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Borrelien-Antikörper-IGG-Index (BORGI)

Der Borrelien-Antikörper-IGG Index beziffert das Verhältnis der Borrelienantikörpermenge zwischen Blut und Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit). Erhöhte Werte des Borrelien-Antikörper-IGG-Index können einen Hinweis auf eine Neuroborreliose darstellen.

Warum wird der Borrelien-Liquor-Serum-Index bestimmt?

Die Bestimmung von Borrelien-Antikörpern ist ein wichtiges Laborverfahren zur Diagnose einer sogenannten „Zecken-Borreliose“.

Bei diesen Labortests handelt es sich um ein indirektes mikrobiologisches Nachweisverfahren, da nicht der Erkrankungserreger selbst, sondern vielmehr die immunologische Reaktion des Körpers auf den Krankheitserreger (sprich: die Borrelienbakterien) im Sinne einer Antikörperbildung nachgewiesen wird.

Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist.

Die Zecken-Borreliose ist eine Erkrankung, die insbesondere die folgenden Körperregionen betreffen kann:

  • Haut,
  • Gelenke,
  • innere Organe sowie
  • zentrales Nervensystem (ZNS).

Insbesondere die Beteiligung des ZNS stellt eine schwerwiegende Komplikation der Borreliose dar:

  • sogenannte „Neuroborreliose“.

Zur Abklärung dieser Form der Borreliose können Antikörper gegen Borrelien im Blut und Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) gemessen und miteinander in Beziehung gesetzt werden:

  • Borrelien-Antikörper-Liquor-Serum-Index

Wie ist das Ergebnis der Borrelien-Liquor-Serum-Index-Untersuchung zu interpretieren?

Erhöhte Laborwerte des Borrelien-Antikörper-Liquor-Serum-Index bedeuten, dass die Borrelienantikörper in einer verhältnismäßig höheren Konzentration im Liquor als im Blut (Serum) vorhanden sind.

Dies lässt darauf schließen, dass besondere Immunzellen (sogenannte Plasmazellen) direkt im Bereich des zentralen Nervensystems existieren, welche diese Antikörper bilden. In der Medizin spricht man in einem solchen Fall von einer

  • „intrathekalen“ Antikörperbildung.

Dies stellt bei der weiterführenden Abklärung einer Zecken-Borreliose einen Hinweis auf eine Neuroborreliose dar – d.h. eine entzündliche Beteiligung des ZNS im Rahmen einer Borrelieninfektion.

Zecken-Borreliose (Lyme-Borreliose)

Die Zecken-Borreliose gehört neben der „Frühsommermeningoenzephalitis“ (FSME) und der „Humanen granulozytären Ehrlichiose“ (HGE) zu den

  • durch Zecken übertragenen Erkrankungen.

Krankheitserreger der Zecken-Borreliose sind Bakterien aus der Gruppe Borrelia burgdorferi der folgenden Spezies:

  • Borrelia burgdorferi sensu stricto („im engeren Sinn“),
  • Borrelia afzelii,
  • Borrelia garinii,
  • Borrelia spielmanii.

Generell gehören Borrelienbakterien zur Gruppe der „Spirochäten“ – das sind schrauben- bzw. spiralförmige Bakterien, zu denen auch Bakterien der folgenden Gruppen zählen: Leptospiren und Treponemen (Erreger der Syphilis).

Die Zecken-Borreliose kommt vor allem in den USA, in Europa sowie in Australien vor und tritt jahreszeitlich gehäuft auf (Frühjahr bis Herbst). In den Endemiegebieten sind bis zu 35 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Die Erkrankungsrate beträgt in etwa ein Prozent nach Stich durch ein infiziertes Insekt.

Die Zecken-Borreliose ist eine in Stadien verlaufende Infektionskrankheit:

  • Stadium 1 (Frühstadium): Innerhalb von Tagen bis einigen Wochen nach dem Zeckenstich kommt es zu einem typischen Hautausschlag – dem sogenannten „Erythema migrans“. Dabei handelt es sich um eine anfänglich größer werdende entzündliche Hautrötung rund um die Einstichstelle. Daneben können auch unspezifische Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl sowie Lymphknotenschwellungen auftreten.
  • Stadium 2: Innerhalb von Wochen bis Monaten nach der Infektion kann es zur sogenannten „Lymphozytären Meningoradikulitis Bannwarth“ („Bannwarth-Syndrom“) kommen – hierbei handelt es sich um Entzündungsreaktionen im Bereich des zentralen (Gehirnhautentzündung) sowie peripheren Nervensystems (Lähmung des Gesichtsnervs – „Facialisparese“). Weiters kann es in diesem Stadium zu einer Herzmuskelentzündung („Myokarditis“) sowie zu Gelenksentzündungen („Arthritis“) kommen.
  • Stadium 3: Monate bis Jahre nach der Infektion können bei Fehlen einer entsprechenden Therapie Schädigungen der Haut (Hautatrophie), des zentralen Nervensystems („Enzephalomyelitis“ – „Neuroborreliose“), des peripheren Nervensystems („Polyneuropathie“) sowie chronische Gelenksentzündungen auftreten.

Für die Diagnose einer Zecken-Borreliose müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden, da es keine einzelne, garantiert zuverlässige Untersuchungsmethode gibt:

  • Anamnese (Zeckenstich in einem Endemiegebiet),
  • erkrankungstypische Symptome ( „Erythema migrans“, Gelenksentzündungen etc.),
  • Blutuntersuchungen:
    • Nachweis von Borrelienantikörpern (Typ IgM) im Frühstadium,
    • Nachweis von Borrelienantikörpern (Typ IgG) in späteren Stadien,
    • Borrelia-burgdorferi-Antikörper-Immunoblot (Bestätigungsverfahren),
    • negative Syphilis-Serologie (TPHA-Test und VDRL-Test müssen bei einer Borreliose negativ sein),
    • Borrelien-Bakterienkultur sowie Borrelien-DNA-PCR (Hautbiopsie, Gelenkpunktat, Blut, Liquor etc. als Untersuchungsmaterialien),
  • Liquoruntersuchungen – Laboranalysen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit zum Nachweis einer Neuroborreliose.

Zur Behandlung der Zecken-Borreliose kommen bestimmte Antibiotika zum Einsatz:

  • Doxycyclin bzw. Amoxicillin (Stadium 1),
  • Ceftriaxon (Stadium 2).

Da es zum Schutz vor einer Zecken-Borreliose keine Impfung gibt, sind zur Erkrankungsprophylaxe insbesondere die folgenden Maßnahmen zu beachten:

  • schützende Kleidung,
  • Untersuchung des Körpers nach Waldspaziergängen und Wanderungen,
  • möglichst rasche Entfernung der Zecke nach einem Stich,
  • Desinfektion der Einstichstelle.
Weitere Informationen zu Zecken und Borreliose finden Sie unter FSME/Borreliose.
Synonyme: Borrelien-Antikörper-Liquor-Serum-Index
LOINC: 47304-1

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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