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Schutz vor Pneumokokken heuer besonders wichtig

Älterer Mann wird geimpft © InsideCreativeHouse
Älterer Mann wird geimpft © InsideCreativeHouse
10.09.2020

Die bakterielle Pneumokokken-Lungenentzündung kann vor allem bei älteren Personen und chronisch Kranken zu schweren, lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Kommenden Winter wird es aufgrund der zu erwartenden COVID-19-Fälle besonders wichtig sein, Lungenentzündungen so gut wie möglich zu verhindern. Gegen die wichtigsten Pneumokokken-Subtypen kann man sich impfen lassen. Darauf machten Expertinnen und Experten in einer Pressekonferenz aufmerksam. Von September 2020 bis Ende März 2021 wird der Impfstoff in Apotheken vergünstigt angeboten. 

Pneumokokken sind Bakterien, die den Nasen-Rachenraum besiedeln. Die Übertragung erfolgt durch Sprechen, Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektion). Infektionen mit Pneumokokken treten zu allen Jahreszeiten auf, in den Wintermonaten allerdings gehäuft. Eine Pneumokokken-Infektion kann zu lokal begrenzten Erkrankungen führen, z.B. Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Nebenhöhlenentzündung. Kinder in den ersten beiden Lebensjahren sind wegen des nicht vollständig ausgebildeten Immunsystems besonders gefährdet und können eine Sepsis („Blutvergiftung“) oder Meningitis entwickeln. Bei älteren Menschen liegt die Gefahr vor allem bei schweren Erkrankungen der Atemwege und Lungenentzündungen. Auch Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, z.B. Asthma, Störungen der Blutbildung, COPD, Niereninsuffizienz, Diabetes oder Immundefekten sind besonders gefährdet.

Gelangen die Erreger in normalerweise sterile Bereiche des Körpers, wie die Blutbahn oder die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, spricht man von einer invasiven Pneumokokken-Infektion. Diese kann z.B. zu Sepsis, Meningitis oder anderen schweren Erkrankungen führen. Pneumokokken-Erkrankungen sind laut AGES in Österreich sehr häufig. Nach dem Epidemiegesetz sind allerdings nur invasive Erkrankungen meldepflichtig.

Invasive Erkrankungen nur Spitze des Eisbergs

„2019 wurden in Österreich 615 invasive Pneumokokken-Erkrankungen gemeldet, also etwa gleich viele wie im bisherigen Rekordjahr 2018“, berichtet Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung Impfwesen im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. „Die meisten Fälle wurden bei Personen über 80 Jahren beobachtet, gefolgt von den 75-79-Jährigen“, so die Impfexpertin.

„Diese invasiven Erkrankungen sind nur ein kleiner Bruchteil der tatsächlichen Pneumokokken-Infektionen“, erläutert der Pneumologe Michael Meilinger und ergänzt: „Bei Erwachsenen zeigen sie sich meist in Form von Lungenentzündungen. Diese können zwar in den meisten Fällen vom Hausarzt oder von der Hausärztin mit einem Antibiotikum behandelt werden, dennoch handelt es sich dabei nicht um eine harmlose Erkrankung.“ Eine Pneumonie könne auch einen schweren Verlauf mit respiratorischer Insuffizienz (zu wenig Sauerstoff im Blut), Blutvergiftung oder Multiorganbeteiligung nehmen und entzündlichen Stress in den Blutgefäßen erzeugen. Dieser würde längerfristig zu einem erhöhten Risiko für Mikroinfarkte in Organen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen.

Abstand halten – Infektionen vermeiden

Eine Ansteckung von Seniorinnen und Senioren erfolgt oft durch direkten Kontakt mit Kindern und durch Kontakt mit Personen mit Kindern. Erwachsene und Kinder können Pneumokokken mit sich tragen, ohne zu erkranken – sie können die Bakterien aber an andere Personen weitergeben. „Ein enger Kontakt zu Kindern – also beispielsweise zwischen Großeltern und Enkelkindern – fördert die Übertragung von COVID-19 und von anderen Erkrankungen wie Pneumokokken-Infektionen“, erklärt Rudolf Schmitzberger, Impfexperte der Österreichischen Ärztekammer und ergänzt: „Abstandhalten würde – wie auch bei COVID-19 – helfen, die Ansteckungsraten zu verhindern.“

Mehr Pneumokokken-Impfungen bedeuten weniger Erkrankungen

Die Expertinnen und Experten betonen, dass die Durchimpfungsrate bei der Pneumokokken-Impfung dieses Jahr deutlich erhöht werden sollte. Bisher liegt sie bei Personen zwischen 19 und 69 Jahren bei 15 Prozent. Meilinger betont: „Niemand kann aktuell sicher vorhersagen, wie die Corona-Situation im Winter aussehen wird. Als Pneumologe kann ich nur an alle Personen über 60 appellieren, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Personen mit Vorerkrankungen, wie z.B. chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen, Diabetes, Niereninsuffizienz oder auch Tumorerkrankungen sollten sich unabhängig vom Alter unbedingt impfen lassen. Damit reduzieren sie das Risiko für zumindest eine gefährliche Lungenerkrankung und tragen dazu bei, dass wir weiterhin genug Spitalsressourcen haben, um Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen zu behandeln, gegen die es noch keine Impfung gibt.“

Pneumokokken-Impfaktion bis 31. März 2021

Die Impfung gegen Pneumokokken ist für Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr im kostenfreien Impfprogramm enthalten.

Die Impfung wird laut Impfplan 2020 für Erwachsene ab dem vollendeten 60. Lebensjahr empfohlen, da das Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen ab diesem Alter deutlich ansteigt. Für Personen aller Altersgruppen mit erhöhtem Risiko ist die Impfung besonders dringend empfohlen.

Die Pneumokokken-Impfstoffe werden derzeit im Rahmen einer Impfaktion der österreichischen Apotheken vergünstigt angeboten. Die Impfaktion läuft vom 1. September bis zum 31. März 2021. Darüber hinaus gewähren einige Krankenkassen einen Kostenzuschuss. Dieser Kostenzuschuss wird direkt in der Apotheke vom Aktionspreis abgezogen.

Mehr Informationen:

Impfung gegen Pneumokokken

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