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Lymphozyten zerstören Krebszelle © Juan Gärtner

Lymphozytose und Lymphopenie

Lymphozyten sind Zellen des erworbenen Immunsystems. Sie werden im Knochenmark und Thymus gebildet und wandern anschließend in die sogenannten sekundären Organe des lymphatischen Systems – in Lymphknoten, Milz, Mandeln und in die lymphatischen Organe unserer Schleimhäute. Zu ihren vielfältigen Aufgaben zählen v.a. die Abwehr von Krankheitserregern und abnormen Zellen wie z.B. Krebszellen.

Das Immunsystem  eines Erwachsenen besteht aus insgesamt etwa einem Kilogramm weißer Blutkörperchen (Leukozyten). Alle Leukozyten stammen von sogenannten hämatopoietischen pluripotenten Stammzellen im Knochenmark ab, welche unter dem Einfluss unterschiedlicher Reize (Wachstums- und Differenzierungsfaktoren) verschiedene Linien ausbilden. Einen bedeutenden Anteil stellen die Lymphozyten dar, welche im Rahmen der körpereigenen, erworbenen („adaptiven“) Immunabwehr wichtige Funktionen ausüben.

Welche Aufgaben haben Lymphozyten?

Lymphozyten lassen sich entsprechend ihrer unterschiedlichen Aufgaben in verschiedene Typen unterteilen:

  • B-Lymphozyten: Sie machen etwa 20 bis 30 Prozent der gesamten Lymphozyten aus und sind für die sogenannte humorale Abwehr durch Produktion von Antikörpern verantwortlich. Ihre Entwicklung und Reifung erfolgen ausschließlich im Knochenmark.
  • T-Lymphozyten: Sie stellen 70 bis 80 Prozent der gesamten Lymphozyten dar und haben Funktionen als sogenannte T-Helferzellen bei der Aktivierung der B-Lymphozyten und als sogenannte zytotoxische T-Zellen (früher als Suppressorzellen bezeichnet) bei der direkten Abtötung auffälliger Zellen (z.B. Tumorzellen oder Virus-infizierte Zellen). Des Weiteren gibt es in geringer Menge auch sogenannte regulatorische T-Zellen. Diese verhindern, dass sich zytotoxische T-Zellen oder aber Antikörperreaktionen überschießend gegen körpereigenes Gewebe richten und Autoimmunkrankheiten entstehen. Vorläuferzellen der T-Lymphozyten wandern vom Knochenmark in die Thymusdrüse ein und durchlaufen hier die letzten und entscheidenden Reifungsschritte. Nur die reifen T-Lymphozyten, welche nicht mit körpereigenen Strukturen reagieren und die körpereigenen Identitätskarten (HLA-Moleküle) gut erkennen, wandern schließlich in den Körper aus.
  • Weitere Lymphozytenarten: Dazu gehören z.B. γ:δ-T-Zellen oder natürliche Killer-T-Zellen sowie natürliche Killer-(NK-)Zellen.

Ist die Lymphozytenzahl erhöht, spricht man von Lymphozytose, ist sie erniedrigt, liegt eine Lymphopenie vor.

Welche Formen von Lymphozytose gibt es?

Im Vordergrund steht die Unterscheidung zwischen reaktiven und klonalen Lymphozytosen. Reaktive Lymphozytosen entstehen als meist zeitlich begrenzte Antwort auf bestimmte Auslöser, klonale Lymphozytosen treten v.a. im Rahmen von Lymphomen/Leukämien auf.

Reaktive Lymphozytosen

Die vermehrten Lymphozyten sind polyklonal, d.h. es sind Zellen mit unterschiedlichen T-Zellrezeptoren bzw. B-Zellrezeptoren vorhanden. Es liegt eine entsprechende Grunderkrankung vor (meist eine Infektion). Es besteht kein Verdacht auf eine Grunderkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe (wie z.B. Leukämien oder Lymphome) und es liegt eher selten eine sogenannte B-Symptomatik (bestehend aus Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust) bzw. sonstige Blutbildveränderungen vor. In den meisten Fällen normalisieren sich die Lymphozytenzahlen innerhalb von ein bis zwei Monaten. Häufige Ursachen für reaktive Lymphozytosen sind u.a.:

Virale Infekte wie z.B.:

Bakterielle Infekte wie z.B.:

Infekte mit einzelligen Parasiten wie z.B.:

  • Toxoplasmose
  • Babesiose (Rindermalaria): ist insofern sehr relevant, als mehr als die Hälfte aller Zecken in Österreich mit Babesien infiziert sind.

Stress-induzierte Lymphozytose

Diese Form tritt vorwiegend im Rahmen von Krankenhausaufenthalten auf. Mögliche Ursachen sind v.a.:

Post-Splenektomie-Lymphozytose

Diese Form kann nach Entfernung der Milz auftreten. Betroffen sind überwiegend Personen, welchen nach Unfällen mit Bauchtrauma oder aufgrund von Autoimmunkrankheiten, Erythrozytenfehlbildungen und Problemen im Hämoglobinstoffwechsel die Milz entfernt wurde.

Klonale Lymphozytosen

Charakteristisch ist das Vorliegen von bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems. Die vermehrt auftretenden Lymphozyten stammen von einer gemeinsamen Mutterzelle ab. Die Monoklonalität kann durch Untersuchung des B-Zell- bzw. des T-Zellrezeptors festgestellt werden. Neben dieser Monoklonalität wird auch meist ein kontinuierliches Ansteigen der Lymphozytenzahlen beobachtet. Klonale Lymphozytosen sind häufig mit damit parallel einhergehenden Zytopenien, d.h. verminderter Zellanzahl, (Anämie, Neutropenie, Thrombopenie) und B-Symptomatik assoziiert.

Welche Formen von Lymphopenien gibt es?

Unterschieden werden primäre (angeborene) und – deutlich häufiger vorkommende – sekundäre (erworbene) Formen.

Primäre Lymphopenien

Primäre Lymphopenien sind ein Spezialgebiet der Kinderheilkunde und werden durch vererbte schwere Immundefekte (z.B. Adenosin-Deaminase (ADA)-Defizienz, Gamma-Ketten-Defizienz, Morbus Bruton) verursacht. Dabei handelt es sich um sehr seltene Erkrankungen mit schweren, wiederkehrenden Infektionen und Gedeihstörungen. Betroffen sind bereits kleine Kinder, häufig liegt eine familiäre Veranlagung vor. Die Betroffenen benötigen eine intensive Behandlung, teilweise mit Knochenmarkstransplantationen oder regelmäßigen Antikörperinfusionen.  

Sekundäre Lymphopenien

Mögliche Entstehungsursachen sind entweder Störungen der Lymphozytenproduktion oder -verteilung oder eine vermehrte Lymphozytenzerstörung. Häufige Ursachen für sekundäre Lymphopenien sind u.a.:

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Lymphozyten-Referenzwerte unterliegen gewissen Schwankungsbreiten und sind relativ stark altersabhängig. Kinder und Kleinkinder haben generell höhere Werte.

In der Anamnese werden die bestehenden Symptome erhoben, insbesondere Aspekte wie die sogenannte B-Symptomatik (bestehend aus Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust), Gewichts-, Größenzunahme (bei Kindern) oder Knochenschmerzen sowie kürzlich erfolgte Infektionserkrankungen. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung wird u.a. festgestellt, ob Lymphknoten, Milz oder Leber vergrößert sind. Weiters werden Laboruntersuchungen wie Blutbild (Beurteilung von roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen) sowie Differenzialblutbild (Beurteilung der Unterformen der Leukozyten) durchgeführt. Damit ist es möglich, Erkrankungen des lymphatischen Systems zu diagnostizieren und ihren Formen und Ursachen auf den Grund zu gehen. Nähere Informationen über Lymphozyten sowie die Referenzwerte finden Sie unter Laborwerte-Tabelle – Lymphozyten..

Weiters können mittels Durchflusszytometrie verschiedene Lymphozyten-Differenzierungsstadien sowie Subpopulationen unterschieden werden. Derart detaillierte Analysen können die Diagnosestellung oft beträchtlich vereinfachen.

Wie erfolgt die Behandlung von Lymphozytosen und Lymphopenien?

Die Therapie richtet sich nach der jeweils zugrunde liegenden Erkrankung bzw. dem jeweiligen Auslöser.

Wohin kann ich mich wenden?

Die erste Abklärung einer Lymphozytose oder Lymphopenie erfolgt über folgende Stellen:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin.

Je nach Befund und Verlauf können weitere Untersuchungen oder Therapien in Spezialeinrichtungen notwendig sein.

Wie erfolgt die Abrechnung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Schritte für Diagnose und Therapie werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte sowie auf der Website der Sozialversicherungsträger.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Bei Auftreten von schwerwiegenden Infektionen ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Hierbei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen.


Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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