

In der Therapie können z.B. kleine Plastikstifte in zunehmender Stärke eingesetzt werden. Diese werden von der Frau selbst in die Scheide eingeführt (ohne sie unter Druck zu setzen) – sodass nach und nach ein „Gefühl“ für die eigene Vagina entsteht und die Erfahrung gemacht wird, dass das Einführen ohne Schmerzen möglich ist. Später kann das Einführen des eigenen Fingers sowie schließlich des erigierten Penis schmerzfrei erlebt werden.

Eine begleitende Psycho- bzw. Sexualtherapie kann ebenfalls notwendig sein, die sich unter anderem mit der Beziehung zum eigenen Körper sowie mit Sexualität auseinandersetzt (Paar-, Einzel-, Sexualtherapie). Im Idealfall wird der Partner in die Therapie miteinbezogen. So genannte Sensualitätsübungen können eingesetzt werden, aber auch Entspannungsverfahren etc. Weitere Infos zur Psychotherapie.

Wohin kann ich mich wenden?

Erster Ansprechpartner kann die Allgemeinmedizinerin/der Allgemeinmediziner sein. Zur Diagnose bzw. Behandlung ist jedoch der Besuch bei einer Gynäkologin/einem Gynäkologen notwendig.

Auf Sexualmedizin spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, klinische Psychologinnen/Psychologen sowie Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten können ebenfalls an der Diagnosestellung und/oder der Therapie beteiligt sein.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Sexuelle Funktionsstörungen gelten nicht als Krankheit im Sinn des Sozialversicherungsrechts. Behandlungen von sexuellen Funktionsstörungen fallen nicht in die Leistungspflicht der Krankenversicherung.

Die Kosten werden nur in Einzelfällen von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie) ist eine Kostenbeteiligung der Patientin vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie unter Psychotherapeutin/Psychotherapeut und Psychotherapie: Angebote & Adressen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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