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Prolaktin (PRL)

Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Zu den wichtigsten Funktionen von Prolaktin gehört die Förderung der Muttermilchbildung. Die Messung von Prolaktin im Blut ist auch im Rahmen der Fruchtbarkeitsdiagnostik erforderlich.

Warum wird Prolaktin im Blut bestimmt?

Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und gehört neben den Hormonen FSH (Follikel-stimulierendes-Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) ebenfalls zur Gruppe der Gonadotropine (auf die Geschlechtsdrüsen einwirkend).

Seine wichtigsten Funktionen entfaltet Prolaktin im weiblichen Organismus. Bei Mädchen und Frauen fördert Prolaktin

  • das Wachstum der Brustdrüsen sowie
  • die Produktion und Sekretion der Muttermilch,
  • darüber hinaus hemmt Prolaktin bei der Frau den Menstruationszyklus im Verlauf der Stillperiode.

Die Funktionen von Prolaktin beim Mann sind von untergeordneter Bedeutung. Dem Hormon wird nachgesagt, dass es beim Mann für den Ermattungszustand nach dem Orgasmus verantwortlich zu sein scheint.

Neben den normalerweise hohen Prolaktinwerten im Blut im Verlauf von Schwangerschaft und Stillperiode bei Frauen, unterliegen die Prolaktinbildung und -sekretion auch starken tageszeitlichen Schwankungen. Insbesondere in der Nacht finden sich erhöhte Prolaktinwerte im Blut.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Faktoren, die zu einer gesteigerten Prolaktinbildung und dadurch in weiterer Folge zu erhöhten Blutwerten führen können. Zu diesen Faktoren zählen:

  • der Akt des Stillens,
  • Geschlechtsverkehr,
  • körperliche und psychische Belastungen (Stress) u.v.m.

Weiters gibt es auch körpereigene Stoffe, welche die Prolaktinbildung regulieren. So besitzt auf der einen Seite der Neurotransmitter Dopamin hemmende Effekte auf die Prolaktinbildung. Auf der anderen Seite führt das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) neben seiner indirekten Wirkung auf die Steigerung der Schilddrüsenhormonproduktion auch zu einer Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut.
Die Bestimmung von Prolaktin im Blut ist bei folgenden medizinischen Fragestellungen erforderlich:

  • Bei Frauen:
    • unerfüllter Kinderwunsch,
    • Verdacht auf gestörte Funktion der Eierstöcke,
    • Virilisierung (Vermännlichung),
    • frühzeitige Pubertät,
    • abnorme Milchsekretion außerhalb der Stillperiode (sogenannte Galaktorrhö).
  • Bei Männern:
    • Verdacht auf eine gestörte Hodenfunktion (sogenannter „Hypogonadismus“).

Hinweis Die Referenzbereiche für Prolaktin hängen bei der Frau vom Alter und von der Zyklusphase ab. Aus diesem Grund muss insbesondere die Zyklusphase bekannt sein.

Was bedeuten erhöhte bzw. erniedrigte Prolaktinwerte?

Für eine Erhöhung von Prolaktin im Blut kommen folgende Ursachen infrage:

  • Prolaktin-bildender Tumor (sogenanntes Prolaktinom),
  • Mangel an hemmenden Faktoren wie Dopamin (z.B. im Rahmen anderer hypophysärer Tumore),
  • Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Dopaminhemmer wie Metoclopramid),
  • Schilddrüsenunterfunktion (diese führt zu einer gesteigerten Bildung von TRH),
  • Stress, seelische und physische Belastungen u.v.m.

Für eine Erniedrigung von Prolaktin im Blut kommen beispielsweise die folgenden Ursachen infrage:

  • Erkrankungen oder Funktionsstörungen der Hirnanhangsdrüse: Verletzungen (z.B. Gehirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma), Tumore, Operationen,
  • medikamentöse Behandlung mit Prolaktin-senkenden Stoffen (z.B. Dopaminagonisten).

Zur weiteren Abklärung einer gestörten Prolaktin-Bildung können bestimmte Funktionstests durchgeführt werden:

  • Metoclopramid-Test:
    • Metoclopramid ist ein Dopaminhemmer. Da Dopamin die Bildung und Freisetzung von Prolaktin fördert, sollte die Verabreichung von Metoclopramid zu einer Absenkung der Prolaktinwerte im Blut führen. Diese Absenkung bzw. deren Ausbleiben kann im Rahmen dieses Tests festgestellt werden.
  • TRH-Test:
    • TRH führt normalerweise zu einer Steigerung der Prolaktin-Werte im Blut.
      Diese Steigerung, eine überschießende Steigerung bzw. das Fehlen einer solchen Steigerung wird im Rahmen dieses Tests festgestellt und erlaubt Rückschlüsse auf Art und Ursache der zugrunde liegenden Störung.

Fertilitätsdiagnostik

Für die Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches leistet die Labordiagnostik wertvolle Dienste. Vor einer entsprechenden Blutuntersuchung ist aber zuerst ein ausführliches ärztliches Gespräch mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt erforderlich, im Rahmen dessen das diagnostische Prozedere geplant wird (Anamnese).

Bei der Anamnese können bereits wertvolle Informationen gewonnen werden, die in weiterer Folge die Abklärung beschleunigen. Darüber hinaus ist für die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt die Frage wichtig, um welche Form des unerfüllten Kinderwunschs es sich handelt:

  • primäre Sterilität: keine erste Schwangerschaft innerhalb eines Jahres trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
  • sekundäre Sterilität: keine weitere Schwangerschaft nach vorangegangener Schwangerschaft trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
  • Infertilität: nach der Empfängnis wird die Frucht nicht ausgetragen.

Es gibt unzählige Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch – z.B.:

  • anatomische Ursachen (z.B. angeborene oder erworbene Verschlüsse der Eileiter),
  • Infektionserkrankungen (Chlamydien, Herpes u.v.m.),
  • urologische Erkrankungen (z.B. Hodenhochstand),
  • angeborene Störungen (z.B. Turner-Syndrom, Klinefelter-Syndrom),
  • Autoimmunerkrankungen (Antikörper gegen Spermien),
  • hormonelle Störungen u.v.m.

Bevor eine Behandlung des unerfüllten Kinderwunsches in Erwägung gezogen werden kann, muss eine genaue Abklärung der Ursachen erfolgen. Hier gibt es je nach Geschlecht unterschiedliche Diagnosestrategien:

  • bei Frauen:
    • Anamnese
    • Basaltemperaturmessungen
    • gynäkologische/urologische Untersuchungen
    • Infektionsdiagnostik (Chlamydien, Herpes, andere infektiöse Geschlechtskrankheiten)
    • Hormondiagnostik (Blutspiegelmessung der Schilddrüsen-, Hypophysen-, Keimdrüsen-, Nebennierenrindenhormone etc.)
    • hormonelle Funktionstests
    • genetische Diagnostik
  • bei Männern:
    • Anamnese
    • urologische Untersuchung
    • Spermiogramm (physikalisch-chemische, mikroskopisch-morphologische sowie funktionelle Untersuchung des Spermas)
    • Infektionsdiagnostik (Chlamydien, Herpes, andere infektiöse Geschlechtskrankheiten)
    • Hormondiagnostik (Blutspiegelmessung der Schilddrüsen-, Hypophysen- und Keimdrüsenhormone)
    • hormonelle Funktionstests
    • genetische Diagnostik

Je nach Ursache des unerfüllten Kinderwunsches kann eine entsprechende Behandlung erfolgen:

Alters- und zyklusabhängige Referenzwerte für Mädchen und Frauen

  • Frauen* 1. Zyklushälfte: <15 ng/ml
  • Frauen* 2. Zyklushälfte: <20 ng/ml
  • Mädchen** vor der Pubertät: <30 ng/ml
  • Mädchen bis 18 Jahre: <40 ng/ml
  • Frauen nach der Menopause: <15 ng/ml

*Während der Schwangerschaft und Stillperiode kommt es zu einer natürlichen Erhöhung von Prolaktin im Blut.

**Bei weiblichen Kleinkindern können natürlicherweise hohe Prolaktinwerte im Blut vorkommen.

LOINC: 20568-2

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) <15 ng/ml <15 ng/ml alters- und zyklusabhängige Referenzwerte* alters- und zyklusabhängige Referenzwerte*

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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