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Physiotherapeut mit Patientin © Photographee.eu

Brustkrebs: Rehabilitation & Nachsorge

Die Brustkrebspatientinnen auf ihrem Heilungsweg zu betreuen, ist das Ziel der medizinischen Rehabilitation und der Nachsorge. Die Patientinnen werden mit medizinischen Maßnahmen dabei unterstützt, wieder gesund zu werden und möglichst rasch ihr Wohlbefinden wiederzuerlangen. Die Rehabilitation schließt gleich an die Brustkrebsbehandlung an. Bei Frauen, die eine Brustoperation hinter sich haben, liegt der Schwerpunkt der Rehabilitation auf Maßnahmen, die einem Lymphödem vorbeugen. Die ersten Nachsorgeuntersuchungen beginnen schon während der Rehabilitation oder kurz danach und dauern mindestens zehn Jahre.

Rehabilitation nach Brustkrebsbehandlungen

Die Brustkrebsbehandlung ist überstanden. Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Therapie waren notwendig, um den bösartigen Tumor zu entfernen und die Erkrankung zu stoppen. Das Ziel der Rehabilitation ist es nun, die Beschwerden der Patientinnen nach der belastenden Therapie zu verringern und gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Besonders wenn bei einer Operation Lymphknoten entfernt wurden, besteht die Gefahr, dass sich Lymphödeme entwickeln. Auch die Beweglichkeit im Schultergelenk ist nach einem operativen Eingriff eingeschränkt. Nach einer Strahlentherapie können als Folgen u.a. Verhärtungen, Entzündungen sowie Hautverfärbungen der bestrahlten Brust entstehen. Sehr selten können auch Lähmungserscheinungen oder Nervenschmerzen im Arm auftreten. Möglicherweise kommen zu den körperlichen Beschwerden auch Ängste und psychische Probleme hinzu. Die Rehabilitation unterstützt die Patientin dabei, die Beschwerden zu lindern und die körperliche Leistungsfähigkeit möglichst wiederherzustellen.

Ablauf der Rehabilitation

Gezielte Rehabilitation beginnt gleich nach einer Brustoperation im Spital und wird von Fachleuten als primäre Rehabilitation bezeichnet. Auch bei weiteren Therapieschritten – wie einer Strahlentherapie oder einer medikamentösen Therapie – finden begleitende Rehabilitationen statt. Die Maßnahmen werden von der behandelnden Ärztin/vom behandelnden Arzt individuell auf die Patientin abgestimmt und können z.B. physikalische Therapie, Ergotherapie oder psychologische Betreuung umfassen.

Nach der primären Rehabilitation wird eventuell eine Fortsetzung der Rehabilitation verordnet. Entweder findet die weitere Rehabilitation ambulant statt – besonders wenn die Patientin eine wohnortnahe Behandlung wünscht –, oder es wird ein Heilverfahren in einer spezialisierten Rehabilitationseinrichtung stationär durchgeführt. Bei der Entscheidung, welche Variante für die Patientin besser ist, berät die/der behandelnde Ärztin/Arzt. Spätestens nach Abschluss der Rehabilitation beginnt die medizinische Nachsorge mit den regelmäßigen ärztlichen Kontrolluntersuchungen.

Rehabilitationsmaßnahmen

Nach der Operation werden zunächst Schmerzen, Narben oder Lymphödeme behandelt und physikalische Therapien verordnet.

Beweglichkeitstraining und Lymphdrainagen

Mit gezielten Übungen helfen Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten den Patientinnen, im Schulterbereich wieder möglichst beweglich zu werden, und trainieren mit ihnen bestimmte Alltagsbewegungen. Ein Lymphstau wird mit Lymphdrainagen behandelt. Diese leichten Massagen unterstützen den Abfluss der Lymphflüssigkeit.

Entspannung

Das Erlernen aktiver Entspannungsübungen kann dazu beitragen, Schmerzen zu lindern, und verhilft der Patientin zu einem besseren allgemeinen Befinden. Besonders nach einer Strahlentherapie sind physikalische Therapien wichtig, um bleibende Störungen der Beweglichkeit zu vermeiden.

Verhaltenstraining

Schon während der Rehabilitation im Spital werden die Patientinnen geschult, wie sie im Alltag mit den Folgen der Brustkrebsbehandlung umgehen sollen. Ein spezielles Verhaltenstraining hilft, ein Lymphödem zu vermeiden. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Hochlagern des betroffenen Armes nach körperlichen Aktivitäten
  • Vermeiden von Verletzungen im Ödembereich
  • Tragen eines Kompressionsstrumpfs oder -verbandes
  • Vermeiden von Blutdruckmessungen, Injektionen, Infusionen etc. auf der betroffenen Seite

Psychologische Betreuung

Im Verlauf der Rehabilitation werden auch Gespräche mit in der Krebsbetreuung erfahrenen Psychologinnen/Psychologen angeboten. Die Sitzungen helfen den Patientinnen, mit veränderten Situationen – z.B. im Beruf, in der Familie oder in der Partnerschaft – besser umgehen zu können.

Hilfe und Beratung im Spital

Viele Spitäler bieten Beratung und Hilfe für die Zeit nach der Entlassung aus dem Spital an, z.B. bei Fragen zu Kassenleistungen, Pflegegeld, finanzieller Hilfe oder beruflichen Problemen. Dafür stehen im Spital Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter oder Entlassungsmanagerinnen/Entlassungsmanager zur Verfügung.

Rehabilitationsaufenthalt

Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt kann der Patientin ein anschließendes Heilverfahren in einem Rehabilitationszentrum vorschlagen. Die Patientin kann den Antrag auf einen Rehabilitationsaufenthalt gleich im behandelnden Spital stellen und die dafür notwendige ärztliche Stellungnahme einholen. Der Antrag wird bei der zuständigen Sozialversicherung eingereicht. Bestimmte Rehabilitationszentren sind auf die Behandlung des Lymphödems spezialisiert. Oft kann das Heilverfahren nicht gleich im Anschluss an den Spitalsaufenthalt angetreten werden, da bei den Einrichtungen mit Wartezeiten zu rechnen ist. Die Aufenthalte dauern maximal drei Wochen. Weitere Informationen über Zentren mit dem Schwerpunkt onkologische Rehabilitation finden Sie über den Rehabilitationskompass. Allgemeine Informationen zum Thema Rehabilitation finden Sie unter Reha & Kur.

Nachsorge und Kontrolle

Das Nachsorgeprogramm wird für jede Patientin individuell festgelegt. Damit wird sichergestellt, dass die Brustkrebspatientin auch nach der Therapie regelmäßig von ihrer Ärztin/ihrem Arzt betreut und untersucht wird. Vielleicht sind Beschwerden nach der Behandlung aufgetreten. Dazu kommt möglicherweise die Unsicherheit, ob die Krebserkrankung tatsächlich geheilt ist. Dies alles beeinträchtigt die Lebensqualität der Patientin. Die Nachsorgeuntersuchungen geben ein Gefühl der Sicherheit und ermöglichen der Ärztin/dem Arzt, Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen zu behandeln.

Ziele der ärztlichen Nachsorge

Ein wichtiges Ziel der Nachsorge ist es, einen möglichen Rückfall früh zu erkennen. Daher sind regelmäßige Mammografien vorgesehen. Gleichzeitig werden der Gesundheitszustand der Patientin und der Heilungsverlauf ärztlich kontrolliert. Zeigen sich Anzeichen von Folgeerkrankungen – z.B. eines Lymphödems –, verordnet die Ärztin/der Arzt entsprechende Behandlungen und hilft, Beschwerden zu lindern.

Patientinnen, die eine begleitende medikamentöse Therapie erhalten, können unter Begleitsymptomen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtszunahme oder -abnahme oder Muskelschmerzen leiden. Zur ärztlichen Nachsorge zählt auch die Beratung, wie die Patientin selbst durch einen gesunden Lebensstil dazu beitragen kann, ihr Wohlbefinden zu verbessern und die Heilung zu unterstützen.

Persönlicher Nachsorgeplan

Den Zeitpunkt, wann mit einer Routinenachsorge begonnen wird, legt die/der betreuende Ärztin/Arzt gemeinsam mit der Patientin im Spital fest. Für die Routinenachsorge wird ein individueller Nachsorgeplan erstellt. Darin werden die Termine für die weiteren Kontrolluntersuchungen festgelegt. Der persönliche Nachsorgeplan hängt von der Diagnose (z.B. Art und Ausdehnung der Krebserkrankung) und dem Rückfallrisiko der Patientin ab.

Maßnahmen der medizinischen Nachsorge

Als grobe Empfehlung für die Brustkrebsnachsorge gelten folgende Maßnahmen:

  • Regelmäßige ärztliche Untersuchungen: In den ersten drei Jahren alle drei Monate, im vierten und fünften Jahr alle sechs Monate und ab dem sechsten Jahr einmal jährlich
  • Mammografie und gynäkologische Untersuchung: einmal jährlich
  • Brust-Selbstuntersuchung: monatlich

Hinweis Zusätzliche Untersuchungen werden für die Routinenachsorge nicht empfohlen, da dafür kein Nutzen belegt ist. Dazu zählen Laboruntersuchungen und Tumormarker-Untersuchungen sowie die Computertomografien und die Knochenszintigrafien. Diese Untersuchungen können jedoch bei einem Verdacht auf Metastasen ärztlich verordnet werden.

So läuft eine ärztliche Nachsorgeuntersuchung ab

Jeder Nachsorgetermin beginnt mit einem ärztlichen Gespräch (Anamnese). Dabei hat die Patientin die Möglichkeit, Beschwerden, persönliche Probleme oder Ängste anzusprechen und natürlich Fragen zu stellen. Die Ärztin/der Arzt nimmt eine Untersuchung des Brustbereichs und der Lymphwege vor und achtet darauf, dass die geplanten Termine für Mammografien eingehalten werden. Bei Beschwerden oder Folgeerkrankungen kann die Ärztin/der Arzt entsprechende Behandlungen verordnen, z.B. werden physikalische Therapien mit Lymphdrainagen bei einem Lymphödem angewendet. Bei Angststörungen oder psychischen Problemen kann eine psychologische Behandlung verordnet werden.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden in Dokumentationsbögen oder „Nachsorgemappen“ aufgezeichnet, welche die Patientin zu den folgenden Terminen mitnehmen soll. Diese bieten auch den behandelnden Ärztinnen/Ärzten bei der praktischen Durchführung der Tumornachsorge eine wertvolle Unterstützung, da die wichtigsten Informationen über die Krebserkrankung in diesen Unterlagen angeführt sind.

Die medizinische Nachsorge kann im Spital bzw. im Brustzentrum oder bei einer/einem niedergelassenen Ärztin/Arzt (für Allgemeinmedizin, Hämatologie und Internistische Onkologie, Gynäkologie oder Chirurgie) durchgeführt werden.

Hilfe und Betreuung

Neben der medizinischen Nachsorge stehen Brustkrebspatientinnen die Angebote von Selbsthilfegruppen und der Österreichischen Krebshilfe zur Verfügung. Diese umfassen unter anderem eine medizinische oder psychologische Betreuung, soziale Unterstützung und Kontakte zu anderen Betroffenen oder die Beratung zu Fragen eines gesunden Lebensstils, zu Ernährung und Bewegung. Weitere Informationen finden Sie unter Beratung und Hilfe bei Brustkrebs.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Leistungen der Rehabilitation während eines Spitalsaufenthalts zur Brustkrebsbehandlung sind über die Sozialversicherung abgedeckt. Die weiteren ambulanten oder stationären Rehabilitationsmaßnahmen müssen ärztlich verordnet und von der zuständigen Krankenkasse bewilligt werden. Unter diesen Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Rehabilitation. Für stationäre Aufenthalte in einem Rehabilitationszentrum ist eine Kostenbeteiligung vorgesehen.

Die Kosten für die ärztlichen Nachsorgeuntersuchungen sind über die Sozialversicherung abgedeckt. Für die Übernahme der Kosten von ärztlich verordneten Behandlungen (z.B. physikalische Therapie oder Lymphdrainage) oder Heilbehelfen ist ein Antrag bei der Sozialversicherung notwendig.

Heilbehelfe

Im Zuge der Betreuung nach der Operation verordnet die Ärztin/der Arzt die benötigten Heilbehelfe, wie Kompressionsstrümpfe, Brustprothesen oder spezielle Büstenhalter. Die Kosten bzw. Teile der Kosten für die Heilbehelfe kann die Krankenkasse auf Antrag der Patientin übernehmen.

Weitere Informationen der Sozialversicherung zum Thema Rehabilitation und Antragsformulare (zuständigen Versicherungsträger wählen und dann das benötigte Formular).

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