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Harnzytologie (HARNZYTO)

Die harnzytologische Begutachtung ist eine weiterführende Spezialuntersuchung insbesondere bei Verdacht auf bösartige Erkrankungen der Nieren und harnableitenden Wege.

Warum wird eine HARNZYTO-Untersuchung durchgeführt?

Bei der harnzytologischen Begutachtung erfolgt eine mikroskopische Untersuchung der mit dem Harn ausgeschiedenen Zellen. Diese Zellen können aus sämtlichen Bereichen der Nieren und harnableitenden Wege (Urogenitaltrakt) stammen:

  • Niere
  • Nierenbecken
  • Harnleiter
  • Harnblase
  • Harnröhre

Die Harnzytologie ist ein ideales diagnostisches Verfahren, da die Gewinnung des Probenmaterials besonders einfach ist. Denn so ist etwa bei einer Blutabnahme eine Venenpunktion erforderlich. Das fällt bei der Harngewinnung weg.
Die Harnzytologie ist eine effiziente Methode zur Abklärung gut- und bösartiger Erkrankungen der Nieren und der harnableitenden Wege.

Wie funktioniert eine HARNZYTO-Untersuchung?

Das Wichtigste bei der harnzytologischen Untersuchung ist, dass die Harnproben rasch ins zytologische Labor gebracht und dort so schnell wie möglich verarbeitet werden. Nur so bleiben die Zellen gut erhalten, und eine bakterielle Überwucherung des Harns wird vermieden.

Für die eigentliche zytologische Begutachtung wird der Harn zentrifugiert, anschließend über eine sogenannte Zytozentrifuge weiter konzentriert und das Sediment auf einen Objektträger (ein dünnes Glasplättchen) aufgebracht. Für eine optimale zytologische Untersuchung muss das Material gefärbt werden. Hier haben sich die Färbungen nach May-Grünwald-Giemsa sowie Papanicolaou etabliert.

Beispiele für HARNZYTO-Befunde

  • Gutartige Zellbilder:
    • Beim Gesunden finden sich normalerweise nur wenige Zellen im Harn (z.B. Zellen des Nierenbeckens, des Harnleiters, der Harnblase oder der Harnröhre), Plattenepithelzellen (aus der Harnröhre oder der Vagina), Spermien.
    • Der Nachweis von roten Blutkörperchen im Harn (insbesondere bei Männern) bedarf immer einer weiteren Abklärung (Nierenerkrankungen, Harnsteine z.B.).
    • Der Nachweis von weißen Blutkörperchen und Bakterien kann auf eine Entzündung hindeuten.
    • Bei bestimmten Erkrankungen der Niere können sogenannte Zylinder im Harn aufscheinen (Ausgüsse der Harnkanälchen; Abbildung 1).
  • Bösartige Zellbilder:
    • Das wichtigste Gebiet der Harnzytologie ist die Diagnostik von Tumorerkrankungen. Der häufigste bösartige Tumor im Bereich des Harntraktes ist das Urothelkarzinom (z.B. Karzinom in der Harnblase – Abbildung 2). Dieses muss von gutartigen Veränderungen (z.B. einem Papillom – Abbildung 3) unterschieden werden.

Abbildung 1
Hyaline Zylinder können bei Entzündungen und Fieber, aber auch nach körperlicher Anstrengung im Harn auftreten.

© Institut für Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien


 





Abbildung 2
Bösartiges Zellbild: Tumorzellen mit großen, hyperchromatischen Zellkernen eines Urothelkarzinoms

May-Grünwald-Giemsa; © Institut für Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien





 


Abbildung 3
Gutartiges Zellbild: Papillärer Urothelzellverband

May-Grünwald-Giemsa; © Institut für Labordiagnostik, Otto-Wagner-Spital, Wien







 

LOINC: 11070-0

Referenzwert

Für einen harnzytologischen Befund gibt es keinen Referenzwert.

Generell ist es bei zytologischen Befunden aber üblich, das Untersuchungsergebnis entsprechend einer Bewertungsgruppe zu klassifizieren. Bei gynäkologischen Zytologiebefunden sind das die sogenannten PAP-Klassen.

Bei extragenitalen Zytologiebefunden (wie z.B. die Harnzytologie) kommen die von der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie empfohlenen Bewertungsgruppen zur Anwendung:

  • Bewertungsgruppe 0: nicht beurteilbar
  • Bewertungsgruppe A: kein Anhaltspunkt für Malignität
  • Bewertungsgruppe B: auffällig, unklare Dignität
  • Bewertungsgruppe C: malignitätsverdächtig, maligne

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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