Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

Borrelia-burgdorferi-AK-IgM-Immunoblot (BORMB)

Die Bestimmung von Borrelienantikörpern (Typ IgM) im Blut mittels Immunoblot ist ein weiterführendes Bestätigungsverfahren im Rahmen der Abklärung einer sogenannten „Zecken-Borreliose“. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Infektion mit Bakterien der Gruppe „Borrelia burgdorferi“, die durch Zecken übertragen werden.

Warum wird ein Borrelia-burgdorferi-AK-IgM-Immunoblot durchgeführt?

Die Bestimmung von Borrelienantikörpern (Typ IgM) im Blut ist ein wichtiges Laborverfahren zur Diagnose einer sogenannten „Zecken-Borreliose“.

Bei diesen Labortests handelt es sich um ein indirektes mikrobiologisches Nachweisverfahren, da nicht der Erkrankungserreger selbst, sondern vielmehr die immunologische Reaktion des Körpers auf den Krankheitserreger (sprich: die Borrelienbakterien) nachgewiesen wird.

Demzufolge werden im medizinischen Labor Borrelienantikörper im Blut (sogenannte „Serologie“ bzw. „serologische Diagnostik“) sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten gemessen. Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist.

Zur Bestimmung der Antikörper im Blut gibt es unterschiedliche Laborverfahren. Die am häufigsten eingesetzten Methoden zur Detektion von Borrelienantikörpern sind:

  • Suchtests für Borrelienantikörper – hier sind die folgenden Verfahren üblich:
    • indirekter Hämagglutinationstest,
    • indirekter Immunfluoreszenztest sowie
    • ELISA-Verfahren („Enzyme-linked Immunosorbent Assay“).
  • Bestätigungstest für Borrelienantikörper – dazu wird in erster Linie das folgende Laborverfahren eingesetzt:
    • Borrelia-burgdorferi-AK-Immunoblot-Test.

Neben Blut kommen für die Antikörperdiagnostik auch andere Untersuchungsmaterialien wie etwa Liquor (das ist die sogenannte Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) sowie Gelenkpunktate zum Einsatz.

Im Hinblick auf die Ergebnisse der Borrelien-Antikörper-Bestimmung gibt es im medizinischen Labor qualitative sowie semiquantitative Untersuchungsmethoden:

  • Qualitative Ergebnisse werden als „positive“ bzw. „negative“ Laborbefunde ausgegeben.
  • Semiquantitative Ergebnisse werden in Form von sogenannten Titerstufen angegeben.
    • Unter Titerstufen versteht man eine Verdünnungsreihe des Blutes. Dazu wird die Blutflüssigkeit (Serum) nach einem fixen Schema verdünnt (1:80, 1:160, 1:320, 1:640 etc.), und anschließend erfolgt die Messung der Antikörper gegen die Borrelienbakterien. Jene letzte Verdünnungsstufe, bei der ein positiver Nachweis noch möglich ist, entspricht dann der Konzentration der Antikörper gegen die Borrelienbakterien im Blut.

Wie ist das Ergebnis des Borrelia-burgdorferi-AK-IgM-Immunoblot zu interpretieren?

Die Borrelien-Serologie wird üblicherweise in zwei Stufen durchgeführt:

  • Stufe 1: Suchtests nach Borrelienantikörpern vom Typ IgG und IgM.
  • Stufe 2: Bestätigungsverfahren bei positiven bzw. unklaren Ergebnissen der Stufe-1-Tests mittels Borrelia-burgdorferi-Antikörper-Immunoblot-Verfahren.

Da Bakterien aus der Gruppe der Borrelien ebenso wie der Erreger der Syphilis (Treponema pallidum) zur Gruppe der sogenannten „Spirochäten“ (schrauben- bzw. spiralförmige Bakterien) gehören, kann es bei den Antikörpertests zu sogenannten Kreuzreaktionen kommen. Das bedeutet, dass die Borrelienantikörpertests auch im Rahmen einer Syphilis-Erkrankung positive Ergebnisse zeigen können.

Aus diesem Grund sind auf der einen Seite Bestätigungstests (wie z.B. der Immunoblot) wichtig. Auf der anderen Seite sollten sich bei einer Zecken-Borreliose negative Syphilis-Labortests (TPHA-Test, VRDL-Test) finden.

Positive bzw. unklare Ergebnisse der Suchtests sollten stets mit dem Immunoblotverfahren bestätigt werden.

Liefert das Immunoblotverfahren ein negatives Resultat, so kann der Suchtest als „falsch positiv“ betrachtet werden, und es dürften daher keine entsprechenden Borrelienantikörper im Blut der Patientin bzw. des Patienten vorhanden sein.

Positive Ergebnisse des Immunoblotverfahrens bedeuten, dass tatsächlich spezifische Antikörper gegen die Borrelienbakterien nachweisbar sind.

Generell ist die die Diagnose einer Zecken-Borreliose – insbesondere einer akuten Infektion – aber schwierig, denn auch negative Labortestergebnisse können diese Erkrankung nicht mit Sicherheit ausschließen. Darüber hinaus ist ein positiver Borrelien-Antikörper-Nachweis zumeist nicht für eine akute Infektion beweisend.

Aus diesem Grund müssen immer auch die folgenden, grundsätzlichen Untersuchungen für die Abklärung suspekter Beschwerden berücksichtigt werden:

  • Anamnese (Zeckenstich in einem Endemiegebiet),
  • erkrankungstypische Symptome (bestimmte Form eines Hautausschlages – sogenanntes „Erythema migrans“, Gelenksentzündungen etc.),
  • weiterführende Laborergebnisse (Bakterienkultur, PCR etc.).

Zecken-Borreliose (Lyme-Borreliose)

Die Zecken-Borreliose gehört neben der „Frühsommermeningoenzephalitis“ (FSME) und der „Humanen granulozytären Ehrlichiose“ (HGE) zu den

  • durch Zecken übertragenen Erkrankungen.

Krankheitserreger der Zecken-Borreliose sind Bakterien aus der Gruppe Borrelia burgdorferi der folgenden Spezies:

  • Borrelia burgdorferi sensu stricto („im engeren Sinn“),
  • Borrelia afzelii,
  • Borrelia garinii,
  • Borrelia spielmanii.

Generell gehören Borrelien-Bbakterien zur Gruppe der „Spirochäten“ – das sind schrauben- bzw. spiralförmige Bakterien, zu denen auch Bakterien der folgenden Gruppen zählen: Leptospiren und Treponemen (Erreger der Syphilis).

Die Zecken-Borreliose kommt vor allem in den USA, in Europa sowie in Australien vor und tritt jahreszeitlich gehäuft auf (Frühjahr bis Herbst). In den Endemiegebieten sind bis zu 35 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Die Erkrankungsrate beträgt in etwa ein Prozent nach Stich durch ein infiziertes Insekt.

Die Zecken-Borreliose ist eine in Stadien verlaufende Infektionskrankheit:

  • Stadium 1 (Frühstadium): Innerhalb von Tagen bis einigen Wochen nach dem Zeckenstich kommt es zu einem typischen Hautausschlag – dem sogenannten „Erythema migrans“. Dabei handelt es sich um eine anfänglich größer werdende entzündliche Hautrötung rund um die Einstichstelle. Daneben können auch unspezifische Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl sowie Lymphknoten-Schwellungen auftreten.
  • Stadium 2: Innerhalb von Wochen bis Monaten nach der Infektion kann es zur sogenannten „Lymphozytären Meningoradikulitis Bannwarth“ („Bannwarth-Syndrom“) kommen – hierbei handelt es sich um Entzündungsreaktionen im Bereich des zentralen (Gehirnhautentzündung) sowie peripheren Nervensystems (Lähmung des Gesichtsnervs – „Facialisparese“). Weiters kann es in diesem Stadium zu einer Herzmuskelentzündung („Myokarditis“) sowie zu Gelenksentzündungen („Arthritis“) kommen.
  • Stadium 3: Monate bis Jahre nach der Infektion können bei Fehlen einer entsprechenden Therapie Schädigungen der Haut (Hautatrophie), des zentralen Nervensystems („Enzephalomyelitis“ – „Neuroborreliose“), des peripheren Nervensystems („Polyneuropathie“) sowie chronische Gelenksentzündungen auftreten.

Für die Diagnose einer Zecken-Borreliose müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden, da es keine einzelne, garantiert zuverlässige Untersuchungsmethode gibt:

  • Anamnese (Zeckenstich in einem Endemiegebiet),
  • erkrankungstypische Symptome ( „Erythema migrans“, Gelenksentzündungen etc.),
  • Blutuntersuchungen:
    • Nachweis von Borrelienantikörpern (Typ IgM) im Frühstadium,
    • Nachweis von Borrelienantikörpern (Typ IgG) in späteren Stadien,
    • Borrelia-burgdorferi-Antikörper-Immunoblot (Bestätigungsverfahren),
    • negative Syphilis-Serologie (TPHA-Test und VDRL-Test müssen bei einer Borreliose negativ sein),
    • Borrelien-Bakterienkultur sowie Borrelien-DNA-PCR (Hautbiopsie, Gelenkpunktat, Blut, Liquor etc. als Untersuchungsmaterialien),
  • Liquoruntersuchungen – Laboranalysen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit zum Nachweis einer Neuroborreliose.

Zur Behandlung der Zecken-Borreliose kommen bestimmte Antibiotika zum Einsatz:

  • Doxycyclin bzw. Amoxicillin (Stadium 1),
  • Ceftriaxon (Stadium 2).

Da es zum Schutz vor einer Zecken-Borreliose keine Impfung gibt, sind zur Erkrankungsprophylaxe insbesondere die folgenden Maßnahmen zu beachten:

  • schützende Kleidung,
  • Untersuchung des Körpers nach Waldspaziergängen und Wanderungen,
  • möglichst rasche Entfernung der Zecke nach einem Stich,
  • Desinfektion der Einstichstelle.
Weitere Informationen zu Zecken und Borreliose finden Sie unter FSME/Borreliose.

Synonyme: Borrelia-burgdorferi-Antikörper-IgM-Immunoblot
LOINC: 13503-8

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse