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Gesund bleiben in der Arbeitswelt

Frau in Werkstatt © auremar
Frau in Werkstatt © auremar
23.05.2018

Ob wir uns wohl fühlen und gesund sind, hängt von vielen Faktoren ab. Heute weiß man: die Arbeitsbedingungen tragen ganz wesentlich dazu bei. Von 23. bis 24. Mai findet in Wien die 21. wissenschaftliche Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) statt. Einer der Themenschwerpunkte ist der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitswelt. Im Rahmen eines Pressegespräches („Gesund bleiben in der Arbeitswelt 4.0“) wurden im Vorfeld aktuelle Zahlen und Fakten präsentiert.

Arbeitswelt im Umbruch

Digitalisierung und Mobilisierung nehmen in der heutigen Zeit immer weiter zu. Damit ändert sich nicht nur das Arbeitsleben („Arbeitswelt 4.0“), sondern es ergeben sich gleichzeitig neue Herausforderungen an das Gesundheitswesen, die Gesellschaft und die Betriebe.

Arbeit ist ein wesentlicher Faktor des Lebens. Expertinnen und Experten sind sich daher einig: der Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz sollte besondere Beachtung zukommen. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

Alle profitieren

Eine Steigerung der Gesundheit am Arbeitsplatz bringe eine Erhöhung der „workability“, d.h. der Arbeitsfähigkeit, und damit Vorteile für alle, erklärt Prof. Dr. Thomas Dorner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Public Health. Nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren von Gesundheitsförderungsprogrammen, auch die Arbeitgeberinnen/Arbeitgeber haben mehr von gesunden und damit produktiveren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gibt es weniger Krankenstände und weniger Frühpensionen, wird auch die Volkswirtschaft angekurbelt und es profitiert letztlich die ganze Gesellschaft, so Dorner weiter.

Als Beispiel nennt Dorner Maßnahmen zum Nichtraucherschutz, denn „eine Erhöhung der Gesundheit am Arbeitsplatz beinhalte auch den Schutz vor schädigenden Substanzen wie Zigarettenrauch“. Dabei dürfe aber nicht aus den Augen gelassen werden, dass einzelne Maßnahmen nicht ausreichen, um etwas zu verändern, vielmehr brauche es ein ganzes Maßnahmenpaket, um das Bewusstsein für ein Thema zu schaffen.

Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz sei ein Thema, das alle angeht – es sollte in allen politischen Ressorts verankert werden und es brauche mehr unabhängige Forschung mit entsprechender Forschungsfinanzierung, so Dorner. 

„Arbeit zu haben macht gesund, keine Arbeit zu haben macht krank“

Gesundheit ist nicht alleine die Abwesenheit von Krankheit; zahlreiche Faktoren bestimmen mit, ob wir uns gesund fühlen und es auch sind. Eine Tätigkeit zu haben, die „als sinnvoll verstanden wird, die soziale Kontakte ermöglicht und die nicht zuletzt den Lebensunterhalt sichert, fördert prinzipiell die Gesundheit der Menschen“, erklärt Dr. Klaus Ropin, Leiter des Fonds Soziales Österreich (FGÖ). Arbeit sei eine wesentliche Gesundheitsdeterminante, die Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz damit umso bedeutender.

Der Fonds Soziales Österreich versteht sich dabei als Kompetenzzentrum und Drehscheibe für betriebliche Gesundheitsförderung. Seit vielen Jahren werden dafür finanzielle Förderungen sowie Fort- und Weiterbildungsprogramme angeboten. Lesen Sie mehr zum Thema: Gesunder Arbeitsalltag.

Betriebliche Gesundheitsförderung wirkt

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass „ein in die betriebliche Gesundheitsförderung investierter Euro mindestens dreifach zurückkommt“, so Ropin. Aber nicht nur der wirtschaftliche Aspekt, auch die Wirksamkeit konnte insbesondere bei Maßnahmen mit Fokus auf Ernährung, Bewegung oder psychisches Wohlbefinden wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Wichtig sei es dabei, auf die jeweiligen betrieblichen Anforderungen einzugehen, erklärt Ropin. Die Arbeitswelt befinde sich in einem Wandel, neue Berufe und Betriebsformen entstehen – es wird sich erst zeigen, welche Vor- und Nachteile die „Arbeitswelt 4.0“ hinsichtlich Be- und Entlastungen des arbeitenden Menschen bringen wird. Betriebliche Gesundheitsförderung sei als „dynamisches Modell jedoch sehr gut geeignet, mit diesen neuen Herausforderungen umzugehen“. Den Fokus sieht Ropin dabei künftig auf der psychosozialen Ebene.

Gesundheitsförderung auch für Ein-Personen-Unternehmen (EPUs)

Der Trend geht heute zunehmend in Richtung berufliche Selbstständigkeit und Bildung von Ein-Personen-Unternehmen (EPU), erklärt Mag. Alexander Herzog, Obmann-Stv. der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVS). Diese Art von Berufsausübung geht mit speziellen Anforderungen einher, sie braucht daher auch „ein passendes Gesundheitsförderungsprogramm“, so Herzog. Waren Gesundheitsförderungsprogramme bis dato nur auf Betriebe mit mindestens fünf Mitarbeitern ausgelegt, startet die SVS nun im Sommer 2018 das Pilotprojekt „Mehr Gesundheit in EPU“, mit dem sie sich „stärker um die Gesundheit der heimischen Selbstständigen kümmern möchte“, sagt Herzog.

Im Zentrum werden dabei Themen wie z.B. Ernährung, Bewegung, Stress- und Zeitmanagement sowie Social-Media- Nutzung stehen. Der Austausch mit Gleichgesinnten und Expertinnen/Experten soll den selbstständig Erwerbstätigen Impulse zur persönlichen Weiterentwicklung liefern.

Abschließend betont Herzog den Zulauf und die Erfolgsquoten der von der SVS angebotenen Gesundheits- und Vorsorgecamps für Selbstständige, wie etwa das Raucher-Camp oder das SVS-Abnehmprogramm. Er selbst habe damit „19 Kilo verloren und könne die Teilnahme wärmstens empfehlen“.

Weitere Informationen:

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