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Mammasekretzytologie (MAMMASEKRETZYTO)

Die Mammasekretzytologie ist eine bislang recht wenig beachtete diagnostische Möglichkeit zur Abklärung einer krankhaften Mamillensekretion. Prinzipiell gilt jede Mamillensekretion außerhalb der Laktationsperiode oder Gravidität als abnorm. Daher wäre bei jeder unklaren Spontansekretion der Mamma (Brustdrüse) eine gezielte zellmorphologische Abklärung empfehlenswert.

Warum wird eine MAMMASEKRETZYTO-Untersuchung durchgeführt?

In der Medizin versteht man unter dem Begriff Zytologie die mikroskopische Untersuchung von Zellen aus unterschiedlichen Bereichen des Körpers. Besonders einfach ist die zytologische Untersuchung von Körperflüssigkeiten, denn darin finden sich oft große Mengen an frei schwimmenden Zellen, die sich von den Geweben, den Atemwegen, der Brustdrüse etc. abgelöst haben. Die Untersuchung dieser abgeschilferten Zellen wird als

  • „Exfoliativzytologie“ bezeichnet.

Die Mammasekretzytologie ist ein Teilbereich der Exfoliativzytologie, wobei eine mikroskopische Untersuchung von Mamillensekret erfolgt. Prinzipiell gilt jede Mamillensekretion außerhalb der Laktationsperiode (Stillzeit) oder Schwangerschaft als abnorm. Daher wäre bei jeder unklaren Spontansekretion der Mamma (Brustdrüse) eine gezielte zellmorphologische Abklärung empfehlenswert.

Von den zahlreichen Ursachen, die zu einer Mamillensekretion führen können, sind speziell Prozesse innerhalb der Brustdrüse (Mamma) für eine zytologische Abklärung von Interesse. Erfahrene Zytologinnen und Zytologen können bereits anhand weniger Zellen eine Diagnose stellen oder zumindest Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung liefern.

Von besonderem Interesse ist dabei die Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Prozessen. Es muss aber betont werden, dass ein negativer zytologischer Befund eine schwere Erkrankung der Brustdrüse nicht ausschließt. Vielmehr sind bei einem Andauern der Beschwerden (sprich: der Mamillensekretion) weiterführende Untersuchungen erforderlich:

Wie funktioniert eine MAMMASEKRETZYTO-Untersuchung?

Der Vorteil der Mammasekretzytologie liegt in der einfachen und nicht invasiven Materialgewinnung. Für die Patientin ist das Verfahren schmerzlos und für die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt mit wenig Arbeitsaufwand verbunden. Es ist kein stationärer Aufenthalt der Patientin notwendig, da das Material ambulant gewonnen werden kann.

Zur Vorbereitung für die zytologische Beurteilung werden einige Tropfen des Mamillensekretes auf einem Objektträger (ein dünnes Glasplättchen) ausgestrichen. Anschließend wird das Präparat für eine Färbung nach May-Grünwald-Giemsa luftgetrocknet. Bevorzugt man die Färbung nach Papanicolaou, ist die Fixierung des ausgestrichenen Materials in einem Äther-Alkohol-Gemisch (z.B. Fixierspray) notwendig.

Danach werden die Objektträger zur Weiterverarbeitung in ein zytologisches Speziallabor gebracht. Dort erfolgt schließlich die Färbung des Untersuchungsmaterials, wobei die folgenden Standardfärbungen zum Einsatz kommen:

  • Färbung nach May-Grünwald-Giemsa (MGG) sowie
  • Färbung nach Papanicolaou (PAP).

Im Anschluss an die Färbung erfolgt die mikroskopische zytologische Begutachtung. Dabei werden Zellen, Zellverbände sowie zellumgebende Strukturen (der sogenannte „Hintergrund“ des Präparates) als

  • gesund,
  • reaktiv (zelluläre Reaktionen auf Umwelteinflüsse aller Art) bzw.
  • krankhaft bewertet.

Wie wird das Ergebnis einer MAMMASEKRETZYTO-Untersuchung ausgewertet?

Das Ergebnis der Mammasekretzytologie wird stets in Form eines schriftlichen Befundes zusammengefasst. In der Praxis werden zytologische Befunde zumeist in mehrere Abschnitte eingeteilt:

  • Erster Abschnitt: Beurteilung der Qualität des Untersuchungsmaterials in „gut“, „eingeschränkt“, „nicht beurteilbar“.
  • Zweiter Abschnitt: Morphologische Beschreibung des zytologischen Untersuchungsmaterials.
  • Dritter Abschnitt: Klassifikation des Untersuchungsergebnisses der zytologischen Examinierung nach bestimmten Bewertungsgruppen.

Bei den Bewertungsgruppen zytologischer Untersuchungsergebnisse gibt es verbindliche Richtlinien hinsichtlich Klassifikation und Namensgebung (Nomenklatur). In Österreich kommen die von der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie (ÖGZ – www.cytology.at) empfohlenen Bewertungsgruppen zur Klassifizierung zytologischer Befunde zur Anwendung:

  • Bewertungsgruppe 0: nicht beurteilbar.
  • Bewertungsgruppe A: kein Anhaltspunkt für Malignität (Bösartigkeit).
  • Bewertungsgruppe B: auffällig, unklare Dignität (d.h. Gut- bzw. Bösartigkeit der Zellveränderungen).
  • Bewertungsgruppe C: malignitätsverdächtig, maligne (bösartig).

Beispiele für MAMMASEKRETZYTO-Befunde

Häufige Ursachen einer spontanen Mamillensekretion ist eine sogenannte periduktale Mastitis oder Milchgangsektasie (Ausweitung der Drüsengänge), welche hauptsächlich bei Frauen über 50 Jahren auftritt. In 20 Prozent der Fälle kommt es hier zu einer Spontansekretion aus einer oder beiden Brustwarzen (Mamillen). Das Sekret ist – abhängig vom Erkrankungsstadium – gelblich bis grünbräunlich und nur selten blutig. Bei der zytologischen Abklärung finden sich vor allem degenerierte Duktusepithelien, Entzündungszellen, Schaumzellen (Abbildung 1) sowie fettiger Detritus.

Abbildung 1. Schaumzellen im Mammasekret. Bewertungsgruppe A (Material: Mammasekret; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Abbildung 2. Papillärer Zellverband mit geringen Kernatypien im Mammasekret. Bewertungsgruppe B (Material: Mammasekret; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Differentialdiagnostische Probleme kann das intraduktale Papillom (siehe Abbildung 2) bereiten. Speziell bei hochdifferenzierten papillären Karzinomen findet sich oft ein gleichförmiges Zellbild mit mäßigen Atypien, während benigne Papillome oft mittelgradige Zellatypien aufweisen. Die Unterscheidung zwischen benignen (gutartigen) und malignen (bösartigen) Papillomen muss daher im Zweifelsfall durch andere Verfahren (Duktographie und/oder histologische Abklärung) ergänzt werden.

Beim duktalen Mammakarzinom, welches in 25 Prozent der Fälle subareolär lokalisiert ist, kann das Mamillensekret je nach Wachstumsstadium des Tumors farblos, blutig, entzündlich oder detritisch-nekrotisch erscheinen. Besitzt der Tumor eine gute Exfoliationstendenz, können maligne Zellen im Sekret gefunden werden (Abbildung 3).

Abbildung 3. Großer papillärer Tumorzellverband, Zellkerne mit schweren Atypien im Mammasekret. Bewertungsgruppe C (Material: Mammasekret; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Abbildung 4. Tumorzellen bei Morbus Paget mamillae. Bewertungsgruppe C (Material: Mammasekret; Färbung May-Grünwald-Giemsa; © Inst. f. Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien).

Eine besonders hohe Treffsicherheit hat die Zytologie beim Morbus Paget mamillae. Dabei handelt es sich um die intraepidermale Ausbreitung eines Milchgangskarzinoms, welches klinisch im Bereich der Brustwarze (Mamille) als Ekzem auftritt. Das Sekret ist meist entzündlich-detritisch verändert und kann exfoliierte Tumorzellen enthalten. Da hier neben dem Mamillensekret auch ein Hautabstrich untersucht werden kann, sind die zytologischen Ergebnisse beim Morbus Paget meist sicher (Abbildung 4).

Weitere Informationen zu Brustkrebs (Mammakarzinom).
Synonyme: Mamillensekretzytologie
LOINC: 18499-4

Referenzwert

Für die Mammasekretzytologie gibt es keinen Referenzwert.

Generell ist es bei zytologischen Befunden aber üblich, das Untersuchungsergebnis entsprechend einer Bewertungsgruppe zu klassifizieren. Bei gynäkologischen Zytologiebefunden sind das die sogenannten PAP-Klassen.

Bei extragenitalen Zytologiebefunden (wie z.B. der Mammasekretzytologie) kommen die von der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie (ÖGZ – www.cytology.at) empfohlenen Bewertungsgruppen zur Anwendung:

  • Bewertungsgruppe 0: nicht beurteilbar.
  • Bewertungsgruppe A: kein Anhaltspunkt für Malignität.
  • Bewertungsgruppe B: auffällig, unklare Dignität.
  • Bewertungsgruppe C: malignitätsverdächtig, maligne.

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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