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Symbolbild Zeichensprache © Monika Wisniewska

Hörbehinderung/Gehörlosigkeit

Von einer Hörbehinderung spricht man bei einer Beeinträchtigung des Hörvermögens. Diese kann von Hörminderung über Schwerhörigkeit bis hin zu bleibender Gehörlosigkeit reichen. Beides kann angeboren oder im Lauf des Lebens erworben sein. Visuelle Hilfen wie Lippenlesen können die Kommunikation erleichtern, übermitteln jedoch nur einen geringen Teil der eigentlichen Botschaft. Die Gebärdensprache ist in Österreich als eigenständige und vollwertige Sprache anerkannt.

Ursachen für Hörbehinderung

Zu den Ursachen für eine Hörbehinderung zählen unter anderem:

  • Lärmschwerhörigkeit (z.B. bei Jugendlichen nach Konzerten, Disco),
  • Altersschwerhörigkeit,
  • angeborene Hörschädigung,
  • Sauerstoffmangel um den Zeitpunkt der Geburt,
  • Meningitis,
  • Hörsturz,
  • Otosklerose (Erkrankung des Mittel- und Innenohrs, bei der Teile des Ohres verhärten /verknöchern) sowie
  • Verletzungen (des Ohres oder des Gehirns).

Schweregrade

Es werden folgende Grade einer Höreinschränkung unterschieden:

  • Leichtgradig schwerhörig (Hörverlust von 20–40 dB): Lärm stört das Sprachverständnis, Flüstern oder leise Geräusche werden kaum oder gar nicht wahrgenommen.
  • Mittelgradig schwerhörig (Hörverlust von 40–60 dB): Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen.
  • Hochgradig schwerhörig (Hörverlust von 60–80 dB): Es wird ein Hörbehelf benötigt, um Gesprächen zu folgen, nur laute Geräusche werden gehört.
  • An Taubheit grenzend schwerhörig (Hörverlust von 80–95 dB): Nur sehr laute Geräusche werden wahrgenommen.
  • Gehörlosigkeit (Hörverlust größer als 90 dB).

Vollständige Informationsvermittlung ist gerade für hochgradig schwerhörige bis gehörlose Menschen meist erst durch Gebärdensprache möglich, da beim Lippenlesen sehr viele Informationen verloren gehen (durchschnittlich 30 Prozent können je nach Kontext abgelesen werden).

Kommunikationsmöglichkeiten

Tritt eine Ertaubung im Verlauf des Erwachsenenalters auf, bleibt die lautsprachliche Audrucksfähigkeit meist erhalten. Optimalerweise werden gehörlose und schwerhörige Kinder bilingual – in Österreichischer Gebärdensprache und Deutsch – beschult. Dies ist jedoch nicht an jeder Schule möglich. Es gibt außerdem eigene Schulen für gehörlose und schwerhörige Kinder und Jugendliche.

Man unterscheidet prinzipiell zwei Hauptgruppen von Menschen mit Hörbehinderung:

  • Gebärdensprachorientierte hörbehinderte Menschen: Kommunikation über Gebärdensprache (Österreichische Gebärdensprache mit regionalen Dialekten), meist bei hochgradig schwerhörigen und gehörlosen Menschen.
  • Lautsprachorientierte hörbehinderte Menschen: Kommunikation über gesprochene Sprache, meist bei Schwerhörigen bzw. Spätertaubten.

Visuelle Hilfen wie Lippenlesen, Schreiben oder Gesten können die Kommunikation erleichtern, übermitteln jedoch nur einen geringen Teil der Botschaft. Gebärdensprachen sind visuell-gestische Sprache mit eigener Struktur und Grammatik. Die Gebärdensprache ist in Österreich seit 2005 als eigenständige und vollwertige Sprache anerkannt.

Hinweis Der Ausdruck „taubstumm“ wird von vielen gehörlosen Menschen als diskriminierend empfunden. Sie sind in den wenigsten Fällen stumm und können individuell Laute formulieren, diese jedoch nicht hören. Der Begriff „stumm“ vermittelt außerdem den Eindruck, als hätten gehörlose Menschen keine Möglichkeit, sich auszudrücken. Sie haben jedoch eine vollwertige Sprache, über die sie kommunizieren können und über die sie sich identifizieren – die Gebärdensprache.


Menschen, die gehörlos und blind sind verständigen sich auch etwa über sogenannte Lormen. Durch Berührung der Handinnenfläche des „Lesenden“ kann der „Sprechende“ Botschaften übermitteln. Dabei sind bestimmte Handpartien Buchstaben zugeordnet (Lorm-Alphabet).

Hörhilfen & Implantate

Nähere Informationen zu Hörhilfen und Implantaten (z.B. Cochlea-Implantat) finden Sie unter Schwerhörigkeit: Diagnose & Therapie.

Umgang mit hörbehinderten Menschen

Wenn Sie jemand ansprechen und die betreffende Person reagiert nicht, kann dies an einer Höreinschränkung liegen. Wissen Sie bereits davon, vermeiden Sie es, sich der betreffenden Person von hinten zu nähern, sondern immer im Sichtbereich. Sehen Sie bei einer Unterhaltung direkt Ihr Gegenüber an, und sprechen Sie deutlich mit betonter Gestik und Mimik, wobei Sie nicht zu sehr übertreiben sollten. Schreien Sie nach Möglichkeit nicht, bzw. sprechen Sie nicht in zu starker Lautstärke. Schwerhörige Menschen sind entgegen der meisten Vermutungen oft sehr lärmempfindlich. Mittels Schreiben (z.B. Notiz auf einem Zettel) können Sie die Kommunikation in vielen Fällen verbessern. Durch Belegen eines Gebärdensprachkurses erlernen Sie selbst eine neue, anerkannte Sprache. Gebärdensprachdolmetscherinnen/-dolmetscher bieten Übersetzungen in wichtigen Lebenslagen an.

Menschen mit Behinderung können viele, auch höherqualifizierte Berufe ausüben und am sozialen Leben teilnehmen. Ziel ist die (Wieder-)Eingliederung in den (Berufs-)Alltag und ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. 

Services & Infos vom Amtshelfer help.gv.at.

Das Sozialministerium bietet umfassende Informationen zum Thema Behinderung und Soziales sowie Arbeitsleben und dem Nationalen Aktionsplan Behinderung. Auch der Österreichische Gehörlosenbund informiert auf seiner Website zum Thema. Alles rund um Arzt-/Spitalssuche bzw. Suche nach Gesundheitsdienstleistungen oder Selbsthilfegruppen finden Sie unter Services.

Der Amtshelfer help.gv.at bietet umfassende Informationen zum Thema Förderungen, finanzielle Unterstützung und zu vielem mehr.

Weitere Informationen:


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