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TPMT-Genanalyse

Bei der TPMT-Genotypisierung handelt es sich um eine medizinische Laboruntersuchung aus dem Bereich der sogenannten Pharmakogenetik. Dabei erfolgt die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Erbfaktoren (genetischen Variationen) und der Wirksamkeit bzw. Toxizität bestimmter Arzneimittel, was auch personalisierte oder individualisierte Medizin genannt wird. Im Fall der TPMT-Genotypisierung werden gezielt Erbmerkmale untersucht, die einen Einfluss auf eine Behandlung mit Thiopurinen (z.B. Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Thioguanin) haben können, wobei im Falle bestimmter genetischer Variationen diese Medikamente übermäßig stark wirksam sein können.

Warum wird eine TPMT-Genotypisierung durchgeführt?

Bei der TPMT-Genotypisierung handelt es sich um eine medizinische Laboruntersuchung aus dem Bereich der sogenannten Pharmakogenetik. Dabei erfolgt die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Erbfaktoren (genetischen Variationen) und der Wirksamkeit bzw. Toxizität bestimmter Arzneimittel. Im Fall der TPMT-Genotypisierung werden gezielt Erbmerkmale untersucht, die einen Einfluss auf eine Behandlung mit Arzneimitteln aus der Medikamentengruppe der Thiopurine haben können.

Zu den Thiopurinen gehören Medikamente wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Thioguanin. Diese Arzneimittel werden zur Behandlung von bösartigen Tumorerkrankungen (Chemotherapie bei Krebs) sowie zur Unterdrückung des Immunsystems im Rahmen der Behandlung von Autoimmunerkrankungen bzw. der Transplantationsmedizin therapeutisch eingesetzt.

Im Hinblick auf den Stoffwechsel von Thiopurinen im Körper spielt das folgende Enzym eine wichtige Rolle hinsichtlich des Abbaus dieser Medikamente:

  • Thiopurin-Methyltransferase (TPMT).

Dabei können bestimmte genetische TPMT-Variationen zu einem veränderten Stoffwechsel medikamentös verabreichter Thiopurine führen:

  • Bei Personen mit vermindertem Thiopurin-Stoffwechsel (sogenannte „schlechte Metabolisierer“) kann es dazu kommen, dass Thiopurine übermäßig stark bis toxisch wirksam sein können, weil die entsprechenden Medikamente bloß verzögert abgebaut werden und sich dadurch im Körper anreichern können. In diesen Fällen ist eine Verminderung der individuellen Thiopurin-Dosierung durch die behandelnde Ärztin bzw. den behandelnden Arzt in Erwägung zu ziehen.

Die Anpassung einer medikamentösen Arzneimitteltherapie an den Stoffwechsel einer einzelnen Person wird als personalisierte oder individualisierte Medizin bezeichnet, wobei in diesem Zusammenhang auch bestimmte Erbmerkmale berücksichtigt werden. Aus diesem Grund ist die TPMT-Genotypisierung im Vorfeld einer geplanten Therapie mit einem Thiopurin im Hinblick auf potenziell toxische Nebenwirkungen eines Arzneimittels aus dieser Medikamentengruppe eine wichtige diagnostische Maßnahme.

Bei der TPMT-Genotypisierung handelt es sich um ein labormedizinisches Spezialverfahren zur Analyse bestimmter Genvariationen (sogenannte Allele) in diesem Enzymsystem. Für diese genetische Untersuchung ist nur eine einfache Blutabnahme notwendig. Im medizinischen Labor wird dabei aus dem Blut die Erbsubstanz (sogenannte Desoxyribonukleinsäure – DNA) extrahiert, mit dem Laborverfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR – Polymerase Chain Reaction) die entsprechende Genregion vervielfacht (amplifiziert) und im Falle eines positiven Nachweises die gesuchte Genvariante identifiziert bzw. quantifiziert.

Neben dem PCR-Verfahren gibt es auch noch die Möglichkeit, die genaue Abfolge des genetischen Codes bei der Patientin/dem Patienten zu entschlüsseln. Dieses Untersuchungsverfahren wird DNA-Sequenzierung genannt. Da diese Labormethode aber aufwendiger als das PCR-Verfahren ist, erfolgt eine DNA-Sequenzierung im Rahmen der TPMT-Genotypisierung vor allem im Zusammenhang mit speziellen diagnostischen bzw. wissenschaftlichen Fragestellungen.

Wie ist das Untersuchungsergebnis der TPMT-Genotypisierung zu interpretieren?

Genetische Variationen des TPMT-Enzymsystems können zu einem veränderten Stoffwechsel von medikamentös verabreichten Arzneimitteln aus der Medikamentengruppe der Thiopurine (z.B. Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Thioguanin) führen:

  • Bei Personen mit vermindertem Thiopurin-Stoffwechsel (sogenannte „schlechte Metabolisierer“) kann es dazu kommen, dass Thiopurine übermäßig stark bis toxisch wirksam sein können, weil die entsprechenden Medikamente bloß verzögert abgebaut werden und sich dadurch im Körper anreichern können.

Personen mit reinerbigem (homozygotem) TPMT*1-Genotyp (sogenannter genetischer „Wildtyp“) stellen mit rund 89 Prozent die häufigste Konstellation hinsichtlich des TPMT-Erbgutes dar, wobei in diesen Fällen keine Hinweise auf eine Verminderung TPMT-Enzymaktivität anzunehmen sind.

Die häufigsten TPMT-Genvariationen (in diesem Zusammenhang auch Mutationen genannt) sind TPMT*2, TPMT*3A sowie TPMT*3C. Mischerbige (heterozygote) Träger dieser Mutationen kommen in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von rund elf Prozent vor. Die Häufigkeit von reinerbigen Mutationsträgern wird in der Bevölkerung mit unter 0,5 Prozent der Fälle angenommen. Insgesamt haben diese Personen ein erhöhtes Risiko für toxische Nebenwirkungen im Rahmen einer Thiopurin-Therapie, und in diesen Fällen ist eine Verminderung der individuellen Arzneimitteldosierung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt in Erwägung zu ziehen.

Synonyme: TPMT-Genotypisierung (TPMT), TPMT-Mutationsanalyse
LOINC: 36922-3/TPMT gene Mut Anal Bld/T

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre


Im Rahmen der TPMT-Genotypisierung erfolgt die Untersuchung bestimmter genetischer Merkmale. Bei solchen Laboranalysen gibt es daher keinen Referenzwert, genauso wie es beispielsweise auch für die Haarfarbe keinen Referenzwert gibt. Denn auch die Haarfarbe ist ein genetisches Merkmal.

Hinweis Bei der TPMT-Genotypisierung handelt es sich um eine Laboruntersuchung, für welche die Bestimmungen des Österreichischen Gentechnikgesetzes (GTG) maßgeblich sind (Feststellung einer bestehenden Erkrankung nach §65 GTG).

Demzufolge darf diese Analyse vom medizinischen Labor erst nach Vorliegen einer schriftlichen Bestätigung der zu untersuchenden Person, der/des Erziehungsberechtigten (bei nicht entscheidungsfähigen minderjährigen Personen) oder der gesetzlichen Vertreterin/des gesetzlichen Vertreters (bei nicht entscheidungsfähigen volljährigen Personen) über die umfassende Aufklärung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt hinsichtlich dieser genetischen Untersuchung durchgeführt werden (§69 GTG).

Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich das Recht, die Durchführung genetischer Untersuchungen an ihrer Person zu untersagen.

Weitere Informationen zum Erwachsenenschutzrecht (ehem. Sachwalterschaft).

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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